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Mit zwei „Abenden der Zeugen“ im Passauer Dom am 11. November und im Regensburger Dom am 12. November hat die diesjährige „Red Wednesday“-Aktion des päpstlichen Hilfswerks „Kirche in Not“ (international: ACN) in Deutschland begonnen. Der Passauer Dom war zu diesem Anlass im Innenraum, der Regensburger Dom innen und außen rot beleuchtet worden.

 

Der „Red Wednesday“ fällt in diesem Jahr auf den 23. November. Den ganzen Monat über ruft „Kirche in Not“ dazu auf, Kirchen und öffentliche Gebäude als Zeichen der Solidarität mit verfolgten und diskriminierten Christen weltweit rot anzustrahlen und Informationsveranstaltungen zur Religionsfreiheit zu organisieren.

Der irakische Priester Nashwan Cosa im Passauer Dom © Kirche in Not

Aktueller Bericht aus dem Irak

Zu Gast in beiden Kathedralen war der irakische Priester Nashwan Cosa. Er erzählte von den vielen tausend Flüchtlingen, die während des Vormarsches des „Islamischen Staats“ (IS) im Nordirak in kirchlichen Einrichtungen der Stadt Erbil Zuflucht gefunden hatten. „Im Jahr 2014 hatten wir 75 000 Menschen aufgenommen und sie mit Nahrung, Kleidung, Medizin und Unterkünften versorgt“, berichtete Cosa. Nach dem Rückzug des IS habe die Katholische Kirche vier Schulen, ein Krankenhaus und eine Universität aufbauen können, die nun Christen und Muslimen gleichermaßen offen stünden.

 

„Wir leben unter guten Menschen, aber sie haben viel erlitten und ihre Herzen haben sich verhärtet“, erklärte Cosa. Darum sei es wichtig, die Menschen wieder zu einer Gemeinschaft zusammenzubringen. Dies sei möglich durch „Caritas“ und gemeinsame Ausbildung. Christen werde im Irak innerhalb ihrer Gemeinschaft Religionsfreiheit gewährt. Muslimen sei es aber nicht erlaubt, zum Christentum zu konvertieren. „Wer es dennoch tut, verlässt anschließend meist das Land“, sagte Cosa.

Der Regensburger Dom von außen beleuchtet (Frontansicht) © Kirche in Not

Religionsfreiheit weltweit bedroht

 

Der Geschäftsführer von „Kirche in Not“, Florian Ripka, ergänzte diesen konkreten Erfahrungsbericht durch aktuelle Brennpunktländer mit eingeschränkter Religionsfreiheit oder akuter Verfolgung von Religionsgemeinschaften. Gefährdet sei das Menschenrecht der Religionsfreiheit derzeit vor allem durch autoritäre Regierungen, islamistische Extremisten und ethno-religiösen Nationalismus.

 

„In China beispielsweise gelten Religionen als Konkurrenz zur kommunistischen Staatsideologie, daher findet eine massive Überwachung statt“, stellte Ripka fest. „Religionsangehörige, die keiner der staatlich registrierten Glaubensgemeinschaften angehören, müssen damit rechnen, erhebliche Nachteile zu erleiden.“

 

Islamisten seien in der afrikanischen Sahelzone das größte Problem: „Menschen, die die strenge Auslegung des Islam nicht befolgen, werden dort mit dem Tode bedroht“, berichtete Ripka. „In Ländern wie Mosambik, Nigeria oder Kamerun entführen oder töten die Fanatiker jene, die ihre Weltsicht nicht akzeptieren.“ Ziel sei es, grenzübergreifende dschihadistische Netzwerke zu errichten, und damit ein internationales Kalifat aufzubauen.

Der Passauer Dompropst Dr. Michael Bär © Kirche in Not
Während dieser islamistische Terrorismus in den deutschen Medien wahrgenommen werde, sei der „ethno-religiöse Nationalismus“ eher unbekannt. Dieser sorge in Ländern wie Indien, Sri Lanka oder Myanmar dafür, dass religiöse oder ethnische Minderheiten zu Bürgern zweiter Klasse degradiert würden. „Menschen, die keine Hindus bzw. Buddhisten sind, werden dort im Beruf, im Bildungswesen und bei staatlichen Leistungen ausgegrenzt und diskriminiert“, berichtete Ripka.

 

Passauer Dompropst Michael Bär: „Aus der eigenen Geschichte lernen“

 

In seiner Ansprache während des „Abends der Zeugen“ am 11. November im von innen rot beleuchteten Passauer Dom erinnerte Dompropst Dr. Michael Bär daran, dass Religionsfreiheit auch in Deutschland einmal massiv bedroht gewesen war. „Die Glaubenszeugen aus der Zeit der nationalsozialistischen Unrechtsherrschaft mahnen uns auch heute zur Wachsamkeit“, betonte Bär.

 

Mutige Christen wie der niederbayerische Pfarrer Ludwig Mitterer hätten den Nationalsozialisten Widerstand geleistet und dafür mit ihrem Leben bezahlt. Dompropst Bär hielt den etwa 80 Besuchern im Passauer Dom das Schicksal einiger dieser Märtyrer vor Augen und lud dazu ein, ihrer im Gebet zu gedenken. In einem von der Dommusik gestalteten „Even Song“, einem musikalischen Abendgebet, war dazu Gelegenheit.

Bischof Dr. Rudolf Voderholzer im Regensburger Dom © Kirche in Not
Regensburger Bischof Voderholzer: „Protest, Solidarität und Vergebung“

 

Am 12. November war der Regensburger Dom innen und außen in rotes Licht getaucht. Als „ungewohnt und tief aufwühlend“ bezeichnete Bischof Dr. Rudolf Voderholzer die Aktion in seiner Predigt während des „Abends der Zeugen“. Der Sinn des „Red Wednesday“ liege im „In-Erinnerung-Rufen der zum Himmel schreienden Tatsache, dass weltweit gegenwärtig mehr Menschen als je zuvor gewaltsam an der Ausübung ihres Glaubens gehindert werden“.

 

Dieser Abend sei „ein Zeichen der Solidarität und eine Brücke des Gebets mit unseren verfolgten Schwestern und Brüdern.“ Die von der Hochschule für Kirchenmusik gestaltete Gebetszeit solle auch ein Zeichen der Versöhnung sein, damit die Verfolgten „innerlich frei werden können, dass sie Kraft finden zur Vergebung und so dem erlittenen Unrecht der Vergangenheit nicht die Macht einräumen, auch die Zukunft zu bestimmen“, sagte Bischof Voderholzer.

 

Nähere Informationen zur Aktion „Red Wednesday“ finden sich auf der Webseite www.redwednesday.de.

Informationen über die aktuelle Lage der Religionsfreiheit weltweit stellt „Kirche in Not“ unter www.religionsfreiheit-weltweit.de zur Verfügung.

Red Wednesday Innenbeleuchtung im Regensburger Dom © Kirche in Not
Der Regensburger Dom von außen beleuchtet (Seitenansicht) © Kirche in Not
Rund um die Aktion „Red Wednesday“ sind in nächster Zeit weitere „Abende der Zeugen“ mit rot beleuchteten Kirchen geplant:

 

  • am Sonntag, 20. November, ab 17:00 Uhr im Freiburger Münster mit Weihbischof John Bogna Bakeni aus Maiduguri (Nigeria) unter der Leitung von Weihbischof Dr. Peter Birkhofer. Das Münster wird dazu innen rot beleuchtet.

 

  • am Mittwoch, 23. November, ab 19:15 Uhr im Augsburger Dom mit Weihbischof John Bogna Bakeni aus Maiduguri (Nigeria) unter der Leitung von Bischof Dr. Bertram Meier – Live übertragen durch den katholischen Sender „Radio Horeb“. Der Dom wird dazu innen und außen rot beleuchtet.

 

  • am Mittwoch, 23. November, ab 19:00 Uhr in der Münsterpfarrei Neumarkt in der Oberpfalz mit Bischof Samson Shukardin aus Hyderabad (Pakistan) und dem katholischen Priester Emmanuel Yousaf aus Lahore (Pakistan) unter der Leitung von Domkapitular Norbert Winner. Das Neumünster wird dazu innen und außen rot beleuchtet.

 

  • am Donnerstag, 24. November, ab 19:10 Uhr in der Pfarrkirche St. Anton in Balderschwang mit Bischof Samson Shukardin aus Hyderabad (Pakistan) und dem katholischen Priester Emmanuel Yousaf aus Lahore (Pakistan) unter der Leitung von Pfr. Dr. Richard Kocher – Live übertragen durch den katholischen Sender „Radio Horeb“.

 

  • am Samstag, 26. November, ab 18:00 Uhr im Mainzer Dom mit Bischof Samson Shukardin aus Hyderabad (Pakistan) und dem katholischen Priester Emmanuel Yousaf aus Lahore (Pakistan) unter der Leitung von Bischof Dr. Peter Kohlgraf.

Zeugnis von Nashwan Cosa in Regensburg (12.11.2022)

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Während der jüngste Staatstreich in Burkina Faso viele offene Fragen zur Strategie des Militärs hinterlasse, nähmen die Dschihadisten zunehmend Christen ins Visier. Das berichtete Pater Alain Tougma dem weltweiten päpstlichen Hilfswerk „Kirche in Not“ (ACN). Tougma ist Oberer der afrikanischen Provinz der Ordensgemeinschaft „Frères Missionaires des Campagnes“ (Missionsbrüder in den ländlichen Gebieten).
Pater Alain Tougma, Provinzoberer der „Frères Missionaires des Campagnes“ © KIRCHE IN NOT
„Der Terrorismus gewinnt immer mehr an Boden“, berichtete der Ordensmann. Internationale Beobachter gingen Ende Juni davon aus, dass sich 40 Prozent der Landesfläche Burkina Fasos in der Hand von Terroristen befänden. „Heute sind es bestimmt noch mehr“, sagte Pater Alain. Im ganzen Land gäbe es mehr als 1,7 Millionen Binnenvertriebene. Auch seine Gemeinschaft sei vor einigen Monaten von Milizen aus der Stadt Pama im Südosten des Landes verjagt worden. „Sie haben uns ein Ultimatum von zehn Tagen gesetzt, um die Stadt zu verlassen. Und da die Terroristen es besonders auf die Priester und Ordensschwestern abgesehen haben, forderte unser Bischof uns auf, zu gehen.“

 

Kreuze bewusst zerstört

 

Die Terroristen hätten auch in anderen Landesteilen christliche Einrichtungen niedergebrannt. „Manchmal brennen sie nicht nur ein kirchliches Gebäude nieder, sondern achten auch darauf die Kreuze zu zerstören“, sagte Pater Alain. Dies zeige ihren Willen, den christlichen Glauben auszulöschen.

 

Dem Ordensmann zufolge hätten Dschihadisten in der Umgebung von Pama christliche Dorfbewohner zum Besuch der Moschee gezwungen. Auch hätten sie die islamische Kleiderordnung durchgesetzt. In einigen Ortschaften seien noch katholische Gottesdienste erlaubt. Sie fänden aber unter Aufsicht der Dschihadisten statt.

Beschädigtes Kreuz nach einem dschihadistischen Überfall in Bougui/Burkina Faso im Februar 2022. © KIRCHE IN NOT
Als besonders schwerwiegend bezeichnete es Pater Alain, dass viele Schulen wegen der anhaltenden Gefahr geschlossen sind. Viele Felder blieben unbestellt, weil die Besitzer fliehen mussten oder getötet worden seien. „Wir hören die Rufe so vieler unserer Gemeindemitglieder: ,Kommt und helft uns, gebt uns zu essen’. Doch wir können nicht allen Anfragen nachkommen.“

 

Radiosender als einzige Kontaktmöglichkeit

 

In der chaotischen Situation sei das Radio oft die einzige Möglichkeit, um mit den vertriebenen Menschen und denjenigen, die sich noch in den eroberten Gebieten befinden, in Kontakt zu treten, betonte Pater Alain. „Kirche in Not“ unterstützt unter anderem in Burkina Faso die Arbeit der kirchlichen Radiosender. „Über das Radio machen wir der Bevölkerung Mut. Die Menschen zählen auf unsere Unterstützung“, sagte der Ordensmann.

 

In Burkina Faso hatte es nur acht Monate nach dem letzten Staatstreich Ende September einen erneuten Militärputsch gegeben. An der Staatsspitze steht nun Hauptmann Ibrahim Traoré. Während sich mit dem ersten Umsturz noch gewisse Hoffnungen im Kampf gegen den Terror verbunden hätten, sei die Bevölkerung jetzt skeptisch, teilten lokale Ansprechpartner von „Kirche in Not“ mit.

Frauen bei einem Gottesdienst in Burkina Faso. ©KIRCHE IN NOT
Burkina Faso wird seit 2015 von islamistischen Truppen heimgesucht; sie rekrutieren sich aus der einheimischen Bevölkerung und aus dem Ausland. Dem Bericht „Religionsfreiheit weltweit 2021“ von „Kirche in Not“ zufolge ist das Land zu einem der Hauptoperationsgebiete des militanten Dschihadismus in Afrika geworden.

 

Ziel in Burkina Faso und anderen Staaten Subsahara-Afrikas ist es, ein transnationales Kalifat aufzubauen. Während sich die Gewalt zu Beginn unterschiedslos gegen die gesamte Bevölkerung richtete, kommt es nach Angaben von lokalen Beobachtern seit 2019 vermehrt zu gezielten Attacken auf Christen, die etwa ein Viertel der Bevölkerung Burkina Fasos ausmachen.

Unterstützen Sie den Einsatz der Kirche in Burkina Faso für Terroropfer und Flüchtlinge mit Ihrer Spende – online unter: www.spendenhut.de oder auf folgendes Konto:

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Verwendungszweck: Burkina Faso

Burkina Faso: Helfen Sie uns, die Wunden des islamischen Terrorismus zu heilen!

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In der südukrainischen Stadt Saporischschja beeinträchtigt schwerer Raketenbeschuss die Hilfsaktionen der Albertinerbrüder und anderer kirchlicher Institutionen. Mehrfach sei es in unmittelbarer Nähe der Einrichtungen des Ordens zu schweren Detonationen gekommen. Das teilte der Generalobere der aus Polen stammenden Kongregation, Bruder Franciszek Grzelka, im Gespräch mit dem weltweiten päpstlichen Hilfswerk „Kirche in Not“ (ACN) mit.

 

Die Albertinerbrüder betreiben in Saporischschja eine Suppenküche, eine Bäckerei und eine Obdachlosenunterkunft. Die Metropole mit rund einer Dreiviertelmillion Einwohner ist die sechstgrößte Stadt der Ukraine. In der Nähe befindet sich das größte Kernkraftwerk Europas, das von russischen Truppen besetzt wurde.

 

Tag und Nacht unter Beschuss

 

Bruder Franciszek Grzelka hatte kürzlich einen Hilfstransport nach Saporischschja begleitet. Dabei erlebte er einen Raketenangriff in der Nähe des Hauses der Ordensgemeinschaft mit, wie er „Kirche in Not“ berichtete: „In der Nacht gab es in dem Viertel, in dem unser Kloster steht, etwa zehn Explosionen. Die Fenster und Wände im Haus bebten. Wie sich später herausstellte, wurde ein siebenstöckiges Gebäude in unmittelbarer Nähe zerstört. Mehr als ein Dutzend Zivilisten wurden dabei getötet, und es gab etwa 50 Verletzte.“ Das Haus der Albertinerbrüder sei bislang verschont geblieben.

Wartende Menschen bei der Verteilung von Hilfsgütern in Saporischschja. ©KIRCHE IN NOT
Auch tagsüber habe es mehrfach Fliegeralarm gegeben, zum Beispiel in dem Stadtviertel, in dem sich die Armenküche der Albertinerbrüder befinde. Dies gefährde auch die dortige Arbeit: „Ein Mitbruder sagte mir, dass es bei der Essensausgabe am Vormittag Explosionen in unmittelbarer Nähe gegeben habe. Glücklicherweise wurde keiner der armen Menschen verletzt, die dort anstanden“, sagte Bruder Franciszek.

Die Angriffe hätten zugenommen, seit Präsident Putin die Provinz Saporischschja nach einer umstrittenen Volksabstimmung dem russischen Staatsgebiet eingegliedert habe. „Die Front ist nahe, keine 50 Kilometer entfernt. Aber Saporischschja ist nach wie vor in ukrainischer Hand.“

 

„Solange es möglich ist, wollen wir vor Ort sein“

 

Bei seinem Aufenthalt hatte der Generalobere mit seinen Mitbrüdern im Stadtzentrum Hilfsgüter verteilt; dazu seien etwa 1300 Menschen gekommen, hauptsächlich Frauen und Kinder. „Es kamen Obdachlose, aber auch Menschen, die jetzt neu auf Hilfe angewiesen sind. Die Preise in den Geschäften sind stark angestiegen, und es gibt nur wenig Arbeit.“ Außerdem hielten sich viele Binnenflüchtlinge in Saporischschja auf, die aus den von Russland besetzten Gebieten gekommen seien.

Bruder Franciszek Grzelka bei der Verteilung von Lebensmitteln in Saporischschja. ©KIRCHE IN NOT
Trotz der anhaltenden Gefechte setzen die Albertinerbrüder ihre Hilfstransporte fort; sie bringen einmal im Monat Lebensmittel, medizinische Hilfsgüter und technisches Gerät wie zum Beispiel Stromgeneratoren aus der Westukraine nach Saporischschja.

 

„Kirche in Not“ unterstützt die Arbeit der Ordensgemeinschaft in der Ukraine seit langem, zum Beispiel bei der Anschaffung von Fahrzeugen, mit Existenzhilfen oder bei der Instandsetzung ihrer Einrichtungen in Lemberg (Lwiw) und Saporischschja. „Solange es möglich ist, wollen wir vor Ort sein“, betont Bruder Franciszek. „Wir konzentrieren uns nicht auf militärische und politische Analysen. Wir beten um Frieden und helfen den Menschen, die in Not sind. Und davon gibt es derzeit viele.“

„Kirche in Not“ hat seit Beginn des Ukraine-Krieges mehrere Hilfspakete aufgelegt, um die Arbeit von Priestern, Ordensfrauen und freiwilligen Helfern in Pfarreien, Flüchtlingslagern, Waisenhäusern und Altenheimen zu unterstützen. Helfen Sie den Menschen in der Ukraine mit Ihrer Spende – online unter: www.spendenhut.de oder auf folgendes Konto:

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Verwendungszweck: Nothilfe Ukraine

KIRCHE IN NOT ruft zum Gebet für den Frieden in der Ukraine auf

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In weiten Teilen Syriens ist die heiße Phase des Bürgerkrieges zwar vorbei, aber die Lage sei „schlimmer als während des Krieges, was die wirtschaftliche Situation und den Alltag der Menschen angeht.“ Darauf wies die syrische Ordensfrau Annie Demerjian in einem Interview mit dem weltweiten katholischen Hilfswerk „Kirche in Not“ (ACN) hin. Schwester Annie gehört der Gemeinschaft der „Schwestern Jesu und Mariens“ an und ist eine langjährige Projektpartnerin von „Kirche in Not“. Zusammen mit ihren Mitschwestern betreut sie mehrere kirchliche Hilfseinrichtungen in Syrien und im benachbarten Libanon.
Schwester Annie (links) mit Frauen in der Nähwerkstaat von Maalula. © KIRCHE IN NOT
In einigen Landesteile seien auch im elften Jahr des Bürgerkriegs noch islamistische Milizen wie der „Islamische Staat“ oder Al-Nusra aktiv, so Schwester Annie. Dort würde nach wie vor gekämpft. In den anderen Landesteilen fielen zwar keine Bomben mehr, „aber das Leben ist nicht friedlich. Es gibt keinen geregelten Alltag, denn unser Volk kämpft jeden Tag ums Überleben“.

 

„Ich verstehe die Länder nicht, die Sanktionen verhängen“

 

Die Ordensfrau wies auf die desolate Lage der Infrastruktur hin: Viele Menschen hätten nur ein bis zwei Stunden am Tag Strom, die Wasserversorgung sei unterbrochen. Die Löhne könnten mit den enorm gestiegenen Preisen nicht mithalten: „Ein Familienvater in Aleppo verdient durchschnittlich umgerechnet um die 30 Euro. Allein die Miete beträgt aber 40 bis 50 Euro; in der Hauptstadt Damaskus sogar noch mehr. Wie soll das funktionieren?“ Viele Menschen seien der Situation überdrüssig; die Auswanderungswelle setze sich fort.

Teilnehmer einer Konferenz junger christlicher Führungskräfte in Syrien. © KIRCHE IN NOT
Scharf kritisierte die Ordensfrau die nach wie vor verhängten Sanktionen der EU und der US-Regierung gegen Syrien: „Sie treffen das einfache Volk und machen uns das Leben sehr schwer. Ich verstehe die Länder nicht, die von Menschenrechten reden und Sanktionen gegen das Leben der Menschen verhängen.“

 

„Ich weiß nicht, was ohne Hilfe der Kirche mit unserem Volk geschehen würde“

 

Die Kirchen Syriens leisteten eine „großartige Arbeit“, um die schlimmsten Nöte zu lindern und weitere Auswanderungen zu stoppen, erklärte Schwester Annie: „Ich weiß nicht, was ohne die Hilfe der Kirche mit unserem Volk geschehen würde, vor allem wenn wir an die Präsenz der Christen denken.“ Die Ordensfrau schätzt, dass im Vergleich mit der Zeit vor dem Krieg nur noch etwa ein Drittel der Christen in Syrien geblieben seien.

 

Das Engagement von Schwester Annies Gemeinschaft erstreckt sich deshalb auch auf den Libanon, wo sich nach wie vor viele syrische Flüchtlinge aufhalten. Im syrischen Aleppo konzentriert sich die Hilfe auf rund 300 mittellose Familien. Die Ordensfrauen leisten Beihilfen für die Miete und versorgen sie mit Lebensmitteln und Medikamenten. Diese seien nach wie vor ein besonders rares Gut, erzählt Schwester Annie: „Ich weiß von vielen Menschen, dass sie ihre Medikamente nur alle paar Tage einnehmen. Sie strecken sie, damit sie möglichst lang den Bedarf decken können.“

Medikamentenausgabe von KIRCHE IN NOT in Syrien.
Sorge für Traumatisierte, Arbeit und Bildung

 

Die Ordensfrauen bieten außerdem Musik- und Kunsttherapie für traumatisierte Kinder an: „Das Trauma, das unsere Kinder erlitten haben, ist sehr stark, besonders bei denen, die während des Krieges geboren wurden“, sagte Schwester Annie. Ein weiteres Augenmerk liege auf dem Bereich Arbeit und Bildung: Die Ordensfrauen unterstützen Studentinnen und die Förderung künftiger Führungskräfte, zum Beispiel mit Stipendien und Kleinkrediten. Es gibt auch spezielle Kurse zur Berufsförderung, an denen bislang etwa 400 Personen teilgenommen haben. In der Kleinstadt Maalula im Südwesten Syriens nahe der libanesischen Grenze hat die Gemeinschaft von Schwester Annie eine Nähwerkstatt aufgebaut, in der über 20 Frauen Arbeit und Lohn finden.

 

Das Geld für diese und weitere Projekte stammt unter anderem von „Kirche in Not“. Trotz der sehr schwierigen Situation sei die Hoffnung unter den syrischen Christen sehr lebendig, betont Schwester Annie: „Die Hoffnung ist immer da. Unser Glaube ist während des Krieges noch stärker geworden, weil die Barmherzigkeit und Vorsehung Gottes erlebt haben. Wir bekommen oft unverhofft Hilfe.“

Ein aktuelles 25-minütiges Fernsehinterview von „Kirche in Not“ mit Schwester Annie Demerjian unter dem Titel „Christen in Syrien – Krise ohne Ende?“ aus dem Jahr 2022 wird zu folgenden Terminen auf den christlichen Fernsehkanälen ausgestrahlt:

  • EWTN am Sonntag, 06.11.2022, um 22:30 Uhr
  • Bibel TV am Montag, 07.11.2022, um 15:30 Uhr
  • KTV am Dienstag, 08.11.2022, um 17:00 Uhr

 

Das Interview ist danach auch auf der Mediathek von „Kirche in Not“ abrufbar: www.katholisch.tv

Unterstützen Sie die Arbeit von Schwester Annie und den Einsatz der Kirche in Syrien für die notleidenden Menschen mit Ihrer Spende – online unter: www.spendenhut.de oder auf folgendes Konto:

 

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Schwester Annie berichtet über ihre Arbeit in Syrien (2019)

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Bischof Paul Hinder, Apostolischer Administrator von Nordarabien, sieht den bevorstehenden Besuch von Papst Franziskus in Bahrain als Fortsetzung der Dialogbemühungen mit der islamischen Welt: „Es gibt eine Kontinuität in den Zielen seit seiner Reise nach Abu Dhabi [im Februar 2019; d. Red.]: Eine Plattform zu finden, auf der wir konstruktiv und positiv im Gespräch bleiben können, ohne unsere Überzeugungen in Frage zu stellen“, sagte Bischof Hinder bei einem Pressegespräch des weltweiten päpstlichen Hilfswerks „Kirche in Not“ (ACN).

 

„Der Dialog ist nicht einfach“

 

Papst Franziskus wird von 3. bis 6. November den Golfstaat Bahrain besuchen. Er wird dabei mit der christlichen Minderheit auf der arabischen Halbinsel zusammentreffen, aber auch am „Bahrain Forum for Dialogue“ teilnehmen. „Der Dialog ist nicht einfach“, erklärte Bischof Hinder.

Bischof Paul Hinder, Apostolischer Vikar für Nordarabien. ©KIRCHE IN NOT
Es sei schwierig, eine gemeinsame Sprache zu finden: „Niemand ist an einer Synthese interessiert, die halb muslimisch, halb christlich wäre. Wir wollen unseren Traditionen treu bleiben, aber wir können mehr tun, um wichtige Fragen anzugehen, die die gesamte Menschheit betreffen“, sagte Hinder. Er sei der Ansicht, dass „die Welt in Gefahr ist, wenn Christentum und Islam nicht zu irgendeiner Verständigung finden“. Papst Franziskus werde nicht müde „Brücken zu bauen, wo die Menschen nicht mehr miteinander reden.“

 

Moderater Kurs der Toleranz gegenüber Christen

 

Laut Bischof Hinder leben etwa 80 000 Katholiken in Bahrain, das sind knapp fünf Prozent der Bevölkerung. Die meisten von ihnen seien Wanderarbeiter aus Ländern wie Indien, Sri Lanka oder den Philippinen – viele bitterarm und in prekären Verhältnissen. Trotz der geringen Zahl einheimischer Katholiken werden zum Gottesdienst mit Papst Franziskus am kommenden Samstag 28 0000 Gläubige im Nationalstadion Bahrain erwartet. Es reisten viele Katholiken aus den Nachbarländern an, „darunter auch mindestens zweitausend aus Saudi-Arabien“, betonte Hinder.

- Bischof Paul Hinder
Bahrain: Die neue Kathedrale „Unsere Liebe Frau von Arabien“ in Bahrain. © Mattia del Prete Architect MDPA
Saudi-Arabien gilt als eines der Länder weltweit, in denen Christen und andere religiöse Minderheiten keine Religionsfreiheit genießen. In Bahrain haben Christen, die zumeist nicht die Staatsbürgerschaft besitzen, mehr Freiheiten. Dennoch ist auch dort der Islam Staatsreligion und Konvertiten zum Christentum sind Beobachtern zufolge Schwierigkeiten ausgesetzt. Konflikte gibt es auch innerhalb der islamischen Strömungen: Die Mehrheit der Bevölkerung ist schiitisch, das Könighaus jedoch sunnitisch. In der Vergangenheit wurde immer wieder von Druck auf schiitische Gemeinschaften berichtet, bei dem sich politische und religiöse Motive vermischen.

 

„Bahrain hat Brückenfunktion zwischen Saudi-Arabien und Iran“

 

Dennoch pflegt die führende Schicht in Bahrain gegenüber Christen einen Kurs der Toleranz: So stellte König Hamad bin Isa Al Chalifa Land für den Bau der Kathedrale „Unsere Liebe Frau von Arabien“ in Awali zu Verfügung, die größte christliche Kirche in der Golfregion. „Kirche in Not“ hatte den Bau unterstützt. Christen in Bahrain machten zahlreich von ihren Freiheiten Gebrauch; die Gottesdienste seien meist überfüllt, betonte Hinder.

Die Kirchen auf der Arabischen Halbinsel sind bei Gottesdiensten überfüllt.
An diese Erfahrung knüpfte der Bischof noch eine weitere Erwartung an den Papstbesuch: „Bahrain liegt religiös und ideologisch zwischen den beiden Großmächten Saudi-Arabien und Iran. Bahrain kann eine besondere Rolle als Brückenbauer spielen. Ich hoffe, Papst Franziskus wird das Land ermutigen dieser Rolle treu zu bleiben.“
Weitere Informationen zur Lage der Religionsfreiheit in Bahrain finden sich in der Dokumentation „Religionsfreiheit weltweit“ von „Kirche in Not“: https://acninternational.org/religiousfreedomreport/de/reports/bh/

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KIRCHE IN NOT-Doku: Christen auf der Arabischen Halbinsel

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Nach der Tötung der jungen Missionsärztin Schwester Marie-Sylvie Kavuke Vakatsuraki und mindestens eines Patienten bei einem terroristischen Überfall auf ein kirchliches Krankenhaus herrscht in der Demokratischen Republik Kongo Entsetzen. „Der Terror geht weiter. Die Menschen haben Angst, jeder versucht zu entkommen“, erklärte der Comboni-Missionar Marcello Oliveira gegenüber dem weltweiten päpstlichen Hilfswerk „Kirche in Not“.

 

Ordensfrau und ein Patient verbrannten in geplündertem Krankenhaus

 

Der Überfall auf das Krankenhaus fand am 19. Oktober im Dorf Maboya im Nordosten der Demokratischen Republik Kongo nahe der Grenze zu Uganda statt. „Rebellen griffen das Krankenhaus an. Sie plünderten alles, was sie finden konnten, und setzten das Gebäude schließlich in Brand“, schilderte Pater Marcello die Ereignisse. „Eine Ordensschwester, die Ärztin ist und Nachtdienst hatte, verbrannte zusammen mit einem Patienten.“

Die getötete Ordensfrau Marie-Sylvie Kavuke Vakatsuraki. © KIRCHE IN NOT
Schwester Marie-Sylvie habe vorher sogar noch in der örtlichen Missionsstation angerufen, damit die dortigen Priester und Ordensleute sich in Sicherheit bringen konnten. Zu dem Überfall bekannte sich nach lokalen Angaben die ugandische Dschihadistengruppe „Allied Democratic Forces“ (ADF), die auch unter dem Namen „Islamischer Staat – Zentralafrikanische Provinz“ firmiert. Nach dem Überfall auf das Krankenhaus in Maboya hätten die Terroristen noch eine weitere Klinik in der Nähe überfallen, so die lokalen Ansprechpartner.

 

Noch mehr Tote?

 

Die getötete Schwester Marie-Sylvie Kavuke Vakatsuraki gehörte dem Orden der „Kleinen Schwestern der Darstellung unserer Lieben Frau im Tempel“ aus Butembo in der Provinz Nord-Kivu an. Verschiedene Medien sprachen nach dem Überfall sogar von bis zu sieben Toten; die Projektpartner von „Kirche in Not“ bestätigten bislang zwei. Allerdings gelten noch zahlreiche Personen als vermisst, teilte Pater Marcello Oliveira mit: „Mehrere Personen sind verschwunden, möglicherweise um die geplünderten Medikamente und anderen Güter transportieren zu helfen.“

Niedergebrannte Gebäudeteile in Maboya. © KIRCHE IN NOT
Der Ordensmann erklärte gegenüber „Kirche in Not“, dass in der Demokratischen Republik Kongo ein „versteckter Krieg“ herrsche, den die Welt ignoriere. „Es ist ein Krieg, der ,schweigend’ – oder zum Schweigen gebracht – geführt wird, so dass niemand etwas unternimmt und die Bevölkerung weiter leidet“, sagte Pater Marcello.

 

Krieg um Bodenschätze

 

Seit Jahren wird das rohstoffreiche Grenzgebiet zwischen der Demokratischen Republik Kongo und dem Nachbarland Uganda von Rebellen der Miliz ADF überrannt. Die ADF wird von Jamil Mukulu angeführt, einem zum Islam konvertierten ehemaligen Christen. Dem kongolesischen Militär und der UN-Friedensmission MONUSCO gelingt es nicht, die Region zu befrieden.

Die Provinz Nord-Kivu gilt als Epizentrum der Gewalt. Menschenrechtsorganisationen zufolge ereignet sich im Osten der Demokratischen Republik Kongo die am längsten dauernde humanitäre Krise Afrikas. In der Region lagern Gold, Diamanten, Kobalt und Coltan in der Erde. Dabei handelt es sich um wichtige Rohstoffe zum Beispiel für die IT- oder Fahrzeugindustrie.

Papst Franziskus hatte im Juli dieses Jahres einen Besuch in der Demokratischen Republik Kongo angekündigt. Dieser musste jedoch aus gesundheitlichen Gründen verschoben werden, teilte der Vatikan damals mit.

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Hilferuf eines kongolesischen Bischofs

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Die neun Christen, die am 16. September im Südwesten Kameruns verschleppt worden waren, sind frei. Das gab die Diözese Mamfe dem weltweiten päpstlichen Hilfswerk „Kirche in Not“ (ACN) bekannt. Die Freilassung sei bereits am 23. Oktober erfolgt; nach Angaben eines der Entführungsopfer sei kein Lösegeld geflossen.
Plakat mit den Personen, die am 16. September 2022 in Nchang (Bistum Mamfe/Kamerun) entführt wurden.
„Ich bin all jenen dankbar, die sich uns angeschlossen haben, um für die Sicherheit und die Freilassung unserer Brüder und Schwestern zu beten“, teilte Bischof Aloysius Fondong Abangalo mit. Milizen hatten bei einem Überfall auf das Dorf Nchang nahe der Grenze zu Nigeria am 16. September die Kirche St. Maria niedergebrannt und fünf Priester, eine Ordensschwester und drei weitere Gläubige verschleppt.

 

„Unmenschliche Freiheitsberaubung“

 

Ein Video, das über verschiedene Medien verbreitet wurde und während der Geiselhaft entstand, zeigt die Gruppe in einem sehr schlechten Zustand. Eine der Geiseln bittet um Hilfe. Nach lokalen Angaben soll der Clip vor rund zwei Wochen entstanden sein, als bereits Verhandlungen über die Freilassung liefen.

Bischof Aloysius Fondong Abangalo aus dem Bistum Mamfe (Kamerun).
In seinem Schreiben bezeichnete Bischof Fondong Abangalo „die Freiheitsberaubung unserer Brüder und Schwestern“ als „unmenschlich“ und verurteilte die Entweihung der Marienkirche von Nchang. In Kamerun schwelt ein blutiger Konflikt zwischen der französischsprachigen Mehrheit und der englischsprachigen Minderheit. Die Bevölkerung in den englischsprachigen Regionen im Westen des Landes fühlt sich von der Regierung benachteiligt.

 

Konflikt zwischen Sprachgruppen

 

Der Konflikt verschlimmerte sich seit 2016, als die englischsprachigen Regionen eine Rückkehr Kameruns zum föderalen Regierungssystem forderten, um mehr Selbstständigkeit und politischen Einfluss zu erhalten. Separatisten riefen eine „Republik Ambazonien“ aus, die auch unter dem Namen „Förderale Republik Südkamerun“ firmiert. In der Folge kam es zu brutalen Kämpfen zwischen Regierungstruppen und dem militärischen Arm der anglophonen Aufständischen, den sogenannten „Amba Boys“.

Ein aktuelles Projektbeispiel aus Kamerun: Gruppenfoto mit Jugendlichen aus dem Bistum Mamfe. Sie sind Teilnehmer eines Kurses für Friedenserziehung, der von KIRCHE IN NOT gefördert wird.
Die katholische Kirche, der etwa ein Viertel der rund 26 Millionen Einwohner Kameruns angehören, hat versucht, zwischen Regierung und Aufständischen zu vermitteln. Diese Versuche sind jedoch bislang gescheitert. Die Kirche wurde von den Konfliktparteien jeweils beschuldigt, auf der Seite des Gegners zu stehen. Der Überfall auf die Kirche und die Entführung der neun Christen in Nchang soll jedoch nach Angaben lokaler Projektpartner von „Kirche in Not“ das erste Mal gewesen sein, dass die Rebellen gezielt gegen die Kirche und ihre Gläubigen vorgingen.
In den vergangenen fünf Jahren hat „Kirche in Not“ 24 Einzelprojekte in Kamerun gefördert, darunter auch ein Programm zur Friedenserziehung für Jugendliche. Unterstützen Sie die Friedensarbeit der Kirche in Kamerun mit Ihrer Spende – online unter: www.spendenhut.de oder auf folgendes Konto:

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BIC: GENODEF1M05

Verwendungszweck: Kamerun

Bischof Aloysius Fondong Abangalo bringt das Allerheiligste nach dem barbarischen Akt in Sicherheit

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In der irakischen Kleinstadt Karakosch (Baghdeda) hat die syrisch-katholische Kirche St. Behnam und Sarah nach Jahren des Wiederaufbaus ihre Pforten geöffnet. Kämpfer des sogenannten „Islamischen Staats“ (IS) hatten das Gotteshaus während der Besatzung in den Jahren 2014 bis 2016 niedergebrannt und zerstört. Dabei waren jahrhundertealte Statuen und Bilder vernichtet worden. Das weltweite päpstliche Hilfswerk „Kirche in Not“ (ACN) hatte im Rahmen seiner Wiederaufbaukampagne für die Ninive-Ebene auch die Instandsetzung der Kirche maßgeblich gefördert.

 

„Komplett niedergebrannt“

 

„Als ich Karakosch vier Tage nach der Befreiung zum ersten Mal wieder besuchte, herrschte hier totale Verwüstung“, erzählte der Priester Georges Jahola. Er stammt aus Karakosch und hat den Wiederaufbau in den Dörfern und Städten der Ninive-Ebene in Zusammenarbeit mit „Kirche in Not“ koordiniert. „Die Kirche war komplett niedergebrannt. Ich war sehr traurig, denn diese Gemeinde war vor der Eroberung sehr aktiv gewesen.“

Beim Gottesdienst in der wiederaufgebauten Kirche. © KIRCHE IN NOT
Der Glockenturm, den die IS-Milizen zum Einsturz gebracht haben, liegt noch immer wie ein Mahnmal in Trümmern neben der Kirche. Im September konnte die Rekonstruktion des Innenraums abgeschlossen werden, die Außenarbeiten haben gerade begonnen – auch hier hilft „Kirche in Not“. In einer der größten Hilfsaktionen seiner bisherigen Geschichte hat das Hilfswerk den Wiederaufbau zerstörter Wohnhäuser, Kirchen, Schulen und Kindergärten in der Ninive-Ebene bislang mit über 48 Millionen Euro unterstützt.

 

Zögerliche, aber kontinuierliche Rückkehr

 

Zögerlich, aber kontinuierlich kehrten ab 2016 die Gemeindemitglieder aus dem kurdischen Teil des Irak zurück, wohin sie vor dem IS geflüchtet waren. Mittlerweile lebt etwa die Hälfte der Vertriebenen wieder in ihrer alten Heimat. Die Orte der Ninive-Ebene sind jahrtausendealtes Siedlungsgebiet der Christen. Karakosch, etwa 32 Kilometer südöstlich von Mossul, ist ein wichtiges Zentrum in der Region. Vor den Eroberungen war die Stadt zu 98 Prozent von Christen bewohnt.

Pfarrer Georges Jahola, Koordinator des Wiederaufbaus in der Ninive-Ebene.
Der Entschluss, die zerstörte Kirche wiederaufzubauen, sei 2018 gefallen, erklärt Georges Jahola. Die Gemeinde habe begeistert darauf reagiert. „Der Wiederaufbau dieser Kirche ist ein Symbol des Widerstands: Wir werden in unserem Land bleiben. Papst Franziskus hat uns bei seinem Irakbesuch im Frühjahr 2021 ermutigt, zu bleiben und im Irak Zeugnis abzulegen“, betont der Priester.

 

„Wiederaufbau gibt den Menschen Kraft“

 

Auch der Pfarrer der Gemeinde St. Behnam und Sarah, Boutros Sheeto, betonte im Gespräch mit „Kirche in Not“: „Die Restaurierung gibt der Gemeinde psychologische und moralische Kraft. Ohne diesen Wiederaufbau würden noch mehr Familien über eine Auswanderung nachdenken.“ Dass sich viele Christen für eine Rückkehr in die Ninive-Ebene entschlossen hätten, bedeute nicht, dass sie keine Angst vor einer Wiederkehr der Verfolgung hätten, betont der Pfarrer.

Papst Franziskus besuchte bei seiner Reise im März 2021 die christliche Ortschaft Karakosch (Baghdeda) in der Ninive-Ebene.
Nach wie vor fühlen sich viele Christen im Irak als Bürger zweiter Klasse, die politischen und religiösen Unruhen haben in jüngerer Zeit wieder zugenommen. So war es ab Ende August nach dem Rückzug des Schiitenführers al-Sadr zu gewaltsamen Protesten mit mindestens 20 Toten gekommen. Im kommenden Jahr sollen nun Parlamentswahlen stattfinden – ob sie die aufgeheizte Lage im Land befrieden können, ist fraglich.

 

Für die Christen im Irak gehörten Diskriminierung und Verfolgung zu ihrer Identität, erklärte Pfarrer Boutros Sheeto: „Eine Kirche, die nicht verfolgt wird, ist eine Kirche, die Christus nicht trägt. Wir müssen mit ihm leiden, damit wir auch Boten der Auferstehung und der Hoffnung sein können. Ich danke allen, die unser Zeugnis der Hoffnung im Irak unterstützen.“

Unterstützen Sie den weiteren Wiederaufbau und den Einsatz der Kirche im Irak mit Ihrer Spende – online unter: www.spendenhut.de oder auf folgendes Konto:

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Ninive-Marshall-Plan für den Irak: Das größte Projekt in 75 Jahren KIRCHE IN NOT

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Das „Foyer de La Providence“ (auf Deutsch in etwa „Haus der Vorsehung“) in der südlibanesischen Stadt Sidon ist ein sicherer Hafen für hunderte Schüler und Auszubildende in einem krisengeschüttelten Umfeld. Im „Haus der Vorsehung“ betreibt der melkitische griechisch-katholische Zweig des Salvatorianerordens eine technische Berufsschule, ein Waisenhaus, ein Förderzentrum für behinderte Kinder und ein Ausbildungszentrum für angehende Lehrer. Die Einrichtung ist einzigartig in der Region und hat einen hervorragenden Ruf.

 

Vor einigen Monaten hatte der Leiter Pater Hanna Kanaan alle Eltern zu einer Versammlung einbestellt. Angst machte sich breit: Würde die Schule angesichts der anhaltenden Finanz- und Wirtschaftskrise aufgeben müssen?

Schulklasse im „Foyer de la Providence“ in Sidon. © Ismael Martinez Sanchez/KIRCHE IN NOT
168 Prozent Inflation bringen Armut und Abwanderung

 

Der Libanon, einst das wohlhabendste Land des Nahen Ostens, ist am Ende. Politikversagen, Korruption, der Einbruch ganzer Wirtschaftszweige wie des Tourismus, die Instabilität in der gesamten Weltregion und der Zusammenbruch von Banken haben in eine Abwärtsspirale geführt. Die Inflation liegt bei rund 168 Prozent. Die Währung hat innerhalb kurzer Zeit 90 Prozent an Wert verloren. Die Folgen: 80 Prozent der libanesischen Bevölkerung lebt in Armut, viele gut ausgebildete Bewohner wandern aus, auch die christliche Gemeinschaft schrumpft unaufhörlich. Sidon war früher ein mehrheitlich christliches Gebiet. In den vergangenen Jahren sind fast alle Christen aus der Stadt weggezogen. Heute leben nur noch in den Dörfern im Umland Christen.

 

Die Krise geht auch am „Haus der Vorsehung“ in Sidon nicht vorbei. Viele Eltern könnten sich die Schulgebühren nicht mehr leisten, erklärt Pater Hanna. „Einige zahlen zwar weiter, aber das Geld ist weniger wert – unsere Kosten aber sind gleich hoch geblieben.“ Umgerechnet etwa 6000 Euro kostet etwa die Betreuung eines behinderten Kindes pro Schuljahr; die Ordensgemeinschaft hat bislang ein Drittel der Kosten übernommen.

 

„Kein Schüler muss gehen“

 

Die Sorge und Spannung bei der Elternversammlung war mit Händen zu greifen. Aber Pater Hanna hatte erlösende Nachrichten: „Wir garantieren, dass wir unsere Schule nicht schließen. Ja, die Situation ist schlimm, aber wir werden die Familien weiterhin unterstützen. Keiner der Schüler muss gehen, weil seine Eltern nicht mehr zahlen können.“ Ein Aufatmen ging durch die Reihen – auch bei den 82 Lehrkräften. „In den vergangenen drei Jahren haben wir niemand entlassen. Wir haben die Gehälter aufgrund der Inflation um 40 Prozent erhöht und zahlen jetzt auch die Fahrtkosten der Lehrer“, erzählt Pater Hanna nicht ohne Stolz.

Im Lehrerzimmer des „Foyer de la Providence“ in Sidon. © Ismael Martinez Sanchez/KIRCHE IN NOT
Natürlich muss das Geld für alle diese Unterstützung irgendwoher kommen. Die Salvatorianer haben sich an alle Einrichtungen gewandt, die helfen könnten – darunter auch an „Kirche in Not“ (ACN). Das weltweite päpstliche Hilfswerk stellt Geld für die Lehrergehälter zur Verfügung und gibt einen Zuschuss für die Stromkosten.

 

Hilfe für über 200 christliche Schulen

 

Das „Foyer de la Providence“ ist eine von über 200 christlichen Schulen im Libanon, die „Kirche in Not“ unterstützt. Davon profitieren über 30 000 Schüler und mehr als 6 000 Lehrer. Auch 19 Berufsschulen gehören zum Förderprogramm – sie bieten nicht nur Christen eine solide Ausbildung, sondern stehen auch Angehörigen anderer Religionen offen. „Unser Zentrum ist offen für alle“, betont Pater Hanna. „Eine unserer Aufgaben ist es, unseren Schülern das friedliche Zusammenleben beizubringen.“

 

Fouad ist einer von ihnen. Er macht eine Ausbildung zum Elektrotechniker. Die Schule ist sein Garant, im Libanon zu bleiben, bekennt er: „Es wird immer schlimmer. Wir wissen nicht, wie lange wir hier noch überleben können.“ Das „Haus der Vorsehung“ ist für ihn und seine Mitschüler der einzige Hoffnungsanker.

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"Der Libanon ist mehr als ein Land, er ist eine Botschaft"

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Am ersten Tag der russischen Invasion wurde Bischof Vasyl Tuchapets vom Lärm der Explosionen geweckt. Die Bombardierung Charkiws hatte begonnen. Nun dauert sie schon fast acht Monate an. Tuchapets lief zu seiner Kathedrale, dem Zentrum der griechisch-katholischen Gläubigen in der zweitgrößten Stadt der Ukraine. Er sah Menschen in Panik, die versuchten, irgendwie zum Bahnhof zu kommen – nur weg aus dieser Hölle.

 

Bischof Tuchapets tat das Gegenteil. Seine erste Anweisung nach Kriegsbeginn war: Alle Priester seiner Diözese bleiben in ihren Gemeinden. Sicher ein großes Opfer: Viele Priester der griechisch-katholischen Kirche sind verheiratet und haben Kinder. Sie mussten nun ihre Familien in Sicherheit bringen – ohne zu wissen, ob sie ihre Lieben jemals wiedersehen. Tuchapets wusste, was er verlangte, ist aber dennoch überzeugt: „Die Priester sollen keine Angst haben. Wenn sie weggingen, wäre das ein großer Verlust für alle.“

Der römisch-katholische Bischof Pavlo Honcharuk (links) mit dem griechisch-katholischen Bischof von Charkiw, Vasyl Tuchapets. © KIRCHE IN NOT
Kirche bleibt den Menschen nahe

 

Diese Nähe der Kirche zu den Menschen gerade jetzt wüssten viele Menschen zu schätzen, erzählt der Bischof dem weltweiten katholischen Hilfswerk „Kirche in Not“ (ACN). Menschen, die er noch nie in der Kirche gesehen hatte, sprachen ihn an: „Danke, dass Sie bei uns geblieben sind.“

 

Das griechisch-katholische Exarchat von Charkiw wurde 2014 errichtet. Es umfasst ein Gebiet etwa in der Größe Österreichs. Hier, im Osten der Ukraine, gehören die meisten Menschen der orthodoxen Kirche an. Auch die atheistische Politik der früheren Sowjetunion wirkt hier noch stärker nach als anderswo.

 

Die Türen der Kirche stünde im Krieg mehr denn je für alle offen, betont Bischof Tuchapets. Jeden Tag kämen Menschen zu ihm. Sie suchten nicht nur humanitäre Hilfe. „Sie wollen beten. Sie haben Fragen und suchen nach Antworten. Manche wollen nach Jahren heiraten oder ihr Kind taufen lassen.“

Menschenmassen bei der Verteilung von Hilfsgütern in Charkiw. ©KIRCHE IN NOT
Überhaupt, die Kinder: Sie hätten Monate allein in Luftschutzkellern, Bunkern oder Wohnungen verbracht – sofern die noch stehen. In der Kathedrale und den angrenzenden Räumen organisieren Ordensfrauen jetzt Sport, Spiele und Religionsunterricht. Wichtig ist auch das Programm „Ferien mit Gott“, das Kindern ein paar unbeschwerte Tage ermöglichen möchte. „Kirche in Not“ unterstützt diese Feriencamps seit langem. In Kriegszeiten wurde das Angebot nicht gestoppt, sondern im Gegenteil erhöht.

 

„Wir brauchen weiterhin Hilfe“

 

Gottesdienst feiert Bischof Tuchapets mit seiner Gemeinde in der Unterkirche seiner Kathedrale. Der Hauptraum wird im Krieg als Warenlager genutzt. Schon kurz nach Kriegsbeginn trafen die ersten Hilfslieferungen in Charkiw ein. Jeden Tag sortieren Priester, Ordensfrauen und Freiwillige Kleidung, Medikamente, Hygieneartikel, Kindersachen und mehr.

Vasyl Tuchapets, griechisch-katholischer Bischof von Charkiw. © KIRCHE IN NOT
Es geht zu wie einem Bienenschwarm: Bis zu 2000 Menschen kommen regelmäßig in die Kathedrale, berichtet der Bischof. Die Ausgabe von Hilfsgütern musste jedoch zuletzt von drei auf einen Tag in der Woche reduziert werden: Der bevorstehende Winter zwingt dazu, die Waren stärker zu rationieren. „Der Winter wird schwierig. Wir brauchen weiterhin Hilfe“, betont Bischof Tuchapets. Besonders wichtig seien jetzt Medikamente: Viele Menschen würden jetzt mit zunehmender Kälte krank. Zahlreiche Menschen strömten nach wie vor aus den Dörfern in die Stadt. Gerade die ländlichen Gebiete sind schwer zerstört; die Situation dort ist noch unsicherer als in Charkiw.

 

Acht Monate Krieg und niemand kann sagen, was die Zukunft bringt. Der griechisch-katholische Bischof ist dennoch zuversichtlich: „Unsere Infrastruktur funktioniert nach wie vor. Wir bleiben nahe bei den Menschen und wir bleiben zusammen. Möge der Herr Sie für alle Unterstützung segnen, die für die Arbeit unserer Kirche so wichtig ist!“

KIRCHE IN NOT hat seit Beginn des Ukraine-Krieges mehrere Hilfspakete aufgelegt, um die Arbeit von Priestern, Ordensfrauen und freiwilligen Helfern in Pfarreien, Flüchtlingslagern, Waisenhäusern und Altenheimen zu unterstützen. Helfen Sie den Menschen in der Ukraine mit Ihrer Spende – online oder auf folgendes Konto:

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Charkiw: Bischof Pavlo Honcharuk zeigt die Zerstörung an Privatgebäuden

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Nach Angaben des Bischofs von Nacala im Nordosten Mosambiks, Alberto Vera Aréjula, haben Terrorkämpfer in der Provinz Nampula drei Christen auf grausame Weise ermordet. Dies berichtete der Bischof gegenüber dem weltweiten katholischen Hilfswerk „Kirche in Not“ (ACN). Terroristen hätten in einem nicht näher benannten Ort die Bewohner versammelt, erzählte Bischof Vera Aréjula: „Sie sagten ihnen, sie seien hier, um sie zu retten. Dann haben sie gefragt, wer Muslim und wer Christ sei. Wer sich als Christ zu erkennen gab, wurde gefesselt. Dann haben sie drei von ihnen die Kehlen durchgeschnitten. Einem Christen gelang die Flucht. Er hat mir die Geschichte erzählt.“
Mosambik: Bischof Alberto Vera Aréjula in der zerstörten Missionsstation von Chipene. © Kirche in Not
Die Tat habe sich nur einen Tag nach dem Mord an der 83-jährigen italienischstämmigen Ordensfrau Maria de Coppi am 6. September ereignet. Terroristen hatten damals eine Missionsstation in Chipene angegriffen. An beiden Tagen seien insgesamt elf Menschen ermordet wurden, sagte Vera Aréjula. „Die Terroristen hinterließen eine Spur der Angst und Verwüstung.“

 

„Wie eine Mutter“

 

Der Bischof teilte mit, er werde eine Untersuchung einleiten, um zu überprüfen, ob die Schwester Maria de Coppi den Märtyrertod starb: „Sie arbeitete als Krankenschwester und versorgte unterernährte Kinder. Sie war wie eine Mutter und hat wirklich jedem mit Liebe und Demut geholfen.“ Der Betrieb der Missionsstation in Chipene könne aktuell aus Sicherheitsgründen noch nicht wiederaufgenommen werden.

 

Trotz der Morde an Christen betonte Bischof Vera Aréjula, dass es sich bei den seit Jahren anhaltenden Kämpfen im Norden Mosambiks nicht um einen religiösen Konflikt im eigentlichen Sinn handle. „Diejenigen, die eine islamistische Agenda verfolgen, kommen in der Regel aus dem Ausland. Sie bauen Moscheen und stiften Verwirrung. Die einheimischen Muslime hier fühlen sich mit den Christen vereint und leben Seite an Seite mit ihnen.“

- Bischof Vera Aréjula
Versorgung von Binnenflüchtlingen in Mosambik.
Die neue Gewalteskalation hatte eine weitere Flüchtlingswelle von rund 100 000 Menschen ausgelöst. Der Hilfsbedarf sei überwältigend, sagte der Bischof und appellierte: „Angesichts des Kriegs in der Ukraine haben viele Organisationen unsere Region Cabo Delgado vergessen. Ich bitte Sie: Vergessen Sie uns nicht!“

 

Seit 2017 sind islamistische Terrorgruppen aktiv

Der Norden Mosambiks wird seit 2017 von islamistischen Truppen überrannt. Sie gelten als Splittergruppen der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS). Ihr Vorgehen dürfte auch von wirtschaftlichen und politischen Zielen motiviert sein: Vor der Küste im Norden Mosambiks sind große Erdöl-Bohrungen in Vorbereitung – eines der größten Investitionsprojekte in Subsahara-Afrika.

In jüngster Zeit gewinnt jedoch auch die religiöse Komponente eine immer stärkere Bedeutung, wie der jüngste Angriff auf die katholische Missionsstation zeigt.

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Auf Haiti werden zunehmend kirchliche Einrichtungen und Mitarbeiter von militanten Banden angegriffen. Das prangerte Schwester Marcella Catozza gegenüber dem weltweiten katholischen Hilfswerk „Kirche in Not“ an. Die italienische Missionsfranziskanerin leitet ein Waisenhaus mit 150 Kindern in einem Armenviertel der Hauptstadt Port-au-Prince.

 

„Es herrscht ein unbeschreibliches Chaos. Bewaffnete Gangs haben die Macht übernommen. Auch die Kirche ist Opfer der Gewalt geworden“, sagte Schwester Marcella. Sie erinnerte an die Missionarin Luisa Dell´Orto, ebenfalls Italienerin. Die Ordensschwester war am 25. Juni 2022 ermordet worden. „Erst hieß es, es sei ein Raubüberfall gewesen. Aber ich bin überzeugt, dass jemand dafür gezahlt hat, sie zu töten. Es konnte immer noch kein Täter gefasst werden“.

Schwester Marcella im Gespräch mit Betroffenen einer Überschwemmung. © Fondazione Via Lattea
Brandstiftung, Plünderung, Mord

 

Zwei Wochen später hätten Bandenangehörige die Kathedrale der Hauptstadt in Brand gesetzt, berichtet Schwester Marcella. „Als die Feuerwehrleute kamen, haben sie versucht, sie zu töten. Anschließend wollten sie mit einem Lastwagen die Mauern der Kirche einreißen.“

 

In anderen Landesteilen sei es ebenfalls zu Übergriffen auf kirchliche Einrichtungen gekommen: „In Port-de-Paix, Les Cayes und in weiteren Städten haben bislang unbekannte Täter in die Einrichtungen der Caritas eingebrochen. Sie nahmen alle Hilfsgüter mit, die dort eingelagert waren. Anschließend haben sie die Büros der Mitarbeiter zerstört“, sagte Schwester Marcella.

 

Auch ihr Kloster in der Hauptstadt sei angegriffen worden: „Vergangenen Monat wurde unsere Kapelle in Brand gesetzt. Wir haben keinen Altar mehr, keine Kirchenbänke.“ Kriminelle Gangs hätten das Stadtviertel, in dem Schwester Marcella arbeitet, abgeriegelt. Ihr Orden habe sie deshalb gebeten, nach einem Heimaturlaub in Italien vorerst nicht nach Haiti zurückzukehren. „Es soll nicht noch eine Ordensfrau zur Märtyrerin werden. Es ist sehr hart für mich, nicht bei meinen Leuten zu sein.“

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„Es ist unmöglich, unter diesen Bedingungen zu leben“

 

Die Lage der Menschen in Port-au-Prince und anderen Landesteilen sei verheerend: „Die Stadt ist in den Händen von Gangs. Die Menschen hungern. Die Schulen sind geschlossen. Die Krankenhäuser machen zu, weil sie keinen Strom mehr haben. Es ist unmöglich, unter diesen Bedingungen zu leben“, erklärte Schwester Marcella. In dem Stadtviertel, in dem sie ihr Waisenhaus betreibt, lebten aktuell mehr als 100 000 Menschen in Blechhütten, ohne Strom und Wasser.

 

Das Schmerzlichste für sie sei jedoch die Gleichgültigkeit gegenüber der Lage in Haiti, beklagt Schwester Marcella: „Es sieht so aus, als ob sich niemand dafür interessiert, was in Haiti passiert. Niemand spricht über uns. Niemand weiß, was vor sich geht.“

 

Haiti befindet sich seit Jahren in einer bürgerkriegsähnlichen Situation. Nach der Ermordung von Präsident Jovenel Moïse im Juli 2021 ist der Inselstaat ohne funktionsfähige politische Führung. Es gibt bislang keinen Termin für Neuwahlen. Der Machtkampf wird auf den Straßen ausgetragen. Menschen demonstrieren gegen die Bandengewalt. Die Not wird durch die Folgen mehrerer Naturkatastrophen verschärft – wie zuletzt ein schweres Erbeben im August 2021.

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