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Ninive-Ebene

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Am 6. August 2014 eroberten und zerstörten Einheiten des sogenannten „Islamischen Staates“ (IS) die christlichen Ortschaften in der irakischen Ninive-Ebene. Etwa 120 000 Christen mussten über Nacht fliehen. Viele von ihnen fanden Zuflucht in und um Erbil, der Hauptstadt der Autonomen Region Kurdistan.

 

In den folgenden drei Jahren war Erzbischof Bashar Warda, der chaldäisch-katholische Erzbischof von Erbil, für viele Vertriebene die wichtigste Anlaufstelle. Er organisierte zusammen mit KIRCHE IN NOT zahlreiche Hilfen: von der Unterbringung über die Versorgung mit Lebensmitteln und Medikamenten, bis hin zu Schulen für Flüchtlingskinder.

August 2014: Tausende geflüchtete Menschen kampieren unter freiem Himmel in Erbil (Foto: ankawa.com).
Als ab Herbst 2016 die irakischen Streitkräfte und ihre Verbündeten die Ninive-Ebene zurückerobern konnten, kehrten zahlreiche vertriebene Christen in ihre Heimatorte zurück – auch wenn dort oftmals nur noch Ruinen standen. Zusammen mit den Ortskirchen unterstützt KIRCHE IN NOT den Wiederaufbau tatkräftig.

 

Zum fünften Jahrestag der IS-Invasion in der Ninive-Ebene sprach Maria Lozano von KIRCHE IN NOT International mit Erzbischof Warda über die damaligen Ereignisse und die anhaltenden Folgen für die Christen im Irak und im ganzen Nahen Osten.

Zerstörte Stadt im Irak.
MARIA LOZANO: Fünf Jahre sind seit den IS-Eroberungen und der dadurch ausgelösten Flüchtlingswelle vergangen. Was sind Ihre Erfahrungen aus dieser leidvollen Zeit?


ERZBISCHOF BASHAR WARDA: Wir stehen nach wie vor in einem existenziellen Kampf. Die unmittelbare Ursache ist der Angriff des IS am 6. August 2014. In einer einzigen Nacht verloren die Christen im Irak Unterkunft, Arbeit und Eigentum, Kirchen und Klöster.

Unsere Unterdrücker beraubten uns unserer Gegenwart, als sie versuchten, unsere Geschichte auszulöschen und unsere Zukunft zu zerstören. Dies war eine außergewöhnliche, aber keine einmalige Situation. Sie gehört zu den seit mehr als 1400 Jahren immer wiederkehrenden Gewaltwellen im Nahen Osten.

Baschar Warda, chaldäischer Erzbischof von Erbil/Irak.
War die IS-Invasion also nur die Spitze des Eisbergs?
Mit jeder weiteren Welle der Gewalt ist die Zahl der Christen zurückgegangen, bis heute. Wir Christen im Irak sind vom Aussterben bedroht. Was wird dann die Weltöffentlichkeit sagen? Dass wir durch eine Naturkatastrophe oder durch langsame Auswanderung ausgelöscht wurden? Dass die IS-Angriffe unerwartet kamen und uns überrascht haben?

 

Oder wird womöglich nach unserem Verschwinden die Wahrheit ans Licht kommen: dass wir im Laufe von 1400 Jahren beharrlich und stetig durch ein Glaubenssystem beseitigt worden sind, das regelmäßige und wiederkehrende Gewaltwellen gegen uns zugelassen hat?

- Baschar Warda, chaldäischer Erzbischof von Erbil/Irak.
Aber hat es in den 1400 Jahren Unterdrückung, von denen Sie sprechen, nicht auch Zeiten der Toleranz gegeben?
Es gab Zeiten relativer Toleranz. Das arabische Goldene Zeitalter wurde auf der Grundlage chaldäischer und syrischer Gelehrsamkeit errichtet. Es war christliche Gelehrsamkeit. Es hatte sich ein Stil des akademischen Dialogs entwickelt, der nur möglich war, weil eine Reihe von Kalifen Minderheiten tolerierte.

 

1400 Jahre Unterdrückung

Aber diese Augenblicke der Toleranz waren und sind eine einseitige Erfahrung. Es war und ist keine Frage der Gleichstellung. Wir Christen sollen nicht als Gleichgestellte behandelt werden; wir sollen nur toleriert oder nicht toleriert werden, je nachdem wie sehr die Herrschenden der Lehre des Dschihad folgen. Ja, die Wurzel all dessen ist die Lehre des Dschihad, die zur Rechtfertigung für Gewaltakte herangezogen wird.

Übersicht über zerstörte, beschädigte und abgebrannte Wohngebäude in der Ninive-Ebene.
Nach der Rückeroberung kehren viele irakische Christen in ihre Dörfer zurück. Wird die Lage besser?
Es gibt immer noch extremistische Gruppen, die immer größer werden, und die behaupten, das Töten von Christen und Jesiden trage zur Verbreitung des Islam bei. Das ist jedoch noch nicht alles. Nach der Verfassung des Irak sind wir zweitklassige Bürger. Wir sind denen ausgeliefert, die sich uns gegenüber überlegen erklären. Unser Menschsein gibt uns keine Rechte.

 

Christen sind im Irak Bürger zweiter Klasse

Manche sagen, die Brutalität und Gewalt des IS habe auch die islamische Welt verändert. Was meinen Sie?
Der IS hat eindeutig das Bewusstsein der Welt erschüttert, auch der islamischen Welt. Die Frage ist nun, ob der Islam eine politische Richtung bleibt, in der die Scharia die Grundlage des Zivilrechts ist und in der fast alle Aspekte des Lebens der Religion untergeordnet sind oder ob sich eine zivilisiertere und tolerantere Bewegung entwickeln wird.

Mit der Niederlage des IS ist die Idee einer Wiederherstellung des Kalifats nicht untergegangen. Diese Idee ist wiederaufgetaucht und heute in den Köpfen der muslimischen Welt fest verankert.

Prozession von Christen, die wieder in ihre Heimatstadt Karakosch zurückgekehrt sind.
Wie wird der Westen Ihrer Meinung nach darauf reagieren?
Darauf wüssten die religiösen Minderheiten im Nahen Osten nur zu gerne die Antwort. Wenn die nächste Welle der Gewalt auf uns zukommt, wird dann jemand an den westlichen Universitäten Demonstrationen organisieren und Transparente tragen, auf denen steht: „Wir sind alle Christen“? Ich spreche von der nächsten Welle der Gewalt, denn diese ist das zwangsläufige Ergebnis eines Regierungssystems, das Ungleichheit predigt und Verfolgung rechtfertigt.

 

Ein Regierungssystem, das Verfolgung rechtfertigt

Was könnte ein Ausweg aus diesem Dilemma sein?
Der Wandel muss durch eine bewusste Arbeit in der muslimischen Welt selbst herbeigeführt werden. Wir sehen kleine Anfänge davon, vielleicht in Ägypten, Jordanien, Asien, sogar Saudi-Arabien. Es bleibt sicherlich abzuwarten, ob dies wirklich aufrichtig ist.

Langsam kommt die Normalität zurück: Ein kleiner Laden in Karakosch.
Was fordern Sie von der westlichen Politik?
Wir fordern gemeinsame Anstrengungen, um die Gleichbehandlung aller Minderheiten im Irak und anderswo zu gewährleisten. Die Rolle, die christliche Gemeinschaften in islamischen Gesellschaften spielen oder gespielt haben, ist unterschätzt worden.

 

Zu verstehen, was im Irak geschehen ist, bedeutet, sich ehrlich vor Augen zu halten, was der Zweck einer christlichen und was der Zweck einer islamischen Rechts- und Gesellschaftsordnung ist – und was es bedeutet, wenn beide aufeinanderprallen. Ich verstehe, dass es sich um ein unbequemes Thema handelt. Aber für irakische Christen ist dies keine abstrakte Angelegenheit.

- Baschar Warda, chaldäischer Erzbischof von Erbil/Irak.
Ihre Zukunftsperspektive für die Christen im Irak ist sehr düster …
Seien wir ehrlich: In den Jahren bis 2003 gab es hier bis zu eineinhalb Millionen Gläubige, das waren sechs Prozent der irakischen Bevölkerung. Heute sind vielleicht nur noch 250 000 Christen übrig, vielleicht weniger. Und diejenigen von uns, die übrig sind, müssen auf das Martyrium gefasst sein.

 

Wir werden auf unserem Weg zum Aussterben nicht schweigend weitermachen. Dann kann, wenn wir eines Tages verschwunden sein sollten, niemand sagen: Wie konnte das geschehen? Die Gewalt und Diskriminierung von Unschuldigen muss ein Ende haben. Diejenigen, die sie predigen, müssen damit aufhören. Wir Christen im Irak sind bereit, Zeugnis abzulegen, ganz gleich welche Folgen das hat.

KIRCHE IN NOT hat im Rahmen seines Wiederaufbauprogramms für die vor allem von Christen bewohnten Ortschaften in der irakischen Ninive-Ebene begonnen, weitere Häuser für 41 Familien in der Stadt Bartella wieder zu errichten. Bartella liegt 23 Kilometer östlich von Mossul.

 

Über 200 Personen profitieren von diesem Projekt. Es ist die neueste Maßnahme im Aufbauprogramm von KIRCHE IN NOT. Unser Hilfswerk hat bereits die Renovierung von mehr als 2000 Häusern in der Region unterstützt.

Vor der Invasion des sogenannten „Islamischen Staates“ (IS) im Jahr 2014 war Bartella eine Stadt mit etwa 17 500 Einwohnern, die meisten von ihnen syrisch-orthodoxer oder syrisch-katholischer Konfession.

KIRCHE IN NOT errichtet weitere Häuser für über 40 Familien in Bartella. Das Foto entstand nach dem Wortgottesdienst in einer Kirche in Bartella, bei der jede Familie einen kleinen Olivenbaum erhalten hatte. Er soll als ein Zeichen der Hoffnung wachsen. Dr. Andrzej Halemba (5. v. r.) war als Vertreter von KIRCHE IN NOT vor Ort.
Die Menschen flüchteten in den kurdischen Teil des Irak, von dort gingen viele ins Ausland. Während dieser Zeit stellte KIRCHE IN NOT Lebensmittel, Unterkunft, Medikamente und Schulunterricht für die vertriebenen Christen bereit.

 

Wohnhäuser und Kirchen geplündert und niedergebrannt

Als die Bewohner nach der Befreiung der Stadt im Jahr 2016 zurückkehrten, fanden sie ihre Wohnhäuser beschädigt, geplündert und niedergebrannt vor. So wollten die IS-Einheiten verhindern, dass die Christen wieder zurückkehren. Weitere Häuser wurden während der Befreiung durch Luftangriffe zerstört.

Auch die Kirchen hatten die Terroreinheiten geplündert und die sakralen Gegenstände beschädigt. An einer Kirchenwand prangte die schwarze IS-Fahne.

Die syrisch-orthodoxe Kirche in Bartella. Sie wurde von IS-Kämpfern beschädigt, konnte aber mit Unterstützung von KIRCHE IN NOT renoviert werden.
KIRCHE IN NOT hatte 2017 mit Vertretern der lokalen Kirchen ein Wiederaufbaukomitee für die Ninive-Ebene gegründet, um die christliche Präsenz in der Region zu stärken. Zuvor hatten Freiwillige die Schäden in den Ortschaften dokumentiert.

 

Wiederaufbau in der Ninive-Ebene geht voran

Aktuell sind bereits gut die Hälfte der Häuser renoviert und ebenfalls die Hälfte der vertriebenen Christen zurückgekehrt. Das erhoffen die Akteure nun auch für Bartella: Am 5. Juni 2019 wurde in einem feierlichen Wortgottesdienst der Wiederaufbau dieser Stadt eingeläutet.

So sah der Innenraum der syrisch-orthodoxen Kirche in Bartella aus, nachdem der IS dort geplündert und gebrandschatzt hatte.
Dr. Andrzej Halemba, Sektionsleiter für den Nahen Osten bei KIRCHE IN NOT, verglich in seiner Ansprache die irakischen Christen mit den Familien des Alten Testaments nach dem Babylonischen Exil. Deren Aufgabe sei es gewesen, Jerusalem nach seiner Zerstörung wiederaufzubauen.

 

Olivenzweige als Zeichen der Hoffnung

Anschließend segneten die Geistlichen Olivenbäume und verteilten einen an jede Familie. Die Olivenzweige symbolisieren die Hoffnung auf Frieden nach den vielen Jahren des Krieges – und dass diese Bäume, die in den Gärten der Familien gepflanzt werden, reiche Früchte tragen.

Father Georges Jahola lächelt viel. „Das ist wichtig, um den Menschen ein Gefühl zu geben, dass sie willkommen sind“, erklärt der 54-Jährige bei seinem Besuch im deutschen Büro der Päpstlichen Stiftung „Kirche in Not“. In der irakischen Ninive-Ebene lebt der syrisch-katholische Priester eine „Willkommenskultur“ der besonderen Art: Jahola leitet den Wiederaufbau seiner Heimatstadt Karakosch – von den Christen auf aramäisch Baghdeda genannt. Das war einst die größte christliche Stadt in der Region; etwa 35 Kilometer südöstlich von Mossul. Wie in den übrigen Orten der Ninive-Ebene hat der sogenannte „Islamische Staat“ auch in Karakosch eine Trümmerwüste hinterlassen.
Gottesdienst in einer beschädigten Kirche in Karakosch nach der Rückkehr der Vertriebenen aus Erbil.
Wiedereröffnetes Lebensmittelgeschäft in Karakosch.
Father Georges Jahola besichtigt die Bauarbeiten an einem zerstörten Haus in Karakosch.
Zerstörte Gebäude in Karakosch.
Mutter und Tochter an der Eingangstür ihres wiederrichteten Hauses in Karakosch.

Die Invasion des IS im Sommer 2014 hat Jahola aus der Ferne miterlebt – sein Bischof hatte ihn zum Studium nach Rom gesandt. Nach der Befreiung war ihm aber sofort klar: „Ich muss zurück. Es gibt so viel zu tun.“ Am Erfolg seiner Mission habe er nie gezweifelt, sagt er. In der Tat ist nur eineinhalb Jahre nach Beginn der Wiederaufbauarbeiten gut die Hälfte der Christen in die Ninive-Ebene zurückgekehrt. Mit Tobias Lehner sprach Father Jahola darüber, wie dies möglich wurde, welche neuen Herausforderungen jetzt vor den Christen im Irak liegen – und warum ein starkes Christentum in Europa auch die Position der Christen im Nahen Osten stärkt.

TOBIAS LEHNER: Wie geht der Wiederaufbau in der Ninive-Ebene voran?

FATHER GEORGES JAHOLA: Der Wiederaufbau geht sehr gut voran – dank der vielen Unterstützung, die wir erhalten. Unser wichtigster Partner dabei ist und bleibt „Kirche in Not“. Ich bewundere sehr, wie viel Hilfe wir von den Wohltätern erhalten. Das ist für uns ein großes Zeichen der Hoffnung. In meiner Heimatstadt Karakosch haben wir in nur 16 Monaten bereits 35 Prozent der Häuser wiederhergerichtet. In der Ninive-Ebene insgesamt sind es schon über 41 Prozent. Sehr viele Ehrenamtliche machen mit. Die Renovierung der teilweise beschädigten und einsturzgefährdeten Häuser ist fertig. Jetzt nehmen wir die niedergebrannten und komplett zerstörten Häuser in Angriff.

Und wie steht es um die Kirchen und die Pfarreigebäude?

Der Hass der Islamisten richtete sich ja in besonderer Weise gegen die Gotteshäuser.

Die Kirchen haben eine enorme Bedeutung – nicht nur kulturell. Sie geben den Menschen Mut und Zuversicht. Wir feiern auch jetzt schon unsere Gottesdienste und Feste in den Kirchen, obwohl sie fast alle schwer beschädigt und teilweise zerstört sind. Ich zum Beispiel feiere die Liturgie mit der syrisch-katholischen Gemeinde von Karakosch in einer rußgeschwärzten Kirche, in der immer wieder Betonteile von der Decke fallen. In einigen Orten wurden bereits die ersten Gotteshäuser wiederhergerichtet. Das ist der nächste große Schritt. „Kirche in Not“ hilft auch hier.

Wie geht es den Menschen, die zurückgekehrt sind? Wie leben sie?

Seit gut einem Jahr kommen immer mehr Menschen zurück, Läden und Restaurants öffnen. Der Alltag hat wieder begonnen – allerdings mit viel weniger Menschen als vor der IS-Invasion. Gut die Hälfte der Vertriebenen ist zurück. Die größte Herausforderung ist das Thema Arbeit. So lange die Wiederaufbauarbeiten laufen und wir sie finanzieren können, stehen die Menschen in Lohn und Brot. Es gibt ja genug zu tun. Aber die große Frage ist: Wie können wir gerade den jungen Leuten neue Arbeitsmöglichkeiten eröffnen? Wir haben da auch schon konkrete Pläne …

Zum Beispiel?

Das betrifft vor allem die Landwirtschaft, denn sie ist ein großer Wirtschaftsfaktor für die Ninive-Ebene und könnte vielen Menschen Arbeit bieten, zum Beispiel in der Geflügel- und Viehzucht. Die Kämpfer des IS haben jedoch viele Bauernhöfe zerstört. Wir wollen deshalb auch eine Untersuchung starten, wie wir es schon mit den zerstörten Wohnhäusern gemacht haben: Wie hoch ist die Zerstörung der landwirtschaftlichen Betriebe? Was brauchen die Familien jetzt am dringendsten, um die Arbeit aufnehmen zu können? Wir denken auch über Anschubfinanzierungen und Kredite nach – aber das kostet viel …

Ein weiteres riesiges Aufgabenfeld – zusätzlich zu dem, was die Kirche in der Ninive-Ebene sonst noch stemmt. Gibt es denn gar keine staatliche Hilfe?

Nur die Kirche kümmert sich um die Menschen. Wir bekommen nichts vom Staat. Aber als Kirche sind wir nah dran an den Menschen. Wir haben sehr konkrete Vorstellungen davon, was die Menschen in der Ninive-Ebene für die Zukunft brauchen.

Sie sprachen davon, dass die Hälfte der Christen zurückgekehrt ist. Sehen Sie irgendeine Chance, dass auch die andere Hälfte zurückkommt?

Hier muss man unterscheiden: Nach wie vor halten sich einige tausend Christen in Erbil in der Autonomen Region Kurdistan auf, wohin viele nach der IS-Invasion geflüchtet waren. Ihre Zahl ist rückläufig. Die Menschen, die dortbleiben, haben dafür gute Gründe: Die meisten haben in der Region feste Arbeit gefunden. Es hängt also auch von der wirtschaftlichen Situation in der Ninive-Ebene ab, ob sie zurückkehren. Die Mehrheit der übrigen Vertriebenen lebt in Jordanien, im Libanon oder der Türkei. Sie haben natürlich die Möglichkeit zurückzukommen, scheuen aber den Schritt. Sie halten den Irak noch für zu unsicher. Ich arbeite dafür, das Gegenteil zu beweisen!

Father Georges Jahola aus Karakosch.
Und was ist mit den Christen, die in die westlichen Länder geflohen sind?

Nur zehn Prozent der Christen sind in den Westen gegangen. Natürlich hoffen wir, dass auch sie heimkehren. Aber man muss realistisch bleiben: Viele jungen Leute haben in Europa ein Studium begonnen, junge Familien haben ihre Kinder dort in der Schule oder im Kindergarten. Ich denke aber weder, dass diese christlichen Einwanderer eine Belastung für den Westen sind, noch, dass sie für uns im Nahen Osten „verloren“ sind. Wenn sie beispielsweise für ein europäisches Unternehmen arbeiten, das mit dem Irak Geschäfte macht, wird das vielleicht auf die Expertise der irakischen Christen zurückgreifen. Sie können also Brückenbauer sein!

Sie haben mehrmals das Thema Schule und Studium angesprochen – essentielle Bereiche, um junge Menschen zur Rückkehr zu bewegen. Wie steht es um die Schulen in der Ninive-Ebene?

Alle öffentlichen Schulen in der Ninive-Ebene haben wieder geöffnet. Allerdings wollen die Eltern ihre Kinder viel lieber auf kirchliche Privatschulen schicken, weil dort die Ausbildung besser ist. Die Bildungsarbeit, die vor der Vertreibung vor allem in der Hand der Ordensschwestern war, ist ein weiterer großer Baustein für die Zukunft in der Ninive-Ebene.

Kritiker behaupten ja, der Wiederaufbau sei zu früh erfolgt, Anhänger des IS oder anderer islamistischer Gruppen könnten jederzeit wieder losschlagen. Wie sehen Sie das?

Der IS im Irak ist vernichtet. Ich sehe auch nicht, dass von anderen Gruppen die Gefahr einer militärischen Eroberung ausgeht. Das heißt aber nicht, dass es keine Probleme gibt. Es gibt viel Radikalisierung in den Köpfen. Es gibt eine weitreichende Diskriminierung der Christen. Das betrifft vor allem die öffentliche Verwaltung und die Universitäten. Wenn zum Beispiel ein Christ einen guten Studienabschluss hat und weiterstudieren möchte, kommt es häufig vor, dass ein muslimischer Student vorgezogen wird. Das ist eine verdeckte Diskriminierung und sie ist eine viel größere Gefahr. Und dann gibt es auch noch eine Art „demografische Invasion“ …

Was verstehen Sie darunter?

Wenn Christen die Ninive-Ebene verlassen, versuchen sehr oft Muslime, deren Eigentum zu erwerben. Diese Tendenz reicht schon bis in die achtziger und neunziger Jahre zurück. So war zum Beispiel die Kleinstadt Telkef, etwa 20 Kilometer nördlich von Mossul, früher eine mehrheitlich christliche Stadt. Heute leben dort nur noch 20 Prozent Christen. Ähnliche Entwicklungen gibt es aktuell in Bartella. Dort versuchen Angehörige der ethnischen Gruppe der Schabak immer mehr Gebäude aufzukaufen. Es fragt sich natürlich, woher die Gelder dafür kommen. Die Schabak sind mehrheitlich schiitische Muslime und es bestehen sehr enge Kontakte zum Iran, das sich ja als eine Art „Schutzmacht“ der Schiiten versteht. Das ist eine sehr reale Gefahr!

Sie sprechen den Einsatz der ausländischen Regierungen für die Rechte der Christen in der Ninive-Ebene an. Fühlen Sie sich angemessen unterstützt?

Die Hilfen, die wir bekommen, sind ein großes Zeichen der Brüderlichkeit! Jeder einzelne Beitrag zeigt uns, dass irgendwo auf der Welt jemand an uns denkt. „Kirche in Not“ macht das für uns sichtbar. Wir wissen natürlich auch um die Herausforderungen für Glaube und Kirche in der westlichen Welt. Wir beten dafür, dass das Christentum in Europa stark bleibt! Denn alles, was das Christentum in Europa stärkt, stärkt auch die Situation der Christen im Nahen Osten!

Auch nach der Befreiung der christlichen Siedlungsgebiete in der irakischen Ninive-Ebene von Truppen des „Islamischen Staat“ (IS) beklagen Bischöfe des Landes große Sicherheitsmängel.

„Ohne Sicherheit und Arbeitsplätze wird kein Christ im Irak bleiben“, sagte Timothy Mosa Alshamany, syrisch-orthodoxer Erzbischof von Antiochien, gegenüber KIRCHE IN NOT. Alshamany plädierte anlässlich des vierten Jahrestags der IS-Eroberungen an die Weltgemeinschaft, ihrer Verantwortung nachzukommen: „Es sollte eine internationale Friedenstruppe in der Ninive-Ebene stationiert werden. Wir wollen eine Garantie, dass unsere Freiheit und Sicherheit gewährleistet werden.“
Prozession von Christen, die wieder in ihre Heimatstadt Karakosch zurückgekehrt sind.
Gruppenbild der Unterzeichner (von links): Monsignore Timothy Mosa Alshamany, syrisch-orthodoxer Erzbischof von Antiochien und Abt des Klosters vom heiligen Matthäus; Yohanna Petros Mouche, syrisch-katholischer Erzbischof aus Mossul; Andrzej Halemba, Nahost-Referent von „Kirche in Not“, Nicodemus Daoud Matti Sharaf, syrisch-orthodoxer Metropolit von Mossul, Kirkuk und Kurdistan; Mikha Pola Maqdassi chaldäisch-katholischer Bischof aus Alqosh.
August 2014: Flüchtlinge in einem Notlager in Ankawa bei Erbil/Nordirak. Foto: ankawa.com.

Eine besondere Verantwortung komme dabei den USA zu, so der Erzbischof. Das gelte nicht nur militärisch: Die US-Regierung hatte mehrfach angekündigt, Hilfsgelder zukünftig den Christen im Irak direkt zukommen zu lassen.

Bislang werden diese Mittel über die Vereinten Nationen verteilt. Es sei jedoch noch nichts geschehen, so Alshamany: „Wir hören viele Reden von Präsident Trump. Wir wollen endlich Taten sehen.“

Am 6. August 2014 hatten die Einheiten des IS das christliche Siedlungsgebiet nahe der nordirakischen Metropole Mossul erobert. Etwa 120 000 Christen mussten fliehen. Viele von ihnen fanden rund um die kurdische Stadt Erbil Zuflucht. In den Folgejahren gingen viele Christen ins Ausland.

Seitdem ab 2016 irakische Truppen und ihre Verbündeten die Gebiete zurückerobern konnten, sind mehrere zehntausend vertriebene Christen in ihre zerstörten Heimatorte zurückgekehrt.

KIRCHE IN NOT unterstützt zusammen mit lokalen Kirchen den Wiederaufbau maßgeblich.

Ende Juli 2018 waren so bereits 45 Prozent der einstigen Bewohner zurückgekehrt und über ein Drittel der Gebäude wieder instand gesetzt „Ohne die Hilfe christlicher Organisationen wie KIRCHE IN NOT hätten wir nicht überleben können“, stellte Alshamany fest.

Gleichzeitig bleibe die Furcht vor einer Rückkehr radikal-islamischer Gruppen ein ständiger Begleiter, denn viele Anhänger des „Islamischen Staates“ seien noch am Leben und untergetaucht: „Wir vermuten, dass sich in Zukunft eine IS-ähnliche Gruppe bilden wird – wie auch immer sie sich dann nennen mag.“

Timothy Mosa Alshamany, syrisch-orthodoxer Erzbischof von Antiochien.
Syrischer Bischof
Noch immer Zehntausende Menschen in Notunterkünften

Baschar Warda, chaldäisch-katholischer Erzbischof von Erbil, der Hauptstadt der Autonomen Region Kurdistan, betonte im Gespräch mit KIRCHE IN NOT, dass beim Wiederaufbau keine Zeit verloren werden dürfe: „Dieser Sommer ist sehr kritisch für uns. Wenn die Christen nicht bald zurück können, wandern sie aus.“

Wardas Diözese hatte einen Großteil der vertriebenen Christen aus der Ninive-Ebene aufgenommen. Noch immer harren Zehntausende rund um Erbil in Notunterkünften aus – eine angespannte Situation.

Warda zeigte sich vorsichtig optimistisch, was die finanziellen Zusagen der US-Regierung angeht. Zwar seien noch keine Gelder geflossen, er sei aber überzeugt, „dass die Vereinigten Staaten helfen wollen. Es ist das erste Mal, dass eine amerikanische Regierung anerkennt, dass die Christen hier im Irak wegen ihres Glaubens verfolgt wurden.“

Botschaft von Versöhnung und Feindesliebe

Warda betonte, wie wichtig es sei, die christliche Präsenz im Nahen Osten aufrechtzuerhalten. „Die ganze Region wird durch Gewalt, Korruption und politische Verwerfungen erschüttert. Nur die Christen können dem Nahen Osten die Botschaft von Versöhnung und Feindesliebe bringen.

Unterstützen Sie den Wiederaufbau im Irak

Um den Wiederaufbau der christlichen Dörfer im Irak sowie die materielle und geistliche Hilfe der Bevölkerung weiterhin unterstützen zu können, bittet KIRCHE IN NOT um Spenden.

Der 6. August 2014 markiert für hunderttausende Christen im Irak eine Zeitenwende: In der Nacht vom 6. August rückten die Truppen des sogenannten „Islamischen Staates“ (IS) unaufhaltsam gegen ihre Städte und Dörfer in der Ninive-Ebene vor.

In Panik flohen ihre Bewohner, fanden Unterschlupf im kurdischen Teil des Irak, gingen ins Ausland. Die Stadt Mossul wurde weltweit zum Inbegriff des IS-Terrors. Das „christliche Herz“ des Irak hatte aufgehört zu schlagen.

Juli 2018: Was damals niemand für möglich gehalten hätte, ist heute Wirklichkeit: In die Trümmer kommt wieder Leben. Nach dem militärischen Sieg über den IS, werden in der Ninive-Ebene jetzt mit Putz und Ziegelsteinen Siege über den IS errungen.
Langsam kommt die Normalität zurück: Ein kleiner Laden in Karakosch.
Ein wiedereröffneter Obstladen in Karakosch.
Amjeed Tareq Hano arbeitet im Büro des Ninive-Wiederaufbaukomitees mit.
Nicht überall gibt es bereits fließendes Wasser. Daher fahren Lkws mit Wassertanks durch die Straßen, um die Menschen zu versorgen.
Zerstörte Häuser in Karakosch.

Im „Niniveh Reconstruction Comitee“ (Ninive-Wiederaufbaukomitee) in Karakosch, einer Kleinstadt 32 Kilometer südöstlich von Mossul, laufen die Fäden für den Wiederaufbau zusammen. Ins Leben gerufen hat dieses Wiederaufbaukomitee KIRCHE IN NOT zusammen mit verschiedenen christlichen Kirchen vor Ort.

Tiefe Wunden in den Herzen

Der finanzielle wie logistische Aufwand sind enorm: Die Gesamtkosten für den Wiederaufbau werden auf rund 250 Millionen US-Dollar geschätzt. Der Grad der Zerstörungen ist hoch. Noch tiefer sind die Wunden in den Herzen der Bewohner.

„Als ich März 2017 zum ersten Mal nach der Befreiung wieder nach Karakosch kam, habe ich geweint, als ich die Verwüstungen sah“, erzählt Sabah Zakari. Der 60-Jährige leitet ein Team von 70 Ingenieuren, um den Wiederaufbau technisch zu koordinieren.

Es geht nicht nur darum, die Verwüstungen, die der IS hinterlassen hat, jeden Tag ein wenig mehr vergessen zu machen. Es geht vor allem darum, die Lebensgrundlagen für die Christen im Irak wiederherzustellen.

„Häuser sind nicht alles, aber ohne bewohnbare Häuser ist alles nichts“, gibt Zakari zu bedenken. Genauso wichtig sei es, Sicherheit für die Bewohner zu gewährleisten oder Arbeitsplätze zu schaffen. Aber das alles hängt damit zusammen, wie schnell der Wiederaufbau vorankommt.

Sicherheit gewährleisten, Arbeitsplätze schaffen

Und das tut er: Mitte Juli waren bereits über ein Drittel der beschädigten Häuser wieder instand gesetzt und über 40 Prozent der vertriebenen Christen wieder zurückgekehrt. „Die Mühen sind nicht umsonst“, ist Zakari überzeugt. „Es ist eine so große Freude zu erleben, wie immer mehr Leben in unsere Heimat zurückkehrt.“

Tatsächlich ist Karakosch – einst die größte christliche Stadt des Irak mit 50 000 Einwohnern – heute wieder pulsierendes Zentrum der Region: Läden haben wieder geöffnet; Händler bieten Fleisch, Gemüse und Haushaltswaren an. Autos und Fußgänger kämpfen um Vorfahrt.

Viele Menschen packen beim Wiederaufbau an, andere haben schon wieder kleinere Anstellungen gefunden. Auch in die Cafés kehrt Leben zurück: Männer spielen dort Karten oder Brettspiele. Vor kurzem hat sogar ein italienisches Restaurant geöffnet. „Die Normalität ist zu 80 Prozent wieder zurück“, sagt Zakari freudig.

Ingenieur Sabah Zakari zeigt Wiederaufbaupläne.
„Die Normalität ist zu 80 Prozent wieder zurück“

Sicher: Die Straßen sind noch übersät mit Schlaglöchern. Staatliche Hilfe gibt es so gut wie keine. Die Bewohner sind auf sich allein gestellt. Doch der Zusammenhalt ist groß: Den Ingenieuren im Wiederaufbauzentrum stehen zum Beispiel eine Gruppe junger Leute zur Seite.

Einer von ihnen ist Amjeed Tareq Hano, 28 Jahre alt. Gut gelaunt sitzt er in seinem Büro – trotz oder gerade wegen der hohen Aktenstapel auf dem Schreibtisch. „Das sind die Hilfsanträge von privaten Eigentümern, die ihre Häuser wiederaufbauen möchten“, erklärt Amjeed.

Die Unterstützung hänge davon, wie schwer die Gebäude beschädigt sind – und von zwei Bedingungen: „Die Besitzer müssen selbst im Haus wohnen und bei der Renovierung mit anpacken. So sparen wir Kosten und können mehr Menschen helfen.“

Alle müssen mit anpacken

Der junge Mann hat sich bereits ehrenamtlich engagiert, als er selbst noch Flüchtling in Ankawa war, einem Stadtteil der kurdischen Hauptstadt Erbil. Der gelernte Krankenpfleger arbeitete in den Notarztpraxen mit, die für die Vertriebenen eingerichtet worden waren.

„Ohne die Unterstützung der Kirche hätten wir damals nicht überleben können“, ist Amjeed überzeugt. „Und so ist es auch jetzt noch: Würde KIRCHE IN NOT nicht helfen, ginge hier nichts voran.“

Dass er mit seinen Eltern und fünf Geschwistern im August 2017 wieder in die Ninive-Ebene zurückgekehrt ist, bereut Amjeed nicht – auch wenn der Alltag sehr schwer sei.

Wasser vor dem Genuss abkochen

Das beginne schon bei der Wasserversorgung. Da es keine funktionierenden Leitungen mehr gibt, muss es aus Tanks abgefüllt werden. Das Wasser riecht penetrant nach Chlor. „Wir müssen es erst abkochen, ehe wir es trinken können“, erklärt Amjeed.

Ebenso schwierig sei es mit dem Strom. Die Versorgung wird durch Generatoren aufrechterhalten. Diese sind jedoch störanfällig. Manchmal gebe es einen halben Tag lang keinen Strom.

Doch all diese Widrigkeiten können Amjeed nicht entmutigen: „Natürlich ist es nach wie vor schwierig und unsicher, im Irak zu leben. Aber Heimat ist Heimat.“ Viele Freunde und Verwandte des jungen Mannes versuchen ihr Glück im Ausland, vor allem in Australien.

Viele haben den Irak verlassen

Dort gibt es eine große Auslandsgemeinde irakischer Christen. „Ich vermisse sie sehr. Sie fehlen hier im Irak.“ Schon oft hätten ihn Freunde aufgefordert, es ihnen gleich zu tun und den Irak ebenfalls zu verlassen. Doch das kommt für Amjeed nicht infrage: „Mit Gottes Hilfe will ich mein Leben in meiner Heimat, dem Irak, verbringen. Ich danke allen, die das möglich machen.“

Musa ist ein Mann, der viel lacht und eine innere Ruhe ausstrahlt. Doch was dem 63-Jährigen und seiner Familie von den Truppen des sogenannten „Islamischen Staates“ (IS) angetan wurde, macht ihn heute noch zornig: „Ich werde nie vergessen, was uns die Terroristen angetan haben.“

Es war der 6. August 2014: Mitten in der Nacht mussten Musa, seine Frau und ihre sechs Kinder vor den heranrückenden Truppen des IS aus Karakosch fliehen, der bis dahin größten christlichen Stadt des Irak. So erging es zehntausenden Bewohnern der Ninive-Ebene, seit den Tagen der frühen Kirche christliches Siedlungsgebiet. Sie ließen alles zurück und suchten Zuflucht in Erbil, der Hauptstadt der Autonomen Region Kurdistan.
Musa und seine Tochter Miray aus Karakosch. Miray arbeitet als Krankenschwester.

Prozession durch die Straßen von Karakosch.
Zerstörtes Geschäft in Karakosch.

Wie viele andere Vertriebene kampierten Musa und seine Familie die ersten Tage auf der Straße. Um sie auf die Schnelle unterzubringen, war der Ansturm der Geflüchteten zu groß – allein in Erbil waren es über 120 000. Staatliche Unterstützung blieb weitgehend aus.

Staatliche Unterstützung blieb aus

So war es die Kirche, die sich der Vertriebenen annahm. Bischöfe und Priester wurden über Nacht zu Krisenmanagern; Freiwillige packten rund um die Uhr mit an. So gelang es schnell, Musas Familie vorübergehend in einer Schule unterzubringen.

Dort mussten sie sich mit 25 anderen Geflüchteten einen Raum teilen. „Es war heiß und eng. Nach ein paar Wochen konnten wir aber in eine kleine Wohnung umziehen“, erzählt Musa. Auch in der neuen Unterkunft lebte die achtköpfige Familie zusammen mit anderen Vertriebenen.

Es sollte für mehr als drei Jahre ihr Zuhause werden. Die Miete bezahlte KIRCHE IN NOT, wie für tausende andere Flüchtlingsfamilien auch. Musa ist bis heute dafür dankbar: „Wir hatten ja nur noch das, was wir am Leib trugen. Wir hätten uns nie eine Wohnung leisten können.“

Denn der gelernte Automechaniker fand keine Arbeit. Den Lebensunterhalt verdiente Musas Frau. Sie ist Lehrerin für Aramäisch, der Sprache Jesu.

„Wir hatten nur das, was wir am Leib trugen”

Nach über zwei Jahren kam endlich die erlösende Nachricht: Die Ninive-Ebene ist vom IS befreit. Doch eine Rückkehr erschien Musa und seiner Familie erst noch zu gefährlich, für den Neuanfang fehlten die Mittel. Erst im November 2017 wagte Musa mit seiner Familie die Rückkehr nach Karakosch.

Der Wut über die Gräueltaten des IS wich der Trauer: „Ich war schockiert über so viel Zerstörung. Unser Haus stand zwar noch, aber es war leer – alles war gestohlen“, erzählt Musa mit Tränen in den Augen.

„Es zählt nur die Zukunft“

Er weiß bis heute nicht, wer für die Plünderung verantwortlich ist – der IS oder die Nachbarn der mehrheitlich muslimischen Dörfer ringsum. „Was bringt es, darüber nachzugrübeln? Es ist passiert. Es zählt nur die Zukunft.“

Und diese Zukunft liegt für Musa in der Ninive-Ebene. An Auswanderung hat er nie gedacht. „So schwierig es auch ist: Wer hier über Jahrhunderte seine Wurzeln hat, wird immer wieder zurückkommen“, ist er überzeugt.

Renovierung in einem Haus in Karakosch.
August 2014: Tausende geflüchtete Menschen kampieren unter freiem Himmel in Erbil (Foto: ankawa.com).
Wiederaufbau in der Ninive-Ebene.

Viel ist seit der Rückkehr geschehen: Musa hat mit Helfern Fenster und Türen am Haus erneuert, die Räume neu gestrichen. KIRCHE IN NOT hat das möglich gemacht.

Unser Hilfswerk hat zusammen mit lokalen Kirchenvertretern einen „Marshall-Plan“ für den Wiederaufbau erstellt, finanziert Renovierungen, überwacht die Fortschritte. Und die sind sichtbar: Mitte Juli waren über ein Drittel der Gebäude renoviert und fast die Hälfte der Vertriebenen (44,63 Prozent) aus dem Nordirak heimgekehrt.

„Wohltätern von Herzen dankbar”

Zu Hause fühlen sich jetzt auch wieder Musa und die Seinen, vor allem seit es ihnen gelang, wieder ein paar Möbel aufzutreiben. „Ich bin den Wohltätern von Herzen dankbar. Ohne ihre Hilfe hätten wir nicht in unsere Heimat zurückkehren können“, sagt Musa.

Seine Tochter Miray stimmt ihm zu. Sie ist 25 und arbeitet als Krankenschwester. Wegen des Krieges musste sie 2014 ihre Ausbildung in Mossul abbrechen.

Die Stadt war zum Zentrum der Kämpfe gegen den IS geworden und ist heute schwer zerstört. Erst mit einiger Verspätung konnte Miray ihre Ausbildung in Erbil fortsetzen.

Trotz aller Schwierigkeiten kann sie der Zeit dort einen Sinn abringen: „Ich konnte kranken Flüchtlingen helfen und habe so viele hilfsbereite Menschen kennengelernt. Das war eine gute Erfahrung für mich.“ Überhaupt: Die Menschen seien sich in den Jahren der Vertreibung nähergekommen.

„Vorher ging es hier bei vielen Menschen nur um Materielles: mehr Häuser, mehr Geld. In der Zeit der Not haben sich die Menschen füreinander geöffnet“, meint Miray. „Sie haben erkannt, dass es im Leben um mehr geht.“

„Wir brauchen ihre Gebete“

An die Christen im Ausland appelliert sie, den Menschen in der Ninive-Ebene nicht nur materiell, sondern auch geistlich beizustehen: „Wir brauchen ihre Gebete.“

Ihr eigener Glaube sei in den zurückliegenden Jahren zwar auf die Probe gestellt, aber letztlich gestärkt worden: „Ich habe sehr deutlich gespürt, dass Gott mit uns ist“, zeigt sich Miray überzeugt.

Miray möchte Ärztin werden

Die junge Frau würde gern studieren und Ärztin werden. Dazu wären allerdings im Ausland die Bedingungen besser. „Ich spare schon darauf“, erzählt Miray.

Doch langfristig sehe sie ihre Zukunft im Irak, auch wenn ihr die aktuelle Sicherheitslage Sorgen macht: „Ich will auf jeden Fall zurück, um den Menschen in meiner Heimat zu dienen.“

Helfen Sie den Christen im Irak

Um den Wiederaufbau von Kirchen, Häusern, christlichen Ortschaften im Irak weiter voranzubringen und die Versorgung der Vertriebenen aufrechterhalten zu können, bittet KIRCHE IN NOT um Spenden.

In der irakischen Ninive-Ebene sind vor dem Osterfest über 42 Prozent der christlichen Bewohner in ihre Heimatorte zurückgekehrt. Nach Angaben des Fachreferenten für den Nahen Osten von KIRCHE IN NOT, Dr. Andrzej Halemba, sind allerdings erst knapp 3000 zerstörte Häuser wiederhergestellt, das ist etwa ein Viertel.

„Manche Gebäude sind nur notdürftig repariert“, erläuterte Halemba. „Die Situation der Menschen ist sehr schwer: Die Terroreinheiten des ,Islamischen Staatesʼ sind zwar zurückgedrängt, aber ihre Ideologie ist unter manchen Irakern noch immer lebendig.“
Die ganze Familie packt mit an, damit das Haus bald wieder bewohnbar ist (Foto: Jaco Klamer/KIRCHE IN NOT).
Salar Boudagh, Generalvikar der chaldäisch-katholischen Diözese Alkosch/Irak.
Gruppenfoto mit dem Wiederaufbau-Komitee mit den ersten Rückkehrern in die Ninive-Ebene.
Blick auf den zerstörten Ortskern von Batnaya in der Ninive-Ebene.
Christliche Rückkehrer in die Ninive-Ebene.

Auch die politische Situation in der benachbarten Kurdenregion im Nordirak und die wirtschaftlichen Schwierigkeiten in ihrer Heimat führten dazu, dass viele Christen „auf gepackten Koffern“ säßen, so Halemba: „Wenn wir diese erste Gruppe der Rückkehrer jetzt nicht tatkräftig unterstützen, werden sie möglicherweise ihre Orte und ihr Land ganz verlassen.“

Einer der ersten Rückkehrer ist der Priester Salar Boudagh Kajo. Er ist Generalvikar des chaldäisch-katholischen Bistums Alkosch und arbeitet im Wiederaufbau-Komitee für die Ninive-Ebene. KIRCHE IN NOT hat es zusammen mit lokalen Vertretern der katholischen und orthodoxen Kirche ins Leben gerufen.

Noch immer fühle er „tiefen Schmerz“, wenn er daran zurückdenke, als er nach drei Jahren der Flucht seine Heimat wieder betrat, sagte Kajo im Gespräch mit KIRCHE IN NOT.

Verbrannte Bibeln und liturgische Bücher

„Ich kam mit einer Gruppe Jugendlicher in Batnaya (25 Kilometer nördlich von Mossul; Anm. d. Red.) an. Ich besuchte als erstes die Kirche und sah, dass alles zerstört war. Bibeln und liturgische Bücher lagen verbrannt auf dem Boden.“ Kurz vor ihrem Rückzug hätten die IS-Kämpfer ihre Wut besonders an den Gotteshäusern ausgelassen, sagte Kajo. Nach der Kirche habe die Gruppe der Rückkehrer die zerstörten Privathäuser in Augenschein genommen: „Aber wir kamen nicht weit, weil das Dorf voller Minen war.“

Wehmütig erinnerte sich der Priester, wieviel Aufwand die Christen in den Jahren zuvor in den Unterhalt ihrer Kirchen und Häuser gesteckt hatten. „Aber ich sagte mir: ,Danke, Herr, wir konnten zwar die Bausubstanz nicht erhalten, dafür aber den Glauben der Menschen.ʼ“ Dieser Glaube habe sich in all den Schwierigkeiten bewährt, als die Christen sich rund drei Jahre in der Autonomen Region Kurdistan mit ihrer Hauptstadt Erbil aufgehalten hätten.

KIRCHE IN NOT hatte dort geholfen, Unterbringung, Versorgung und Schulbildung der Vertriebenen zu organisieren. Diese Unterstützung geht nach wie vor weiter, denn noch immer halten sich Zehntausende geflüchtete Christen im Nordirak auf. Heute zeige sich der Glaube der irakischen Christen vor allem durch Verzeihung und dem Wunsch nach einem friedlichen Zusammenleben, ist der Generalvikar überzeugt.

„Nachdem die Christen wieder in der Ninive-Ebene zurück waren, sind viele zu ihren muslimischen Nachbarn gegangen. Sie sagten ihnen, dass sie sich wünschten, wieder in Frieden mit ihnen zusammenzuleben. Rein menschlich ist das unmöglich, in der Logik des Glaubens schon.“

Wichtig sei, dass jetzt nach und nach alle vertriebenen Christen in ihre Heimat zurückkehren könnten, sonst setze der Exodus sich fort. Denn 2003 lebten noch 1,3 Millionen Christen im Irak. Heute sind es nach Erhebungen von KIRCHE IN NOT noch etwa 250 000.

„Die Regierung bietet keinerlei Hilfe an“

„Die Kirche ist die einzige Institution, die mit den irakischen Christen und den anderen Minderheiten zusammenarbeitet“, erklärte Kajo. „Die Regierung bietet keinerlei Hilfe an.“ KIRCHE IN NOT stellt deshalb im Rahmen des „Marshall-Plans für die Ninive-Ebene“ aktuell erneut fünf Millionen US-Dollar zur Verfügung. Damit ist der Wiederaufbau von 2000 weiteren Häusern gesichert.

So soll die Zeit überbrückt werden, bis noch mehr Akteure in den Wiederaufbau einstiegen „und endlich die Bedürftigkeit und Bedrohung der christlichen Rückkehrer erkennen“, sagte Nahost-Referent Halemba. Ziel sei es, rund 6000 Häuser wiederaufzubauen.

Christen als Friedensstifter im Nahen Osten

„Dann wäre zumindest jedes zweite Haus wieder bewohnbar und noch mehr Christen könnten zurückkommen. Andernfalls würde der Rückkehrprozess sich verlangsamen oder ganz stoppen“, erklärte Halemba.

Für Salar Boudagh Kajo gibt es keinen Zweifel, worin der Auftrag für ihn und seine Glaubensgeschwister besteht: „Es ist wichtig, dass weiterhin Christen im Irak leben. Sie haben eine moralische Verantwortung, Frieden zu schließen und die Herzen ihrer Mitbürger zu wandeln. Sie fühlen sich im Nahen Osten als Friedensstifter.“

Helfen Sie den Christen im Irak

Um den Wiederaufbau von Kirchen, Häusern, christlichen Ortschaften im Irak weiter voranzubringen und die Versorgung der Vertriebenen aufrechterhalten zu können, bittet KIRCHE IN NOT um Spenden

Die zehnjährige Irakerin Helda ist um Worte nicht verlegen. „Meine Hobbys sind Malen und Singen. Und ich liebe Theaterspielen. Doch mein Traum ist es, Zahnärztin zu werden, um den Menschen helfen zu können – wo auch immer das sein wird.“

Wo auch immer das sein wird: Für Helda und ihre Familie ist das seit einigen Wochen wieder ihre alte Heimat Karakosch, eine Stadt in der Ninive-Ebene, eine halbe Autostunde südöstlich von Mossul. Helda und ihre Familie – die Eltern und ein jüngerer Bruder – sind Christen, wie die meisten Bewohner hier. Und wie die meisten waren auch sie drei Jahre auf der Flucht. Helda war damals erst sieben, aber die Erinnerung an die Nacht vom 6. August 2014 hat sich in ihr Gedächtnis eingebrannt.
Flüchtlinge in der St.-Josef-Kirche in Ankawa, Erbil im August 2014. Viele von ihnen haben alles zurücklassen müssen, als sie vor den IS-Kämpfern fliehen mussten.
Zelte im Flüchtlingslager Ankawa, Irak. Bei 43 Grad eine belastende Umgebung, gerade für Kinder.
Wiederaufbau in der Ninive-Ebene.
KIRCHE IN NOT ließ im Irak Schulen in Containern errichten, damit Flüchtlingskinder wieder die Schule besuchen können.

„Die Sirenen heulten in unseren Straßen. Wir mussten so schnell wie möglich weglaufen vor dieser Hölle.“ Die Hölle, das waren die heranrückenden Truppen des sogenannten „Islamischen Staates“, die das jahrhundertealte Siedlungsgebiet der Christen überrannten.

„Ich dachte, dass ich meine Freunde nie wiedersehen würde”

„Ich habe auf dem ganzen Weg geweint. Ich dachte, ich würde niemals zurückkommen in meine Stadt, in meine Schule, würde meine Freunde nie mehr wiedersehen.“ Schließlich erreichten sie das nahe Erbil – nur gut 70 Kilometer entfernt, aber als Hauptstadt der Autonomen Region Kurdistan ein Hort der Sicherheit. Zuerst kampierten sie unter freiem Himmel, dann im Flüchtlingslager.

„Jeden Tag waren wir traurig und hatten Angst, bis wir uns schließlich daran gewöhnt hatten“, sagt Helda. Trauer durchzieht ihr Gesicht, die kindliche Unbekümmertheit ist verschwunden. Die Flucht wurde zum dauerhaften Exil mit offenem Ende. Das Leben war hart: „Wir hätten nie gedacht, dass wir eines Tages wie Bettler dastehen.“

Dauerhaftes Exil mit offenem Ende

Für die vertriebenen Kinder wurden in Erbil mit Hilfe von KIRCHE IN NOT Schulen gebaut; Helda und ihre Familie konnte schließlich in eine kleine Wohnung umziehen. Ein neues Leben begann. Helda erinnert sich: „Ich war lange traurig und hoffte, in meine alte Schule zurückkehren zu können. Aber ich schloss auch neue Freundschaften.“

Trost und Hoffnung gab ihr und der Familie der Glaube an Gott und der starke Zusammenhalt der christlichen Gemeinde: „Wir fühlten uns nie verlassen. Wann auch immer wir uns an Gott gewendet haben, fühlten wir Freude und Vertrauen. Er ist überall bei mir.“ Helda zeigt mit Stolz ihre Bibel, Bilder von Jesus und Heiligen.

Die zehnjährige Helda aus dem Irak blickt auf ein Gebetsbildchen.
Der Glaube gibt ihnen Trost

Nach dem Sieg irakischer und kurdischer Truppen über den IS Ende 2016 keimte in den vertrieben Christen langsam wieder Hoffnung. Der Vater fuhr nach Karakosch, nahm das beschädigte Wohnhaus in Augenschein. Es konnte fürs Erste notdürftig repariert werden; Freunde und Bekannte halfen dabei.

KIRCHE IN NOT sicherte die Finanzierung. Diese wird für die christlichen Dörfer der Ninive-Ebene auf über 250 Millionen US-Dollar geschätzt. Fast 13 000 Gebäude müssen wiederaufgebaut werden, dazu kommt die am Boden liegende Infrastruktur.

Der Aufbruch hält an: Kurz vor Weihnachten, ein Jahr nach der Befreiung, konnten Helda und ihre Familie zurück. Der Traum erfüllte sich, so wie für gut ein Drittel der vertriebenen Christen. Die Freude ist groß. Sie geht wieder in ihre alte Schule, trifft die alten Freunde.
Und vor allem träumt sie wieder wortreich von einer Zukunft, die mehr bereithält als den Kampf ums Überleben. Doch noch ist nicht alles beim Alten: Die Unsicherheit bleibt. „Am liebsten möchte ich im Irak bleiben, hier bin ich zu Hause“, sagt Helda. „Aber wenn ich Fotos und Videos vom Terror sehe, möchte ich weg. Ich kann das nicht ertragen.“

Helfen Sie den Menschen im Irak

Um den Wiederaufbau der christlichen Dörfer im Irak weiter voranzutreiben und der Bevölkerung materiell wie pastoral beistehen zu können, bittet KIRCHE IN NOT um Spenden.

Etwa 25 000 Christen aus der irakischen Ninive-Ebene haben das Weihnachtsfest wieder in ihrer Heimat feiern können. KIRCHE IN NOT hat ihnen die Rückkehr ermöglicht – dank Ihrer Hilfe!

„Es herrscht Aufbruchstimmung“: Diesen Eindruck konnte die Geschäftsführerin Karin Maria Fenbert gewinnen, als sie die Region im August 2017 besucht hatte. Wir haben mit ihr über die aktuelle Lage gesprochen.
Zeremonie zu Beginn der Wiederaufbauarbeiten in der syrisch-katholischen Kirche von Karakosch.
Ein Mädchen aus dem Irak sagt Danke.
Endlich wieder Weihnachten in der Heimat feiern: Der chaldäische Patriarch Louis Raphael I. Sako zelebrierte an den Weihnachtstagen die erste heilige Messe in Mossul seit 2014, als der IS die Stadt erobert hatte.

Frau Fenbert, wie geht es den Christen im Irak momentan?

Es ist sicher ein Wechselbad der Gefühle, aber die Hoffnung überwiegt. In zahlreichen christlichen Dörfern sind die Bauarbeiten im vollen Gange, die Christen kehren zurück. Es gibt aber auch Orte, wo noch kaum Leben herrscht.
Die Wunden des Krieges sind tief. Auch die jüngsten Auseinandersetzungen um die Unabhängigkeit Kurdistans vom Irak sind an den Christen nicht spurlos vorübergegangen. Aber unsere Partner vor Ort berichten, dass die Lage weitgehend ruhig ist und Christen nach und nach in ihre Heimat zurückkehren.

Viele Christen halten sich nach wie vor im Kurdengebiet rund um die Stadt Erbil auf. Wie viele sind das?

Rund 90 000 Christen hausen immer noch in angemieteten Wohnungen und Behelfsunterkünften. Sie sind auf die Hilfe der Kirche angewiesen, vom Staat kommt so gut wie keine Unterstützung. KIRCHE IN NOT hat dort Schulen gebaut, wir helfen mit Lebensmitteln, Medikamenten, Kleidung. Das geht unvermindert weiter. Und jetzt kommt noch der Kraftakt beim Wiederaufbau dazu!

„Auf die Hilfe der Kirche angewiesen”

Wie hoch ist das Ausmaß der Zerstörung?

In zwölf christlichen Dörfern der Ninive-Ebene hat der „Islamische Staat“ fast 13 000 Gebäude beschädigt und 669 Gebäude komplett zerstört – Privathäuser, Kirchen, Kindergärten, Schulen …
Die Gesamtkosten für den Wiederaufbau belaufen sich auf über 250 Millionen US-Dollar. Wir sind auf die Gaben der Wohltäter angewiesen, aber auch auf breite Unterstützung von Kirche und Gesellschaft.

Karin Maria Fenbert, Geschäftsführerin von KIRCHE IN NOT Deutschland.

Wo liegen aktuell die größten Herausforderungen beim Wiederaufbau?

Das Wichtigste ist die Wiederherstellung der Infrastruktur, also zum Beispiel eine stabile Stromversorgung oder sauberes Trinkwasser. Die irakischen Christen beklagen, dass der Staat zwar großen Städten wie Mossul helfend unter die Arme greift, aber die Orte der christlichen Minderheit links liegen lässt.

Darum gilt unser Augenmerk diesen „vergessenen Dörfern“. Ein großes Problem ist auch die herrschende Korruption in den Regierungsbehörden. Mit den kirchlichen Stellen haben wir dagegen sehr gute Erfahrungen gemacht. Darum arbeiten wir sowohl mit katholischen wie orthodoxen Diözesen zusammen. Die Gelder kommen wirklich dort an, wie sie hinsollen!

Was können die Wohltäter in Deutschland tun?

Die Christen aus dem Irak sagen uns immer wieder, wie wichtig ihnen die Gebete ihrer Glaubensgeschwister aus aller Welt sind. Zum anderen ist jeder Cent wichtig, damit die Christen ihre Heimat wieder aufbauen können. Wenn wir jetzt nicht helfen, brauchen wir in wenigen Jahren nicht mehr von Christen im Irak zu sprechen!

KIRCHE IN NOT bietet ein „Gebet für die verfolgte Kirche“ an. Es eignet sich zum persönlichen wie für das gemeinsame Gebet in der Gemeinde.

Das Gebetsblatt ist zum Preis von zehn Cent (zzgl. Versandkosten) in unserem Bestelldienst erhältlich oder bei:

KIRCHE IN NOT
Lorenzonistr. 62
81545 München

Telefon: 089 / 64 24 888 0
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E-Mail: kontakt@kirche-in-not.de