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Islam

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In Pakistan werden immer mehr Mädchen aus buddhistischen und christlichen Familien entführt, zwangsverheiratet und zur Konversion zum Islam gezwungen.

 

Dies bestätigte der Erzbischof von Lahore, Sebastian Shaw, gegenüber KIRCHE IN NOT: „In jüngster Zeit hat es viele Entführungen gegeben. Die Mädchen sind etwa 14 oder 15 Jahre alt.“ Es handle sich dabei um schwere Verbrechen, die nur unzureichend geahndet würden, erklärte Shaw.

Eine Ordensfrau aus Pakistan zündet eine Kerze an.
In der Provinz Punjab, deren Hauptstadt Lahore ist, sollen lokalen Quellen zufolge innerhalb eines Jahres bis zu 700 Mädchen verschleppt worden sein.

 

Entführte Mädchen aus buddhistischen oder christlichen Familien

Erzbischof Shaw zufolge handle es sich bei den Entführern meist um verheiratete Männer. Bei den Verschleppungen gebe es eine religiöse Komponente, da die meisten der Mädchen buddhistisch oder christlich seien.

Doch dies sei nicht die ausschließliche Motivation der Täter, glaubt Shaw: „Es ist Begierde. Die Männer denken: ,Sie sieht toll aus, und ich will sie.‛“

Sebastian Shaw, Erzbischof von Lahore.
Da die Entführungen zunähmen, hätten er und weitere Geistliche wiederholt die Polizei alarmiert, „doch die hört überhaupt nicht zu“, berichtete der Erzbischof.

 

Daraufhin habe er sich direkt an die Regierung gewandt. „Sie haben ein Treffen zwischen mir und den Leitern der muslimischen und hinduistischen Gemeinden organisiert. Ein junger islamischer Gelehrter hat die Entführungen kritisiert und erklärt, Zwangskonversionen seien nicht erlaubt.“

Schülerinnen einer katholischen Schule in Pakistan (Foto: Magdalena Wolnik/KIRCHE IN NOT).
Trotz dieser besorgniserregenden Entwicklung sieht Erzbischof Shaw die Entwicklung Pakistans positiv. Die Regierung unter Premierminister Imran Khan setze sich für Gleichheit ein. Das betreffe auch die religiösen Minderheiten.

 

In Pakistan gehören etwa 96 Prozent der Bevölkerung dem Islam an, der auch Staatsreligion ist. Das Leben der Christen, rund zwei Prozent der Pakistaner, unterliegt starken Einschränkungen. Immer wieder kommt es zu gewalttätigen Übergriffen auf Christen.

Die Badshahi-Moschee in Lahore ist die zweitgrößte Moschee Pakistans.
Dennoch sei die Minderheit der Katholiken aktiv, berichtet Shaw. Das gelte besonders im Bildungsbereich. „Fast 60 Prozent der Einwohner sind junge Menschen. Wir verhelfen ihnen zu einer guten und qualifizierten Ausbildung“, sagte Shaw.

 

Ein weiteres Anliegen der Kirche seien Glaubensunterweisung und der interreligiöse Dialog. Hilfe erfahre die pakistanische Kirche dabei durch KIRCHE IN NOT, so der Erzbischof: „KIRCHE IN NOT‛ unterstützt uns vor allem bei pastoralen Aktivitäten. Dafür bin ich sehr dankbar. Wir freuen uns über die finanzielle Unterstützung, die Gebete und die Ermutigung.’“

Christen im Irak haben sich gegenüber KIRCHE IN NOT sehr besorgt gezeigt angesichts der Pläne des irakischen Parlaments zu einer Justizreform. Demnach würden den 13 stimmberechtigten Mitgliedern des Bundesgerichtshofs künftig auch vier islamische Rechtsgelehrte angehören.

 

Alle Entscheidungen des höchsten irakischen Gerichts würden dann die Zustimmung von mindestens drei der islamischen Gelehrten erfordern.

Weihnachtsgottesdienst in einer Kirche in Karakosch im Norden Iraks.
„Das bedeutet voraussichtlich, dass das islamische Recht, die Scharia, immer Vorrang hat“, erklärte Professorin Muna Yako, christliche Aktivistin und Verfassungsexpertin, gegenüber KIRCHE IN NOT. Der Bundesgerichtshof ist mit dem deutschen Bundesverfassungsgericht vergleichbar: Er legt die Verfassung aus und befindet darüber, ob strittige Gesetze und Vorschriften verfassungsgemäß sind.

 

„Aktuell hoffe ich immer, dass bei einem verhandelten Fall am Bundesgerichtshof den Menschenrechten und der Demokratie Vorrang eingeräumt werden“, sagte Yako. „Wenn jedoch islamische Rechtsgelehrte im Gerichtshof Sitz und Stimme erhalten, haben wir keine Chance, dass diese Werte jemals wieder Priorität bekommen.“

Professorin Muna Yako, christliche Aktivistin und Rechtsexpertin aus dem Irak.
Es sei zu befürchten, dass sich der Irak in eine islamische Theokratie verwandle, in dem die Scharia über den staatlichen Gesetzen stehe, so Yako: „Alle Gesetze werden dann auf der Religion basieren – zum Beispiel bezüglich Kleidung und Alkohol.“

 

Religiöse Minderheiten als Bürger zweiter Klasse

Schon jetzt würden religiöse Minderheiten als Bürger zweiter Klasse behandelt, obwohl sie seit Jahrhunderten zur irakischen Gesellschaft gehören. So verbieten die aktuellen Gesetze, dass Muslime zum Christentum konvertieren – umgekehrt sei dies jedoch erlaubt. Ebenso dürfen christliche Männer keine muslimische Frau heiraten, ohne zum Islam zu konvertieren.

Louis Raphael Kardinal Sako (Zweiter von links), Patriarch der chaldäisch-katholischen Kirche, zusammen mit Geistlichen und jungen Christen in Mossul (Foto: Mr. Fadi).
„Das ist eine verfassungswidrige Diskriminierung“, stellte Yako fest. Alle Versuche, daran etwas zu ändern, würden durch den Einfluss islamischer Richter am Bundesgerichtshof zunichtegemacht.

 

„Eine verfassungswidrige Diskriminierung“

So sieht dies offenbar auch der ranghöchste irakische Geistliche, Louis Raphael Kardinal Sako, Oberhaupt der chaldäisch-katholischen Kirche. In einem Brief an den Parlamentspräsidenten zeigte er sich verwundert darüber, dass die Gesetzesänderung ausgerechnet „nach all dem Leid, das wir Christen durch Terror, Vertreibung, Plünderung, Mord und Raub unseres Eigentums erlitten haben“, vorgeschlagen werde.

Übersicht über zerstörte, beschädigte und abgebrannte Wohngebäude in der Ninive-Ebene.
Die Justizreform gefährde die Zukunft der Christen im Irak, indem das islamische Recht auch auf sie angewendet würde, zum Beispiel in Erbschaftsangelegenheiten.

 

Sollten Parlament und Regierung das neue Justizgesetz annehmen, erklärte Rechtsexpertin Muna Yako gegenüber KIRCHE IN NOT, habe sie „keine Hoffnung mehr“ für Christen, Jesiden und andere religiöse Minderheiten im Irak: „Ich befürchte, dass dann noch mehr Christen den Irak verlassen. Wir werden dann nur noch Geschichte sein.“

Indonesien ist das Land mit der größten muslimischen Bevölkerungsgruppe weltweit. Dennoch ist es kein islamischer Gottesstaat. Stattdessen legt die staatliche Ideologie „Pancasila“ („Fünf Prinzipien“) die Leitwerte des Landes fest. Die Verfassung schreibt keine bestimmte Religion vor, verpflichtet die Bürger aber zum Gottesglauben. Dennoch ist die politische Situation maßgeblich durch den Islam beeinflusst. Fundamentalistische Islamisten verzeichnen auch in Indonesien Zulauf.

 

Maria Lozano von KIRCHE IN NOT hat mit dem deutschstämmigen Jesuiten Franz Magnis-Suseno (82) über die Situation des Landes nach den Wahlen gesprochen. Magnis-Suseno lebt in der Hauptstadt Jakarta, lehrte an verschiedenen indonesischen Universitäten und gilt als profunder Kenner des Landes und der religiösen Situation.

Aschermittwoch-Gottesdienst in Indonesien (Foto: KIRCHE IN NOT/Magdalena Wolnik).
Pater Magnis-Suseno, Sie leben seit 1961 in Indonesien. Wie hat sich das Land seither entwickelt?
Die auffälligste Entwicklung war die Etablierung des Islam als wichtigstem Faktor in der indonesischen Politik. Laut der Staatsideologie „Pancasila“ brauchte der Islam keine besondere Stellung einzunehmen.

All dies änderte sich mit der demokratischen Öffnung des Landes 1998. Islamische Extremisten traten an die Öffentlichkeit. Es wurden neue politische Parteien auf der Grundlage des Islam gegründet. Der Mehrheitsislam geriet unter den Druck radikaler und extremistischer Bewegungen. Sie forderten ein stärker an der Scharia orientiertes Indonesien.

Das hat sich auch in lokalen Vorschriften niedergeschlagen. Die muslimischen Organisationen wie auch die Vereinten Nationen erklärten jedoch unmissverständlich, dass die endgültige politische Organisation des Landes auf den Prinzipien von „Pancasila“ basieren sollte. Dennoch muss alles, was in Indonesien geschieht, für die Muslime annehmbar sein.

- Franz Magnis-Suseno SJ
Wie sehen Sie in diesem Zusammenhang die Ergebnisse der letzten Wahlen?
Dass der Mehrheitsislam eine moderate Politik unterstützt, ist ein stabilisierender Faktor. Die Zukunft Indonesiens wird zwar vom Islam bestimmt, aber die Ergebnisse der vergangenen Wahlen lassen hoffen, dass der gemäßigte Islam eine entscheidende Rolle spielen wird.

 

Ist also die sich abzeichnende Wiederwahl von Präsident Widodo, auch bekannt als Jokowi, eine gute Nachricht für die Stabilität Indonesiens?
Die Wiederwahl Jokowis bedeutet, dass die Indonesier erwarten, dass er seine ideologisch unauffällige Linie fortsetzt. Sie erwarten, dass er weitere Schritte unternimmt, um das Wirtschaftswachstum fortzusetzen und die Armut weiter zu bekämpfen, die sich auf dem historisch niedrigsten Niveau befindet. Sie erwarten eine moderat pro-islamische Politik. Das soll der Vizepräsident, ein muslimischer Geistlicher, garantieren.

Und die religiösen Minderheiten sind zuversichtlich, dass Toleranz und Religionsfreiheit gestärkt werden. Wenn es Präsident Jokowi gelingt, sich in den Dienst des moderaten Mehrheitsislams zu stellen, wird er hoffentlich den islamistischen Radikalismus isolieren und eine demokratische Entwicklung auf Grundlage der Menschenrechte etablieren.

Franz Magnis-Suseno SJ, Jesuitenpater aus Jakarta.
Indonesien gilt, Sie haben es angesprochen, als moderat-islamisches Land. Dennoch hat ein Fall im Jahr 2017 für Aufsehen gesorgt, bei dem der Begriff „islamischer Populismus“ eine Rolle gespielt hat. Was ist damit gemeint?

Der islamische Populismus trat erstmals in Erscheinung im Zusammenhang mit dem Gouverneur von Jakarta, Basuki Chaya Purnama, bekannt als Ahok. Er ist ein Christ chinesischer Herkunft. Ein unglücklicher Kommentar von ihm wurde dahingehend manipuliert, dass er scheinbar den Koran beleidigte. Dadurch wurde seinen Feinden die gesuchte Gelegenheit geboten, Muslime gegen ihn zu mobilisieren.

 

Der Bau neuer Kirchen ist schwierig

Ahok verlor die folgenden Kommunalwahlen und wurde zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Mit der Ernennung eines gemäßigten Islamisten zum Kandidaten für das Amt der Vizepräsidenten ist es Präsident Jokowi gelungen, den Populismus abzuschwächen. Er hat bei den jüngsten Wahlen keine Rolle mehr gespielt.

Wie leben die Christen in Indonesien?
Die Christen sind frei. Sie leben, beten und agieren ohne Schwierigkeiten als kleine Minderheit in Java, Sumatra und anderen Regionen. Sie taufen weiterhin Konvertiten aus anderen Religionen, auch aus dem Islam. Der Bau neuer Kirchen ist jedoch schwierig. Es gab auch einige Anschläge auf Kirchen sowie andere Fälle von Intoleranz.

Gottesdienst in der Kathedrale in Jakarta (Foto: KIRCHE IN NOT/Magdalena Wolnik).
Wie sehen die Beziehungen der Christen zu den anderen Religionen aus?
Die Beziehungen zwischen Katholiken und Muslimen waren noch nie so gut wie heute. Der interreligiöse Dialog ist intensiv. Vor sechzig Jahren hatten die Christen praktisch keinen Kontakt zu Muslimen, aber das begann sich ab den 1970er-Jahren zu ändern. Heute sind die Beziehungen zwischen christlichen und muslimischen Intellektuellen, den meisten Bischöfen und muslimischen Geistlichen, Pfarreien und Moscheegemeinden eng und vertrauensvoll.

 

Was ist der Grund für diese Entwicklung?
Einer der Gründe dafür ist, dass sich der moderate Mehrheitsislam auch von extremistischen Ideologien angegriffen fühlt und uns deshalb als Verbündete betrachtet. Beim interreligiösen Dialog geht es nicht um unsere jeweiligen Lehren. Es geht vielmehr um die Frage, wie die latente Intoleranz überwunden werden kann.

Wir möchten, dass die Menschen Religionen als Gnade und nicht als Bedrohung wahrnehmen, und dass Hass und Gewalt keinen Platz in der Religion haben.

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24.06.2019 aktuelles