Länderbericht Ägypten

Erzbischof Antonios Naguib, Patriarch von Alexandrien.

Antonios Naguib, Patriarch von Alexandrien.

Einwohner:
84,5 Millionen
(etwas mehr als Deutschland)

Fläche:
1 001 449 qkm
(fast dreimal so groß wie Deutschland)

Religion:
Muslime: 87,1 Prozent
Christen: 12,2 Prozent (darunter 196 000 Katholiken)
Sonstige: 0,7 Prozent

In Ägypten werden Christen weiterhin von offizieller Seite diskriminiert. Sie werden von Schlüsselpositionen in der Armee, der Polizei und in Universitäten ausgeschlossen mit Ausnahme von direkten Ernennungen, die oft als eine Art Gönnerschaft betrachtet werden, von denen die Gesellschaft keinen wirklichen Nutzen hat. Dies war 2006 der Fall, als Präsident Hosni Mubarak einen Kopten an die Spitze des Gouvernorats Qena ernannte. Die Christen aus dieser Region bestätigen, dass diese Nominierung ihr Schicksal nicht verbessert hat, da ein christlicher Gouverneur den Muslimen seine Gunst erweisen muss.

Außerdem wächst der Extremismus in der muslimischen Bevölkerung stetig weiter.

Gewalt gegen Christen

Im April 2009 überfielen Hunderte von Muslimen die Geschäfte von Christen, nachdem das Gerücht kursierte, dass ein Muslim von drei Christen umgebracht worden sei. Diese sind die Eigentümer des Wohngebäudes, in dem der Moslem gewohnt hatte.

Im Juni 2009 wurde in der Provinz Qalubiya im Norden Kairos ein 60-jähriger Christ von einem 24-jährigen Moslem zu Tode geschlagen. Der Sohn des Opfers wurde verdächtigt, eine unzulässige Liebesbeziehung mit der Schwester des Mörders gehabt zu haben.

Am 21. Juni 2009 griffen Moslems die koptischen Einwohner des Dorfes Ezbet Bouchra-Ost an und zerstörten ihre Häuser sowie ihre Ernte. Dieser Überfall erfolgte, nachdem sie gesehen hatten, dass 25 Christen aus Kairo gekommen waren, um den Priester P. Isaac Castor zu besuchen, der in einem Wohnhaus wohnt, das der koptischen Kirche gehört. Sie hatten daraus geschlossen, dass sie einen Gottesdienst besuchen wollten. 19 Christen wurden anschließend verhaftet und erst am nächsten Tag wieder freigelassen.

Im September 2009 wurden 150 Christen in den Regionen von Assouan, Daqahliya, dem Roten Meer und Port Said verhaftet, da sie “in der Öffentlichkeit das Fasten am Ramadan gebrochen hatten”, das heißt vor Sonnenuntergang in der Straße gegessen oder geraucht hatten. Die meisten konnten das Gefängnis wieder verlassen, nachdem sie eine Kaution von 500 ägyptischen Liren (umgerechnet ca. 100 US Dollar) bezahlt hatten.

Beim Gang aus der Kirche erschossen

Für Samuel Alashay, Direktor einer christlich-liberalen Bewegung, könnte diese Maßnahme – die erste ihrer Art in Ägypten – eine Antwort sein auf den Streik vom 11. September, bei dem viele Kopten ein Gesetz forderten, das den Bau von Kirchen erleichtert. Diese Streikbewegung wurde beschlossen, nachdem der islamische Rat von Ägypten eine Fatwa erlassen hatte, aufgrund derer “es eine Sünde gegen Gott ist, wenn ein Muslim die Absicht hat, Geld für den Bau einer Kirche zu spenden.”

In der Nacht vom 6. auf den 7. Januar wurden in der Stadt Nag-Hammadi in Oberägypten, 40 Kilometer von Luxor entfernt, koptische Christen Opfer einer Schießerei, als sie die Kirche Mar Girgis (Sankt-Georg) verließen, in der sie einer Weihnachtsmesse (nach dem orthodoxen Kalender) beigewohnt hatten. Vor der Kirche hatte ein Auto angehalten, und die drei Insassen eröffneten das Feuer auf die Gläubigen. Bilanz: sieben Tote, darunter ein Polizist, und ein Dutzend Verletzte, darunter zwei Muslime.

Dieses Massaker wurde als Blutrache für die Vergewaltigung eines 12-jährigen muslimischen Mädchens dargestellt. Offenbar soll ein Kopte die Tat im November 2009 in Farchout, in der Nähe von Nag-Hammadi begangen haben. Tatsächlich wurde in dieser Ortschaft ein 21-jähriger Kopte festgenommen, ohne dass ihm jedoch eine Schuld nachgewiesen werden konnte.

Als Vergeltungsmaßnahme hatten Muslime die Geschäfte und Häuser von Kopten verwüstet und in Brand gesetzt. 80 Prozent der Geschäfte wurden bei diesem Ansturm zerstört. Einige Christen wurden verletzt und sieben christliche Frauen entführt. Die Polizei schritt erst nach den Verwüstungen ein. Die örtlichen Behörden baten die betroffenen Christen, nicht gegen ihre muslimischen Angreifer zu klagen, sondern einen Vergleich zu schließen. Die Christen erhielten keinerlei Entschädigung.

Polizei reagierte nicht

Nach Aussagen des koptisch-orthodoxen Bischofs von Nag-Hammadi, Msgr. Kyrillos, hatten mehrere Kopten in der Stadt Drohungen erhalten, in denen sie gewarnt wurden, dass die Muslime die “Vergewaltigung des Mädchens während des Weihnachtsfestes rächen würden”. Der Bischof hatte die Ortspolizei benachrichtigt, die allerdings keinerlei Maßnahme traf, um die Kirche zu schützen.

Die Schießerei war mit dem Ziel geplant, eine große Anzahl Gläubiger zu töten, aber ein Großteil unter ihnen hatte die Kirche bereits verlassen, da der Priester die Feier aus Sicherheitsgründen vorverlegt hatte. Er hatte in der Tat mehrere Morddrohungen in der Woche vor Weihnachten erhalten.

Die Auswahl von Ort und Zeitpunkt weisen eindeutig darauf hin, dass diese Gewaltaktion im Zusammenhang mit der Zunahme des islamistischen Einflusses im Land stehen. Mohammed Sayyed Tantaoui, Imam der El-Azhar-Moschee in Kairo und höchste Autorität des ägyptischen sunnitischen Islams, verurteilte diese Gewaltakte – was äußerst selten vorkommt – und er sprach den Familien der Opfer sein Beileid aus.

Am 20. Januar 2010 sagte Papst Chenouda III.: “Das einzige, was heute die Kopten beschwichtigen könnte, wäre ein gerechtes Urteil durch die ägyptischen Gerichte in Bezug auf die in den letzten 30 Jahren gegen Christen verübten Morde und zwar gegen diejenigen Attentäter, die bislang noch niemals abgeurteilt und noch viel weniger bestraft wurden. Es handelt sich dabei um 1800 Mordfälle von Christen und ungefähr 200 Fälle von Vandalismus, die gegen Sachgüter von Christen verübt wurden.”

“Das Blut eines Kopten ist nichts wert”

Während die Behörden bis zu diesem Zeitpunkt bei dieser Art von gegen Christen gerichteten Aggressionen eine sehr lasche Vorgehensweise zeigten, haben sie nach den Morden in Nag-Hammadi versprochen, ein strenges Urteil zu fällen. Die Angeklagten, unter denen sich ein Wiederholungstäter befindet, wurden einem staatlichem Sicherheitsgericht überantwortet. Um ihre Entschlossenheit zu demonstrieren, hatte die ägyptische Justiz am 22. Februar fünf Muslime wegen Mordes, den sie an zwei Christen in Hagaza (Oberägypten) im April 2009 verübt hatten, zu einer lebenslänglichen Gefängnisstrafe verurteilt.

Anfang März jedoch sprach das Gericht von Assiout vier Muslime, die wegen Mordes an einem Christen im Oktober 2009 angeklagt worden waren, frei. Der Mord war jedoch in Gegenwart mehrerer Zeugen und auf selten brutale Weise verübt worden. Das Opfer Atallah Farouk wurde durch zahlreiche Schüsse in den Kopf niedergestreckt, anschließend enthauptet und unter Siegesgeschrei durch die Straße geschleift. Das Gericht wollte die Zeugenaussagen der Tochter des Opfers und eines durch die Schüsse verletzten Mannes nicht berücksichtigen.

Die Medien berichteten, dass die meisten Zeugen aus Angst vor Vergeltung eine Aussage verweigert hätten. Für den Anwalt der Familie, Peter Sarwar, der Berufung eingelegt hatte, “vermittelt dieses Urteil die Botschaft, dass das Blut eines Kopten nix wert ist”.

Am 12. März 2010 übten Muslime in Marsa Matrouh, einer Küstenstadt im Westen Alexandriens, einen Sturmangriff auf das christliche Viertel von Reefiya aus, in dem 2000 Kopten leben. 24 von ihnen wurden verletzt, 17 Gebäude und 12 Autos zerstört. Einer der Christen, Professor Mounir Naguib, versicherte, dass er unter Druck gesetzt worden sei, sich zum Islam zu bekehren. Diese Aggression, die sich auch gegen die Kirche richtete, ereignete sich nach dem großen Freitagsgebet, im Verlauf dessen der Scheich der benachbarten Moschee zum Dschihad gegen die Christen aufgerufen hatte.

Andere Formen von Gewalt und Ungerechtigkeit

Es ist ein erneuter Anstieg an Entführungen junger koptischer Mädchen zu beobachten, die gewaltsam mit Muslimen verheiratet werden (Christian Solidarity International, Nr. 370, Februar 2010).

Während der Internationalen Buchmesse in Kairo im Februar 2009 wurden die beiden Kopten Mina Adil Shawki und Issam Kadees Nassif von staatlichen Sicherheitskräften festgenommen, weil sie eine Bibel in der Hand trugen. Angeklagt wegen Diffamierung des Islams, wurden sie mehrere Tage festgehalten.

2008 wurde eine Verordnung vom Rat der Ärztekammer, der von den Muslimischen Brüdern dominiert wird, erlassen, der “die Transplantation von Organen zwischen Personen verschiedener Religionen untersagt”. Für den Präsidenten der Menschenrechtsunion in Ägypten, Naguib Gabriel, der Christ ist, zeugt dieser Entscheid von “blindem Fanatismus”.

Der Präsident der Ärztekammer, Hamdi El Sayed, rechtfertigte seinerseits den Entscheid mit folgenden Worten: “Dies ist kein konfessionell motivierter Entscheid. Wir haben diesen Entscheid getroffen, um den Organhandel zu unterbinden. Warum sollte ein Kopte einem Muslimen eine seiner Nieren geben, wenn er nicht dafür bezahlt wurde? Genauso umgekehrt”. Auf Intervention mehrerer politischer Persönlichkeiten wurde diese Verordnung von der Ärztekammer rückgängig gemacht.

Juristische Willkür

Am 13. September plünderten Polizisten das Café der christlichen Familie Morris Ghatas in Port Said und nahmen die sechs Söhne fest, wobei sie zwei von ihnen verletzten. Grund der Intervention: Das Café war während des Ramadans geöffnet. Mit Gerichtsbeschluss vom 22. Januar 2009 wurden den sechs Brüdern von dem muslimischen Richter namens Mohammed Hassan El-Mahmoody eine Gefängnisstrafe von drei Jahren, Zwangsarbeit sowie eine Geldstrafe von 2100 Dollar auferlegt.

Das Gericht befand, dass die Öffnung des Cafés während des Ramadans die Muslime dazu verleitet habe, das Verbot der Nahrungsaufnahme bis zum Anbruch der Nacht, zu übertreten. Kein ägyptisches Gesetz verbietet jedoch die Nutzung öffentlicher Einrichtungen während des Ramadans.

Am 28. April 2009 beschloss die ägyptische Regierung im Rahmen von Präventivmaßnahmen gegen das H1N1-Virus (Schweinegrippe), sämtliche Schweine im Land zu schlachten. Der Tierbestand wurde auf 300 000 Tiere geschätzt. Diese im Mai durchgeführt Maßnahme fügte vor allem den Kopten erheblichen Schaden zu, denn die meisten Schweinezüchter sind Kopten.

Laut Koran (Sure 2, 173) sind Schweine unreine Tiere. Die Maßnahme legte es auf die Züchter in der Provinz und vor allem auf die “Zabbalinen” an, die Lumpen- und Abfallsammler in Kairo, die ihre Tiere jeden Morgen mit den in den Straßen der Hauptstadt aufgesammelten Abfällen ernährten. Außerdem reichten die staatlichen Entschädigungen bei weitem nicht aus.

Die Kopten sahen in dieser Tötungskampagne eine zusätzliche Diskriminierung. Die Weltgesundheitsorganisation hielt diese Maßnahme in der Tat für unnötig, da wissenschaftlich nachgewiesen ist, dass das in Frage kommende Virus sich nicht vom Tier auf den Menschen überträgt. Außerdem wurde der Regierungsentscheid auf Antrag von den Muslimischen Brüdern nahe stehenden Parlamentariern getroffen.

Konflikt zwischen ägyptischer Justiz und orthodoxen Patriarchat

Eine juristische Angelegenheit rief einen Konflikt zwischen der ägyptischen Justiz und dem koptisch-orthodoxen Patriarchat hervor. Im Sommer 2009 strengte der geschiedene Christ Hani Wasfi Naguib einen Prozess gegen Papst Chenouda III. an, der ihm das Recht zur Wiederheirat verweigerte. In erster Instanz bekam der Kläger Recht. Der Patriarch legte daraufhin beim Obersten Verwaltungsgericht Berufung ein, das dieses Urteil vom 29. Mai 2010 mit folgendem Wortlaut bestätigte: “Laut Gesetz darf ein Christ wieder heiraten und die Verfassung garantiert ihm das Recht auf Gründung einer Familie. Die Berufung des Patriarchen Chenouda, die die Kopten daran hindern soll, wieder zu heiraten, wird abgelehnt.”

Dieser Entscheid lässt sich damit erklären, dass die Scharia, die nach Artikel 2 der Verfassung die wesentliche Rechtsgrundlage bildet, die Wiederheirat im Falle einer Ehescheidung oder Verstoßung erlaubt. Darüber hinaus ist für eine rechtmäßige Anerkennung der Verbindung die religiöse Eheschließung vorgeschrieben. Ferner sind die Entscheide des Obersten Gerichtshofes nicht mehr anfechtbar.

In einer Verlautbarung gab der Sekretär von Chenouda, Msgr. Armiya, bekannt, dass seine Kirche alles unternehmen werde, um diesen Gerichtsentscheid zu Fall zu bringen und niemandem erlauben werde, eine zweite religiöse Hochzeit zu feiern. “Keine Macht der Welt kann die Kirche zwingen, die Lehre der Bibel und die Gesetze der Kirche zu verletzen, wonach der Mensch nicht trennen soll was Gott vereint hat”. Mit einem Urteilsspruch vom 7. Juli 2010 hat der Oberste Gerichtshof jedoch den Entscheid widerrufen.

Konvertierung zum Christentum

Trotz Artikel 46 der Verfassung, der die Glaubensfreiheit und die Freiheit zur Ausübung der Religion anerkennt, bleibt die Konvertierung zum Christentum verboten. Die Gerichte wenden meistens die Scharia an. Somit bleibt ein Muslim, der sich taufen lässt, in den Augen der Standesämter weiterhin ein Muslim. Seine neue Konfession und seine neuen Vornamen werden in seinen Ausweispapieren nicht geändert. Da das Gesetz keine Bestimmung bezüglich der Konvertierung vom Islam zu einer anderen Religion enthält, bleibt es dem Urteil der Richter überlassen, sich entweder auf das Prinzip der Gleichheit aller Bürger zu berufen oder auf die Scharia.

Der Antrag von Mohamed Higazy, dem ersten Konvertiten, der zur Anerkennung seiner neuen christlichen Identität ein Gerichtsverfahren angestrengt hatte, (er hatte den Namen Bichoï gewählt, nach dem gleichnamigen Wüstenmönch und Jünger des Heiligen Makarius, siehe KIN Bericht 2008) wurde vom Obersten Verwaltungsgericht im Januar 2008 abgelehnt. Der Rektor der Fakultät für islamische Studien von der Universität El-Azhar erließ eine Fatwa gegen ihn, in der er und seine Frau, die sich ebenfalls zum Christentum bekehrt hatte, zum Tode verurteilt wurden. Dadurch konnte er an den Sitzungen des Gerichtsverfahrens nicht teilnehmen und ist seitdem gezwungen im Untergrund zu leben.

Im Februar 2009 hat der ehemalige Muslim und jetzige Christ Maher El-Gowhary, der sich vor 30 Jahren bekehrt hatte und sich auf die Vornamen Pierre Athanase hatte taufen lassen, ein ähnliches Gerichtsverfahren für sich und seine 15-jährige Tochter Dina eingeleitet. Auf Verlangen der Richter erschien er vor Gericht, trotz der Gefahren denen er ausgesetzt war, denn er war von muslimischen Extremisten als “Abtrünniger” deklariert worden, lebte im Untergrund und konnte weder arbeiten gehen noch sein Kind zur Schule schicken. Sein Antrag wurde wegen “Bedrohung der öffentlichen Ordnung” abgelehnt.

Einer der Anwälte stellte das Motiv klar und deutlich heraus: “Die Regierung weiß, dass, sobald sie das Recht einräumt den Islam zu verlassen, Millionen ehemaliger Muslime, die ihren christlichen Glauben geheim halten und in der Angst leben entdeckt zu werden, sich öffentlich bekennen und ihren Glauben praktizieren würden. Dies würde ein Chaos auslösen.”

Mehrere tausend Konvertiten

Von Millionen zu sprechen ist zwar übertrieben, aber es soll in Ägypten mehrere Tausend Konvertiten geben, die sich vom Islam zum Christentum bekehrt haben und darauf hoffen, ihre neue Identität anerkannt zu bekommen. Gowhary legte gegen den Gerichtsentscheid Berufung ein. Aber am 13. Juni 2009 bestätigte der mit dieser Angelegenheit beauftragte Gerichtshof von Kairo das Urteil aus erster Instanz. Am darauf folgenden 17. September zogen Beamte des internationalen Flughafens von Kairo den Ausweis von Gowhary ein, als er nach China reisen wollte.

Ungefähr 20 muslimische Rechtsexperten, die am 22. Februar vor Gericht angehört wurden, bestätigten, dass Gowhary wegen Apostasie zum Tode verurteilt werden müsse. Er selbst und seine Tochter haben Nachrichten mit Morddrohungen erhalten.

Es muss hervorgehoben werden, dass die Koptische Kirche, die sich zwar einerseits von Higazy distanziert hatte, in diesem Fall bereit war, Gowhary auf Anfrage des Gerichts eine Bescheinigung über den “Wechsel des Ritus” auszustellen. Da Gowhary in Zypern nach dem griechisch-orthodoxen Ritus getauft worden war, brauchte die Koptische Kirche nicht einen Religionswechsel zu bescheinigen. Dies lehnt sie aus Angst vor Repressalien grundsätzlich ab.

Im Dezember 2008 wurde die 24-jährige Martha Samuel Makkar auf dem Flughafen Kairo wegen Konversion zum Christentum festgenommen, als sie ihrem Ehemann nachreisen wollte. Sie kam für einen Monat ins Gefängnis und wurde von dem Richter mit dem Tode bedroht, weil sie den Islam verlassen hatte. “Wenn ich ein Messer hätte, würde ich sie sofort töten”, sagte er zu ihr, nachdem sie sich geweigert hatte, sich zum Islam zu bekennen.

Kinder müssen Religion des Vaters haben

Am 13. April 2009 wurden die 22-jährige Raheal Henen Mussa, die vom Islam zum Christentum konvertiert war, und ihr koptischer Ehemann Sarwat George Ryiad wegen illegaler Heirat festgenommen. Sie hatten privat nach traditionellem Brauch ohne religiöse Zeremonie und ohne Eintragung ins kirchliche Register geheiratet. Die Kirche weigert sich in der Tat, derartige Eheschließungen zu registrieren, da nach der Scharia eine Muslima nicht das Recht hat, einen Nichtmuslimen zu heiraten. Nun wird die junge Frau aber trotz ihrer Konversion, die drei Jahre vor ihrer Eheschließung stattgefunden hat und die wegen eines Kreuz-Tätowierung auf ihrem rechten Arm entdeckt wurde, immer noch als Muslima angesehen.

In Alexandria hat im Juli 2009 Kamilia Medhat Ramses, Mutter der 15-jährigen christlichen Zwillinge Andrew und Mario, vor Gericht beantragt, ihre Kinder bei sich behalten zu dürfen, nachdem ihr Mann sie verlassen hatte und zum Islam konvertiert war. Das Gericht gab ihr Recht unter der Bedingung, dass sich die beiden Jungen zum Islam bekehrten. Laut Scharia müssen die Kinder die Religion ihres Vaters annehmen. Frau Ramses entschied sich, gegen diesen Beschluss Berufung einzulegen.

(Quelle: Christen in großer Bedrängnis. Diskriminierung und Unterdrückung – Dokumentation 2010, Stand: 2010).

19.Jun 2009 16:06 · aktualisiert: 18.Jul 2011 16:41
KIN / S. Stein