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Myanmar: „Das Morden muss sofort aufhören“

Myanmar: „Das Morden muss sofort aufhören“

Vier Menschen getötet – Kardinal Bo: „humanitäre Tragödie“

26.05.2021 aktuelles
Mit einem „ernsten Appell“ hat sich Charles Maung Kardinal Bo, Erzbischof von Yangon (Rangun) und Vorsitzender der Bischofskonferenz Myanmars, an die Weltöffentlichkeit gewandt. Auslöser war der Beschuss der Herz-Jesu-Kirche in der Stadt Kayanthayar im Südosten des Landes am Pfingstmontag. Dabei seien vier Menschen getötet und acht verletzt worden, so Bo in seiner Erklärung, die KIRCHE I NOT vorliegt.

 

Er verurteilte die Tat als „humanitäre Tragödie“. Die Menschen hätten die Kirche aufgesucht, um sich und ihre Familien zu schützen. Die Überlebenden seien „in den Urwald geflohen. Ihr Schicksal ist unbekannt. Unter ihnen sind viele Kinder und ältere Menschen, die jetzt hungern und ohne medizinische Hilfe sind.“

Das Gotteshaus habe durch den Beschuss schwere Schäden erlitten, sagte Bo. Die Entwicklung im Land erfülle ihn mit „Trauer und Sorge“.

Charles Maung Kardinal Bo, Erzbischof von Yangon (Rangun)/Myanmar. © KIRCHE IN NOT/Magdalena Wolnik
Im Namen der Bischofskonferenz von Myanmar wies der Kardinal daraufhin, dass „Kirchen, Krankenhäuser und Schulen durch die Haager Konvention geschützt“ seien – ein Vorwurf des Völkerrechtsbruchs gegenüber dem Militär, das sich Anfang Februar zurück an die Macht geputscht hatte.

 

Mehr als 20 000 Menschen bei Kämpfen in Loikaw vertrieben

„Unabhängig von Verträgen und Protokollen sollten wir daran denken, dass das vergossene Blut nicht das Blut eines Feindes ist. Die Menschen, die starben oder verwundet wurden, sind Bürger dieses Landes.“

Bei den Kämpfen um Loikaw, der Hauptstadt des Kayah-Staates nahe der thailändischen Grenze, seien bereits mehr als 20 000 Menschen vertrieben worden. „Das muss aufhören“, forderte der Kardinal. Die Situation der Menschen habe sich durch die Corona-Krise zusätzlich verschlechtert. „Millionen Menschen droht der Hungertod, die Gefahr einer weiteren Covid-19-Welle ist real.“ Der bewaffnete Konflikt sei in dieser Situation „eine grausame Anomalie“.

Thomas Heine-Geldern, Geschäftsführender Präsident von KIRCHE IN NOT International.
Wie internationale Medien berichteten, hatten auf dem Kirchengelände von Kayanthayar rund 300 Menschen Zuflucht vor Kämpfen zwischen dem Militär und der Widerstandsgruppe „People’s Defense Force“ (PDF) der Volksgruppe der Karen gesucht. Rund die Hälfte der Einwohner des Staates Kayah sind Christen.

 

„Gewalteskalation erschüttert uns zutiefst”

Auch im benachbarten Shan-Staat soll am Pfingstsonntag Medienberichten zufolge die katholische Kathedrale von Pekhon von der Armee beschossen worden sein.

„Die jüngste Gewalteskalation vom vergangenen Pfingstfest, die nicht einmal vor Gotteshäusern und wehrlosen Menschen Halt macht, erschüttert uns zutiefst“, erklärte der Geschäftsführende Präsident von KIRCHE IN NOT International, Dr. Thomas Heine-Geldern.

Kardinal Bo (rechts) mit buddhistischen Mönchen.
„Das Volk von Myanmar durchlebt seit Monaten die tiefste Dunkelheit. Die Kirche unterstreicht durch ihre Appelle, aber mehr noch durch ihre Arbeit, dass sie als kleine Minderheit alles daransetzt, den Frieden und den Aufbau der Nation zu fordern sowie den Menschen in ihrem Elend beizustehen, das durch die Pandemie nochmals vergrößert wird.“

 

„Das Volk von Myanmar durchlebt tiefste Dunkelheit”

KIRCHE IN NOT unterstütze deshalb gerade während der Corona-Krise Priester, Katechten, Ordensschwestern und notleidende Familien in Myanmar.

„Was die Christen in Myanmar neben der tätigen Hilfe brauchen, ist das Gebet. Das hat auch Kardinal Bo in seinem Appell nochmals betont“, hob Heine-Geldern hervor. „Bitten wir den Herrn, dass die politischen und militärischen Entscheidungsträger in Myanmar zur Einsicht und Vernunft kommen und dort bald wieder Frieden herrscht.“

Unterstützen Sie die kleine und bedrängte christliche Minderheit Myanmars! Spenden Sie entweder online oder auf folgendes Konto:

Empfänger: KIRCHE IN NOT
LIGA Bank München
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Verwendungszweck: Myanmar

 

„Ich befürchte ein Blutbad“ – Myanmar-Expertin Angela Jacobi über die Proteste nach dem Militärputsch:

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