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Nicaragua steht an der Spitze religiöser Verfolgung in Lateinamerika

Nicaragua steht an der Spitze religiöser Verfolgung in Lateinamerika

Untersuchung dokumentiert fast 200 religionsfeindliche Übergriffe in den vergangenen vier Jahren

25.07.2022 aktuelles
Seit 2018 hat die katholische Kirche in Nicaragua rund 200 gewaltsame Übergriffe erlitten. Das geht aus einem örtlichen Untersuchungsbericht hervor, der von der „Beobachtungsstelle für Transparenz und Korruptionsbekämpfung“ erstellt wurde und dem weltweiten katholischen Hilfswerk „Kirche in Not“ vorliegt. Die religionsfeindlichen Handlungen umfassen Brandstiftungen und Plünderungen von Kirchen, darunter einen Brandanschlag auf die Kathedrale der Hauptstadt Managua Ende Juli 2020, sowie Repressalien gegen Geistliche unter dem Regime von Nicaraguas Präsident Daniel Ortega.

 

Schändungen, Brandstiftungen, Schikanen

Bei mehr als einem Drittel der dokumentierten Fälle handelt es sich laut dem Bericht um Anfeindungen und Angriffe auf Priester, Bischöfe, Ordensfrauen, Priesterseminaristen und Gläubige. In Einzelfällen seien missliebige Personen ausgebürgert und des Landes verwiesen worden. In 19 Prozent der Fälle seien Kirchen geschändet worden; bei 17 Prozent handelt es sich um Brandstiftungen, Zerstörung oder Belagerung von Kircheneigentum. Auch seien kirchliche Krankenhäuser oder Hilfseinrichtungen vom Staat gesperrt oder ganz geschlossen worden.

Beschädigtes Kreuz nach einem Brandanschlag auf die Kathedrale von Managua. © KIRCHE IN NOT
Die Dunkelziffer religionsfeindlicher Gewalt in Nicaragua dürfte jedoch weit höher liegen, heißt es in dem Bericht: „Priester, die der Diebstähle und Schändungen in ihren Kirchen überdrüssig waren, haben uns ihre Fälle geschildert. Andere haben sich entschlossen zu schweigen.“

 

Repressalien gehen weiter

 

Der Bericht umfasst den Zeitraum zwischen Januar 2018 und Frühjahr 2022. Aus diesem Grund sind die jüngsten Schikanen gegen die katholische Kirche in Nicaragua noch nicht enthalten: So kündigte das Innenministerium Nicaraguas Ende Juni die Schließung von 101 sozialen Institutionen an, darunter auch die Niederlassungen der von Mutter Teresa gegründeten „Missionarinnen der Nächstenliebe“. Die Ordensfrauen, die sich dem Dienst an den Ärmsten der Gesellschaft widmen, wurden des Landes verwiesen. Insgesamt mussten in den vergangenen Jahren mehr als 750 Nichtregierungsorganisationen ihre Arbeit in Nicaragua einstellen.

Bischof Rolando José Alvarez Lagos aus Matagalpa in den zerstörten Räumen einer karitativen Einrichtung seines Bistums. © KIRCHE IN NOT
Die staatlichen Behörden haben darüber hinaus im Mai und Juni zwei katholische Fernsehsender vom Netz genommen. Internationale Aufmerksamkeit erregte der Bischof von Matagalpa, Rolando José Alvarez Lagos. Er war Mitte Mai in Hungerstreik getreten, um gegen die Schikanen des sandinistischen Regimes zu protestieren.

 

Eskalation seit Studentenprotesten 2018

 

Bis 2018 habe es in Nicaragua nur sporadische Angriffe auf die Kirche gegeben, so der Bericht. Das habe sich geändert, als die katholische Kirche sich in auf die Seite der Demonstranten stellte, die seit April 2018 gegen die Korruption und die politische Elite des Landes protestierten. Das Regime unter Präsident Ortega ging gewaltsam dagegen vor; hunderte Menschen wurden getötet.

 

Die Kirche öffnete ihre Türen, um den Demonstranten Schutz zu gewähren und bot sich als Vermittlerin an. Daraufhin seien „die beleidigende und bedrohliche Sprache des Präsidentenpaars gegenüber der katholischen Führungsebene“ immer deutlicher geworden, heißt es in dem Bericht. „Die Aktionen von Behörden gegen die karitative Arbeit der Kirche in Nicaragua haben zugenommen.“

Nicaragua: Der gute Hirte Bischof David Zywiec:

„Kirche in Not“ hatte bereits in dem Bericht „Religionsfreiheit weltweit 2021“ auf die schwierige Situation für die Kirche in Nicaragua aufmerksam gemacht. Der Länderbericht findet sich unter: https://acninternational.org/religiousfreedomreport/de/reports/ni/

 

Unterstützen Sie die Arbeit der Kirche in Nicaragua, die unter Repressionen leidet, mit Ihrer Spende – online unter: www.spendenhut.de oder auf folgendes Konto:

Empfänger: KIRCHE IN NOT

LIGA Bank München

IBAN: DE63 7509 0300 0002 1520 02

BIC: GENODEF1M05

Verwendungszweck: Nicaragua

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