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Äthiopien

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Am 10. Dezember erhält Äthiopiens Präsident Abiy Ahmed den Friedensnobelpreis. Damit wird vor allem sein Einsatz für den Friedensschluss mit dem Nachbarland Eritrea gewürdigt – eine sensationelle Wende im Verhältnis der jahrzehntelang verfeindeten Staaten.

 

Im eigenen Land aber sind im Oktober schwere Unruhen ausgebrochen, die sich auch gegen den Präsidenten richten. Dabei sind Polizeiangaben zufolge mindestens 67 Menschen ums Leben gekommen. Auslöser waren schwelende ethnische Konflikte in der Oromia-Region rund um die Hauptstadt Addis Abeba.

Petros Berga, katholischer Priester aus der Erzdiözese Addis Abeba.
Die ist ein Konflikt, in dem auch religiöser Fundamentalismus eine Rolle spielt und der sich auch gegen Christen richtet, findet der Priester Petros Berga aus der Erzdiözese Addis Abeba.

 

In Äthiopien sind rund 60 Prozent der Einwohner Christen. Die meisten gehören der orthodoxen Kirche an, die Zahl der Katholiken liegt bei maximal einer Million Menschen, etwa einem Prozent der Bevölkerung.

Berga ist ein langjähriger Projektpartner von KIRCHE IN NOT. Amélie de La Hougue hat mit ihm gesprochen.

Eine Moschee in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba (Foto: Magdalena Wolnik/KIRCHE IN NOT).
AMÉLIE DE LA HOUGUE: Wie hat sich die Situation in Addis Abeba und im Land entwickelt?

 

PETROS BERGA: Die Lage ist sehr unbeständig. Es gibt in einigen Regionen ethnische Probleme. Aber das wahre Problem kommt aus dem Nahen Osten. Ein ethnisch-religiöser Aktivist namens Jawar Mohammed ist zu einer ernsthaften Bedrohung für die Christen in Äthiopien geworden. In mehreren Orten wurden bereits Kirchen, Priester und Gläubige attackiert. Mohammed wird mutmaßlich illegal aus dem Nahen Osten finanziert.

Er hat einen eigenen Fernsehsender und ein großes Netzwerk in den sozialen Medien. Die Zahl seiner Anhänger ist groß. Die Aktivisten benutzen die Jugendlichen in der Oromo-Region als Instrument, um Konflikte zu schüren. Die Jugendlichen erhalten sogar kostenlose Mobiltelefone, gespendet aus den Golfstaaten.

Bereits Kirchen, Priester und Gläubige attackiert

Wie entwickeln sich die Demonstrationen?

Langsam verebbt die Protestwelle. Die weitere Entwicklung ist jedoch ungewiss. Radikale Politiker und selbsternannte Aktivisten rufen zur Gewalt auf. Sowohl die Regionalverwaltung als auch die Regierung greifen kaum ein, selbst wenn Menschen angegriffen, vertrieben, ausgeraubt, bedroht oder belästigt werden. Am Stadtrand von Addis Abeba haben Anhänger von Jawar Mohammed Anwohner angegriffen.

Dorthin sind in den vergangenen Jahren viele Menschen im Zuge der städtebaulichen Entwicklung ausgesiedelt. Ihre Lage, vor allem die der Jugendlichen, ist von Arbeits- und Hoffnungslosigkeit geprägt. Jetzt sind sie auch noch der Gewalt ausgesetzt. Das macht es für uns als Kirche noch dringender, den Jugendlichen in den Außenbezirken beizustehen.

Katechese für Kinder im Apostolischen Vikariat Nekemte (Äthiopien).
Die Medien haben von ethnischen und religiösen Konflikten als Auslöser der Gewalt gesprochen. Stimmen Sie dem zu?

 

Die Gewalt richtet sich derzeit gegen Christen, vor allem gegen die orthodoxe Kirche. Hauptakteure sind der genannte Jawar Mohammed und Dawed Ibsa, Anführer der sogenannten Oromo-Befreiungsfront. Beide sind Muslime und gehören der Volksgruppe der Oromo an. Sie nutzen die ethnische Zugehörigkeit, um die Jugendlichen zu mobilisieren.

Aber die Angriffe haben eher eine religiöse als eine ethnische Dimension. Die traditionelle Form des Islam in Äthiopien ist vom Sufismus geprägt. Er zeichnet sich durch Toleranz und eine hohe Integrationsfähigkeit gegenüber den Stammeskulturen aus. Diese Form des Islam wird nun durch militantere und fundamentalistische Strömungen ersetzt.

 

Haben Sie Hoffnung, dass sich die Situation verbessern wird?

Die Äthiopier verschiedener Religionen und Ethnien leben seit Jahrhunderten Seite an Seite. Ich bin zuversichtlich, dass die gemeinsamen Werte sie in dieser schwierigen Situation zusammenhalten werden.

Gottesdienst unter freiem Himmel bei Dhadim (Äthiopien).
Was ist die Rolle und die Botschaft der katholischen Kirche in diesem Konflikt?

 

Die katholische Kirche ist zwar eine Minderheit, spielt jedoch eine wichtige Rolle bei der Förderung des friedlichen Zusammenlebens. Der Erzbischof von Addis Abeba, Berhaneyesus Demerew Kardinal Souraphiel, wurde vom Premierminister zum Vorsitzenden der Nationalen Kommission für Frieden und Versöhnung ernannt.

Wir organisieren Workshops zu Friedensarbeit und Dialog. Als Minderheitskirche, die der Gesellschaft ohne ethnische oder religiöse Unterscheidung dient, ist die katholische Kirche am besten in der Lage, eine Rolle bei der Vermittlungsarbeit zu spielen.

Bitte helfen Sie den bedrängten Christen in Äthiopien!

Um die Friedensarbeit und den pastoralen Einsatz für die katholische Minderheit in Äthiopien weiterhin unterstützen zu können, bittet KIRCHE IN NOT um Spenden – entweder online oder auf folgendes Konto:

Empfänger: KIRCHE IN NOT
LIGA Bank München
IBAN: DE63 7509 0300 0002 1520 02
BIC: GENODEF1M05
Verwendungszweck: Äthiopien

Äthiopien ist in diesem Jahr das Beispielland des Sonntags der Weltmission am 28. Oktober. Zwei Drittel der Einwohner sind Christen, ein Drittel Muslime. Die meisten Christen gehören der orthodoxen Kirche an. Die katholische Kirche ist mit einem knappen Prozent eine Minderheit.

Berhaneyesus Demerew Kardinal Souraphiel ist der Vorsitzende der äthiopischen Bischofskonferenz und Erzbischof von Addis Abeba. Kürzlich besuchte er die internationale Zentrale von KIRCHE IN NOT in Königstein im Taunus.

Benedikt Winkler von der Wochenzeitung „Die Tagespost“ sprach mit ihm über die aktuelle politische Lage in Äthiopien, die Beziehung zum Islam und die Arbeit der katholischen Kirche im Land.
Gottesdienst in Äthiopien.
Kinder aus dem Erzbistum Addis Abeba.
Gottesdienst in einem äthiopischen Dorf.
Moschee in Addis Abeba (Foto: Magdalena Wolnik/KIRCHE IN NOT).
Jugendliche an einer Straße in Addis Abeba (Foto: Magdalena Wolnik/KIRCHE IN NOT).
BENEDIKT WINKLER: Eminenz, der Friedensvertrag zwischen Äthiopien und Eritrea wurde am 16. September 2018 unterzeichnet. Sehen Sie den Frieden in Äthiopien mehr durch religiöse oder ethnische Konflikte bedroht?

KARDINAL SOURAPHIEL: Ich würde sagen, im Moment mehr durch ethnische Konflikte, weil das föderale Regierungssystem in Äthiopien auf ethnischer Herkunft basiert.

„Ethnische Konflikte in verschiedenen Regionen”

Es brachte mehr Vielfalt, aber auch mehr Spannungen und ein größeres Gewicht auf die ethnischen Differenzen als auf die Einheit aller Menschen in Äthiopien.

Deswegen gibt es ethnische Konflikte in verschiedenen Regionen Äthiopiens. Ich hoffe, dass der neue Premierminister Dr. Abiy Ahmed das Land einen wird.

Sie haben Äthiopiens neuen Premierminister Abiy Ahmed erwähnt. Ist er der richtige Mann, die ethnischen Konflikte zu befrieden?

Ich denke schon. Er ist ein Mann der Einheit. Aber wahrscheinlich sind einige Vertreter der ehemaligen Regierung nicht glücklich mit der Art und Weise, wie er sein neues Mandat ausführt. Was ihn am meisten bewegt, ist die Liebe zu seinem Land. Ob er die richtige Person ist oder nicht, werden wir sehen.

Friedliches Verhältnis zwischen Christen und Muslimen

Er hat Frieden geschlossen mit Eritrea. Wenn dieses Land gute demokratische Institutionen für eine stabile Regierung bekommt, dann kann es in Zukunft nicht nur am Horn von Afrika, sondern in ganz Ostafrika Stabilität gewährleisten.

Wie ist das Verhältnis zwischen Christen und Muslimen in Äthiopien?

Die Beziehung zwischen Islam und Christentum ist bisher friedlich gewesen. Der Prophet Mohammed hat den Islam in Mekka begründet. Da er von seinem eigenen Stamm verfolgt wurde, musste er fliehen. Er sandte seine Verwandten nach Äthiopien. Die Muslime kamen als Flüchtlinge nach Äthiopien. In der muslimischen Tradition heißt es: „Berühre nicht Äthiopien, weil Äthiopien immer freundlich zu uns war, als wir Flüchtlinge waren.“

Wir führen eine friedliche Koexistenz, vorrangig mit den Sunniten in Äthiopien. Es gibt nicht viele Fundamentalisten in Äthiopien. Fundamentalisten wie al-Shabaab mag es in Somalia geben, die mit al-Qaida in Verbindung stehen.

Katholische Kirche ist kleine Minderheit

Äthiopien ist im Vergleich mit den europäischen Ländern eine Nation mit zahlreichen jungen Menschen. Viele von ihnen suchen in Europa, Südafrika oder Saudi-Arabien nach besseren Arbeitsperspektiven. Was tut die Kirche in Äthiopien, dass junge Menschen ihr Heimatland voranbringen anstatt auszuwandern?

Die katholische Kirche ist in Äthiopien mit weniger als zwei Prozent eine Minderheit. Sie betreibt viele Einrichtungen für die Jugend, seien es Bildungs-, Sozial- oder Gesundheitseinrichtungen. Wir haben mehr als 400 Schulen im ganzen Land. Die meisten Schulen in den Städten können sich selbst unterhalten, aber Schulen im ländlichen Raum brauchen Unterstützung.

Ein Kind aus Äthiopien betet an einer Marienstatue.

Als katholische Kirche in Äthiopien finden wir es wichtig, jungen Menschen nach ihren Fähigkeiten Ausbildungsmöglichkeiten zu schaffen. Wir bilden unter anderem junge Frauen als Krankenschwestern, Köchinnen und Hotelmanagerinnen aus. Dabei ermutigen wir sie, in Äthiopien zu bleiben und dort zu arbeiten.

400 Schulen in katholischer Trägerschaft

Dafür benötigen wir Infrastruktur und die Möglichkeit, Arbeitsplätze zu schaffen. Wir ermutigen nicht zur Migration, erst recht nicht zur illegalen Migration ohne Dokumente, denn damit werden die Menschen zum Spielball von Schlepperbanden.

Wir fühlen, dass die jungen Leute ihr Heimatland lieben, aber es sollte ihnen die Möglichkeiten gegeben werden, im Land zu bleiben.

Am 28. Oktober ist der Sonntag der Weltmission. Was muss getan werden für die Neuevangelisierung in Europa?

Äthiopien hat der Welt eine Menge zu geben. Wir sind dankbar zu hören, dass Europa viele Flüchtlinge aufgenommen hat. Äthiopien hat auch fast eine Million Flüchtlinge aus dem Südsudan, Somalia und Eritrea aufgenommen. Warum? Weil Äthiopien christliche Werte hat.

Äthiopien ist seit der Zeit der Apostel eine christliche Nation. Wir fühlen, dass Gastfreundschaft ein Teil des christlichen Erbes von Äthiopien ist. Christliche Werte sind wichtig. Ein älterer Mensch, ein Flüchtling oder ein Migrant ist zuallererst ein Mensch. Er mag von Gott geschickt worden sein. Er mag ein Segen sein. Heiße ihn willkommen, behandle ihn gut! Das ist biblisch.

Ich denke, Europa sollte versuchen, gläubig zu seinem christlichen Erbe zu stehen. Der Westen sollte sich nicht dafür schämen, ein christliches Land mit großen Werten zu sein ̶ in Krisenzeiten und auch nicht jetzt in guten Zeiten.

Äthiopien hat gezeigt, dass der Religion der richtige Platz in der Gesellschaft gegeben werden sollte. Wir hoffen, dass wir diese Botschaft vermitteln können.

Helfen Sie den Menschen in Äthiopien

KIRCHE IN NOT hat zahlreiche Projekte in Äthiopien gefördert. Allein im Jahr 2017 waren es mehr als 80 Projekte mit fast 1,4 Millionen Euro.

Um die die karitative Arbeit der Kirche in Äthiopien zu unterstützen, bittet KIRCHE IN NOT um Spenden.