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„Der Libanon kann die Versorgung der Menschen nicht alleine stemmen“

„Der Libanon kann die Versorgung der Menschen nicht alleine stemmen“

17.08.2020 aktuelles
Am 4. August 2020 explodierte in Beirut ein Hafenspeicher mit Ammoniumnitrat. Dabei wurde ein großer Teil der Stadt zerstört. Über 200 Menschen kamen ums Leben, etwa 300 000 sind obdachlos geworden.

 

Um die betroffenen Menschen der verheerenden Detonation kümmert sich auch KIRCHE IN NOT. Als erste Hilfe konnte mit den lokalen Kirchen eine Lebensmittelnothilfe für die Überlebenden begonnen werden.

Über die aktuelle Lage und die Arbeit von KIRCHE IN NOT im Libanon berichtet Florian Ripka, Geschäftsführer von KIRCHE IN NOT Deutschland. Die Fragen stellte Stefan Stein.

Florian Ripka, Geschäftsführer von KIRCHE IN NOT Deutschland.
STEFAN STEIN: Herr Ripka, welche Verbindung hat KIRCHE IN NOT zum Libanon?
FLORIAN RIPKA: In den vergangenen Jahren ist der Libanon zu einem wichtigen Projektland von KIRCHE IN NOT geworden. Allein im Jahr 2019 gingen mehr als 2,2 Millionen Euro in das Land. Unser Hilfswerk hat dort zahlreiche Projekte gefördert – von Mess-Stipendien für Priester über Förderung von Kinder- und Schülerprogrammen bis hin zu Lebensmittelnothilfen.

 

„Viele jungen Menschen denken über Auswanderung nach”

Derzeit kommt es vor allem in der Hauptstadt Beirut zu Protesten der libanesischen Bevölkerung. Die Regierung ist in der Zwischenzeit bereits zurückgetreten. Was können Sie über die wirtschaftliche und soziale Situation im Libanon sagen?
Schon vor der Explosion im Hafen von Beirut hatte es die Bevölkerung schwer: Durch eine hohe Staatsverschuldung und weitverbreitete Korruption kommt das Land wirtschaftlich nicht auf die Beine.

Viele Libanesen, insbesondere junge Menschen, denken über Auswanderung nach. Wegen der wirtschaftlichen Schwierigkeiten können nicht alle soziale Einrichtungen und Schulen aufrechterhalten werden. Die Arbeitslosenquote im Libanon liegt bei 25 Prozent, bei jungen Leuten sogar bei 37 Prozent.

Versorgung von Verletzten in einem kirchlichen Krankenhaus nach der Explosion in Beirut.
Welche Rolle spielen die Kirche im Land?
Im Libanon gibt es im Vergleich zu anderen Staaten des Nahen Ostens viele christliche Einwohner. 36 Prozent der Libanesen sind Christen; sie gehören zu einem Großteil der maronitisch griechisch-katholischen Kirche an. Etwas mehr als die Hälfte der Einwohner sind Muslime.

 

Von den wirtschaftlichen Schwierigkeiten im Land ist auch die Kirche betroffen. Sie ist auf Hilfe aus dem Ausland angewiesen.

 

„Kirche ist auf Hilfe aus dem Ausland angewiesen”

Neben der wirtschaftlichen Herausforderung ist in den vergangenen Jahren eine weitere hinzugekommen: die große Zahl an Flüchtlingen aus Syrien …
Ja, kein anderes Land hat, gemessen an der Zahl der Einwohner, so viele Flüchtlinge aus Syrien aufgenommen wie der Libanon. Beim Flüchtlingskommissariat der Vereinten Nationen (UNHCR) sind 950 000 syrische Flüchtlinge registriert. Die libanesische Regierung schätzt sogar, dass es mindestens 1,5 Millionen sind. Das wäre ein Viertel der libanesischen Einwohnerzahl.

Hinzu kommen noch mindestens 180 000 palästinensische Flüchtlingsfamilien und 18 000 Geflüchtete aus dem Irak, Sudan und anderen Ländern.

Freiwillige Helfer tragen Trümmerteile in der maronitischen Kathedrale in Beirut zusammen. Die Kirche ist durch die Druckwelle der Explosion stark beschädigt worden.
Wie und wo leben die syrischen Flüchtlinge?
Der überwiegende Teil kann zwar in Wohnhäusern leben, aber deren Zustand ist nicht immer der beste. Darüber hinaus gibt es auch einige Flüchtlingslager im Land. Besonders Kinder leiden unter den Umständen. Mehr als die Hälfte der syrischen Kinder zwischen drei und 18 Jahren kann keine Schule besuchen.

 

Die Versorgung der vielen Flüchtlinge kann das Land nicht alleine stemmen. Mehr als zwei Drittel der syrischen Haushalte im Libanon lebt unterhalb der Armutsgrenze. Der Großteil leidet Hunger. Auch das Trinkwasser ist häufig mit Bakterien kontaminiert.

 

Unterstützung einer Tafel für syrische Flüchtlinge

Sie haben bereits kurz angedeutet, wie KIRCHE IN NOT im Libanon hilft. Nennen Sie uns bitte ein Projektbeispiel, das Ihnen besonders am Herzen liegt.
Da denke ich als Erstes an die Tafel „Sankt Johannes der Barmherzige“ in der Stadt Zahlé. Hier werden jeden Tag warme Mahlzeiten für syrische Flüchtlinge zubereitet. Leider konnte die Einrichtung wegen der Einschränkungen in der Corona-Pandemie nicht geöffnet bleiben. Dennoch geht die Hilfe weiter.

Jeden Tag kochen freiwillige Helferinnen und Helfer 400 warme Mahlzeiten und geben sie an bedürftige Menschen weiter. KIRCHE IN NOT fördert dieses Projekt jährlich mit einem sechsstelligen Betrag. Hier wird weiterhin Hilfe und Unterstützung benötigt.

Essensausgabe für syrische Flüchtlinge in der Tafel „Sankt Johannes der Barmherzige“ in Zahlé (Libanon).
Wie hilft KIRCHE IN NOT in Beirut?
Das Stadtviertel Aschrafiyya (Achrafieh), in dem überwiegend Christen leben, ist von den Folgen der Detonation im Hafen stark betroffen und beschädigt worden. Es liegt nur wenige Kilometer entfernt vom Unglücksort.

 

Hier hat KIRCHE IN NOT in Zusammenarbeit mit den lokalen Kirchen eine Lebensmittelnothilfe für besonders betroffene Familien eingerichtet. Auch erste Maßnahmen zum Wiederaufbau laufen bereits an.

Um den Menschen in Beirut und anderen Gebieten Libanons weiterhin beistehen zu können, bittet KIRCHE IN NOT um Spenden – entweder online oder auf folgendes Konto:

Empfänger: KIRCHE IN NOT
LIGA Bank München

IBAN: DE63 7509 0300 0002 1520 02
BIC: GENODEF1M05

Verwendungszweck: Libanon

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