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Anschläge

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Unser Hilfswerk unterstützt die katholische Kirche auf Sri Lanka, um den Opfern der Terroranschläge vom Ostersonntag beizustehen. Islamistische Selbstmordattentäter hatten im April dieses Jahres in drei christlichen Kirchen und drei Hotels fast 300 Menschen in den Tod gerissen und mehr als 500 Personen verwundet. Allein in der Kirche von Negombo kamen über 150 Menschen ums Leben.

 

Die Anwältin und Autorin Ewelina Ochab ergriff im September 2017 nach einer von KIRCHE IN NOT veranstalteten internationalen Konferenz in Rom die Initiative, um die Aufmerksamkeit der internationalen Gemeinschaft auf Verletzungen der Religionsfreiheit zu lenken.

Gedenkstätte für die Anschlagsopfer in Negombo.
Eine große Welle der Solidarität im Land und der sri-lankischen Diaspora im Ausland sowie Soforthilfen von Teilen der Regierung haben es ermöglicht, die beiden durch den Anschlag zerstörten katholischen Kirchen im Erzbistum Colombo rasch wiederherzustellen.

 

Viele Familien stehen vor dem Nichts

Den betroffenen Familien wurde sofort mit medizinischer und materieller Unterstützung geholfen. Viele haben nicht nur einen Angehörigen verloren, sondern auch den Alleinverdiener der Familie. So stehen sie materiell vor dem Nichts.

Nun macht sich die katholische Kirche Sri Lankas daran, langfristige Hilfen für den Heilungsprozess und die psychosoziale Betreuung der Überlebenden und ihrer Familien nach dem Trauma bereitzustellen. KIRCHE IN NOT finanziert dieses Projekt.

Plakate vor der Kirche St. Sebastian in Negombo erinnern an die Opfer der Bombenanschläge.
Viele Menschen haben die Anschläge unmittelbar erlebt und sind schwer traumatisiert. Einige haben alle Familienmitglieder verloren, andere kümmern sich noch um zum Teil schwer verletzte Verwandte.

 

Besondere Therapie-Programme für Kinder

Für ihre Betreuung hat das Erzbistum Colombo ein Team aus 40 zertifizierten Trauma-Therapeuten aufgestellt. Sie betreuen trauernde, verwundete und andere schwer traumatisierte Menschen psychologisch. Geplant sind darüber hinaus spezielle Therapieprogramme für Kinder, Familien und alleinstehende Menschen. Mehr als 2000 Menschen sollen davon profitieren.

Ein großer Teil der von KIRCHE IN NOT bereitgestellten Förderung geht in die Ausbildung von 300 Beratern und Sozialhelfern – auch in der Jugendarbeit –, damit sie traumatisierte Menschen erkennen und ihnen zielgerichtet beistehen können.

„Die Waffen der Terrormilizen werden nicht in Afrika produziert. Sie haben mehr Ausrüstung als das staatliche Militär. Sie könnten nichts ausrichten, wenn sie nicht vom Ausland unterstützt würden.“

 

Dies stellte Bischof Laurent Birfuoré Diabiré aus Dori in Burkina Faso gegenüber KIRCHE IN NOT fest. In dem westafrikanischen Land nehmen terroristische Übergriffe rapide zu. Ins Visier gerät immer mehr auch die christliche Minderheit des Landes, die rund ein Viertel der Bevölkerung ausmacht.

Trauer und Entsetzen bei der Beisetzung der Opfer eines Anschlags auf eine Kirche am 12. Mai in Burkina Faso.
Ende Juni sei es im Nachbarbistum Ouahigouya zu einem weiteren Überfall gekommen, berichtete Diabiré. Schauplatz war eine christliche Versammlung im Dorf Bani. „Die Fundamentalisten sind gekommen und haben den Teilnehmern befohlen, sich auf den Boden zu legen“, so der Bischof.

 

„Alle wurden durchsucht. Vier Bewohner trugen Kreuze. Sie wurden getötet, weil sie Christen waren.“ Nach der Exekution hätten die Terroristen auch die übrigen Bewohner bedroht: Wer nicht zum Islam konvertiere, würde das gleiche Schicksal erleiden.

Bereits fünf Attacken auf Christen in diesem Jahr: 20 Tote

Dies war bereits die fünfte Attacke gegen Christen in diesem Jahr; dabei verloren mindestens 20 Menschen ihr Leben – unter ihnen auch zwei katholische und ein protestantischer Geistlicher. Auch in seinem Bistum Dori sei am 17. März der Priester Joël Yougbaré entführt worden, so Diabiré. Seitdem gebe es kein Lebenszeichen mehr von ihm.

Bischof Laurent Dabiré aus Dori (Burkina Faso).
Die Gewaltwelle in Burkina Faso dauere bereits seit 2015 an, erklärte der Bischof: „Früher kam es ausschließlich an den Grenzen zu Mali und Niger zu Übergriffen. Allmählich dringen die Terroristen immer mehr ins Land vor.“ Neben Militär, Behörden und Zivilbevölkerung richte sich nun ihr Fokus immer mehr auf Gottesdienste und christliche Einrichtungen.

 

Terroristen immer mehr ins Land vor

„Ich habe den Eindruck, dass sie einen Konflikt zwischen den Religionen auslösen wollen“, sagte der Bischof. Denn in Burkina Faso funktionierte bislang das Zusammenleben der Religionen reibungsfrei – auf allen Ebenen. So sind in zahlreichen Familien einige Mitglieder Christen, andere Muslime.

Christen aus der Gemeinde Dablo/Burkina Faso bei einer Prozession.
Burkina Faso liegt auf dem Entwicklungsindex der Vereinten Nationen auf Platz 183 von 189 und gilt damit als eines der ärmsten Länder der Welt. Es sei auch die grassierende Not im Land, die gerade die jungen Menschen in die Fänge der Extremisten treibe, glaubt Bischof Diabiré.

 

Burkina Faso ist eines der ärmsten Länder der Welt

„Am Anfang dachte man, dass die Extremisten alle Ausländer wären. Aber mittlerweile wird klar, dass einige von ihnen aus Burkina Faso kommen“, so der 53-Jährige. Ein Teil der Extremisten hätte jedoch noch eine weitere Motivation: „Sie betrachten diese terroristische Bewegung einfach als Ausdruck ihres Glaubens.“

- Bischof Laurent Dabiré aus Dori (Burkina Faso)
Die Angst in den christlichen Gemeinden nehme derweil weiter zu, so Diabiré. Er habe bereits zwei Pfarreien schließen müssen, um Priester und Ordensleute zu schützen. Manche Gebiete seien zu gefährlich, um Menschen von außerhalb dorthin zu entsenden.

 

Angst in den christlichen Gemeinden nimmt zu

Angesichts des Leids sei es sehr schmerzlich, dass niemand die christlichen Gemeinden beschütze – und der Terror ausländische Unterstützer habe, erklärte der Bischof. „Deshalb möchte ich mich an die internationale Gemeinschaft wenden: Wer die Macht hat, etwas zu tun, möge diese Gewaltwelle beenden!“

Am Ostersonntag rissen Bombenanschläge auf Kirchen und Hotels in Sri Lanka mindestens 250 Menschen in den Tod, rund 500 wurden verletzt. Gleichzeitig haben die Anschläge, die auf das Konto einer islamistischen Splittergruppe gehen, eine Welle der Solidarität ausgelöst.

 

Die katholische Kirche hat haupt- und ehrenamtliche Helfer losgeschickt, um den traumatisierten Menschen zu helfen. Einer von ihnen ist Prasad Harshan aus dem Bistum Colombo.

Mit seinem „Faith Animation Team“ besucht er Überlebende und Hinterbliebene, koordiniert Hilfen und leistet geistlichen Beistand. Bei einem Sri-Lanka-Besuch sprach Stephan Baier (Zeitung „Die Tagespost“) mit dem Priester.

Gedenkstätte für die Opfer der Anschläge in Negombo.
STEPHAN BAIER: Die Terroranschläge haben die Menschen nicht nur physisch und psychisch, sondern auch in ihrem Glauben verwundet. Wie steht ihnen die Kirche bei?
PRASAD HARSHAN: 
Unser Erzbischof Malcolm Kardinal Ranjith wollte Missionare auf der Straße, um den Menschen zuzuhören und ihnen beizustehen. Damit haben wir schon vor drei Jahren begonnen. Das wurde jetzt nach dieser Tragödie zum Segen.

 

Wir sind zurzeit fünf Priester, die mit den Betroffenen der Terroranschläge arbeiten. Vor allem sind wir in Negombo tätig, wo 115 Menschen einer einzigen Pfarrei ermordet und mehr als 280 verletzt wurden. c In 30 Jahren Bürgerkrieg hatten wir nie solche Bombenattacken in Kirchen.

- Prasad Harshan, Priester aus Sri Lanka
Bringt das Glaubenszweifel und Distanz zur Kirche?
Zunächst waren die Menschen geschockt und fragten sich: Wie konnte Gott das zulassen? Wir Priester beschlossen, mit den Menschen auszuharren, auch wenn wir keine Antworten geben konnten. Wir wollten ihnen zeigen, dass Gott bei ihnen ist und bleibt.

 

Nach dem Schock kam die Wut. Insbesondere als die Menschen erfuhren, dass die Regierung vor den Anschlägen warnende Informationen erhalten hatte. Da spielten die Appelle von Kardinal Ranjith eine große Rolle. Er rief die Menschen auf, sich nicht von Emotionen, sondern vom Glauben leiten zu lassen.

Prasad Harshan, Priester aus Sri Lanka. Er kümmert sich um die Hinterbliebenen der Opfer der Anschläge vom Ostersonntag 2019 auf Sri Lanka.
Viele Katholiken auf Sri Lanka sagten mir, sie seien nach den Terroranschlägen stärker und gläubiger als zuvor.
Über Nacht war das ganze Land getauft. Es gibt ja die Taufe mit Wasser und jene mit Blut. Plötzlich wurde unserem ganzen Land die Anwesenheit der Katholiken und die besondere Art ihres Glaubens bewusst.

 

Früher sahen sich etwa 4000 Menschen die Videobotschaften des Kardinals an, jetzt sind es hunderttausende. Sie wollen hören, was er sagt. Wir hatten ein wahres Osterfest. Aber es begann mit den zerfetzten Leibern, mit dem Blut der Märtyrer.

„Terroristen wollen die ganze Welt involvieren“

Die islamistischen Attentäter haben bewusst christliche Kirchen attackiert. Dabei sind rund 70 Prozent der Einwohner Sri Lankas Buddhisten …
Es hat wohl damit zu tun, dass die katholische Kirche zwar hier im Land eine Minderheit darstellt, aber die größte religiöse Gemeinschaft in der Welt ist. Die Terroristen wollen die ganze Welt involvieren.

Albert Malcolm Kardinal Ranjith, Erzbischof von Colombo, tröstet einen Mann, der einen Angehörigen bei den Anschlägen verloren hat (Foto: Roshan Pradeep & T Sunil).
Wie haben die Attentate die Beziehung zwischen Buddhisten und Katholiken beeinflusst?
Die Buddhisten begannen untereinander darüber zu sprechen, wie bewundernswert die Katholiken seien: Warum üben sie keine Rache? Die besondere Struktur der katholischen Kirche kam uns da sehr zugute.

 

Der Kardinal hat dazu aufgerufen, keine Gewalt zu üben, die Priester haben das aufgegriffen und die Gläubigen ebenso. Jetzt bewundern auch buddhistische Mönche uns Katholiken und begegnen uns mit viel Sympathie und Respekt.

„Es muss ein Reinigungsprozess in Gang kommen“

Wie reagierten die Spitzen der islamischen Glaubensgemeinschaft in Sri Lanka auf den Terror aus ihren Reihen?
Die muslimischen Autoritäten haben erkannt, dass es ihr Fehler war, zu den Aktivitäten terroristischer Gruppen in ihren Gemeinden zu schweigen. Nicht alle Muslime sind Terroristen, aber alle Attentäter vom Ostersonntag waren Muslime. Es muss ein Reinigungsprozess in Gang kommen. Als die Untersuchungen begannen, wurden Waffen in den Moscheen gefunden. Das war schockierend für uns.

Schutz durch das Militär unmittelbar nach den Anschlägen (Foto: Roshan Pradeep & T Sunil).
Wie wurde die internationale Solidarität mit den Opfern auf Sri Lanka spürbar?
Hilfsorganisationen wie KIRCHE IN NOT haben uns hier sehr viel geholfen. Wir sind im Land eine Minderheit, aber wir wissen, dass wir einer größeren Familie angehören. Menschen, die nie in Sri Lanka waren, beten und spenden für uns.

 

So wurde die katholische Kirche zu einem Segen für alle Menschen Sri Lankas. Indem die Menschen auf die katholische Kirche blicken, hat eine innere Umkehr begonnen. Sie beginnen zu verstehen, was es bedeutet, als Christ zu leben.

„KIRCHE IN NOT war die erste Organisation, die nach dem Bombenanschlag vor Ort war, und wir haben zugesagt, zu helfen.“

 

Dies erklärt der Direktor des philippinischen Büros von KIRCHE IN NOT, Jonathan Luciano, anlässlich der Mitte Juli erfolgten Wiederöffnung der Kathedrale in Jolo auf der gleichnamigen Insel im Süden der Philippinen.

Besonders die Decke, das Dach und die Fenster wurden bei dem Anschlag beschädigt.
In der Kathedrale „Unsere Liebe Frau vom Berg Karmel“ auf Jolo waren am 27. Januar 2019 zwei Bomben explodiert: eine während der Sonntagsmesse, eine weitere wenig später auf dem Parkplatz vor der Kirche.

20 Menschen verloren ihr Leben, über 100 Personen wurden verletzt. Auch das Kirchengebäude wurde schwer beschädigt. Die islamistische Terrororganisation Abu Sajaf hatte sich zu dem Anschlag bekannt.

 

Sicherheitslage weiterhin angespannt

Ein halbes Jahr später wurde die schwer beschädigte Kathedrale wieder eingeweiht – auch wenn die Sicherheitslage nach wie vor sehr angespannt ist.

„Polizei und Militär hatten den ganzen Stadtbezirk abgeriegelt, in dem sich die Kathedrale befindet. Doch das Gotteshaus selbst war voll. Besonders bewegend war, die Familien der Getöteten und die Überlebenden der Explosionen dort zu sehen“, so Jonathan Luciano.

Reparierte Decke und Fenster in der Kathedrale von Jolo.
Die Feier leiteten der Apostolische Nuntius auf den Philippinen, Erzbischof Gabriele Caccia, sowie Orlando Kardinal Quevedo, emeritierter Erzbischof von Cotabato.

„Der Nuntius versicherte den Menschen, dass die christliche Gemeinschaft bei ihnen ist: Sie werden nicht vergessen oder vernachlässigt“, berichtete Luciano. „Das zeige sich durch die finanzielle Hilfe und die Solidarität im Gebet auf der ganzen Welt.“

 

Solidarität im weltweiten Gebet

KIRCHE IN NOT unterstützt neben anderen Organisationen den Wiederaufbau maßgeblich und trägt zur Finanzierung des Kirchendachs und der -decke bei. Doch es gehe nicht nur um den Aufbau der Gebäude, betonte Luciano.

„Wir waren zwei Wochen nach dem Anschlag vor Ort. Mit anderen Organisationen und den kirchlichen Mitarbeitern waren wir uns einig, wie wir auf die Krise reagieren sollten: zuerst die christliche Gemeinschaft und dann die eigentliche Kirche wiederaufbauen.“

Jonathan Luciano, der Direktor des philippinischen Büros von KIRCHE IN NOT, hat die Kathedrale von Jolo kurz nach dem Anschlag besucht.
Deshalb stehen auch Rehabilitierungsprogramme für Betroffene der Anschläge und deren Familien sowie interreligiöse Initiativen auf der Förderliste von KIRCHE IN NOT. Ein Beispiel ist die benachbarte Hauptinsel Marawi, wo es im Jahr 2017 zu schweren islamistischen Übergriffen kam.

 

Süden der Philippinen mehrheitlich muslimisch geprägt

Anders als der überwiegende Teil das Landes ist der Süden der Philippinen mehrheitlich muslimisch geprägt. Muslimische Milizen kämpfen seit Jahrzehnten für eine Autonomie. Diese wurde nach jahrzehntelangem Ringen weitgehend erreicht, indem die Regierung in Manila eine weitgehend autonome Region Bangsamoro ermöglichte.

Die in der Folge durchgeführte Volksabstimmung Ende Januar 2019 fand weitgehend Zustimmung – bis auf Jolo, das als Heimat der Terroreinheit Abu Sajaf gilt. Die Anschläge auf die Kathedrale wurden als Reaktion auf die Abstimmung gesehen.

- Jonathan Luciano, Direktor des philippinischen Büros von KIRCHE IN NOT
Dennoch stand die feierliche Wiedereröffnung ganz unter dem Zeichen der Versöhnung, berichtete Luciano. So habe der muslimische Gouverneur von Jolo am Ende der Messe ein Grußwort gesprochen und betont, dass nach der Wiedereröffnung der zerstörten Kirche auch der Dialog zwischen Christen und Muslimen wiederaufgenommen werden könne.

 

Zeichen der Versöhnung

Auch der Direktor des philippinischen Büros von KIRCHE IN NOT warnt davor, dass sich die Zahl radikaler Muslime weiter erhöhen könnte, wenn die Kirche den Dialog nicht weiterführe.

Er betont: „Wir müssen die Beziehungen zwischen Christen und Muslimen stärken. Wir können harmonisch zusammenleben. Das ist eine wichtige Botschaft für unsere Wohltäter. Ich hoffe, dass die Ereignisse von Jolo sie bewegen, verfolgten Christen auf den Philippinen zu helfen.“

KIRCHE IN NOT Deutschland gibt ein Gebet für Sri Lanka heraus. Es richtet sich an die Gottesmutter Maria, „Königin und Patronin von Sri Lanka“, und bittet um Frieden für das südasiatische Land und „die ganze Menschheitsfamilie“.

Der Text wurde dem Hilfswerk von Pater Malaka Leonard Fernando übermittelt. Er leitet die Vizeprovinz des Dritten Ordens der Franziskaner „Unsere Liebe Frau von Lanka“.

Sein Kloster ist nur wenige hundert Meter von der Kirche Sankt Sebastian in Negombo-Katuwapitiya entfernt, einem der Schauplätze der Bombenattentate vom Ostersonntag.

Plakate vor der Kirche St. Sebastian in Negombo erinnern an die Opfer der Bombenanschläge.
Bei zeitgleichen Anschlägen auf zwei weitere Kirchen und drei Hotels wurden nach Polizeiangaben mindestens 250 Menschen getötet und rund 500 verletzt. Die Regierung Sri Lankas macht eine lokale islamistische Gruppe für die Anschläge verantwortlich.

 

War es der „Islamische Staat“?

Auch der „Islamische Staat“ hat die Taten für sich reklamiert. Aufsehen erregte, dass die Anschlagspläne den Geheimdiensten möglicherweise bekannt waren. Ermittlungen laufen, ob es dort Hintermänner der Islamisten geben könnte.

„Mit den Bombenanschlägen wurden unsere Hoffnungen auf einen dauerhaften inneren Frieden in Sri Lanka zunichtegemacht“, teilte Pater Fernando KIRCHE IN NOT mit. Das Land war bis 1999 Schauplatz eines Bürgerkriegs. In den vergangenen Jahren schien die Lage stabil.

Titelbild des Gebetsblattes „Gebet für Sri Lanka“.
Dennoch brachten Kirchenvertreter trotz der Taten ihre Entschlossenheit zum Ausdruck, sich für die Einheit des Landes einzusetzen. „Lassen Sie uns alle notwendigen Maßnahmen ergreifen, um Gewalt zu vermeiden und friedlich zu leben“, erklärte Fernando. Dazu gehöre auch das Gebet.

 

In den Kirchen seiner Gemeinschaft werde jeden Tag ein Gebet zu Unserer Lieben Frau von Lanka gebetet. Das gab er an die Wohltäter von KIRCHE IN NOT weiter. „Wir kommen dem Aufruf unserer Brüder und Schwestern in Sri Lanka gerne nach und wollen deshalb dieses Gebet öffentlich bekannt machen“, erklärte der Geschäftsführer von KIRCHE IN NOT Deutschland, Florian Ripka.

Gebet als geistliche Form der Unterstützung

Das Hilfswerk stehe seit den Jahren des Bürgerkriegs den Christen in Sri Lankas tatkräftig bei, zum Beispiel beim Wiederaufbau zerstörter Kirchen oder der kirchlichen Bildungsarbeit. Das gehe jetzt intensiv weiter.

„Neben der Hilfe ist unser Gebet eine geistliche Form der Unterstützung, die unsere Partner sehr schätzen. Für die Öffentlichkeit sind die Massaker vom Ostersonntag schon wieder weit weg. Für die Christen in Sri Lanka sind sie noch immer verängstigende Realität. Sie brauchen jetzt unsere Solidarität“, erklärte Ripka.

Hier können Sie das Gebetsblatt bestellen

Das Gebetsblatt für Sri Lanka im Format DIN A7 passt in jedes Gotteslob und eignet sich für das private Gebet ebenso wie für Andachten oder Fürbitten in der Gemeinde. KIRCHE IN NOT stellt das Gebetsblatt kostenlos zur Verfügung; es werden ausschließlich die Versandkosten fällig.

 

Die Gebetsblatt können Sie online bestellen oder bei:
KIRCHE IN NOT
Lorenzonistr. 62
81545 München

Telefon: 089 / 64 24 888 0
Fax: 089 / 64 24 888 50

E-Mail: kontakt@kirche-in-not.de

KIRCHE IN NOT trauert mit seinen Projektpartnern um die Todesopfer von zwei Gewaltakten: Am 12. Mai wurden bei einem Angriff auf die katholische Kirche in Dablo im Norden von Burkina Faso sechs Menschen getötet. Im nordsyrischen Ort Al-Sekelbiya kamen am selben Tag beim Raketenbeschuss einen griechisch-orthodoxen Unterrichtsklasse vier Kinder und eine Katechetin ums Leben.

 

Unter den sechs Getöteten beim terroristischen Angriff in Burkina Faso befindet sich auch der 34-jährige Priester Simeon Yampa, der gerade die heilige Messe feierte. KIRCHE IN NOT steht in engem Kontakt mit der Gemeinde von Dablo. 2013 hatte das Hilfswerk den Bau des dortigen Pfarrhauses und Gemeindezentrums unterstützt.

Lokale Ansprechpartner gaben gegenüber KIRCHE IN NOT an, dass die Angreifer die Kapelle betraten, als gerade das „Gloria“ zu Beginn der heiligen Messe gesungen wurde. Sie eröffneten sofort das Feuer. Fünf Menschen starben im Kugelhagel. Auch der Tabernakel wurde dreimal getroffen.

Särge mit den Opfern des Angriffes auf eine Kirche in Burkina Faso.
Simeon Yampa wollte die Messdiener in der Sakristei in Sicherheit bringen. Dort entdeckten ihn die Angreifer und erschossen ihn. Die überlebenden Gottesdienstbesucher wurden aufgefordert, Umhänge-Kreuze und liturgische Gegenstände vor dem Altar abzulegen. Den örtlichen Quellen zufolge hätten die Angreifer damit gedroht, wiederzukommen. Sollten bis dahin nicht alle Frauen verschleiert sein, würden sie getötet. Anschließend ließen die Terroristen die rund 120 Gottesdienstbesucher gehen und steckten die Kirche in Brand, ebenso ein Fahrzeug vor der Kirche und vor einem Gesundheitszentrum.

 

Christen im Visier der Islamisten

In Burkina Faso sind rund ein Viertel der rund 19 Millionen Einwohner christlichen Glaubens, ebenfalls ein Viertel folgt der Natur-Religion des Animismus. Die Bevölkerungsmehrheit ist muslimisch. Bislang galt das Zusammenleben der Religionen in dem Land als harmonisch. Über die Nachbarländer Mali und Niger gelangten islamistische Terrorgruppen ins Land. Sie verüben seit einigen Jahren Anschläge auf alle Bevölkerungsgruppen.

Nun scheinen vermehrt Christen im Visier der Islamisten zu stehen: So wurden seit Beginn des Jahres neben Simeon Yampa bereits zwei weitere Geistliche getötet, so zum Beispiel Ende April der Pastor einer protestantischen Gemeinde im Norden des Landes zusammen mit seinen beiden Söhnen und drei weiteren Gläubigen. Ein spanischstämmiger Salesianer-Missionar kam Mitte Februar bei einer Attacke auf eine Zollstation ums Leben. Ein weiterer katholischer Priester wurde an der Grenze zu Mali verschleppt; sein weiteres Schicksal ist unbekannt.

Trauer und Entsetzen bei der Beisetzung der Opfer eines Anschlags auf eine Kirche am 12. Mai in Burkina Faso.
„Dass wir nur drei Wochen nach den Oster-Anschlägen auf Sri Lanka schon wieder die Opfer eines Terroranschlages beklagen müssen, erfüllt uns mit tiefem Schmerz“, erklärte der Geschäftsführer von KIRCHE IN NOT Deutschland, Florian Ripka.

 

„Es sind nicht nur politische oder wirtschaftliche Faktoren, die Christen zur Zielscheibe des Hasses und der Gewalt machen. Der Terror richtet sich immer gezielter gegen den Glauben und das pastorale Wirken der Kirche. Es ist höchste Zeit, beim ,Kampf gegen den Terror‛ auch diese Perspektive miteinzubeziehen.“

Christen als Zielscheibe des Hasses und der Gewalt

Ebenfalls am 12. Mai erreichte KIRCHE IN NOT die Nachricht, dass am Sonntagmorgen im nordsyrischen Ort Al-Sekelbiya nahe der Stadt Hama vier Kinder und eine Katechetin der griechisch-orthodoxen Gemeinde durch eine Rakete getötet wurden. Die Kinder im Alter zwischen sechs und zehn Jahren befanden sich gerade im Religionsunterricht.

Zahlreiche weitere Kinder wurden teilweise schwer verletzt. Die Hintergründe der Attacke sind bislang unklar. Offen ist auch, ob es sich um einen gezielten Beschuss handelt. Die Regionen Hama und Idlib sind aktuell Schauplatz einer erbitterten militärischen Offensive im Syrienkrieg. Lokale Kirchenvertreter bezeichneten die getöteten Kinder und die Katechetin als „Märtyrer“.

Trauer in Syrien: Angehörige der Opfer des Angriffs auf die griechisch-orthodoxe Gemeinde.
„Auch wenn die Umstände viele Fragen offen lassen, zeigt dieser Tod der unschuldigen Kinder einmal mehr: Dieser Krieg kennt keine Gewinner“, erklärte Ripka. „Die Menschen in Syrien leiden unermesslich. Die christliche Minderheit hat zudem viel zu wenige politische Fürsprecher, weder national noch international. Den Angehörigen, die ohnehin schon alles verloren haben, wurde jetzt auch noch das Liebste genommen – wie so vielen Familien in diesem brutalen Krieg.“

 

Mit beiden Schauplätzen – in Syrien wie in Burkina Faso – verbinde KIRCHE IN NOT eine intensive Beziehung der Hilfe und des Gebetes. „So unterschiedlich beide Ereignisse auch sind: Der 12. Mai war wieder ein blutiger Sonntag für die Christen. Dass es nach lateinischer Tradition der ,Sonntag des Guten Hirten‛ war, kann den Angehörigen in allem Schmerz ein Zeichen der Hoffnung sein: Der gute Hirte kennt die Seinen. Er wird seine Herde nicht verlassen, weder in Burkina Faso und Syrien noch in vielen Ländern der Welt, in denen Christen in Bedrängnis sind.“

„Die Bevölkerung und insbesondere alle Christen Sri Lankas stehen weiterhin unter Schock. Die Anschläge an Ostern haben viele Leute an den Ausnahmezustand zur Zeit des Bürgerkriegs erinnert.“ Dieses Fazit zieht die Asien-Projektreferentin von KIRCHE IN NOT, Veronique Vogel. Genau vier Wochen nach den Terroranschlägen von Ostersonntag hat sie Sri Lanka besucht.

 

Eine Delegation von KIRCHE IN NOT reiste Mitte Mai in die Region um die Hauptstadt Colombo und die Stadt Negombo. Dort hatten die meisten Anschläge auf Kirchen und Hotels am Ostersonntag stattgefunden. Dabei kamen mindestens 253 Menschen zu Tode. Rund 500 wurden verletzt.

Plakate vor der Kirche St. Sebastian in Negombo erinnern an die Opfer der Bombenanschläge.
Die Behörden machen eine lokale islamistische Gruppe für die Taten verantwortlich. „Mit der Reise wollten wir uns persönlich ein Bild vom Zustand der katholischen Gemeinden machen und ihnen unsere Solidarität versichern. Es waren ja gezielt Christen, die Opfer des Terrors wurden“, so Vogel.

 

Die Angst vor weiteren Anschlägen sei weiterhin sehr groß, berichtet Vogel: „Es ist bekannt, dass mehr Attentäter beteiligt waren, als anschließend festgenommen werden konnten. Jeder weiß also ganz genau: Irgendwo da draußen laufen noch hochgefährliche Leute rum, die jederzeit wieder zuschlagen könnten.“

 

Angst vor weiteren Anschlägen

Seit dem 21. Mai seien die Kirchen im Land wieder geöffnet, doch viele Christen seien schwer traumatisiert, berichtet Veronique Vogel: „Viele haben mir erzählt, dass sie schon in Panik geraten, wenn sie eine Kirchenglocke läuten hören. Das zeigt, wie belastend die Erinnerungen an Ostersonntag für sie sein müssen.“

Es gebe jedoch auch die gegenteilige Erfahrung: Viele Menschen, die von den Anschlägen selbst betroffen waren oder Angehörige verloren haben, zeichnete ein enormer Lebenswille und ein starker Glaube aus.

Schutz durch das Militär unmittelbar nach den Anschlägen (Foto: Roshan Pradeep & T Sunil).
„Die Leute verstehen nicht, weshalb ausgerechnet ihnen in Sri Lanka solches Leid widerfahren ist. Sie wollen keinen neuen Bürgerkrieg mehr, sondern setzen sich für dauerhaften Frieden ein“, betont Vogel.

Der Erzbischof von Colombo, Malcolm Kardinal Ranjith, ruft die Bevölkerung immer wieder dazu auf, Ruhe zu bewahren und keine Racheakte zu verüben. „Immer wieder spürte ich während der Reise, dass die Christen dankbar für die Worte ihres Erzbischofs waren und sie beherzigt haben“, stellt Veronique Vogel fest.

 

Enormer Lebenswille und starker Glaube

Der Besuch eines Franziskanerklosters in Negombo habe sie besonders beeindruckt: Es befinde sich direkt gegenüber der katholischen Kirche St. Sebastian, wo allein mindestens 100 Menschen bei den Bombenattacken getötet wurden.

Die Franziskaner seien sofort nach den Explosionen zur Stelle gewesen, hätten sich um Verletzte gekümmert und Tote geborgen, so Vogel. „Trotz dieser traumatischen Erfahrungen sind sie ein Zeugnis gelebter Nächstenliebe, die sich ihren Glauben und ihre Hilfsbereitschaft nicht von Terror und Gewalt nehmen lassen.“

Der Generalvikar der Diözese Bambari im Süden der Zentralafrikanischen Republik, Firmin Gbagoua, ist am 29. Juni einem Mordanschlag zum Opfer gefallen.

In einer Erklärung, die KIRCHE IN NOT vorliegt, sprechen die Bischöfe des Landes von „großer Bitterkeit“ angesichts des erneuten Mordes an einem Priester: „Wir verurteilen die sukzessive Ermordung von Priestern in der jüngsten Zeit.“

Generalvikar Gbagoua ist bereits der dritte zentralfrikanische Geistliche, der in diesem Jahr ermordet wurde. Nach einer tödlichen Attacke auf einen Priester im März waren am 1. Mai in der Hauptstadt Bangui ein Gemeindepfarrer und 15 Gläubige erschossen worden.
Flüchtlingsunterkunft auf dem Gelände des Priesterseminars des Bistums Bangassou/Zentralafrikanische Republik (Foto: Fundación Bangassou).
Gottesdienst in einem Dorf in der Zentralafrikanischen Republik (KIRCHE IN NOT/Aurelio Gazzera).
Beerdigung für die Opfer, die bei einem Angriff auf eine Kirche in Bangui ums Leben gekommen sind.

Die Bischöfe rufen die zentralafrikanische Regierung und die im Land stationierten UN-Einheiten auf, „ihre Maßnahmen stärker zu koordinieren, damit die Mörder und die Hintermänner gefasst und vor Gericht gebracht werden können“.

Die Bischöfe stellten sich die Frage: „Wer profitiert von all dieser Gewalt gegen die katholische Kirche in der Zentralafrikanischen Republik?“

In den Bauch geschossen

Bisher unbekannte Täter hatten Gbagoua aus kurzer Entfernung in den Bauch geschossen, als er mit anderen Priestern zu Abend gegessen habe, berichtete das Portal „Vatican News“ am 2. Juli unter Berufung auf den Pfarrer der Kathedralkirche von Bangui, Mathieu Bondombo.

Auf dem Weg ins Krankenhaus sei Gbagoua verstorben. Der Geistliche koordinierte als Caritasdirektor im Bistum Bambari auch die materielle Hilfe für Gläubige und Binnenflüchtlinge.

In jüngster Zeit geraten in der Zentralafrikanischen Republik immer mehr Priester, Missionare, humanitäre Helfer und Blauhelmsoldaten in das Fadenkreuz von Bürgerkriegsmilizen.

Vor einer Kirche in der Zentralafrikanischen Republik.
Eines der ärmsten Länder der Welt

Seit 2013 dauern die Kämpfe an, bei denen sich Regierungstruppen, muslimische Rebellen der „Séléka“ und Kampfverbände der „Anti-Balaka“, in denen mehrheitlich Christen vertreten sind, gegenüberstehen. Seit 2014 sind auch multinationale Truppen und Sicherheitskräfte im Rahmen der UN-Operation „Minusca“ in der Zentralafrikanischen Republik stationiert.

Bei den Kämpfen geht es neben religiösen Gründen auch um die Kontrolle des Rohstoffhandels in dem Land, das als eines der ärmsten der Welt gilt.

Ende 2015 hatte Papst Franziskus die Zentralafrikanische Republik besucht. Standen die Zeichen damals noch auf Versöhnung, hat sich die Situation in jüngster Zeit erneut verschärft.

Die Bischöfe rufen in ihrer Erklärung die Christen des Landes dennoch dazu auf, „ruhig zu bleiben und zu beten, um nicht denen in die Falle zu laufen, die beweisen wollen, dass Christen und Muslime in der zentralafrikanischen Nation nicht mehr zusammenleben können“.

Helfen Sie in der Zentralafrikanischen Republik

KIRCHE IN NOT steht der Bevölkerung der Zentralafrikanischen Republik seit Jahren bei. Im vergangenen Jahr hat unser Hilfswerk 30 Projekte gefördert – von der Nothilfe für Kriegsopfer, die Arbeit von Ordensgemeinschaften und Pfarrgemeinden bis hin zur Friedensarbeit.

Um weiterhin helfen zu können, bittet KIRCHE IN NOT um Spenden.

Am 29. Dezember 2017 schossen bewaffnete Männer auf Gläubige, als diese einen Gottesdienst in einer koptisch-orthodoxen Kirche am südlichen Rand von Kairo verließen. Das Attentat, zu dem sich der „Islamische Staat” bekannte, erfolgte etwa zehn Minuten nach dem Gottesdienst in der Sankt-Menas-Kirche. Ihm fielen neun Menschen zum Opfer.

Eines davon war die junge Mutter Nermeen Sadiq. Ihre 13-jährige Tochter Nesma Wael stand neben ihr, als sie zum ersten Mal getroffen wurde. Nesma erzählt die tragischen Ereignisse im Gespräch mit KIRCHE IN NOT:
Der koptische Papst Tawadros II. leitet den Gottesdienst für die Opfer eines Anschlags auf eine koptische Kirche am 11. Dezember 2016 in Kairo. Mindestens 25 Menschen wurden dabei getötet.
Ein Gläubiger entzündet Kerzen in einer koptischen Kirche in Kairo (c) KIRCHE IN NOT

„Als die Messe zu Ende war, verließen meine Cousine, meine Mutter und ich die Kirche. Meine Mutter trug ein Kruzifix am Hals. Keine von uns war verschleiert. In den Armenvierteln tragen die muslimischen Frauen oft einen Schleier, um sich von den christlichen Frauen zu unterscheiden.

Wir sind in eine Querstraße abgebogen. Dort sahen wir einen Mann, der sich der Kirche auf einem Motorrad näherte. Als er über ein Schlagloch fuhr, fiel er hin. Meine Mutter ging schnell hin, um ihm zu helfen.

Waffe unter einer Weste versteckt

Sie fragte ihn: ‚Im Namen Jesu Christi, geht es Ihnen gut?’ Der Mann stand schnell auf und eröffnete im Handumdrehen mit einer automatischen Waffe, die er unter der Weste trug und herausholte, das Feuer gegen uns.

Als meine Cousine und ich die Waffe sahen, versteckten wir uns hinter meiner Mutter. Sie rief, wir sollten losrennen. Als sie uns noch zu beschützen versuchte, schoss ihr der Terrorist in den Arm. Wir liefen los, aber meine Mutter stolperte, und konnte nicht laufen. Als der Terrorist die Maschinenpistole herausholte, standen wir lediglich gut einen Meter von ihm entfernt. Meine Cousine und ich liefen zu einem Supermarkt. Dort versteckte uns die Verkäuferin hinter einem Kühlschrank.

Von dort aus konnten wir sehen, wie der Terrorist uns mit seinem Blick suchte. Da er uns aber nicht sehen konnte, drehte er sich in Richtung meiner Mutter um, und er schoss mehrfach.

„Wir versteckten uns hinter einem Kühlschrank”

Dies geschah innerhalb weniger Minuten. Der Terrorist ging weg, und wir liefen zu meiner Mutter. Es kamen auch viele Leute, aber keiner half ihr, obwohl sie noch am Leben war. Ich versuchte, meinen Vater anzurufen, aber vergebens. Ich konnte meinen Onkel erreichen, der sofort kam. Dann kam auch ein Krankenwagen.

Die Rettungssanitäter weigerten sich jedoch, meine Mutter im Krankenwagen mitzunehmen, ehe die Sicherheitskräfte ihre Erlaubnis erteilten. Diese aber suchten die Straßen nach dem Terroristen und nach dem anderen Schützen ab, der auf die Menschen gegenüber der Kirche geschossen hatte.

Es begann ein Schusswechsel, und die Menschen liefen davon. Meine Cousine, mein Onkel und ich blieben bei meiner Mutter. Sie schaute mich an, und sagte: ‚Hab keine Angst! Ich bin bei dir. Gehorche deinem Vater und hilf deiner Schwester!’

Die beiden Mädchen Nesma (links) und Karen haben bei einem Attentat auf eine Kirche in Kairo ihre Mutter verloren.
Eine Gewehrkugel befindet sich im Gemälde des heiligen Menas in Kairo.
„Weitere Bekannte von mir lagen in einer Blutlache”

Als der Schusswechsel vorbei war, ging ich wieder in die Kirche, um meine jüngere Schwester Karen zu suchen. Sie ist acht Jahre alt und war noch da, weil der Kindergottesdienst noch nicht zu Ende war. Ich sah drei Bekannte, die in einer Blutlache lagen – sie waren gegenüber der Kirche getötet worden.

Als meine Mutter endlich in den Krankenwagen gebracht wurde, war sie schon tot.

Heute gehe ich nicht mehr allein auf die Straße. Mein Vater begleitet mich immer. Trotz des Schmerzes, den ich in meinem Herzen spüre, weil ich meine Mutter sehr vermisse, bin ich glücklich, dass ich beim Angriff bei ihr war und weil ich nicht einmal verletzt wurde. Gott wählte sie aus, damit sie in den Himmel kommt.

Ich möchte mein Land nicht verlassen, aber ich möchte einen Weg finden, um zu studieren und etwas besser zu leben, denn unsere finanzielle Lage ist nicht gerade gut.

„Unser Leben liegt in Gottes Hand”

Mein 35-jähriger Vater ist Fahrer, hat aber keine feste Stelle. Meine Mutter verdiente das meiste Geld bei uns – sie war Krankenschwester in einer Klinik für Nephrologie (Nierenheilkunde) in Kairo. Ich möchte Fachärztin für Nephrologie werden, denn dies war der Traum meiner Mutter für mich.

Meine Botschaft an alle Menschen, die überall auf der Welt verfolgt werden: Habt keine Angst! Unser Leben liegt in Gottes Hand. Wir sollen unserem Glauben treu bleiben.“

Helfen Sie den Christen in Ägypten

Rund zehn Prozent der Einwohner Ägyptens sind Christen, die meisten von ihnen sind koptisch-orthodox. Gut eine Viertelmillion Katholiken leben im Land, sie gehören mehrheitlich der koptisch-katholischen Kirche an.

KIRCHE IN NOT unterstützt die christliche Minderheit Ägyptens seit vielen Jahren. Neben dem Bau und dem Unterhalt von Kirchen fördert das Hilfswerk auch Jugendprojekte und setzt sich für benachteiligte Frauen ein. Um weiter helfen zu können, bittet KIRCHE IN NOT um Spenden

Von der aktuellen Militäroffensive in Syrien sind neben der Region Ost-Ghouta auch die Bewohner der Hauptstadt Damaskus schwer betroffen.

Ein Bericht von „Caritas International“, der KIRCHE IN NOT vorliegt, beklagt, „dass die Mehrheit der Nachrichten sich auf die russischen und syrischen Luftangriffe auf Ost-Ghouta konzentriert, jedoch kaum über die Situation in der angrenzenden Stadt Damaskus informiert, die seit Anfang 2018 mit Mörsergranaten attackiert wird.“

Besonders betroffen sei der Ostteil von Damaskus. Dort befindet sich eine wichtige Militärbasis. Rebellengruppen hatten Anfang des Jahres eine Offensive begonnen, um sie zu erobern.
Nach einem Granatenbeschuss in Damaskus (Foto: Caritas International).
Junge inmitten von Trümmern in Damaskus (Foto: Carole Al-Farah).

Seither versuchen Streitkräfte der Regierung, die besetzen Zonen zurückzugewinnen. Leidtragende ist die Zivilbevölkerung auf beiden Seiten der Frontlinie. Durch die Kämpfe schwer in Mitleidenschaft gezogen ist auch das christliche Viertel von Damaskus.

Es liegt ebenfalls im Osten der Hauptstadt. In den vergangenen zweieinhalb Wochen seien dort und in den angrenzenden Stadtteilen über 200 Granaten niedergegangen, berichtet „Caritas International“. Über 28 Menschen seien getötet und über 90 verletzt worden, so der Bericht.

Nach bislang unbestätigten Quellen sollen allein am 21. Februar 51 Mörsergranaten auf das Viertel Bab Touma und die nähere Umgebung abgefeuert worden sein. Das Viertel wird fast ausschließlich von Christen bewohnt. Zwölf Tote und mehr als 42 schwerverletzte Personen seien die traurige Bilanz.

KIRCHE IN NOT steht in Damaskus in engem Kontakt mit Schwester Annie Demerjian, die der „Kongregation von Jesus und Maria“ angehört. Die Ordensfrau leitet zahlreiche pastorale und Nothilfeprojekte. Sie berichtete, dass bei dem jüngsten Angriff mehrere Granaten in unmittelbarer Nähe ihres Klosters eingeschlagen seien. In dem Gebäude leben auch einige Universitätsstudenten. „Es war das reinste Inferno. Es regnete Granaten“, sagte Schwester Annie.

Während der Angriffe sei der „Himmel ganz schwarz geworden“.

Dass sie und ihre Mitschwestern überlebten, sei allein der Tatsache zu verdanken, dass die niedergegangenen Granaten nicht detoniert seien. „Der Herr war gut zu uns. Bis jetzt ist niemand verletzt worden; viele andere Menschen aber haben unsäglich gelitten.“

Der Bericht von „Caritas International“ benennt die Auswirkungen für die Bevölkerung: „Straßen und Plätze sind menschenleer. Die Menschen im östlichen Teil der Stadt können ihre Kinder nicht mehr in die Schule schicken. Sie bewegen sich nur noch sehr vorsichtig, wenn sie nach draußen müssen.“

Schwester Annie Demerjian aus Aleppo mit einem Flüchtlingskind.
Junger Mann mit einer gefundenen Mörsergranate.

Die neue Eskalation der Gewalt sei ein schwerer Rückschlag, so der Bericht: „In den letzten Monaten waren die Menschen noch optimistisch und dachten, das Ende des Krieges sei gekommen. Nun scheint es, als finge alles wieder von vorne an.“

Es sei ungewiss, wie lange die Gewalt noch andauere, stellt auch Schwester Annie gegenüber KIRCHE IN NOT fest. Gleichwohl ist sie entschlossen: „Wir müssen weitermachen. Das Leben ist stärker als der Tod. Bitte betet für uns.“

Helfen Sie den Christen in Syrien

Seit Ausbruch des Krieges ist Syrien eines der Schwerpunktländer der Arbeit von KIRCHE IN NOT. In den vergangenen sieben Jahren hat das Hilfswerk über 21 Millionen Euro an Nothilfe für die christliche Minderheit geleistet.

Neben Lebensmittelhilfen, Kleidungs- und Medikamentenspenden finanziert das Hilfswerk auch Mietbeihilfen, Stipendien und Ausbildungsprogramme sowie Projekte zur Stromversorgung. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der seelsorgerischen Arbeit für die traumatisierte Bevölkerung.

Um weiterhin helfen zu können, bittet KIRCHE IN NOT um Spenden.