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Religionsfreiheit

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Das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland wird 70 Jahre alt. Am 23. Mai 1949 wurde es vom Parlamentarischen Rat verkündet, vorangegangen waren Abstimmungen in den Länderparlamenten.

Das Grundgesetz war ein Meilenstein für den demokratischen Neuanfang in Deutschland. In Vergessenheit gerät dabei, dass viele Väter und Mütter des Grundgesetzes sich ausdrücklich zum Christentum bekannten und es zum Maßstab ihres Handelns machten.

Über das christliche Erbe der deutschen Demokratie und die Gefahren für das Grundgesetz sprach Volker Niggewöhner mit dem früheren Bundestagsabgeordneten Norbert Geis (80) aus Aschaffenburg. Er gehörte fast drei Jahrzehnte für die CSU dem Deutschen Bundestag an und war darüber hinaus auch langjähriges Vorstandsmitglied von KIRCHE IN NOT Deutschland.

Brandenburger Tor, Symbol der Deutschen Teilung und Einheit.
VOLKER NIGGEWÖHNER: Herr Geis, viele Väter und Mütter unserer Verfassung waren bekennende Christen, allen voran Konrad Adenauer, der Vorsitzende des Parlamentarischen Rates und erste Bundeskanzler. Wie „katholisch“ ist unser Grundgesetz?
NORBERT GEIS
: Das Grundgesetz hat ganz und gar christliche Wurzeln. Es ist deshalb nur ganz zu verstehen, wenn man auf dieser Basis steht und erkennt: Unsere christliche Kultur ist nach dem Zweiten Weltkrieg in diesem Grundgesetz verfasst zum Ausdruck gekommen. Es lässt sich ohne das Christentum nicht denken.

 

Was ist von diesem christlichen Geist heute noch übriggeblieben?
Das Grundgesetz hat nach wie vor mit seiner Präambel eine christliche Ausrichtung: „In der Verantwortung vor Gott und den Menschen …“ Nach der Wiedervereinigung wurde eine Verfassungskommission eingerichtet. Da gab es Bestrebungen, die Präambel zu ändern.

Die CDU/CSU-Fraktion, später auch Teile der SPD, haben dagegen erklärt: Nein, die Präambel mit dem Gottesbezug muss bleiben. Sie wurde nicht geändert. Es stellt sich aber die Frage: Wird diese Aussage auch in der praktischen Politik umgesetzt? Ist sie im alltäglichen Leben wiederzuerkennen? Wir werden immer mehr zu einer säkularisierten Gesellschaft, die Gott weit weggerückt hat, obwohl sie eigentlich nach einem Grundgesetz lebt und ihre staatliche Gestaltung hat, in dem Gott eine entscheidende Rolle spielt.

Pater Werenfried van Straaten, der Gründer von KIRCHE IN NOT, links) im Gespräch mit Bundeskanzler Konrad Adenauer.
Sehen Sie aktuelle Gefahren für das Grundgesetz?
Der Artikel 1 des Grundgesetzes, „die Würde des Menschen ist unantastbar“, ist Allgemeingut geworden. Aber schon bei der Freiheit und dem Recht auf Leben gibt es Probleme. Das Recht auf Leben ist nicht durchgesetzt für das ungeborene Leben, obwohl das Bundesverfassungsgericht entsprechend geurteilt hat. Da wurde das Grundgesetz nach meiner Auffassung in der Gesetzgebung nicht realisiert.

Ein gewaltiger Bruch ist auch in Bezug auf Artikel 6 des Grundgesetzes entstanden: Schutz von Ehe und Familie. Plötzlich ist die Ehe nicht mehr, wie in den vergangenen 2000 Jahren und noch früher, der Zusammenschluss von Mann und Frau auf Lebenszeit. Jetzt auf einmal gibt es die „Ehe für alle“. Das ist nach meiner Auffassung ein Bruch von Artikel 6 und damit des Grundgesetzes.

„Artikel 1 des Grundgesetzes ist Allgemeingut geworden”

Während für die Väter und Mütter des Grundgesetzes der Gottesbezug noch selbstverständlich war, ist das auf europäischer Ebene nach langen Debatten gescheitert. Wir stehen vor den Wahlen zum Europäischen Parlament. Welche Chancen und Herausforderungen sehen Sie für eine christliche Politik?
Ich würde eher von einer Politik nach christlichen Grundsätzen sprechen. Dafür sehe ich schon eine Chance. Die europäische Kultur ist christlich geprägt, und so ganz kann Europa nicht aus diesem Zusammenhang herausfallen.

Von Theodor Heuss stammt der Satz: „Die europäische Kultur ist auf drei Hügeln gebaut: der Akropolis in Athen, dem Kapitol in Rom und auf Golgota in Jerusalem.“ Wir müssen in Zukunft mehr darauf achten, das alle diese drei Element bewahrt bleiben. Da spielt das Christentum eine entscheidende Rolle.

Deshalb kommt es darauf an, dass genügend Frauen und Männer in die Parlamente kommen, die sich nach diesen Grundsätzen richten. Unsere christlichen Politiker müssen auch das Christentum leben.

Norbert Geis, langjähriger Abgeordneter im Bundestag.
Die Politik ist das eine. Was können die Christen noch tun, um in der Gesellschaft Gehör zu finden für christliche Werte?
Jeder von uns muss Zeugnis geben. Wir Katholiken müssen stärker für unsere Grundsätze eintreten. Wir dürfen keine Angst davor haben, wenn wir dafür auch einmal lächerlich gemacht und in den Dreck gezogen werden oder richtig Widerstand bekommen.

Wir müssen versuchen, das christliche Gedankengut in die Gesellschaft durch unser eigenes Leben und Handeln hineinzutragen, damit es auch in Zukunft unsere Kultur prägt. Dafür kann man nur beten.

- Theodor Heuss, erster Bundespräsident (1884-1963)
Sie waren viele Jahre Vorstandsmitglied bei KIRCHE IN NOT Deutschland. Wo sehen Sie katholische Vereinigungen und Hilfswerke heute gefordert?
Noch nie gab es in vielen Ländern weltweit eine solche Christenverfolgung wie derzeit. Dagegen muss Widerstand geleistet werden. Diese Aufgabe hat sich KIRCHE IN NOT gestellt. Durch die Hilfeleistungen in verschiedene gefährdete Regionen entsteht eine Rückwirkung auf unsere eigene Gesellschaft.

Hier kann KIRCHE IN NOT eine wichtige Rolle einnehmen, wie auch die anderen katholischen Vereinigungen. Ich erinnere nur daran, welche große Rolle die katholische Arbeiterschaft und katholische Denker bei der Entwicklung der Sozialen Marktwirtschaft gespielt haben.

Ich wünsche mir, dass Vereinigungen wie KIRCHE IN NOT durch ihre tätige Hilfe und ihr Zeugnis weltweit immer mehr in unsere säkularisierte Gesellschaft hineinwirken.

KIRCHE IN NOT intensiviert seine ökumenische Zusammenarbeit mit der russisch-orthodoxen Kirche für leidende Christen im Nahen Osten. Dies wurde beim Besuch einer Delegation des Moskauer Patriarchats in der internationalen Zentrale von KIRCHE IN NOT in Königstein im Taunus vereinbart.

 

So sollen weitere gemeinsame Projekte gestartet werden, zum Beispiel für Jugendliche aus Syrien und dem Irak – unabhängig von deren Konfession. Diese Projekte sollen „eine unmittelbare Frucht der Begegnung zwischen Papst und Patriarch“ sein, erklärten die Teilnehmer der ökumenischen Gesprächsrunde.

Gesprächsrunde mit Vertretern der russische-orthodoxen Kirche und KIRCHE IN NOT in Königstein im Taunus.
Bei ihrer ersten Begegnung im Februar 2016 auf Kuba hatten Papst Franziskus und der Moskauer Patriarch Kirill die Zusammenarbeit beider Kirchen für notleidende Christen, besonders im Nahen Osten, in den Mittelpunkt ihrer gemeinsamen Erklärung gestellt.

 

Seit mehr als 25 Jahren im Dialog mit der russisch-orthodoxen Kirche

KIRCHE IN NOT engagiert sich seit mehr als 25 Jahren für den Dialog mit der russisch-orthodoxen Kirche. Deshalb hatte unser Hilfswerk nach dem Treffen von Papst und Patriarch zusammen mit Vertretern aus Moskau ökumenische Initiativen für die Christen im Nahen Osten entwickelt.

Dies umfasste unter anderem die Dokumentation von zerstörten Kirchen und christlichen Privathäusern, um so die Grundlage für den Wiederaufbau zu schaffen. Auch machten beide Kirchen die Schicksale von entführten und getöteten Christen während des Syrienkriegs bekannt.

Papst Franziskus und der Moskauer Patriarch Kirill im Jahr 2016 bei ihrem Treffen auf Kuba.
„Die katholische und die russisch-orthodoxe Kirche haben viele gemeinsame Anliegen“, betonte die Direktorin der Projektabteilung von KIRCHE IN NOT, Regina Lynch. „Das schmerzlichste Anliegen ist sicher die Sorge um die Christen im Nahen Osten und in anderen Ländern, in denen Christen verfolgt oder bedrängt sind.“

 

„Viele gemeinsame Anliegen“

Der Sekretär des Außenamtes des Moskauer Patriarchats, Stefan Igumnow, unterstrich, die neue Form der Zusammenarbeit werde möglich durch die „seit vielen Jahren bestehenden guten und fruchtbaren Beziehungen mit KIRCHE IN NOT“.

Das Hilfswerk habe die Arbeit des Moskauer Patriarchats in verschiedenen Stadien seiner Geschichte unterstützt. „Wir sind nicht nur Partner, sondern Freunde“, betonte Igumnow.

Vertreter der russisch-orthodoxen Kirche und KIRCHE IN NOT einigten sich auf eine stärkere Zusammenarbeit (von links): Peter Humeniuk (Russlandreferent von KIRCHE IN NOT), Ioann Kopeykin (Prorektor des Postgraduierten-Institutes der heiligen Cyrill und Methodius in Moskau), Jekaterina Mjasdrikowa (Direktorin des Hilfsfonds „Poznanie“ des Moskauer Patriarchates), Regina Lynch (Direktorin der Projektabteilung von KIRCHE IN NOT), Stefan Igumnow (Sekretär des Außenamtes des Moskauer Patriarchats, Stefan Igumnow), Pater Martin Barta (Geistlicher Assistent von KIRCHE IN NOT International).
Mit ihm war auch der Prorektor des Postgraduierten-Institutes der heiligen Cyrill und Method in Moskau, Ioann Kopeykin, sowie der Direktorin des Hilfsfonds „Poznanie“ des Moskauer Patriarchates, Jekaterina Mjasdrikowa, nach Königstein gereist. Der Fonds „Poznanie“ unterstützt syrische Kindern, die durch Explosionen schwer verletzt wurden.

 

Gemeinsame Projekte für notleidende Christen

Die Gesprächspartner waren sich einig, dass die ökumenische Zusammenarbeit nach der Begegnung der beiden Kirchenoberhäupter auf Kuba eine neue Phase erreicht habe. Nun nehme man erstmals gemeinsam Projekte für notleidende Christen in anderen Teilen der Welt in den Blick.

Laut Igumnow war es „ein Wunder, das Gott uns geschenkt hat, dass wir bereits zwei Monate nach dem Treffen unserer Kirchenoberhäupter ihrem Aufruf folgen und gemeinsam in Syrien tätig werden konnten“.

Dank der Hilfe unserer Wohltäter, die 3.000 Euro gespendet haben, konnten im März 2019 fast 40 Diözesan- und Ordenspriester in der Diözese Bouar (Zentralafrikanische Republik) an einer Fortbildung teilnehmen. Gerade weil das Land unter Gewalt und anderen Herausforderungen leidet, ist es wichtig, die Priester zu stärken. Sie sind oft die einzigen, die den Menschen helfen können, die Hoffnung nicht zu verlieren.

 

Auf dem Programm standen wichtige Themen aus der Seelsorge, wie beispielsweise die Ehevorbereitung und der Umgang mit ungültig geschlossenen Ehen, die Vorbereitung auf die Sakramente, die Taufe von Erwachsenen und die Rolle von Katecheten in den abgelegenen kleinen Dörfern.

Priester während einer Vorlesung bei den Einkehrtagen in der Zentralafrikanischen Republik.
Die Priester reflektierten auch über ihre eigene Berufung und die Bedeutung des Priestertums. Außerdem konnten sie sich in den Themen Buchhaltung, Verwaltung oder Registratur fortbilden.

 

Begegnung, Austausch und Weiterbildung

Diese sind in einer Pfarrei oder Institution notwendig und verpflichtend, aber viele Priester sind nur unzureichend vorbereitet sind, wenn sie einen Posten übernehmen, der diese Kenntnisse erfordert.

Die Priester der Diözese haben von diesen Tagen des Austauschs und der Weiterbildung sehr profitiert, und sie danken allen Wohltätern, die dies ermöglicht haben.

Miroslaw Gucwa (links), Bischof von Bouar (Zentralafrikanische Republik).
Er war ein gebildeter Priester gewesen, der in Rom studiert hatte und selbst in der Priesterausbildung tätig gewesen war. Er wird beschrieben als vielseitig begabter und feiner Mensch mit einer tiefen Seele und einer großen Liebe zur Kirche und besonders zum Priestertum.

 

Priester auf dem Rückweg ermordet

Er schrieb Lieder und Gedichte, fand leicht Zugang zur der Jugend, der er das Evangelium nahebrachte, und war in Bouar für das katholische Radio verantwortlich gewesen. Im Tschad leitete er neben seinen vielen anderen Aufgaben ein Museum der Kultur der Volksgruppe der Mboum.

Gottesdienst in einem Dorf in der Zentralafrikanischen Republik (Foto: KIRCHE IN NOT/Aurelio Gazzera).
Im Nachruf der Kapuziner hieß es: „Die feige Hand des Mörders wusste, als er ihn in der Nacht des 19. März ermordete, nichts von der Schönheit und Eleganz von Bruder Toussaint, dieses Priesters, der reich war an den Feinheiten des Evangeliums und der Schönheit der Priesterweihe.“

 

Große Anteilnahme am Tod des Priesters

Wenige Tage nach dem Treffen der Priester in Bouar, bei dem Toussaint Zoumalde seinen Mitbrüdern noch inspirierende und tiefe Gedanken über das Priestertum mit auf den Weg gegeben hatte, trugen seine Mitbrüder unter großer Anteilnahme der Bevölkerung und der gesamten Kirche in der Diözese seinen Leichnam zu Grabe.

Das britische Außenministerium hat einen Bericht über Christenverfolgung veröffentlicht – die erste Studie dieser Art von Seiten einer nationalen Regierung. Das Dokument wurde von einer unabhängigen Kommission im Auftrag des britischen Außenministers Jeremy Hunt verfasst.

 

Dieser gehörten neben Regierungsmitarbeitern und Experten auch Nichtregierungsorganisationen an – unter ihnen auch Mitarbeiter des Büros von KIRCHE IN NOT Vereinigtes Königreich. Die Aufsicht über das Projekt führte der anglikanische Bischof von Truro in der südenglischen Grafschaft Cornwall, Philip Mountstephen.

In vielen Ländern weltweit werden Christen verfolgt und benachteiligt
KIRCHE IN NOT war am ersten Teil des 176-seitigen Dokuments beteiligt, der globale Entwicklungen bei der Christenverfolgung dokumentiert. Unser Hilfswerk lieferte Hintergrundinformationen zur Lage in Afrika, dem Nahen Osten und Südasien, das es aus seiner Projektarbeit in diesen Weltregionen gewinnen konnte.

 

In den weiteren Teilen geht der Bericht detailliert auf aktuelle Übergriffe gegen Christen ein, zum Beispiel im Irak, in Syrien, Nigeria, China, Sri Lanka und Pakistan und formuliert 22 Empfehlungen an das britische Außenministerium.

„Beinahe das Ausmaß eines Völkermords“

In einigen Weltregionen nehme die Gewalt gegen Christen „beinahe das Ausmaß eines Völkermords“ an, so der Bericht. Religionsfreiheit und Maßnahmen als Reaktion auf Gewalt gegen Christen sollten deshalb „im Mittelpunkt der Prioritäten des britischen Außenministeriums“ stehen.

Der Bericht wolle dazu beitragen, das Vereinigte Königreich „zur weltweit führenden Kraft bei der Verteidigung der Religionsfreiheit“ zu machen.

Neville Kyrke-Smith, Direktor des Büros von KIRCHE IN NOT Vereinigtes Königreich.
In der Einleitung zum Bericht weist der federführende Bischof Mountstephen darauf hin, dass Christenverfolgung keine Einzeltat, sondern ein „globales Phänomen“ sei. Das Christentum sei die weltweit am meisten angegriffene Religionsgemeinschaft. Die westlichen Regierungen würden „ihre Augen vor dieser Realität verschließen“, beklagt Mountstephen.

 

Aufruf an Politiker und Öffentlichkeit

Der Bericht gleiche deshalb ein erhebliches Defizit in der Berichterstattung aus, auch wenn Verletzungen der Religionsfreiheit bei anderen religiösen Minderheiten nicht ausgeklammert werden dürften.

Die vorliegenden Ergebnisse und Handlungsempfehlungen sollten ein Aufruf an Politiker und Öffentlichkeit sein, „nicht länger Zuschauer zu sein, sondern Akteure zu werden“, so der Bischof.

Bischof Joseph Tobji in der zerstörten maronitischen Kathedrale in Aleppo. Die Kirche wird derzeit mit Hilfe von KIRCHE IN NOT renoviert.
„Wir freuen uns, dass wir an diesem Bericht mitwirken konnten“, betonte der Direktor von KIRCHE IN NOT Vereinigtes Königreich, Neville Kyrke-Smith. „Es ist Ansporn für unsere Arbeit, dass diese Themen endlich auf hoher politischer Ebene Beachtung finden.“

 

„Verletzung der Religionsfreiheit nicht ausklammern”

,Es sei an der Zeit, dass die Schwierigkeiten, denen sich Christen und andere religiöse Minderheiten tagtäglich ausgesetzt sähen, erkannt und benannt würden. Es bleibe zu hoffen, dass die britische Regierung die Empfehlungen des Berichts umsetze, auch als Impuls für den weltweiten Schutz der Religionsfreiheit, so Kyrke-Smith.

„Es ist dringend notwendig, die christliche Präsenz in zahlreichen Ländern zu unterstützen, da die Christen trotz Verfolgung oft Brückenbauer und Instrumente des Friedens sind.“

Ägyptens Christen kommen nicht zur Ruhe. Trotz einer vorsichtigen politischen Entspannung sind Übergriffe und Entführungen keine Seltenheit.

So auch im Fall des 55-jährigen koptischen Christen Adeeb Nakhla. Er wurde im Januar auf der nördlichen Sinai-Halbinsel verschleppt. Seitdem gibt es von ihm kein Lebenszeichen.

Ein Verwandter Nakhlas, der aus Sicherheitsgründen anonym bleiben möchte, erzählte KIRCHE IN NOT seine Geschichte.

Verkohltes Kreuz in der koptischen Kathedrale in Luxor.
Am 17. Januar brach Nakhla von seinem derzeitigen Wohnort Ismailia, 130 Kilometer nordöstlich von Kairo, zu einem Verwandtenbesuch auf. Mit einer Reisegruppe wollte er nach Al-Arisch, einem Küstenort unweit der Grenze zu Israel.

 

Islamistische Milizen stoppten den Bus. Sie ließen sich die Pässe zeigen – auf ihnen ist auch die Religionszugehörigkeit vermerkt. Als sie feststellen, dass Nakhla koptischer Christ ist, zwangen sie ihn, aus dem Fahrzeug auszusteigen und mitzukommen. Danach verliert sich seine Spur.

Ein Gläubiger zündet Kerzen in einer koptischen Kirche in Kairo an.
Nakhla war wie dutzende christliche Familien 2017 aus Al-Arisch geflohen. Sie hatten Morddrohungen erhalten. Wer blieb, wurde umgebracht. „Wir haben Al-Arisch verlassen, nachdem die Terroristen bereits sieben christliche Nachbarn getötet hatten“, erzählt der Verwandte von Nakhla.

 

Unter den Opfern hätten sich auch Vater und Sohn einer Familie befunden. Die Terroristen töteten sie und zündeten anschließend das Wohnhaus an. „Die Ehefrau und Mutter der beiden Männer wurde gezwungen, dabei zuzusehen. Sie ist schwer traumatisiert.“

- Verwandter von Adeeb, der aus Sicherheitsgründen anonym bleiben muss
Die christlichen Familien fanden Zuflucht in Ismailia. Nach gut einem Jahr kehrten die meisten Vertrieben in ihre Heimat zurück, schließlich hatten sie Arbeitsstellen und Besitz zurückgelassen. „In Ismailia hatten wir keine Arbeit. Wir lebten von der Unterstützung der Kirche“, erzählt der anonyme Gesprächspartner.

 

In ihrer Heimat Al-Arisch habe sich die Sicherheitslage mittlerweile etwas gebessert. „Dank des energischen Vorgehens der ägyptischen Armee fühlen wir uns sicherer. Auf den Fernstraßen ist es jedoch noch immer gefährlich.“

Viele koptische Christen in Ägypten haben sich ein Kreuz tätowieren lassen.
Das wurde auch Adeeb Nakhla zum Verhängnis. Er war nicht mit seiner Familie in die Heimat zurückgekehrt, da er als einer der wenigen in Ismailia Arbeit gefunden hatte. Regelmäßig besuchte er seine Angehörigen – bis zu jenem verhängnisvollen Tag Mitte Januar.

 

Sein Verwandter berichtet: „Laut dem Fahrer des Kleinbusses seien die Milizen wie IS-Kämpfer gekleidet gewesen. Unsere größte Angst ist, dass Adeeb misshandelt und getötet worden ist, wie es mit vielen anderen Kopten passiert ist.“

Helfen Sie den Christen in Ägypten

Helfen Sie den Christen in Ägypten

In Ägypten sind rund acht Prozent der gut 93 Millionen Einwohner Christen. Die meisten von ihnen gehören der koptisch-orthodoxen Kirche an. KIRCHE IN NOT fördert in Ägypten unter anderem das Leben christlicher Gemeinden, Ferienfreizeiten für Jugendliche und die religiöse Bildung.

 

Auch unterstützt unser Hilfswerk den oft schwierigen Bau und Unterhalt kirchlicher Gebäude oder finanziert Fahrzeuge, damit Pfarrangehörige und Seelsorger in weit voneinander entfernte Gebiete gelangen können.

 

Um weiterhin helfen zu können, bittet KIRCHE IN NOT um Spenden – entweder online oder auf folgendes Konto:
Empfänger: KIRCHE IN NOT
LIGA Bank München

IBAN: DE63 7509 0300 0002 1520 02
BIC: GENODEF1M05

Verwendungszweck: Ägypten

Die Religionsfreiheit als Menschenrecht und seine Verletzungen standen im Mittelpunkt eines Informationsabends, zu dem KIRCHE IN NOT in die internationale Zentrale nach Königstein im Taunus eingeladen hatte. Zu Gast waren der Leiter des Friedenszentrums in Lahore in Pakistan, Pater James Channan OP, und der Vorsitzende des Zentralrats Orientalischer Christen in Deutschland (ZOCD), Simon Jacob.
Der Experte für Religionsfreiheit und Menschenrechte bei KIRCHE IN NOT Deutschland, Berthold Pelster, bei einem Vortrag während der Veranstaltung.
Pater James Channan (2. von links) bei seinem Plädoyer für den interreligiösen Dialog. Mit im Bild Simon Jacob (2. v. r.), der Moderator des Gesprächs, Tobias Lehner von KIRCHE IN NOT Deutschland (rechts) und die Dolmetscherin des Abends.

Channan dankte unserem Hilfswerk für den Einsatz für die pakistanische Christin Asia Bibi, die nach ihrer Verurteilung zu einer Gefängnisstrafe und später zum Tod im November 2018 vom Vorwurf der Gotteslästerung freigesprochen wurde.
„Es wurde in der pakistanischen Presse immer wieder berichtet, wie KIRCHE IN NOT Asia Bibi unterstützt. Wortmeldungen wie diese beeindrucken unsere Regierung. Sie weiß, dass sie das Problem der Verfolgung von Christen lösen muss“, sagte der Dominikanerpater. Im islamisch geprägten Pakistan stellen Blasphemiegesetze Beleidigungen des Propheten Mohammed unter schwere Strafen bis hin zur Hinrichtung. Diese Gesetze werden häufig missbraucht, um sich unliebsamer Personen mit falschen Anschuldigungen zu entledigen. Neben Asia Bibi sind 187 Christen davon betroffen.

Arbeiten eng zusammen: Der muslimische Imam Kobine Layama und Erzbischof Dieudonné Kardinal Nzapalainga.
Die wegen Gotteslästerung zum Tode verurteilte pakistanische Katholikin Asia Bibi (Foto: British Pakistani Christian Association).
Blasphemiegesetze betreffen nicht nur Christen

Wenn ein Gemeindemitglied ungerecht verurteilt wird, führt dies dazu, dass sich ganze christliche Gemeinden verfolgt fühlen. Die Blasphemiegesetze treffen aber nicht nur Christen. Derzeit sitzen 633 Muslime und 21 Hindus wegen angeblicher Gotteslästerung im Gefängnis. Simon Jacob berichtete von seinen Erfahrungen, die er bei vielen Reisen in den Nahen Osten gesammelt hat: „Die meisten Menschen im Nahen Osten sehnen sich danach, ihre Religion frei ausüben zu können und frei wählen zu dürfen.“ Diese Freiheit werde aber vielerorts von einer extremistischen Minderheit massiv unterdrückt.
Jacob hält die Einführung der Scharia als Rechtsnorm einer Gesellschaft für problematisch. „Die Scharia mit ihren harten Strafmaßnahmen wie Handabhacken, Enthauptung oder Steinigung verbreitet in der Bevölkerung Angst und Schrecken. So wird die Freiheit der Gesellschaft ausgehebelt“, warnte Jacob.

„Oft eine Frage von Leben und Tod”

Außerdem widerspreche die Scharia elementaren Grundrechten wie der Gleichheit von Mann und Frau oder der Meinungs- und Pressefreiheit. Inzwischen seien vor allem junge Menschen in Ägypten und Syrien, im Libanon, Irak und Iran von der westlichen Idee der Menschenrechte inspiriert. Europa sei in dieser Hinsicht ihr Vorbild. Der Menschenrechtsexperte von KIRCHE IN NOT Deutschland, Berthold Pelster, wies in einem Vortrag darauf hin, dass Religionsfreiheit in einigen Ländern der Erde mehr als nur ein Konzept sei, sondern eine Frage von Leben und Tod.
Als Beispiel führte er die Zentralafrikanische Republik an. In dem Land kämpfen seit fünf Jahren Rebellengruppen um Macht und Rohstoffe. „In diesem Bürgerkrieg mit mehreren Tausend Todesopfern wird die Religion missbraucht, um die Kämpfer gegen die ,Feinde des Glaubens‘ aufzuhetzen“, berichtete Pelster.

„Interreligiöser Dialog kann Blutvergießen verhindern”

Wenn aber religiöse Führer miteinander in den Dialog treten, können sie viel Blutvergießen und Vertreibungen verhindern. Als Beispiel nannte Pelster Dieudonné Kardinal Nzapalainga, der als Erzbischof der Erzdiözese Bangui in der Zentralafrikanischen Republik das Gespräch mit der muslimischen Gemeinschaft sucht.

Liebe Freunde!
Es sind jetzt ungefähr die Tage, in denen Kaiser Augustus beschließt, die Volkszählung durchzuführen. Immer häufiger stehen der Ochs und der Esel sinnend an der Tränke. Das Stroh knistert ungeduldig. Die Hirten schnitzen ihre Flöten zurecht, und im Himmel üben die Chöre der Engel das „Gloria in excelsis deo“. Der Wirt in Bethlehem macht sein Herz noch härter als es schon war, und der Centurio des Herodes grinst blutrünstig, wenn er, ein Auge zugekniffen, der Schneide des Schwertes entlangguckt, das bald den Kindermord vollziehen soll …

Wie steht es aber um euch? Wisst ihr eigentlich, wie oft Weihnachten euch noch geschenkt wird als Gelegenheit, um mit Tränen der Reue alles abzuwaschen, was von der Welt und ihrem Schmutz an euch kleben blieb? Um die Krippe eures Herzens unbarmherzig sauber zu schrubben, so dass das gute alte Holz wieder sichtbar wird, aus dem Vater und Mutter und die Kirche euch zurechtzimmerten?
Krippe in der syrisch-katholischen Kirche in Aleppo (Syrien).
Weihnachtsbaum vor der Geburtskirche in Bethlehem.
Befällt uns nie der heiligende Zweifel?

Das Licht wächst an. Die Propheten stehen, den Oberkörper gestreckt, die Arme weit geöffnet, und unaufhörlich steigt das „Rorate Coeli“ flehend zum Himmel, der verschlossen und dunkel über unseren Häuptern hängt. Gleich wird das Gewölk aufbrechen. Wie Honig wird die Süße heruntertropfen. Der Tau wird glitzern, und in dem neuen Licht wird der Erlöser herabsteigen. Sind wir dessen nicht allzu sicher? Befällt uns nie der heiligende Zweifel, dass Gott dieses Mal hinter der Finsternis verborgen bleiben könnte?
Stehen wir auch in unserem Herzen gestreckt? Flehen wir wirklich um Erbarmen, flach auf der Erde liegend, in der Finsternis, im Dunkel, das nur durch Gottes Licht erleuchtet werden kann?
Im Kirchenjahr ist alles so dicht zusammengedrängt. In wenigen Monaten, in der zerstiebenden Zeit von Weihnachten bis Ostern, gedenken wir der 33-jährigen größten Weltrevolution aller Zeiten, dieser wesentlichen Änderung unseres Geschickes durch den Werdegang des lieblichen Kindes von Bethlehem zum schrecklichen Zeichen des Widerspruches.

„Menschen interessieren sich mehr für ein Fußballspiel”

Millionen interessieren sich für diese alles bestimmende Verwandlung weniger als für ein Fußballspiel im Fernsehen … Und doch kommt auch für sie einmal der Herr, kommt der Tag, an dem der Menschensohn sie richten wird …
Darum ist das rührende „Stille Nacht“ durch seine Einseitigkeit ein wenig unzutreffend. Denn die allererste Weihnacht war die dramatischste Nacht der Weltgeschichte.
In dieser Nacht erschütterte Gottes Sturmbock die Burg der Bosheit so heftig, dass der Urfeind sofort seine ganze Streitmacht mobilisierte und mit unbekannter Erbitterung den Kampf gegen das Kind aufnahm.

Darstellung der Heiligen Familie auf einem Gemälde in Katar.
Pater Werenfried van Straaten an seinem Schreibtisch.
„Dramatischste Nacht der Weltgeschichte”

Es ist nicht gut, diesen kämpferischen Charakter der Heiligen Nacht zu vertuschen und wegen der Festfreude den Abgrund zwischen Christus und Herodes zu überbrücken. Deswegen beginnt die Christmette mit der grandiosen Beschreibung des Kampfes zwischen dem Messias und den Mächten der Finsternis.
So heißt es in Psalm 2: „Warum toben die Heiden? Was schmieden die Völker nichtige Pläne? … Der im Himmel wohnt, er lacht, ihrer spottet der Herr. Einmal aber spricht er zu ihnen im Zorn, schrecklich herrscht er in seinem Grimm sie an: Ich selber habe meinen König bestellt.“
Und Christus selbst kündigt den Ratschluss Jahwes: „Er sprach zu mir: Mein Sohn bist du … Verlange von mir, und ich will zum Erbe dir geben die Völker … Du magst sie zerbrechen mit eisernem Zepter, wie irdene Krüge zerschlagen.“
Dieser gewaltige Christus, dem alle Macht gegeben ist im Himmel und auf Erden, ist der Erlöser, auf den auch jetzt noch unzählige Opfer der Gewalt und des Unrechtes warten. Mit Nachdruck verkündet die Kirche am Vorabend des Festes die gute Nachricht: „Morgen wird das Unrecht von der Erde weggefegt.“

„Er kommt, wenn wir bereit sind, ihn aufzunehmen”

Wird Christus wirklich kommen? Ja, er kommt mit seiner Gnade, um stärker in uns zu leben. Er kommt, wenn wir bereit sind, ihn aufzunehmen und mit seiner Gnade mitzuwirken. Dann, aber nur dann, werden wir die Türe sein, durch die er in die Welt eintritt. Nur dann können wir ihm die Gestalt leihen, in der er selbst sichtbar wird.
Im Advent hören wir auch das Wort des heiligen Paulus (Phil 4,4): „Freut euch im Herrn allezeit. Noch einmal will ich es sagen: Freut euch! Euer gütiges Wesen sollen alle Menschen erfahren, der Herr ist nahe. Und der Friede Gottes, der alles Begreifen übersteigt, wird eure Herzen und Gedanken in Christus Jesus behüten.“

Freut euch im Herrn allezeit

Wie oft hat der Verfasser dieses Briefes dagegen gesündigt! Wie oft saß er in der Finsternis, und wie oft hat er dadurch vielleicht Menschen ins Dunkle starren lassen, wo die höllischen Gestalten der Angst und Mutlosigkeit aufsteigen. Verzeiht ihm.
Heute will er sich mit euch an den Worten „freut euch!“ satt sehen und satt trinken. Heute will er nur daran denken, dass es nur eine kurze Zeitspanne dauert, einen Augenblick, und dass der Herr bald kommt.

Der Herr, der seinen Frieden mit sich bringt, einen Frieden, der uns im lobenswerten Namen Jesu Christi bewahren wird.
So lasst uns die Augen schließen vor den Dingen, die groß scheinen und klein sind, vor den Dingen, die ausschlaggebend scheinen, aber wie Spreu im Wind vergehen. Und lasst uns die Liebe üben wie die Millionen Wohltäter, die ein halbes Jahrhundert lang der Kirche in Not geholfen haben. Und lasst uns bereit sein, die kleinen, die großen und die sehr großen Opfer zu bringen, ohne die unser Werk nicht überleben kann – um tief gebeugt das Heil Gottes zu erwarten, dass bald über unser sündiges Haupt regnen wird.

Krippe in Armenien.
„In den vergangenen Jahren konnten wir nicht mehr so feiern wie früher. Es fiel uns schwer, die Wohnung weihnachtlich zu schmücken, während um uns herum Menschen starben“, sagt Majd Jahloum.

Die junge Christin kommt aus Homs. Doch seit sieben Jahren hat sie ihre Heimatstadt nicht mehr gesehen. Sie gehörte zu den ersten Vertriebenen des Syrienkriegs. Auch wenn er nicht mehr täglich die Schlagzeilen prägt, leiden die Menschen weiterhin. Zerstörung, Tod und Trauer sind allgegenwärtig. Viele Familien sind heimatlos geworden – darunter auch zahlreiche Christen.
Weihnachtsbaum in Homs.
Die Frauen der Familie Houdaib in Homs.
Melkitisch-katholische Kathedrale in Homs. Sie wurde während des Krieges zerstört, konnte aber mittlerweile mit Hilfe von KIRCHE IN NOT instand gesetzt werden (Foto: Ismael Martínez Sanchez/KIRCHE IN NOT).
Majd Jahloum (rechts) und weitere ehrenamtliche Helfer vor dem St.-Petrus-Zentrum in Marmarita
Blick in das Tal der Christen im Westen Syriens.

Herberge fanden viele von ihnen im sogenannten „Tal der Christen“ im Westen Syriens, etwa auf halbem Weg zwischen Homs und der Mittelmeerküste. Zu ihnen gehörte auch Majd und ihre Familie. „Als wir hier ankamen, stellten wir fest, dass hier sehr wohl mit Begeisterung Weihnachten gefeiert wird: Die Straßen sind geschmückt und beleuchtet, Weihnachtsbäume werden aufgestellt. So begannen auch wir, die Geburt Jesu wieder zu feiern“, erzählt Majd. Natürlich, fügt sie hinzu, sei Weihnachten nicht mehr so schön wie in der alten Heimat Homs.

Anlaufstelle für viele vertriebene Christen

Gerade an Weihnachten ist das Zentrum St. Petrus der melkitisch-katholischen Kirche in Marmarita, dem größten Ort im „Tal der Christen“, eine Anlaufstelle für viele Vertriebene. Majd hilft dort ehrenamtlich mit, Bedürftige erhalten dort Lebensmittel, Zuschüsse für die Miete – und vor allem ein offenes Ohr.

Zeit für ein Gespräch ist immer und das verändert manchmal sogar die Stimmung, weiß der zuständige Pfarrer von St. Peter, Walid Iskandafy: „Einige Menschen, die seit Jahren kein Weihnachten mehr feiern wollten, lassen sich von der Freude der Einheimischen anstecken.“

Weihnachten – auch in Syrien ein Fest der Familie

Weihnachten sei, wie überall auf der Welt, ein Fest der Familie. Im Nahen Osten umfasst diese jedoch einen großen Verwandtenkreis, auch Nachbarn und Freunde seien willkommen. So fänden auch die Kriegsflüchtlinge Anschluss. „Viele Familien ziehen von Haus zu Haus, schenken einander Süßigkeiten und wünschen einander frohe Weihnachten.“

Dass an Weihnachten die Familie wieder zusammen ist, hat in diesem Jahr für die Houdaibs einen ganz besonders hohen Stellenwert: Sie feiern dieses Jahr zum ersten Mal in ihrem notdürftig renovierten Haus in der Altstadt von Homs. Dort leben die meisten Angehörigen der christlichen Minderheit. Von 2012 bis 2014 konzentrierten sich die erbitterten Kämpfe vor allem auf dieses Viertel. Die Spuren sind noch überall sichtbar, Häuserruinen prägen das Straßenbild.

Weihnachten zwischen Häuserruinen

Doch auch hier findet sich in diesem Jahr bereits erstmals wieder ein „Weihnachtsbaum“, auch wenn er mit den Exemplaren in den Wohnzimmern hierzulande wenig zu tun hat: Es handelt sich um ein mit grünem Stoff bespanntes Drahtgestell, an dessen Spitze ein Stern prangt.

Bei ihnen wird es dieses Jahr noch keinen Weihnachtsbaum geben, erzählt Marwan, der Sohn der Familie Houdaib: „Die Bäume sind wegen der Wirtschaftskrise viel zu teuer.“ Doch das sei verkraftbar, fügt seine Mutter Evon hinzu. Viel wichtiger sei, dass ihr altes Haus bewohnbar und die Familie zusammen ist.

„Wichtig ist, dass die Familie zusammen ist”

„Wir verdanken es KIRCHE IN NOT, dass wir Weihnachten zu Hause sein können.“ Das Geld für die Instandsetzungsarbeiten stammt von KIRCHE IN NOT, das ein Wiederaufbauprogramm für Privathäuser und Kirchen in Homs gestartet hat.

Zu den bereits instandgesetzten Gotteshäusern gehört auch die melkitisch-katholische Kathedrale „Unsere Liebe Frau vom Frieden“. Dort werden die Houdaibs die Christmette besuchen. Erzbischof Jean Abdo Arbach freut sich, wieder viele bekannte Gesichter unter den Messbesuchern zu sehen.

Christmesse in der renovierten Kathedrale

Auch wenn die ersten Bewohner wieder zurückgekehrt seien: die Lage sei sehr schwierig und niemand könne absehen, wie sich der Krieg entwickelt.
Darauf konzentriert sich auch Arbachs Weihnachtswunsch: „Wir beten um Frieden für Syrien. Der Krieg muss enden. Ich wünsche, dass die Menschen aufeinander zugehen. Wenn wir zusammenstehen, wird es Frieden geben.“

Ein Junge aus Aleppo mit Kerze.
Am Zweiten Weihnachtstag erinnert die katholische Kirche an das Schicksal verfolgter und bedrängter Christen weltweit. Die Solidarität mit den Glaubensgeschwistern und der Einsatz für weltweite Religionsfreiheit sind zwei Seiten derselben Medaille – und dürfen in einer säkularen Gesellschaft nicht unter den Tisch fallen.
Die Geburtsgrotte in Bethlehem.
Dazu ein Kommentar von Florian Ripka, Geschäftsführer von KIRCHE IN NOT Deutschland.

Wie wichtig sind Ihnen Menschenrechte? Wenn Sie jetzt sagen; „äußerst wichtig“ oder „sehr wichtig“, befinden Sie sich in guter Gesellschaft: 77 Prozent der deutschen Bevölkerung sagen dasselbe, so eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag von KIRCHE IN NOT.

70 Jahre wurde die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte am 10. Dezember. Schon in der Einleitung wird das Recht auf Freiheit des Glaubens hervorgehoben. Gefragt, wie wichtig ihnen das Menschenrecht auf Religionsfreiheit ist, antworteten in der Umfrage 54 Prozent „äußerst wichtig“ oder „sehr wichtig.“ Nur 54 Prozent oder immerhin 54 Prozent?

Florian Ripka, Geschäftsführer von KIRCHE IN NOT Deutschland.
Ikone mit der Darstellung der Steinigung des heiligen Stephanus.
70 Jahre Allgemeine Erklärung der Menschenrechte

Was für ein hohes Gut, in einer Gesellschaft zu leben, in der glauben kann, wer glauben will, aber nicht glauben muss, was andere glauben wollen!
Wenn Religionsfreiheit fehlt, bedeutet das: kein Weihnachtsbaum, keine Krippe, heimlich zum Weihnachtsgottesdienst in Hinterzimmern schleichen, beim Religionswechsel, Abweichung vom verordneten Glauben oder als „Ungläubiger“ Gefängnis oder gar den Tod riskieren. Für Millionen Menschen weltweit ist das kein Gedankenexperiment, sondern eine Frage um Leben und Tod!

KIRCHE IN NOT hat kürzlich den Bericht „Religionsfreiheit weltweit 2018“ vorgestellt. Rund 60 Prozent der Weltbevölkerung leben in Ländern, in denen Religionsfreiheit nicht respektiert wird.

Eine abnehmende Aufmerksamkeit für Diskriminierung und Verfolgung wäre Öl ins Feuer all jener, die Werte und Grundrechte unserer Gesellschaft als „westliches Teufelszeug“ bekämpfen. Wem Menschenrechte wichtig sind, dem kann Religionsfreiheit nicht gleichgültig sein! Weihnachten mit allem, was (für eine freie Gesellschaft) dazu gehört, kann das bewusstmachen – und zur Solidarität anspornen. Deshalb begeht die katholische Kirche in Deutschland am Zweiten Weihnachtstag, dem Fest des ersten Märtyrers Stephanus, den Gebetstag für verfolgte und bedrängte Christen.

- Florian Ripka, Geschäftsführer KIRCHE IN NOT Deutschland
61 Prozent der Weltbevölkerung leben in Ländern, in denen das Menschenrecht auf Religionsfreiheit nicht respektiert wird. Das ist eines der zentralen Ergebnisse der Studie „Religionsfreiheit weltweit 2018“, die das päpstliche Hilfswerk KIRCHE IN NOT Deutschland am 28. November bei einer Pressekonferenz in Frankfurt am Main vorgestellt hat.

Der Bericht, an dem über 40 internationale Autoren mitgewirkt haben und der zum 14. Mail erscheint, nimmt die Situation in 196 Ländern in den Blick, analysiert die Rechtslage und dokumentiert Verstöße gegen das Grundrecht auf Religionsfreiheit – für Christen wie für alle anderen Religionen. Die Ergebnisse seien ernüchternd, erklärte Maria Lozano, Pressebeauftragte von KIRCHE IN NOT International und Mitglied im Redaktionsteam des Berichts: „In 38 Ländern kommt es zu schwerwiegenden Verletzungen der Religionsfreiheit und in 18 dieser Länder hat sich die Lage seit 2016 nochmals verschlechtert.“
Bei der Präsentation des Berichts „Religionsfreiheit weltweit 2018“ (von links): Pater James Channan OP (Leiter des „Peace Center“ in Lahore/Pakistan), Simon Jacob (Vorsitzender des Zentralrats Orientalischer Christen in Deutschland), Maria Lozano (Pressereferentin von „Kirche in Nor“ International, Berthold Pelster (Experte für Religionsfreiheit bei KIRCHE IN NOT Deutschland), Florian Ripka (Geschäftsführer von KIRCHE IN NOT Deutschland).
Blick in die Teilnehmerrunde bei der Pressekonferenz zur Präsentation des Berichts „Religionsfreiheit weltweit 2018“.
Zwischen Diskriminierung und offener Verfolgung

Zu diesen Ländern gehören zum Beispiel Indien, China, der Iran und die Türkei. Beim Grad der Verletzungen des Berichts auf Religionsfreiheit unterscheidet der Bericht zwischen Diskriminierung religiöser Minderheiten (21 Länder wie Ägypten, Kasachstan, Vietnam und Russland) und offener Verfolgung (17 Länder, zum Beispiel Myanmar, Eritrea, Sudan und Usbekistan).

Dokumentiert werden aber auch erste Verbesserungen hinsichtlich der Religionsfreiheit, etwa in Syrien und dem Irak. Dort zum Beispiel begannen nach dem Sieg über die Truppen des „Islamischen Staates“ die Christen, in ihre Dörfer in der Ninive-Ebene zurückzukehren, wo sie ihren Glauben wieder frei leben können.

Zahlen über tatsächlich verfolgte Christen nicht seriös ermittelbar

„Es gibt drei Hauptursachen für die Verletzung der Religionsfreiheit: Islamischer Radikalismus, autoritäre Staaten und ein extremer Nationalismus“, erklärte Lozano. Letzter nehme international zu. Gleiches gelte für den „Nachbarschaftsfundamentalismus“, womit der Bericht die zunehme Radikalisierung und religiös motivierte Attentate in der westlichen Welt kategorisiert, zum Beispiel den Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt im Dezember 2016.
„Insgesamt lässt sich auf Grundlage des Berichts davon ausgehen, dass etwa 327 Millionen Christen in Ländern mit religiöser Verfolgung leben und 178 Millionen in Ländern, in denen es zu Diskriminierungen kommt“, erklärte Lozano, die darauf hinwies, dass keine seriösen Zahlen zu ermitteln seien, wie viele Christen tatsächlich verfolgt würden.

Der Blick auf die eigene Religion dürfe auch nicht den Blick dafür verstellen, dass zusammen mit den Christen häufig auch andere Religionsgemeinschaften verfolgt werden: „Wo Religionsfreiheit eingeschränkt ist, werden immer auch andere Rechte unterdrückt“, erklärte Berthold Pelster, Experte für Religionsfreiheit beim deutschen Zweig von KIRCHE IN NOT. Diese Einschränkungen beträfen zum Beispiel auch die Meinungsfreiheit, die Pressefreiheit oder die Versammlungsfreiheit. Der Einsatz von KIRCHE IN NOT für verfolgte Christen diene deshalb auch der Stärkung der Menschenrechte insgesamt. Darum veröffentliche das Hilfswerk den Bericht zur Religionsfreiheit.

187 Christen in Pakistan wegen Blasphemie im Gefängnis

Ein Land, in dem der Bericht „Religionsfreiheit weltweit 2018“ eine Verschlechterung der Lage identifiziert hat, vertrat bei der Pressekonferenz Dominikanerpater James Channan aus Pakistan. Er leitet in der Hauptstadt Lahore das „Peace Center“, das sich für den Dialog mit den Muslimen einsetzt. Obwohl die Christen nur 1,8 Prozent der Bevölkerung ausmachen, seien sie überdurchschnittlich von Verfolgung bedroht.

Hauptursache ist das strikte Blasphemiegesetz. „Oft wird es angewendet, um persönliche Rechnungen zu begleichen“, sagte Channan. Internationale Bekanntheit erlangte die Katholikin Asia Bibi, die zwar freigesprochen ist, aber noch immer an der Ausreise gehindert wird. Darüber hinaus gebe es jedoch noch 187 weitere Christen, die wegen Blasphemie im Gefängnis sitzen. Besonders dramatisch sei der Fall des Ehepaars Safqat und Shagufta Bibi, nicht verwandt mit Asia Bibi. Sie seien ebenfalls zum Tod verurteilt, weil sie blasphemische SMS in englischer Sprache verschickt haben sollen. Das Problem nur: Sie sprächen kein Englisch. Hinzu komme: „Wenn ein Christ wegen Blasphemie angeklagt wird, richten sich Wut und Empörung gegen die ganze Gemeinde und das ganze Dorf“, erklärte Channan.

Dennoch gebe es auch viele Muslime, die die Blaspehemiegesetze und die Diskriminierung der Christen ablehnten. „Es gibt viele Imame, die sich für den Dialog einsetzen, sie sind meine Freunde“, sagte Channan. Wichtig sei es, die Ausbildung der Religionsführer zu verbessern.

Religion zur Erhaltung von Macht missbraucht

Vom „Recht, nichts glauben zu müssen, um glauben zu können“, sprach der Vorsitzende des Zentralrats Orientalischer Christen in Deutschland, Simon Jacob. Der 40-Jährige stammt aus der Südosttürkei und hat im Rahmen einer „Peacemaker“-Tour mehrere Monate lange Kriegs- und Krisenschauplätze des Nahen Osten besucht. Dies seien vermeintlich „Kriege zwischen religiösen Weltanschauungen, in denen es im Endeffekt aber um den Erhalt der eigenen Macht geht.“ Er sei im Nahen Osten auf junge Menschen aller Religionen gestoßen, die sich für politische und weltanschauliche Freiheit einsetzen. Dies schließe das Recht ein, „frei nach den persönlichen Wünschen auch nichts zu glauben“. Diese positive wie negative Religionsfreiheit sei im Nahen Osten nicht gewährleistet – und deshalb umso erstrebenswerter, erklärte Jacob: „Religion wird dann … zum größten Förderer des höchsten Ziels einer Gesellschaft: Frieden.“

Den gesamten Bericht „Religionsfreiheit weltweit 2018“ mit 196 Länderberichten finden Sie unter www.religionsfreiheit-weltweit.de. Die Kurzfassung des Berichts können Sie zum Selbstkostenpreis von einem Euro (zzgl. Versandkosten) in unserem Shop bestellen.

Unbekannte haben das Haus beschossen, in dem sich die Töchter der freigesprochenen pakistanischen Christin Asia Bibi aufhalten. „Wir erhalten ständig Drohungen, und mehr als einmal bin ich verfolgt worden.“ Dies berichtet Joseph Nadeem gegenüber dem weltweiten katholischen Hilfswerk KIRCHE IN NOT. Er kümmert sich seit der Verurteilung von Asia Bibi um die Familie und hat ihren Mann Ashiq und Tochter Eisham mehrfach bei Auslandsreisen begleitet – zum Beispiel im Oktober zu einem Aufenthalt in Großbritannien auf Einladung von KIRCHE IN NOT.

Nadeem und seine Familie wohnen aktuell mit Aisa Bibis Töchtern Esha und Eisham zusammen – und sind ebenso wie sie bedroht. „Sobald Asia freigesprochen war, mussten wir fliehen“, erzählt er. Dabei wurde die Familie getrennt: „Asia und ihr Mann befinden sich an einem sicheren Ort und werden bewacht. Doch wir können sie nicht besuchen.“ Innerhalb eines Monats hätte die Familie Nadeem mit den Töchtern von Asia Bibi viermal den Aufenthaltsort wechseln müssen.
Eisham Ashiq und Ashiq Masih, Tochter und Ehemann von Asia Bibi bei einer Kundgebung von „Kirche in Not“ im Februar 2018 in Rom.
Joseph Nadeem (rechts) mit Eisham Ashiq und Ashiq Masih, Tochter und Ehemann von Asia Bibi.
“Die Islamisten sind hinter uns her”

„Die Islamisten sind hinter uns her und jedes Mal, wenn wir merken, dass wir in Gefahr sind, fliehen wir sofort“, erzählt Joseph Nadeem. „Wir können nicht einmal nach draußen, um Lebensmittel einzukaufen. Ich verlasse das Haus nur bei Nacht und verhülle dabei mein Gesicht.“ Die Katholikin Asia Bibi war wegen angeblicher Blasphemie zum Tod verurteilt worden. Fast zehn Jahre hat sie im Gefängnis verbracht. Am 31. Oktober hatte das höchste pakistanische Gericht das Urteil aufgehoben. Asia Bibi kam auf freien Fuß. Militante Islamisten liefen dagegen Sturm. Eine mögliche Ausreise verzögert sich.

„Eine unglaubliche Frau“

Asia Bibi wisse um die schwierige Situation ihrer Angehörigen, erklärt Nadeem. „Ich habe sie kurz nach ihrer Freilassung getroffen und wir telefonieren täglich mit ihr. Sie ist sehr in Sorge um ihre Töchter.“ Esha und Eisham hätten ihre Mutter noch nicht persönlich in die Arme schließen können. „Ich werde nie ihr erstes Telefonat vergessen“, berichtet Nadeem. „Esha und Eisham haben stundenlang vor Freude geweint. Asia wartet sehnsüchtig darauf, ihre Töchter zu sehen und hofft, bald zusammen mit ihnen und ihrem Mann das Land verlassen zu können.”

Obwohl der Albtraum noch nicht zu Ende sei, zeige Asia Bibi eine ungewöhnliche Kraft, berichtet der Freund der Familie: „Sie ist eine unglaubliche Frau. Es mag seltsam klingen, aber sie ist es, die uns in diesen schwierigen Momenten hilft. Sie bittet uns, nicht den Mut zu verlieren.“

Weihnachten in Rom?

Asia Bibi und ihre Familie hätten laut Nadeem die internationale Berichterstattung und das große Interesse an ihrem Schicksal aufmerksam verfolgt. „Die internationale Solidarität stärkt uns. Asia ist allen dankbar, die ihre Stimme erheben, um die aktuelle Situation anzuprangern.“

KIRCHE IN NOT hatte mehrfach bei internationalen Aktionen auf die Entwicklungen im Fall Asia Bibi aufmerksam gemacht – in Deutschland zum Beispiel bei einer Aktion zum „Roten Mittwoch“ in Mainz, bei der Dominikanerpater James Channan aus Pakistan über das Schicksal Asia Bibis und weiterer angeklagter Christen berichtete. Er dankte dabei auch der deutschen Regierung, die Asia Bibi Asyl angeboten hat. Auch aus anderen Ländern kam Angebote.

Die Familie zieht es offensichtlich nach Italien, wie Nadeem berichtete: „Wir warten darauf, schnell Pakistan verlassen und an einem sicheren Ort leben zu können. KIRCHE IN NOT war die erste Institution, die uns Gastfreundschaft angeboten hat. Und wir hoffen, dass unsere Familien dieses Weihnachtsfest in Rom verbringen können, zusammen mit Euch.“

Eine „Menschenrechtsaktion der christlichen Art“ fand am 28. November in Mainz statt: Um auf das Schicksal von Millionen verfolgter Christen weltweit aufmerksam zu machen, wurde im Rahmen der weltweiten Aktion „Roter Mittwoch“ (Red Wednesday) der Turm der Kirchenruine von St. Christoph in der Altstadt blutrot angestrahlt. Die Aktion war eine gemeinsame Initiative der Mainzer City-Pastoral, Pax Christi und des Familienkreises St. Bernhard in Kooperation mit dem weltweiten päpstlichen Hilfswerk KIRCHE IN NOT. Gekommen war neben den Führungsspitzen des Hilfswerks zahlreiche Gläubige und Akteure im Einsatz für die Religionsfreiheit, unter anderem Ute Granold MdB a.D., die Gründerin des Stefanuskreises der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, der sich für verfolgte Christen einsetzt.

Die durch Bombenschäden im Zweiten Weltkrieg schwer zerstörte St.-Christoph-Kirche dient heute als Mahnmal für den Frieden – „einen besseren Ort, um für unsere Brüder und Schwestern zu beten, die sich nach Frieden und Freiheit sehnen, gibt es nicht“, stellte Simon Jacob fest, einer der Ehrengäste beim ökumenischen Gebet in der überfüllten Apsis-Kapelle. Jacob ist Vorsitzender des Zentralrats Orientalischer Christen in Deutschland und hat den Nahen Osten im Rahmen seiner „Peacemaker“-Tour mehrere Monate bereist.

Zerstörtes Kreuz als Sieg der Liebe über den Hass

Von dieser Reise hatte er auch ein besonderes Gastgeschenk mitgebracht: Ein zerbrochenes Grabkreuz aus der irakischen Ninive-Ebene. Es gehörte zum Grab einer jungen Frau, das während der Eroberungen durch den „Islamischen Staat“ geschändet wurde. Der Vater der Verstorbenen hatte es Simon Jacob überreicht mit der Bitte, es an „einen Ort zu bringen, wo früher ebenfalls Krieg herrschte und wo jetzt Frieden ist.“ Das Kreuz sei ein Zeichen des Triumphs des Glaubens und der Liebe über den Hass, erklärte Jacob, der sich als Teil einer „Graswurzelbewegung“ junger Menschen im Nahen Osten begreift, die sich „für umfassende Freiheit einsetzt, zu der auch die Freiheit des Glaubens gehört“. In diesem Wunsch seien viele Christen und Muslime geeint.

Über den interreligiösen Dialog, aber auch Repressalien für Christen in seiner Heimat Pakistan sprach Dominikanerpater James Channan in seiner Predigt. Channan leitet das „Peace-Center“ in Lahore, das eng mit muslimischen Glaubensführern zusammenarbeitet und eine Eskalation der Lage zu verhindern sucht. Die lebensbedrohliche Situation der christlichen Minderheit, die nur 1,8 Prozent der pakistanischen Gesellschaft ausmacht, ist durch den Fall Asia Bibi weltweit bekannt geworden.

Asyl für Asia Bibi: „Eine wirklich menschliche Geste“

„Viele Christen werden wegen Blasphemie angeklagt. Oft geschieht das, um persönliche Rechnungen zu begleichen“, sagte Channan. Selbst wenn ein Christ freigesprochen würde, sei es ihm unmöglich, in Pakistan zu bleiben, da er um sein Leben fürchten müsse. Dies sei auch bei Asia Bibi der Fall, deren Todesurteil nach fast neun Jahren Gefängnis Ende Oktober aufgehoben wurde. „Ich bin sehr dankbar, dass die deutsche Regierung Asia Bibi Asyl angeboten hat. Das ist eine wirklich menschliche Geste“, erklärte Channan.

Er wies auch auf den Fall des katholischen Ehepaars Shagufta und Shafqat Bibi hin, die wegen Versendens einer angeblichen blasphemischen SMS zum Tode verurteilt wurden. Bei einem Besuch im Todestrakt habe ihm Shagufta Bibi erzählt, sie sei mehrmals aufgefordert worden, zum Islam zu konvertieren, aber sie habe ihm gesagt: „Ich werde nie konvertieren. Ich bleibe Christin bis zu meinem letzten Atemzug.“ Dieser starke Glaube zeichne viele Christen in Pakistan aus. Trotz aller Gewalt gebe es auch viele gemäßigte Muslime, die den Dialog mit den Christen suchten. Gerade die Imame spielten eine bedeutende Rolle, um zum Frieden in der Gesellschaft beizutragen. „Besonders wichtig sind die religiöse Bildung und der Schulunterricht. Das gibt den Menschen eine Zukunft und baut Vorurteile ab“, sagte Channan. Dazu bedürfe es auch weiterhin der Unterstützung aus dem Ausland, für die er KIRCHE IN NOT und anderen gesellschaftlichen Akteuren dankte.

KIRCHE IN NOT präsentiert Bericht zur Religionsfreiheit

Der „Rote Mittwoch“ (Red Wednesday) geht auf eine Initiative von KIRCHE IN NOT zurück, um auf Christenverfolgung und Verstöße gegen das Menschenrecht auf Religionsfreiheit aufmerksam zu machen. In diesem Jahr fanden Beleuchtungsaktionen in zahlreichen Städten weltweit statt, zum Beispiel in London, Paris, Barcelona, Washington und Manila. Die Aktionen gingen einher mit der Vorstellung des Berichts „Religionsfreiheit weltweit“, der die Situation für Religionsgemeinschaften in 196 Ländern unter die Lupe nimmt und Verstöße dokumentiert. Der deutsche Zweig von KIRCHE IN NOT hat den Bericht ebenfalls am 28. November bei einer Pressekonferenz vorgestellt. Weitere Informationen: www.religionsfreiheit-weltweit.de.

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