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Unterstützung für Studentenwohnheime in der syrischen Stadt Aleppo

Unterstützung für Studentenwohnheime in der syrischen Stadt Aleppo

Studieren unter Lebensgefahr

18.01.2018 aktuelles
Das Stadtviertel Shabat Al-Jadida im Ostteil Aleppos wurde im Laufe des Syrienkriegs zu einem Ort des Todes. Es gehört zu den stark betroffenen Gebieten. Straßenkämpfe, Raketen- und Bombenbeschuss forderten unzählige Menschenleben. Jetzt, ein gutes Jahr nach Ende der unmittelbaren Kampfhandlungen in der Stadt, kehrt das alltägliche Leben langsam zurück. Der Straßenverkehr ist tagsüber sehr lebhaft, auf den Gehwegen drängen sich auffallend viele junge Leute. In dem Viertel befindet sich die Universität von Aleppo.

„Ich wollte nicht hierher. Aber ich bekam nur in Aleppo einen Studienplatz“, erzählt Angel Samoun, Studentin der Luftfahrttechnik. „Drei Monate weigerte sich mein Vater, mich gehen zu lassen. Aber ich gab nicht nach.“ Angel ist Christin und stammt aus Kamischli an der Grenze zur Türkei.
Studenten mit Pater David Fernandez.
Wohnheim für christliche Studenten in Aleppo.
Angel und Lara studieren in Aleppo.
Weeam Panous will Ingenieur werden.
Student in Aleppo.
Studenten in der Kapelle des Wohnheims.
Blick auf den Universitätscampus von Aleppo.

Auch für Lara Lias aus dem Süden Syriens war Aleppo nicht die erste Wahl. „Ich hatte große Angst – ich kannte ja die furchtbaren Nachrichten aus Aleppo. Als ich ging, verabschiedete sich meine Familie von mir, als würde ich sterben.“

Doch trotz dieser schwierigen Situation sind die beiden Frauen nicht allein. Direkt gegenüber der Universität leben sie in einem Studentenwohnheim, das zum katholischen Vikariat von Aleppo gehört und von argentinischen Ordensfrauen geleitet wird.

„Gottvertrauen ist beeindruckend”

„Der Eifer, mit dem die jungen Leute hier trotz des Krieges und der Angst studieren, ist nicht zu übersehen“, sagt Schwester Laudis Gloriae, die Leiterin der kleinen Gemeinschaft. „Das Gottvertrauen der Bewohner von Aleppo ist beeindruckend und ihr Beispiel inspiriert mich jeden Tag, im Vertrauen zu wachsen“, fügt die Ordensfrau hinzu.

Eine der schlimmsten Kriegserinnerungen stammt aus dem Jahr 2013. Damals traf eine Rakete ein Gebäude zwischen Universität und Wohnheim. 400 Personen kamen ums Leben, darunter auch eine der Schwestern. „Selbst bei Bombenalarm ging ich zu den Vorlesungen“, erzählt Angel. „Aber am schlimmsten war die Trennung von der Familie und die Ungewissheit, wenn sie mich mehrere Tage lang nicht erreichen konnten.“ Das Zusammenleben im Wohnheim gab ihr Halt.

Trotz Bombenalarms zur Vorlesung

Die Studentinnen leben mit den Schwestern zusammen, essen gemeinsam, beten und feiern Gottesdienst, obwohl sie unterschiedlichen Konfessionen angehören: syrisch-orthodox, griechisch-katholisch, armenisch-katholisch, römisch-katholisch – die ganze Vielfalt der orientalischen Kirchen ist vertreten.

Ähnlich ist die Situation im Wohnheim für junge Männer, das in der Nachbarschaft des katholischen Pfarramts liegt. „Zurzeit leben wir hier zusammen mit 30 Studenten aus verschiedenen christlichen Konfessionen“, erzählt Pater David Fernandez. Er stammt ebenfalls aus Argentinien und kümmert sich zusammen mit einem Mitbruder um das Wohnheim, die Seelsorge an der katholischen Kathedrale und eine weitere Pfarrei in einem benachbarten Stadtviertel.

Studenten verschiedener Konfessionen

Dazu gehört auch die Koordination von Lebensmittel-, Kleidungs- und Medikamentenspenden an über 600 Familien. KIRCHE IN NOT sichert die Finanzierung.

Auch hier ist die Erinnerung an die schlimmsten Kriegstage allgegenwärtig: „Genau auf diesen Dächern gegenüber“, erzählt Pater Fernandez und zeigt aus dem Fenster, „kamen mehrere Menschen bei einem Bombenangriff ums Leben. Ich musste die Leichen bergen.“

In einem der Studentenzimmer treffen wir Albert. Seinen richtigen Namen möchte er nicht preisgeben – die Gründe erzählt er später. Albert stammt ebenfalls aus dem syrisch-türkischen Grenzgebiet und steht kurz vor dem Abschluss seines Ingenieursstudiums. Die ganze Kriegszeit hat er hier ausgeharrt. „Einige meiner Freunde haben es nicht mehr ausgehalten und sind weggegangen“, erzählt Albert. „Ich aber entschied mich, mein Leben aufs Spiel zu setzen und mein Studium zur Ende zu bringen.“

„Freunde sind wegen des Krieges weggegangen”

Momentan steht für Albert jedoch genau das auf der Kippe: Er hat seinen Einberufungsbescheid zum Militär erhalten. Studenten sind davon eine gewisse Zeit befreit. Aber jetzt ist die Frist abgelaufen, und die Regierung gewährt keine Ausnahme.

Albert traut sich jetzt kaum noch auf die Straße aus Angst, von der Militärpolizei aufgegriffen und direkt an die Front geschickt zu werden. Pater Fernandez tut, was ihm möglich ist: „Wir versuchen, direkt mit den Behörden zu verhandeln und einen Aufschub zu erwirken.“

Wohnheim und Studenten auf Unterstützung angewiesen

Von überall her, wo es nur geht, versucht der Ordensmann Unterstützung für „seine jungen Männer“ zu bekommen, wie er sagt. Wichtige Anlaufstelle ist KIRCHE IN NOT. „Dank dieser Hilfe konnten wir zum Beispiel Computer für die Studenten anschaffen und die Studiengebühren bezahlen.“

Die Studenten leisten auch selber einen kleinen Beitrag, umgerechnet etwa vier Euro im Monat. „Das ist aber eher symbolisch, um die jungen Leute nicht zu reinen Almosenempfängern zu erniedrigen.“ Die wirtschaftliche Situation bleibe weiterhin sehr angespannt. Ohne Hilfe aus dem Ausland müsste das Wohnheim seine Pforten schließen, erklärt Fernandez. „Der argentinische Pater ist für uns wirklich wie ein Vater“, sagt Antarik Kaspar, der Wirtschaftswissenschaften studiert.

„Wir schätzen diese Menschen sehr, die ihr Heimatland verlassen haben und hier in das Kriegsgebiet gekommen sind, um mit uns zu leben und uns zu helfen. Und dank der finanziellen Hilfe können wir unser Studium abschließen und für den Frieden in Syrien arbeiten.“ Wann auch immer dieser Friede kommen wird.

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Um den Studenten Aleppos weiterhin helfen und der christlichen Minderheit materiell wie pastoral beistehen zu können, bittet KIRCHE IN NOT um Spenden

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