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Zwei Friedensstifter zu Gast in Königstein

Zwei Friedensstifter zu Gast in Königstein

Informationsabend von KIRCHE IN NOT über Religionsfreiheit als Menschenrecht

27.12.2018 aktuelles
Die Religionsfreiheit als Menschenrecht und seine Verletzungen standen im Mittelpunkt eines Informationsabends, zu dem KIRCHE IN NOT in die internationale Zentrale nach Königstein im Taunus eingeladen hatte. Zu Gast waren der Leiter des Friedenszentrums in Lahore in Pakistan, Pater James Channan OP, und der Vorsitzende des Zentralrats Orientalischer Christen in Deutschland (ZOCD), Simon Jacob.
Der Experte für Religionsfreiheit und Menschenrechte bei KIRCHE IN NOT Deutschland, Berthold Pelster, bei einem Vortrag während der Veranstaltung.
Pater James Channan (2. von links) bei seinem Plädoyer für den interreligiösen Dialog. Mit im Bild Simon Jacob (2. v. r.), der Moderator des Gesprächs, Tobias Lehner von KIRCHE IN NOT Deutschland (rechts) und die Dolmetscherin des Abends.

Channan dankte unserem Hilfswerk für den Einsatz für die pakistanische Christin Asia Bibi, die nach ihrer Verurteilung zu einer Gefängnisstrafe und später zum Tod im November 2018 vom Vorwurf der Gotteslästerung freigesprochen wurde.
„Es wurde in der pakistanischen Presse immer wieder berichtet, wie KIRCHE IN NOT Asia Bibi unterstützt. Wortmeldungen wie diese beeindrucken unsere Regierung. Sie weiß, dass sie das Problem der Verfolgung von Christen lösen muss“, sagte der Dominikanerpater. Im islamisch geprägten Pakistan stellen Blasphemiegesetze Beleidigungen des Propheten Mohammed unter schwere Strafen bis hin zur Hinrichtung. Diese Gesetze werden häufig missbraucht, um sich unliebsamer Personen mit falschen Anschuldigungen zu entledigen. Neben Asia Bibi sind 187 Christen davon betroffen.

Arbeiten eng zusammen: Der muslimische Imam Kobine Layama und Erzbischof Dieudonné Kardinal Nzapalainga.
Die wegen Gotteslästerung zum Tode verurteilte pakistanische Katholikin Asia Bibi (Foto: British Pakistani Christian Association).
Blasphemiegesetze betreffen nicht nur Christen

Wenn ein Gemeindemitglied ungerecht verurteilt wird, führt dies dazu, dass sich ganze christliche Gemeinden verfolgt fühlen. Die Blasphemiegesetze treffen aber nicht nur Christen. Derzeit sitzen 633 Muslime und 21 Hindus wegen angeblicher Gotteslästerung im Gefängnis. Simon Jacob berichtete von seinen Erfahrungen, die er bei vielen Reisen in den Nahen Osten gesammelt hat: „Die meisten Menschen im Nahen Osten sehnen sich danach, ihre Religion frei ausüben zu können und frei wählen zu dürfen.“ Diese Freiheit werde aber vielerorts von einer extremistischen Minderheit massiv unterdrückt.
Jacob hält die Einführung der Scharia als Rechtsnorm einer Gesellschaft für problematisch. „Die Scharia mit ihren harten Strafmaßnahmen wie Handabhacken, Enthauptung oder Steinigung verbreitet in der Bevölkerung Angst und Schrecken. So wird die Freiheit der Gesellschaft ausgehebelt“, warnte Jacob.

„Oft eine Frage von Leben und Tod”

Außerdem widerspreche die Scharia elementaren Grundrechten wie der Gleichheit von Mann und Frau oder der Meinungs- und Pressefreiheit. Inzwischen seien vor allem junge Menschen in Ägypten und Syrien, im Libanon, Irak und Iran von der westlichen Idee der Menschenrechte inspiriert. Europa sei in dieser Hinsicht ihr Vorbild. Der Menschenrechtsexperte von KIRCHE IN NOT Deutschland, Berthold Pelster, wies in einem Vortrag darauf hin, dass Religionsfreiheit in einigen Ländern der Erde mehr als nur ein Konzept sei, sondern eine Frage von Leben und Tod.
Als Beispiel führte er die Zentralafrikanische Republik an. In dem Land kämpfen seit fünf Jahren Rebellengruppen um Macht und Rohstoffe. „In diesem Bürgerkrieg mit mehreren Tausend Todesopfern wird die Religion missbraucht, um die Kämpfer gegen die ,Feinde des Glaubens‘ aufzuhetzen“, berichtete Pelster.

„Interreligiöser Dialog kann Blutvergießen verhindern”

Wenn aber religiöse Führer miteinander in den Dialog treten, können sie viel Blutvergießen und Vertreibungen verhindern. Als Beispiel nannte Pelster Dieudonné Kardinal Nzapalainga, der als Erzbischof der Erzdiözese Bangui in der Zentralafrikanischen Republik das Gespräch mit der muslimischen Gemeinschaft sucht.

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