Spenden
Wiederaufbau

Wiederaufbau

Mehr Beiträge zu diesem Thema

Mehr Schlagworte 19 Beiträge gefunden
Beiträge anzeigen
„KIRCHE IN NOT war die erste Organisation, die nach dem Bombenanschlag vor Ort war, und wir haben zugesagt, zu helfen.“

 

Dies erklärt der Direktor des philippinischen Büros von KIRCHE IN NOT, Jonathan Luciano, anlässlich der Mitte Juli erfolgten Wiederöffnung der Kathedrale in Jolo auf der gleichnamigen Insel im Süden der Philippinen.

Besonders die Decke, das Dach und die Fenster wurden bei dem Anschlag beschädigt.
In der Kathedrale „Unsere Liebe Frau vom Berg Karmel“ auf Jolo waren am 27. Januar 2019 zwei Bomben explodiert: eine während der Sonntagsmesse, eine weitere wenig später auf dem Parkplatz vor der Kirche.

20 Menschen verloren ihr Leben, über 100 Personen wurden verletzt. Auch das Kirchengebäude wurde schwer beschädigt. Die islamistische Terrororganisation Abu Sajaf hatte sich zu dem Anschlag bekannt.

 

Sicherheitslage weiterhin angespannt

Ein halbes Jahr später wurde die schwer beschädigte Kathedrale wieder eingeweiht – auch wenn die Sicherheitslage nach wie vor sehr angespannt ist.

„Polizei und Militär hatten den ganzen Stadtbezirk abgeriegelt, in dem sich die Kathedrale befindet. Doch das Gotteshaus selbst war voll. Besonders bewegend war, die Familien der Getöteten und die Überlebenden der Explosionen dort zu sehen“, so Jonathan Luciano.

Reparierte Decke und Fenster in der Kathedrale von Jolo.
Die Feier leiteten der Apostolische Nuntius auf den Philippinen, Erzbischof Gabriele Caccia, sowie Orlando Kardinal Quevedo, emeritierter Erzbischof von Cotabato.

„Der Nuntius versicherte den Menschen, dass die christliche Gemeinschaft bei ihnen ist: Sie werden nicht vergessen oder vernachlässigt“, berichtete Luciano. „Das zeige sich durch die finanzielle Hilfe und die Solidarität im Gebet auf der ganzen Welt.“

 

Solidarität im weltweiten Gebet

KIRCHE IN NOT unterstützt neben anderen Organisationen den Wiederaufbau maßgeblich und trägt zur Finanzierung des Kirchendachs und der -decke bei. Doch es gehe nicht nur um den Aufbau der Gebäude, betonte Luciano.

„Wir waren zwei Wochen nach dem Anschlag vor Ort. Mit anderen Organisationen und den kirchlichen Mitarbeitern waren wir uns einig, wie wir auf die Krise reagieren sollten: zuerst die christliche Gemeinschaft und dann die eigentliche Kirche wiederaufbauen.“

Jonathan Luciano, der Direktor des philippinischen Büros von KIRCHE IN NOT, hat die Kathedrale von Jolo kurz nach dem Anschlag besucht.
Deshalb stehen auch Rehabilitierungsprogramme für Betroffene der Anschläge und deren Familien sowie interreligiöse Initiativen auf der Förderliste von KIRCHE IN NOT. Ein Beispiel ist die benachbarte Hauptinsel Marawi, wo es im Jahr 2017 zu schweren islamistischen Übergriffen kam.

 

Süden der Philippinen mehrheitlich muslimisch geprägt

Anders als der überwiegende Teil das Landes ist der Süden der Philippinen mehrheitlich muslimisch geprägt. Muslimische Milizen kämpfen seit Jahrzehnten für eine Autonomie. Diese wurde nach jahrzehntelangem Ringen weitgehend erreicht, indem die Regierung in Manila eine weitgehend autonome Region Bangsamoro ermöglichte.

Die in der Folge durchgeführte Volksabstimmung Ende Januar 2019 fand weitgehend Zustimmung – bis auf Jolo, das als Heimat der Terroreinheit Abu Sajaf gilt. Die Anschläge auf die Kathedrale wurden als Reaktion auf die Abstimmung gesehen.

- Jonathan Luciano, Direktor des philippinischen Büros von KIRCHE IN NOT
Dennoch stand die feierliche Wiedereröffnung ganz unter dem Zeichen der Versöhnung, berichtete Luciano. So habe der muslimische Gouverneur von Jolo am Ende der Messe ein Grußwort gesprochen und betont, dass nach der Wiedereröffnung der zerstörten Kirche auch der Dialog zwischen Christen und Muslimen wiederaufgenommen werden könne.

 

Zeichen der Versöhnung

Auch der Direktor des philippinischen Büros von KIRCHE IN NOT warnt davor, dass sich die Zahl radikaler Muslime weiter erhöhen könnte, wenn die Kirche den Dialog nicht weiterführe.

Er betont: „Wir müssen die Beziehungen zwischen Christen und Muslimen stärken. Wir können harmonisch zusammenleben. Das ist eine wichtige Botschaft für unsere Wohltäter. Ich hoffe, dass die Ereignisse von Jolo sie bewegen, verfolgten Christen auf den Philippinen zu helfen.“

KIRCHE IN NOT hat im Rahmen seines Wiederaufbauprogramms für die vor allem von Christen bewohnten Ortschaften in der irakischen Ninive-Ebene begonnen, weitere Häuser für 41 Familien in der Stadt Bartella wieder zu errichten. Bartella liegt 23 Kilometer östlich von Mossul.

 

Über 200 Personen profitieren von diesem Projekt. Es ist die neueste Maßnahme im Aufbauprogramm von KIRCHE IN NOT. Unser Hilfswerk hat bereits die Renovierung von mehr als 2000 Häusern in der Region unterstützt.

Vor der Invasion des sogenannten „Islamischen Staates“ (IS) im Jahr 2014 war Bartella eine Stadt mit etwa 17 500 Einwohnern, die meisten von ihnen syrisch-orthodoxer oder syrisch-katholischer Konfession.

KIRCHE IN NOT errichtet weitere Häuser für über 40 Familien in Bartella. Das Foto entstand nach dem Wortgottesdienst in einer Kirche in Bartella, bei der jede Familie einen kleinen Olivenbaum erhalten hatte. Er soll als ein Zeichen der Hoffnung wachsen. Dr. Andrzej Halemba (5. v. r.) war als Vertreter von KIRCHE IN NOT vor Ort.
Die Menschen flüchteten in den kurdischen Teil des Irak, von dort gingen viele ins Ausland. Während dieser Zeit stellte KIRCHE IN NOT Lebensmittel, Unterkunft, Medikamente und Schulunterricht für die vertriebenen Christen bereit.

 

Wohnhäuser und Kirchen geplündert und niedergebrannt

Als die Bewohner nach der Befreiung der Stadt im Jahr 2016 zurückkehrten, fanden sie ihre Wohnhäuser beschädigt, geplündert und niedergebrannt vor. So wollten die IS-Einheiten verhindern, dass die Christen wieder zurückkehren. Weitere Häuser wurden während der Befreiung durch Luftangriffe zerstört.

Auch die Kirchen hatten die Terroreinheiten geplündert und die sakralen Gegenstände beschädigt. An einer Kirchenwand prangte die schwarze IS-Fahne.

Die syrisch-orthodoxe Kirche in Bartella. Sie wurde von IS-Kämpfern beschädigt, konnte aber mit Unterstützung von KIRCHE IN NOT renoviert werden.
KIRCHE IN NOT hatte 2017 mit Vertretern der lokalen Kirchen ein Wiederaufbaukomitee für die Ninive-Ebene gegründet, um die christliche Präsenz in der Region zu stärken. Zuvor hatten Freiwillige die Schäden in den Ortschaften dokumentiert.

 

Wiederaufbau in der Ninive-Ebene geht voran

Aktuell sind bereits gut die Hälfte der Häuser renoviert und ebenfalls die Hälfte der vertriebenen Christen zurückgekehrt. Das erhoffen die Akteure nun auch für Bartella: Am 5. Juni 2019 wurde in einem feierlichen Wortgottesdienst der Wiederaufbau dieser Stadt eingeläutet.

So sah der Innenraum der syrisch-orthodoxen Kirche in Bartella aus, nachdem der IS dort geplündert und gebrandschatzt hatte.
Dr. Andrzej Halemba, Sektionsleiter für den Nahen Osten bei KIRCHE IN NOT, verglich in seiner Ansprache die irakischen Christen mit den Familien des Alten Testaments nach dem Babylonischen Exil. Deren Aufgabe sei es gewesen, Jerusalem nach seiner Zerstörung wiederaufzubauen.

 

Olivenzweige als Zeichen der Hoffnung

Anschließend segneten die Geistlichen Olivenbäume und verteilten einen an jede Familie. Die Olivenzweige symbolisieren die Hoffnung auf Frieden nach den vielen Jahren des Krieges – und dass diese Bäume, die in den Gärten der Familien gepflanzt werden, reiche Früchte tragen.

Der Ofen ist ihr ganzer Stolz
Nawal und Remond, ein älteres Geschwisterpaar, und ihr Leben in Homs (Syrien). Remond Ziade war 72 Jahre alt, als der Krieg 2011 nach Homs kam. Die syrische Stadt stand von Anfang an im Zentrum der Kämpfe.
„Hauptstadt der Revolution“ wurde Homs einst genannt, weil dort die ersten Straßenproteste im Zuge des Arabischen Frühlings stattfanden. Harte Unterdrückungsmaßnahmen der Regierung und erbitterter Widerstand der Rebellengruppen waren die Folge – mittendrin die Zivilbevölkerung.
Zentrum der Kämpfe waren die Altstadt und das angrenzende Viertel al-Hamidiya, wo besonders viele Christen leben. Remond und seine Schwester Nawal (74) gehören zu ihnen. Als ihre Nachbarn nach und nach flüchteten, blieben sie – zusammen mit einigen wenigen Dutzend meist älterer Menschen. Die Einschläge der Granaten kamen immer näher.
Maryam, Nawal und Remond aus Homs.
Nawal mit Heizölkanistern in der Küche.
Hoffnung in Homs: Der Wiederaufbau kommt langsam voran (Foto: Ismael Martínez Sánchez/KIRCHE IN NOT).
Zerstörte Häuser in Homs.
Weihnachtsbaum in Homs.
„Ein Wunder, dass wir noch leben”

Remond erzählt: „Eines Nachts wurden meine Schwester und ich vom Einschlag einer Mörsergranate aus dem Schlaf gerissen. Eine Zimmerdecke unserer Wohnung stürzte ein. Es ist ein Wunder, dass wir lebend davongekommen sind.“ Remond hat große Schwierigkeiten, die Wörter aneinanderzureihen. Die Folgen einer psychischen Erkrankung haben seine Sprech- und Bewegungsfähigkeit eingeschränkt – und die traumatischen Kriegsereignisse haben es noch schlimmer gemacht.

Nach dem nächtlichen Bombardement mussten auch die Geschwister ihre Habseligkeiten zusammenpacken und flüchten. Ein Jahr lang lebten sie in einer Notunterkunft außerhalb der Stadt.

„Unsere Wohnung war kaum bewohnbar”

Als sich 2014 die Kämpfe um Homs in ihrem Viertel nachgelassen hatten, hielt sie nichts mehr: „Wir kamen so schnell wie möglich zurück. Unsere Wohnung war kaum bewohnbar – aber es ist immerhin unser Zuhause“, sagt Nawal. Ein wenig Stolz schwingt dabei mit, denn „immerhin konnten wir Geschwister immer zusammenbleiben“. So wie das ganze Leben lang – keiner der beiden hat geheiratet.

So hausen sie nun seit vier Jahren in ihrer alten Wohnung, die zwar notdürftig geflickt, aber alles andere als wohnlich ist. Ganzer Stolz der Geschwister und Lebensmittelpunkt ist der Ofen mit dem langen Ofenrohr, der direkt durch die Zimmerdecke nach draußen führt. Der Ofen wird mit Heizöl betrieben, und das ist das Problem: Brennstoff ist knapp und sehr teuer. Der Heizkostenzuschuss der syrisch-katholischen Gemeinde kommt da gerade recht.

Das Geld dafür stammt von KIRCHE IN NOT, auch für die Lebensmittelpakete und die Medikamente, die Remond dringend braucht. „Diese Hilfen geben uns Kraft, weiter hierzublieben“, sagt seine Schwester Nawal.

Nawal und Maryam wärmen sich am Ofen.
„Ich gehe jeden Tag in die heilige Messe”

Sie erzählt davon, dass Religion und das Engagement in der Gemeinde seit jeher eine große Rolle für die Familie spielen. „Ich gehe jeden Tag in die heilige Messe. Wir sind ,Kinder der Kirche῾. Mein Vater und mein Onkel arbeiteten für den Erzbischof von Homs.“ Sorge macht der älteren Dame jedoch, dass ihre Kräfte nachlassen und sie das Haus nicht mehr so oft zu den kirchlichen Veranstaltungen verlassen könne.

„Ihr Einsatz ist unersetzlich”

Nach dem Tee zeigt Nawal weitere Zimmer ihrer Wohnung. Sie sind durchzogen von tiefen Rissen, verursacht von den Granateneinschlägen. Jetzt kommen neue Hilfen für die Renovierung – auch wieder mit Unterstützung von KIRCHE IN NOT. „Ihr Einsatz ist unersetzlich, nicht nur wegen der finanziellen Hilfe, sondern auch weil Sie immer wieder vor Ort sind und kennenlernen möchten, wie wir leben“, erklärt Nawal.
Es klingelt an der Wohnungstür. Es ist Sara mit ihrer Tochter Maryam, ebenfalls Christen aus der Wohnung über den Ziades. Sie leisten den Geschwistern oft Gesellschaft. „Wir wissen, dass sie viel Zeit allein verbringen. Da kommen wir einfach ab und zu vorbei“, erzählt Sara. Letztlich sei diese Nachbarschaftshilfe auch ein Hauch von Normalität, trotz aller Narben des Krieges. „Wir wollen jetzt wieder die Werte und das Miteinander pflegen, das wird auch vor der Katastrophe des Krieges hatten.“

Von Josué Villalon und Tobias Lehner
Dank Ihnen, den Wohltätern von KIRCHE IN NOT, haben wir viele Kinder in Syrien retten können und damit ein Stück Zukunft der Kirche in diesem Land. Mara ist eins dieser Kinder. Sie bekam Milch, Mehl, Kleidung und Medikamente. Sie ist eins von 65.000 Kindern, denen wir mindestens einmal helfen konnten.

Wie immer lief diese Hilfe über die Kirche, die einzige noch halbwegs funktionierende Institution in Aleppo, Homs, Hama, Idlib und all den anderen Trümmerstädten im Schlachtfeld Syrien. Die Kirchen sind zerstört, die Menschen knien auf dem Schutt. Sie beten, beichten und danken Gott, dass sie leben.
Völlig zerstört: Blick aus der St.-Georg-Schule der griechisch-orthodoxen Kirche in Homs (Foto: Ismael Martínez Sánchez/KIRCHE IN NOT).
„Glauben bedeutet ein Leben aus dem Geist des Vertrauens“, schrieb Papst em. Benedikt XVI.

Wann gab es mehr Vertrauen, mehr Hoffnung, dass Gott seine Kinder nicht im Stich lassen möge?
Mara und die vielen anderen Kinder wissen nicht, dass KIRCHE IN NOT ihnen und ihren Familien in den letzten sechs Jahren mit fast 30 Millionen Euro und 700 Projekten geholfen hat und auch weiter helfen wird. Gerade jetzt ist es wichtig, den Wiederaufbau der Schulen, Kirchen und Ambulanzstationen anzupacken.

Im Libanon und in Jordanien und auch in Europa warten hunderttausende Christen darauf, nach Syrien heimkehren zu können. Ohne Häuser für die Kranken, ohne Schulen für die Kinder, ohne Räume für Gebet und andere Gemeindeaktivitäten wissen die Christen nicht, wo sie wohnen und leben sollen. Mutter Kirche wird ihre Anlaufstelle sein.

Ein Klassenraum in der völlig zerstörten St.-Georg-Schule der griechisch-orthodoxen Kirche in Homs (Foto: Ismael Martinez Sánchez/KIRCHE IN NOT) .
Millionen Kinder sind im Land auf der Flucht

Im Markusevangelium heißt es weiter, dass Jesus das Kind in seine Arme schloss und zu den Jüngern sprach: „Wer ein solches Kind um meinetwillen aufnimmt, der nimmt mich auf“ (Mk 9,37). Von den mehr als 13 Millionen vertriebenen Menschen sind sieben Millionen Kinder und Jugendliche, darunter hunderttausende Christen. Die Zukunft des Landes irrt umher.
Die Kirche will sie aufnehmen und ihnen Orientierung geben, mit materieller und geistlicher Hilfe. Denn, so Benedikt XVI. weiter, „Glaube bedeutet die Gewissheit, dass Gott es ist, der den Menschen die Zukunft gewährt.“ Die Kirche vor Ort hat jedoch keine Mittel. Das Herz ist voll, aber die Hände sind leer.

Wir sind auch Kirche und können die Hände füllen, damit die Gegenwart der Christen in Syrien, damit die Kinder aus den Trümmern eine Hoffnung haben.

Es ist das zweite Weihnachten ohne Bombenhagel, aber der Frieden ist noch weit. Auch wenn in der syrischen Stadt Aleppo die Waffen schweigen: kaum eine Familie ohne Toten, kaum eine Familie ohne Sorge um Freunde und Verwandte in den nach wie vor umkämpften Gebieten. Die Hoffnung in Aleppo ist wieder zurückgekehrt, aber die Freude oft noch nicht.

Schwester Annie Demerjian und ihre Helfer sind Boten der Hoffnung, nicht nur zur Weihnachtszeit. Sie besuchen alte und kranke Menschen, verteilen Lebensmittel und finanzielle Hilfen, stellen Freizeitangebote für Kinder und Jugendliche auf die Beine. Viele haben noch nie ein Weihnachten im Frieden erlebt
Kind mit einer Kerze bei einem Gottesdienst in Damaskus (Foto: Carole Al-Farah).
Krippe in der syrisch-katholischen Kirche in Aleppo (Syrien).

KIRCHE IN NOT unterstützt Schwester Annie seit Langem. Die Ordensfrau tut auch in diesem Jahr ihr Möglichstes, um den verbliebenen Christen in Aleppo ein frohes Weihnachtsfest zu bereiten. Ihre besondere Sorge gilt den Kindern. Viele von ihnen haben noch nie ein Weihnachten im Frieden erlebt.

Nicht alle Waren sind einfach zu bekommen

Bereits seit September arbeiten Schwester Annie und ihre Helfer für die Bescherung. Stifte, Hefte, Radiergummis, Bälle, Sticker, Spiele und Plüschtiere haben sie besorgt. Nicht alle Waren sind einfach zu bekommen.

Schwester Annie ist es wichtig, die Geschäfte vor Ort mit den Anschaffungen zu beauftragen. Denn es hängen Existenzen daran, erklärt sie: „Die Menschen sind dankbar, dass sie endlich wieder Arbeit haben und ihre Familie ernähren können.“

Auch Kleidung lässt sie vor Ort nähen. Und so werden an Weihnachten auch viele Kinder mit einer neuen warmen Jacke in die Weihnachtsmesse gehen können.

Mit viel Liebe ist auch die Geschenkübergabe organisiert: ein Christbaum, Lichter, bunte Luftballons schmücken den Gemeindesaal. Es ist ein buntes „Familientreffen“ der Christen – einer kleinen, aber lebendigen Minderheit in Aleppo.

Lachen erfüllt den Raum. Die Kinder spielen zwischen den Erwachsenen Verstecken. „Die Menschen sollen sich nicht wie Bettler vorkommen. Deswegen haben wir den Ausgaberaum festlich geschmückt. Es soll eine Begegnung von Mensch zu Mensch sein“, sagte Schwester Annie.

Kraft und Hoffnung

Ohne Unterstützung von KIRCHE IN NOT wäre das umfangreiche Weihnachtsprojekt nicht zu stemmen, davon ist die Ordensfrau überzeugt. „Dass ich den Menschen überhaupt etwas geben kann, ist für mich ein Wunder.“ Es ist ein Weihnachtswunder, dass den Kindern von Aleppo Kraft und Hoffnung schenkt.

Die Altstadt von Homs war vor dem Krieg Heimat für die Christen. Dort befinden sich auch ihre Kirchen und Kathedralen – oder was davon noch übrig ist. Die letzte Hochburg des sogenannten „Islamischen Staates“ ist im Sommer 2017 gefallen. Unzählige Opfer und schwere Zerstörungen waren die Folge der lang anhaltenden Kämpfe.

Schwarze Steine – das traditionelle Baumaterial in den alten Vierteln von Homs – stapeln sich in den engen Gassen. Teilweise wuchern Gras und Gebüsch über die Trümmer. Doch über das Leid der Menschen ist längst kein Gras gewachsen.
Melkitisch-katholische Kathedrale in Homs. Sie wurde während des Krieges zerstört, konnte aber mittlerweile mit Hilfe von KIRCHE IN NOT instand gesetzt werden (Foto: Ismael Martínez Sanchez/KIRCHE IN NOT).
Hoffnung in Homs: Der Wiederaufbau kommt langsam voran (Foto: Ismael Martínez Sánchez/KIRCHE IN NOT).
Baschar, Lina und Elias Ghattas.

„Wir kauerten in unmittelbarer Entfernung, als unser Haus von Granaten getroffen wurde“, erzählt Elias Ghattas. Sein Sohn Baschar (25) und seine Frau Lina waren bei ihm.

„Unser Sohn hat beim Angriff ein Auge verloren. Ich erlitt einen Nervenzusammenbruch“, erzählt Lina mit leiser Stimme. „Ein Militärfahrzeug drang durch die Trümmer zu uns vor und brachte uns in Krankenhaus. Es ist ein Wunder, dass wir noch leben.“

Dieses Wunder gilt auch für den älteren Sohn Thamin. „Als der Krieg begann, wurde er sofort zum Militär einberufen“, sagt Elias. „Er kämpft seit sieben Jahren in der Armee, blieb seitdem Gott sei Dank unverletzt. Er ist nur selten zu Hause.“

Ein Sohn kämpft in der Armee

Zu Hause – das sind seit der Bombardierung der syrischen Stadt drei verschiedene Notunterkünfte. Jetzt lebt die Familie nur rund 500 Meter entfernt von ihrem schwer beschädigten Haus, in einer kleinen Wohnung im vierten Stock. Der Wohnraum dient auch als Schlafzimmer, an der Wand gestapelte Matratzen zeugen davon.

Die Wohnsituation ist für Elias eine Tortur. „Ich habe ein gebrochenes Bein, das nicht richtig zusammengewachsen ist. Jeden Tag ein paar Mal die Treppe zur Wohnung rauf und runter – das tut mir sehr weh.“ Der Ärger über die Situation ist ihm anzusehen. Aber eine andere Wohnung sei einfach nicht drin: „Die Mieten steigen, denn der Wohnraum ist knapp.“

Flucht kam für Familie Ghattas nie infrage

Flucht, wie für so viele andere Einwohner von Homs, kam für die Familie trotz Gefahr und widriger Umstände nie infrage. „Während der IS-Besatzung blieben hier ungefähr 40 Christen zurück. Das waren hauptsächlich ältere Menschen, die sich weigerten zu fliehen, und kranke Menschen, die nicht wegkonnten“, so Elias.

Gebet und Gottvertrauen seien die beiden Kraftquellen gewesen, warum auch sie geblieben sind. „Unsere Familie war der Kirche immer eng verbunden. Der Kontakt mit anderen Christen stärkt uns.“

Der Ingenieur Hassib Makhoul kümmert sich um den Wiederaufbau in Homs.
Zerstörtes Wohnhaus der Familie Ghattas.
Baschar und Elias Ghattas vor der zerbombten Altstadt von Homs/Syrien.
„Der Kontakt mit anderen Christen stärkt uns”

Nun ist dieser Kontakt mit der Kirche zum Beginn für eine neue Zukunft geworden. Denn das Haus der Familie Ghattas ist das erste in der Gemeinde, das wiederaufgebaut wird. Weitere sollen schnell folgen. Eine Gruppe von Bauingenieuren hat in einem ersten Schritt die Schäden erfasst, Kosten und Arbeitsaufwand sorgfältig ermittelt. Das Geld für die hundert ersten Häuser ist erst einmal gesichert – es kommt von KIRCHE IN NOT.

Der Wiederaufbau geht gut voran, wie Hassib Makhoul erzählt. Er ist der verantwortliche Ingenieur. „Wir arbeiten seit einem Monat an diesem Haus. Elektrik und Wasser funktionieren schon wieder. Fassade und Eingangsbereich sind so gut wie fertig.“ Der Anfang sei gemacht. „Es ist beeindruckend, was die Wohltäter von KIRCHE IN NOT für uns tun.“

„Beeindruckend, was Wohltäter von KIRCHE IN NOT für uns tun”

Der junge Baschar packt bei den Renovierungsarbeiten mit an, zeigt seinem Vater jeden Tag die Fortschritte. Vom Dach des Hauses aus blicken die beiden auf ihr Stadtviertel.

„Ab der nächsten Straße beginnt eine Gegend, die noch immer Militärzone ist“, sagt Baschar. „Wir sind froh, dass wir schon bald zurückkehren können. Mit den Häusern bekommen wir auch wieder unser Leben zurück.“

Der junge Mann träumt von einem eigenen kleinen Reparaturladen, um den Lebensunterhalt für sich und seine Eltern bestreiten zu können. ,Auch er hat nie an Auswanderung gedacht. Denn die sei teuer und gefährlich. „Und ich kann doch meinen Bruder Thamin, der bei der Armee ist, nicht im Stich lassen.“

Seine Sehnsucht gehe nur in eine Richtung: „Frieden, endlich Frieden für Syrien. Ich denke nicht an Politik. Ich denke nur daran, was für alle Bürger das Beste ist: eine Entwicklung, die es uns ermöglicht, unsere Heimat wiederaufzubauen. Dabei wollen wir Christen mithelfen, denn wir gehören zu Syrien.“

Helfen Sie den Menschen in Syrien

Um den Wiederaufbau zerstörter Gebäude im christlichen Viertel von Homs weiterhin unterstützen zu können, bittet KIRCHE IN NOT um Spenden.

Rasha Draizy, eine katholisch-melkitische Christin, war erst 23 Jahre alt, als ihr Mann Michael starb. Der Lkw-Fahrer war gerade auf seiner Tour in der Nähe der syrischen Hauptstadt Damaskus, als er ins Visier eines Scharfschützen geriet. Er war auf der Stelle tot. Die zweifache Mutter stand alleine da – und ohne Einkommen. Die Heimat hatte sie bereits vorher verlassen müssen.
Rasha Draizy mit ihren beiden Kindern.
Gruppe von Freiwilligen im Hilfszentrum St. Peter in Marmarita.

„Wir lebten in Damaskus“, erzählt Rasha. „Als der tägliche Raketenbeschuss immer schlimmer wurde, flüchteten wir in das Tal der Christen. Hier fühlten wir uns sicher.“ Das Tal der Christen, auf Arabisch Wadi an-Nasra, ist eine ländliche Region im Westen Syriens, an der Grenze zum Libanon. Die Gegend wird mehrheitlich von Christen bewohnt, daher der Name. Hauptort ist Marmarita.

Auch in der friedlichen Gegend herrscht die Not des Krieges

Die Gegend wurde von den Kämpfen weitgehend verschont. Und doch sind der Krieg und seine Opfer ganz nah – wie im Leben von Rasha und ihren Kindern, oder von Darin Abboud (38). Auch sie ist Witwe mit fünf Töchtern. Jeden Job nimmt sie an, um die Familie durchzubringen, erzählt sie: „Ich arbeite mal als Friseurin, mal als Erntehelferin. Meine Töchter sind meine Motivation.“

Die 18-jährige Maya ist ihre Älteste. Sie macht bald Abitur. Die Frage, was sie später machen möchte, kann sie nicht beantworten – zu vieles sei unsicher in Syrien, und die Uni kostet Geld. Geld, das die Familie nicht hat.

Und überhaupt das Thema Ausbildung: Beide Mütter erfüllt es mit Sorge. Rasha erzählt: „Meine beiden Kinder mussten die Schule nach den ersten Klassen abbrechen, weil die Schule wegen des Krieges geschlossen wurde. Welche Zukunft aber haben sie ohne Bildung?“ Angaben der Vereinten Nationen zufolge können in Syrien derzeit über 1,7 Millionen Kinder keine Schule besuchen.

Darin Aboud mit ihren fünf Töchtern.
Hilfe für über 2000 christliche Familien

Schicksale wie diese beiden hören die freiwilligen Mitarbeiter des Hilfszentrums St. Peter in Marmarita Tag für Tag. Es ist Anlaufstelle für über 2000 christliche Familien. Sie erhalten dort eine monatliche Beihilfe, Unterstützung bei medizinischen Problemen, Lebensmittel und Kleidung. Das Geld dafür stammt vom internationalen päpstlichen Hilfswerk „Kirche in Not“. „Ohne die Unterstützung durch die Kirche weiß ich nicht, was aus uns geworden wäre“, sagt Darin. Oft ist das Hilfszentrum auch eine große Vermittlungsstelle: Arbeitsmöglichkeiten, freie Schul- und Ausbildungsplätze werden hier weitergegeben. „Kirche in Not“ unterstützt auch 250 Schüler mit Stipendien.

„Diese Unterstützung hat uns den Glauben und die Hoffnung wiedergegeben“, bekennt Rasha. „Wir haben die Nähe der Kirche erfahren.“ Diese habe sie dazu angespornt, sich jetzt selbst ehrenamtlich zu engagieren. Sie hilft jetzt dabei, die Hilfe für die vertrieben christlichen Familien in der Region zu koordinieren. Das umfasst die Verteilung von Hilfsgütern, aber vor allem ein Ohr für die Nöte der Mitmenschen zu haben – trotz des eigenen schweren Schicksals. „Ich habe mich entschlossen, mich nicht von der Verzweiflung überwältigen zu lassen“, sagt die junge Witwe. „Ich versuche auch meinen Kindern den Glauben zu vermitteln und die Freude, Jesus nahe zu sein. Das hilft uns, in schwierigen Zeiten die Hoffnung nicht zu verlieren.“

Helfen Sie den Christen in Syrien

Um die Versorgung vertriebener Familien im Tal der Christen aufrecht erhalten zu können, bittet „Kirche in Not“ um Spenden.

Ghassan Abboud und seine Frau Maha Sanna lebten mit ihren Söhnen Josef und Michael in Homs. Im Frühjahr 2013 änderte sich ihr Leben jedoch grundlegend.

„Wir waren zu Hause. Unser Sohn Michael saß im Wohnzimmer, als wir plötzlich das Geräusch von zerbrochenem Glas hörten. Als wir nachsehen wollten, was geschehen war, fanden wir Michael auf dem Boden liegend. Eine verirrte Kugel war durch das Fenster eingedrungen, und hatte seinen Kopf durchbohrt. Er war auf der Stelle tot“, erzählt Maha.

Wenige Monate zuvor war der Krieg in Syrien nach Homs gekommen. Auf die ersten Kämpfe zwischen städtischen Guerillabanden folgten Luftangriffe und die Schüsse von Heckenschützen in der ganzen Stadt. Bis heute sind im Bürgerkrieg in Syrien schätzungsweise 500 000 Menschen ums Leben gekommen. Eins der Todesopfer ist der jüngste Sohn der Familie Abboud.
Familie Abboud (v. l.): Josef, Maha und Ghassan. An der Wand hinter ihnen ist ein Foto von Michael, der in ihrer Heimatstadt Homs durch ein Fenster erschossen wurde.
Maha Abboud und ihr Sohn Josef wollen so bald wie möglich wieder in ihre Heimatstadt Homs.
Ghassan Abboud hat durch den Krieg in Syrien einen seiner Söhne verloren.
Homs heute: Mitten in den Ruinen der Stadt werden die ersten Häuser wiederaufgebaut.

„Michael war ein wunderbarer Junge. Er arbeitete als Fernsehregisseur, und träumte davon, irgendwann einmal bei Kinofilmen Regie zu führen“, sagt seine Mutter mit einer Mischung aus Traurigkeit und Stolz. Nach Michaels Tod und den immer stärker werdenden Kämpfen in der Stadt entschied sich die Familie wegzuziehen.

Flucht vor den Gefechten in Homs

„Wir haben versucht, das Land zu verlassen. Das Visum wurde uns aber verweigert. Wir hatten nicht viel Geld, und gaben dieses Vorhaben auf. Deshalb sind wir hierher gezogen, ins Tal der Christen“, erklärt Ghassan.

Die Abbouds haben die vergangenen Jahre in einem kleinen Mietshaus in Almishtaya gelebt, einer der mehr als zwanzig Ortschaften, aus denen sich die Gegend zusammensetzt. Laut Maha waren die Abbouds finanziell nicht in der Lage, in einer anderen, nicht umkämpften Stadt die Miete zu zahlen. Sie konnten aber auch wegen der Gewalt nicht in Homs bleiben. „Seit unserer Ankunft haben uns die Priester und die jungen Menschen vom Hilfszentrum St. Peter in Marmarita unterstützt. Ohne ihre Hilfe für das Bezahlen der Wohnungsmiete sowie für Lebensmittel und Medikamente weiß ich nicht, wo wir heute wären”, sagt Maha dankbar.

KIRCHE IN NOT hilft über 2000 Familien im Tal der Christen

Die Familie Abboud gehört zu den mehr als 2000 Familien, die monatliche Hilfe für ihren Unterhalt bekommen. Dank der Unterstützung durch KIRCHE IN NOT wird ihnen das Geld von der Kirche vor Ort zugewiesen.

Ghassan und der zweite Sohn Josef verloren ihre Arbeit, als sie Homs verließen. Im Tal der Christen haben sie einige Monate arbeiten können. Die desolate Wirtschaftslage des Landes und die hohe Zahl an Vertriebenen führen jedoch dazu, dass es wenig Arbeit gibt und die Gehälter sehr niedrig sind.

„Ich habe als Selbstständiger gearbeitet“, sagt Ghassan. „Ich bin inzwischen 60 Jahre alt, aber ich bekomme keine Rente.“ Der Sohn Josef arbeitet zwar als Elektriker, „aber hier ist die Arbeitslage sehr unbeständig. Ich möchte gerne nach Homs zurück, und dort meinen Lebensunterhalt verdienen.“ Seitdem sich die Lage in Homs ruhiger geworden ist, wollen viele Familien nur noch eins: so bald wie möglich nach Hause zurückkehren, sobald die Gebäude wiederaufgebaut werden können.

Der Wiederaufbau ist in vollen Zügen.
Blick in das Tal der Christen im Westen Syriens.
Schwester Samia aus Homs kümmert sich um Kinder und Jugendliche.
Homs: Leben inmitten von Ruinen

„Ich bin mir so gut wie sicher, dass wir bald zurückkehren können. Es ist momentan schwierig, in Homs inmitten der Ruinen mit unzuverlässiger Strom- und Wasserversorgung zu leben. Allerdings ist es immer noch besser, im eigenen Haus zu leben, als hier als Vertriebene zu bleiben“, so Ghassan.

Schwester Samia ist in Homs geblieben „Ich bin Ordensfrau. Meine Verantwortung besteht darin, geistliches Zeugnis abzulegen und den Menschen zu helfen”, sagt sie. Sie konnte und wollte die Menschen in Homs nicht alleine lassen. Es ist ihre Berufung, an der Seite der Menschen zu stehen, die ihre Hilfe brauchen.

„Die Zerstörung der Herzen heilen”

Aber auch sie hat im Krieg Hilfe von den Menschen erfahren, die in Homs geblieben sind. Das Haus ihres Ordens wurde ebenfalls von Bomben getroffen. „Die Familien haben uns geholfen, zwei durch Raketenbeschuss zertörte Teile des Daches zu reparieren”, erzählt Schwester Samia.

Doch es kommt nicht nur darauf an, dass die Gebäude und Infrastruktur wieder aufgebaut werden. „Wir müssen alle helfen, die Zerstörung in den Herzen der Menschen zu heilen. Das bewegt uns. Wir haben den Krieg aus nächster Nähe erlebt.”

Ein Weg, die Traumata und die geistlichen Wunden des Krieges zu heilen, sei die Katechese, ist sich Schwester Samia sicher. „Erwachsene und Kinder brauchen ein Wort der Hoffnung. Sie wollen den Glauben vertiefen.” Im Sommer hat sie mehrere Sommerlager für Jugendliche angeboten, die vielen Menschen Hoffnung gegeben haben.

Schwester Samia ist auch während der heftigsten Kämpfe in Homs geblieben.

Schwester Samia ist in der Jugend- und Erwachsenenbildung und in der Seelsorge tätig. Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit ist die Betreuung von Kindern mit geistlicher Behinderung sowie die Katechese für Firmlinge. Trotz sieben Jahre Krieg ist die Kirche in Syrien lebendig geblieben.

Die im Land tätigen Priester und Ordensleute sind zu einem Grund der Hoffnung geworden. „Wir haben niemals aufgehört, unsere Hilfe, unser Gebet und unsere Begleitung anzubieten. Alles wird dank der gemeinsamen Arbeit von Priestern, Ordensfrauen und Laien möglich. Wir haben immer, sogar in den blutigsten Momente des Krieges, zusammen mit KIRCHE IN NOT Projekte durchgeführt.”

„Wir haben niemals aufgehört, unsere Hilfe anzubieten”

Mehr als 35 Kurse und Seelsorgeprogramme für Jugendliche und Kinder hat KIRCHE IN NOT in verschiedenen Teilen Syriens allein im Jahr 2018 unterstützt. Die Unterstützung vertriebener Familien, die Betreuung von zurückgekehrten Familien und die Hilfe für Kinder und Jugendliche, damit sie einfach wieder eine normale Kindheit erleben können, sind nur drei Beispiele von einem Paket mit über 100 Projekten von KIRCHE IN NOT im Bürgerkriegsland.

Im Prospekt „Hoffnung für Syriens Christen” haben wir weitere für Sie zusammengestellt. Sie können ihn kostenlos herunterladen (PDF) und lesen.

Kinder aus Homs/Syrien sagen danke.
Helfen Sie den Christen in Syrien

Mit Ihrer Spende helfen Sie den Menschen in Syrien, dass sie in Ihrer Heimat bleiben und einen Neuanfang in Homs, Aleppo und anderen Städten wagen können. Besonders vor dem heranziehenden Winter ist Ihre Hilfe dringend nötig.

Bitte helfen Sie weiterhin den Menschen in Syrien mit Ihrer Spende. Ihre Hilfe kommt an.

„Das Leid in Syrien hört nicht auf. Ohne Hilfe aus dem Ausland verstärkt sich die Perspektivlosigkeit immer mehr“, sagt der Nahost-Referent von KIRCHE IN NOT, Andrzej Halemba.

Er reist regelmäßig nach Syrien und steht im engen Kontakt mit den Partnern und Betreuern der Projekte von KIRCHE IN NOT vor Ort.

„Die Zukunft dieser Menschen liegt in unseren Händen. Wir tragen Mitverantwortung!“, ruft er auf.

KIRCHE IN NOT stand den Menschen in Syrien auch während der blutigsten Kämpfe zur Seite. Allein im laufenden Jahr unterstützen wir über 120 Einzelmaßnahmen in Syrien mit einer Gesamtsumme von sieben Millionen Euro.

Um den Menschen in Syrien weiterhin helfen zu können, bittet KIRCHE IN NOT um Spenden.

Das weltweite päpstliche Hilfswerk KIRCHE IN NOT unterstützt den Wiederaufbau der syrischen Stadt Aleppo. Das Programm besteht aus sieben Einzelprojekten. Für die notleidende Bevölkerung in Syrien hat das Hilfswerk darüber hinaus 32 Projekte neu aufgelegt. Insgesamt fördert „Kirche in Not“ damit im laufenden Jahr über 120 Einzelmaßnahmen in Syrien mit einer Gesamtsumme von sieben Millionen Euro.

Aleppo gehört zu den vom Krieg am meisten betroffenen Städten des Landes. Monatelange tobten vor allem in den östlichen Bezirken schwere Kämpfe. Seit Anfang 2017 schweigen dort die Waffen. Rund ein Drittel der Gebäude in der Stadt sind zerstört. Auch zahlreiche Kirchen – Symbole für die jahrhundertealte christliche Tradition der Stadt – sind schwer getroffen.
Zeichen der Hoffnung im zerstörten Homs.
Kirchen geben Hoffnung auf Rückkehr

„Die Kirchen sind so etwas wie Leuchttürme im Meer. Sie vermitteln Sicherheit und Hoffnung. Das gesamte soziale Leben spielt sich in den Kirchengemeinden ab“, erklärte Dr. Andrzej Halemba, Projekt-Referent für den Nahen Osten bei KIRCHE IN NOT. Das Hilfswerk hat die Wiederherstellung von drei Kathedralen in sein Programm aufgenommen: der armenisch-katholischen, der maronitischen und der syrisch-katholischen. „Sie spiegeln die verschiedenen christlichen Traditionen und Riten. Außerdem geht von den wiederaufgebauten Kirchen eine wichtige Signalwirkung aus: Die vertriebenen Christen können den ersten Schritt Richtung Rückkehr wagen“, sagte Halemba.

KIRCHE IN NOT hat auch Hilfen für die Renovierungsarbeiten in einem Zentrum für autistische Kinder zugesagt, das von Missionsfranziskanerinnen geleitet wird. Da während des Krieges das Gebäude nicht beheizt werden konnte, haben sich Feuchtigkeit und Schimmel ausgebreitet. „Die Gesundheit der 15 betreuten Kinder ist dadurch in ernster Gefahr. Wir müssen schnell handeln“, erklärte Halemba. Darüber hinaus unterstützt das Hilfswerk den Wiederaufbau von Pfarrsälen und eines Biblischen Zentrums.

Nicht auf Bänken, sondern auf Schutt kniet, wer in der zerstörten armenisch-katholischen Kathedrale von Aleppo derzeit betet. Foto: Ismael Martinez Sanchez/KIRCHE IN NOT
Hilfen für Lebensmittel, Medizin und Wohnen

Auch die Hilfsprogramme für vertriebene Christen gehen unvermindert weiter, die KIRCHE IN NOT seit 2011 in Aleppo und anderen syrischen Städten zusammen mit den örtlichen Kirchen ins Leben gerufen hat. „Wir wollen, dass die Menschen in ihre Häuser zurückkehren können. Es ist noch viel zu tun, damit das möglich wird“, erklärte Halemba. Laut dem Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen sind über 13 Millionen Menschen in Syrien auf humanitäre Hilfe angewiesen. „Vielfach sind die Kirchen die einzigen Anlaufstellen, nicht nur für die Christen“, erläuterte Halemba. Die Ortskirchen können diesen Andrang von Notleidenden nicht allein bewältigen.

Eine Vielzahl der neu bewilligten Projekte von KIRCHE IN NOT widmen sich der Versorgung der notleidenden Bevölkerung: So werden in Homs Mietbeihilfen für 340 Familien finanziert, in Aleppo erhalten weitere 700 Familien eine regelmäßige ärztliche Versorgung, und in Latakia an der Mittelmeerküste ist im nächsten halben Jahr für über 1700 mittellose Familie ein monatlicher Zuschuss für die Beschaffung von Lebens- und Arzneimitteln gesichert.

„Das Leid in Syrien hört nicht auf. Ohne Hilfe aus dem Ausland verstärkt sich die Perspektivlosigkeit immer mehr“, sagte Halemba. „Die Zukunft dieser Menschen liegt in unseren Händen. Wir tragen Mitverantwortung!“

Father Georges Jahola lächelt viel. „Das ist wichtig, um den Menschen ein Gefühl zu geben, dass sie willkommen sind“, erklärt der 54-Jährige bei seinem Besuch im deutschen Büro der Päpstlichen Stiftung „Kirche in Not“. In der irakischen Ninive-Ebene lebt der syrisch-katholische Priester eine „Willkommenskultur“ der besonderen Art: Jahola leitet den Wiederaufbau seiner Heimatstadt Karakosch – von den Christen auf aramäisch Baghdeda genannt. Das war einst die größte christliche Stadt in der Region; etwa 35 Kilometer südöstlich von Mossul. Wie in den übrigen Orten der Ninive-Ebene hat der sogenannte „Islamische Staat“ auch in Karakosch eine Trümmerwüste hinterlassen.
Gottesdienst in einer beschädigten Kirche in Karakosch nach der Rückkehr der Vertriebenen aus Erbil.
Wiedereröffnetes Lebensmittelgeschäft in Karakosch.
Father Georges Jahola besichtigt die Bauarbeiten an einem zerstörten Haus in Karakosch.
Zerstörte Gebäude in Karakosch.
Mutter und Tochter an der Eingangstür ihres wiederrichteten Hauses in Karakosch.

Die Invasion des IS im Sommer 2014 hat Jahola aus der Ferne miterlebt – sein Bischof hatte ihn zum Studium nach Rom gesandt. Nach der Befreiung war ihm aber sofort klar: „Ich muss zurück. Es gibt so viel zu tun.“ Am Erfolg seiner Mission habe er nie gezweifelt, sagt er. In der Tat ist nur eineinhalb Jahre nach Beginn der Wiederaufbauarbeiten gut die Hälfte der Christen in die Ninive-Ebene zurückgekehrt. Mit Tobias Lehner sprach Father Jahola darüber, wie dies möglich wurde, welche neuen Herausforderungen jetzt vor den Christen im Irak liegen – und warum ein starkes Christentum in Europa auch die Position der Christen im Nahen Osten stärkt.

TOBIAS LEHNER: Wie geht der Wiederaufbau in der Ninive-Ebene voran?

FATHER GEORGES JAHOLA: Der Wiederaufbau geht sehr gut voran – dank der vielen Unterstützung, die wir erhalten. Unser wichtigster Partner dabei ist und bleibt „Kirche in Not“. Ich bewundere sehr, wie viel Hilfe wir von den Wohltätern erhalten. Das ist für uns ein großes Zeichen der Hoffnung. In meiner Heimatstadt Karakosch haben wir in nur 16 Monaten bereits 35 Prozent der Häuser wiederhergerichtet. In der Ninive-Ebene insgesamt sind es schon über 41 Prozent. Sehr viele Ehrenamtliche machen mit. Die Renovierung der teilweise beschädigten und einsturzgefährdeten Häuser ist fertig. Jetzt nehmen wir die niedergebrannten und komplett zerstörten Häuser in Angriff.

Und wie steht es um die Kirchen und die Pfarreigebäude?

Der Hass der Islamisten richtete sich ja in besonderer Weise gegen die Gotteshäuser.

Die Kirchen haben eine enorme Bedeutung – nicht nur kulturell. Sie geben den Menschen Mut und Zuversicht. Wir feiern auch jetzt schon unsere Gottesdienste und Feste in den Kirchen, obwohl sie fast alle schwer beschädigt und teilweise zerstört sind. Ich zum Beispiel feiere die Liturgie mit der syrisch-katholischen Gemeinde von Karakosch in einer rußgeschwärzten Kirche, in der immer wieder Betonteile von der Decke fallen. In einigen Orten wurden bereits die ersten Gotteshäuser wiederhergerichtet. Das ist der nächste große Schritt. „Kirche in Not“ hilft auch hier.

Wie geht es den Menschen, die zurückgekehrt sind? Wie leben sie?

Seit gut einem Jahr kommen immer mehr Menschen zurück, Läden und Restaurants öffnen. Der Alltag hat wieder begonnen – allerdings mit viel weniger Menschen als vor der IS-Invasion. Gut die Hälfte der Vertriebenen ist zurück. Die größte Herausforderung ist das Thema Arbeit. So lange die Wiederaufbauarbeiten laufen und wir sie finanzieren können, stehen die Menschen in Lohn und Brot. Es gibt ja genug zu tun. Aber die große Frage ist: Wie können wir gerade den jungen Leuten neue Arbeitsmöglichkeiten eröffnen? Wir haben da auch schon konkrete Pläne …

Zum Beispiel?

Das betrifft vor allem die Landwirtschaft, denn sie ist ein großer Wirtschaftsfaktor für die Ninive-Ebene und könnte vielen Menschen Arbeit bieten, zum Beispiel in der Geflügel- und Viehzucht. Die Kämpfer des IS haben jedoch viele Bauernhöfe zerstört. Wir wollen deshalb auch eine Untersuchung starten, wie wir es schon mit den zerstörten Wohnhäusern gemacht haben: Wie hoch ist die Zerstörung der landwirtschaftlichen Betriebe? Was brauchen die Familien jetzt am dringendsten, um die Arbeit aufnehmen zu können? Wir denken auch über Anschubfinanzierungen und Kredite nach – aber das kostet viel …

Ein weiteres riesiges Aufgabenfeld – zusätzlich zu dem, was die Kirche in der Ninive-Ebene sonst noch stemmt. Gibt es denn gar keine staatliche Hilfe?

Nur die Kirche kümmert sich um die Menschen. Wir bekommen nichts vom Staat. Aber als Kirche sind wir nah dran an den Menschen. Wir haben sehr konkrete Vorstellungen davon, was die Menschen in der Ninive-Ebene für die Zukunft brauchen.

Sie sprachen davon, dass die Hälfte der Christen zurückgekehrt ist. Sehen Sie irgendeine Chance, dass auch die andere Hälfte zurückkommt?

Hier muss man unterscheiden: Nach wie vor halten sich einige tausend Christen in Erbil in der Autonomen Region Kurdistan auf, wohin viele nach der IS-Invasion geflüchtet waren. Ihre Zahl ist rückläufig. Die Menschen, die dortbleiben, haben dafür gute Gründe: Die meisten haben in der Region feste Arbeit gefunden. Es hängt also auch von der wirtschaftlichen Situation in der Ninive-Ebene ab, ob sie zurückkehren. Die Mehrheit der übrigen Vertriebenen lebt in Jordanien, im Libanon oder der Türkei. Sie haben natürlich die Möglichkeit zurückzukommen, scheuen aber den Schritt. Sie halten den Irak noch für zu unsicher. Ich arbeite dafür, das Gegenteil zu beweisen!

Father Georges Jahola aus Karakosch.
Und was ist mit den Christen, die in die westlichen Länder geflohen sind?

Nur zehn Prozent der Christen sind in den Westen gegangen. Natürlich hoffen wir, dass auch sie heimkehren. Aber man muss realistisch bleiben: Viele jungen Leute haben in Europa ein Studium begonnen, junge Familien haben ihre Kinder dort in der Schule oder im Kindergarten. Ich denke aber weder, dass diese christlichen Einwanderer eine Belastung für den Westen sind, noch, dass sie für uns im Nahen Osten „verloren“ sind. Wenn sie beispielsweise für ein europäisches Unternehmen arbeiten, das mit dem Irak Geschäfte macht, wird das vielleicht auf die Expertise der irakischen Christen zurückgreifen. Sie können also Brückenbauer sein!

Sie haben mehrmals das Thema Schule und Studium angesprochen – essentielle Bereiche, um junge Menschen zur Rückkehr zu bewegen. Wie steht es um die Schulen in der Ninive-Ebene?

Alle öffentlichen Schulen in der Ninive-Ebene haben wieder geöffnet. Allerdings wollen die Eltern ihre Kinder viel lieber auf kirchliche Privatschulen schicken, weil dort die Ausbildung besser ist. Die Bildungsarbeit, die vor der Vertreibung vor allem in der Hand der Ordensschwestern war, ist ein weiterer großer Baustein für die Zukunft in der Ninive-Ebene.

Kritiker behaupten ja, der Wiederaufbau sei zu früh erfolgt, Anhänger des IS oder anderer islamistischer Gruppen könnten jederzeit wieder losschlagen. Wie sehen Sie das?

Der IS im Irak ist vernichtet. Ich sehe auch nicht, dass von anderen Gruppen die Gefahr einer militärischen Eroberung ausgeht. Das heißt aber nicht, dass es keine Probleme gibt. Es gibt viel Radikalisierung in den Köpfen. Es gibt eine weitreichende Diskriminierung der Christen. Das betrifft vor allem die öffentliche Verwaltung und die Universitäten. Wenn zum Beispiel ein Christ einen guten Studienabschluss hat und weiterstudieren möchte, kommt es häufig vor, dass ein muslimischer Student vorgezogen wird. Das ist eine verdeckte Diskriminierung und sie ist eine viel größere Gefahr. Und dann gibt es auch noch eine Art „demografische Invasion“ …

Was verstehen Sie darunter?

Wenn Christen die Ninive-Ebene verlassen, versuchen sehr oft Muslime, deren Eigentum zu erwerben. Diese Tendenz reicht schon bis in die achtziger und neunziger Jahre zurück. So war zum Beispiel die Kleinstadt Telkef, etwa 20 Kilometer nördlich von Mossul, früher eine mehrheitlich christliche Stadt. Heute leben dort nur noch 20 Prozent Christen. Ähnliche Entwicklungen gibt es aktuell in Bartella. Dort versuchen Angehörige der ethnischen Gruppe der Schabak immer mehr Gebäude aufzukaufen. Es fragt sich natürlich, woher die Gelder dafür kommen. Die Schabak sind mehrheitlich schiitische Muslime und es bestehen sehr enge Kontakte zum Iran, das sich ja als eine Art „Schutzmacht“ der Schiiten versteht. Das ist eine sehr reale Gefahr!

Sie sprechen den Einsatz der ausländischen Regierungen für die Rechte der Christen in der Ninive-Ebene an. Fühlen Sie sich angemessen unterstützt?

Die Hilfen, die wir bekommen, sind ein großes Zeichen der Brüderlichkeit! Jeder einzelne Beitrag zeigt uns, dass irgendwo auf der Welt jemand an uns denkt. „Kirche in Not“ macht das für uns sichtbar. Wir wissen natürlich auch um die Herausforderungen für Glaube und Kirche in der westlichen Welt. Wir beten dafür, dass das Christentum in Europa stark bleibt! Denn alles, was das Christentum in Europa stärkt, stärkt auch die Situation der Christen im Nahen Osten!

Auch nach der Befreiung der christlichen Siedlungsgebiete in der irakischen Ninive-Ebene von Truppen des „Islamischen Staat“ (IS) beklagen Bischöfe des Landes große Sicherheitsmängel.

„Ohne Sicherheit und Arbeitsplätze wird kein Christ im Irak bleiben“, sagte Timothy Mosa Alshamany, syrisch-orthodoxer Erzbischof von Antiochien, gegenüber KIRCHE IN NOT. Alshamany plädierte anlässlich des vierten Jahrestags der IS-Eroberungen an die Weltgemeinschaft, ihrer Verantwortung nachzukommen: „Es sollte eine internationale Friedenstruppe in der Ninive-Ebene stationiert werden. Wir wollen eine Garantie, dass unsere Freiheit und Sicherheit gewährleistet werden.“
Prozession von Christen, die wieder in ihre Heimatstadt Karakosch zurückgekehrt sind.
Gruppenbild der Unterzeichner (von links): Monsignore Timothy Mosa Alshamany, syrisch-orthodoxer Erzbischof von Antiochien und Abt des Klosters vom heiligen Matthäus; Yohanna Petros Mouche, syrisch-katholischer Erzbischof aus Mossul; Andrzej Halemba, Nahost-Referent von „Kirche in Not“, Nicodemus Daoud Matti Sharaf, syrisch-orthodoxer Metropolit von Mossul, Kirkuk und Kurdistan; Mikha Pola Maqdassi chaldäisch-katholischer Bischof aus Alqosh.
August 2014: Flüchtlinge in einem Notlager in Ankawa bei Erbil/Nordirak. Foto: ankawa.com.

Eine besondere Verantwortung komme dabei den USA zu, so der Erzbischof. Das gelte nicht nur militärisch: Die US-Regierung hatte mehrfach angekündigt, Hilfsgelder zukünftig den Christen im Irak direkt zukommen zu lassen.

Bislang werden diese Mittel über die Vereinten Nationen verteilt. Es sei jedoch noch nichts geschehen, so Alshamany: „Wir hören viele Reden von Präsident Trump. Wir wollen endlich Taten sehen.“

Am 6. August 2014 hatten die Einheiten des IS das christliche Siedlungsgebiet nahe der nordirakischen Metropole Mossul erobert. Etwa 120 000 Christen mussten fliehen. Viele von ihnen fanden rund um die kurdische Stadt Erbil Zuflucht. In den Folgejahren gingen viele Christen ins Ausland.

Seitdem ab 2016 irakische Truppen und ihre Verbündeten die Gebiete zurückerobern konnten, sind mehrere zehntausend vertriebene Christen in ihre zerstörten Heimatorte zurückgekehrt.

KIRCHE IN NOT unterstützt zusammen mit lokalen Kirchen den Wiederaufbau maßgeblich.

Ende Juli 2018 waren so bereits 45 Prozent der einstigen Bewohner zurückgekehrt und über ein Drittel der Gebäude wieder instand gesetzt „Ohne die Hilfe christlicher Organisationen wie KIRCHE IN NOT hätten wir nicht überleben können“, stellte Alshamany fest.

Gleichzeitig bleibe die Furcht vor einer Rückkehr radikal-islamischer Gruppen ein ständiger Begleiter, denn viele Anhänger des „Islamischen Staates“ seien noch am Leben und untergetaucht: „Wir vermuten, dass sich in Zukunft eine IS-ähnliche Gruppe bilden wird – wie auch immer sie sich dann nennen mag.“

Timothy Mosa Alshamany, syrisch-orthodoxer Erzbischof von Antiochien.
Syrischer Bischof
Noch immer Zehntausende Menschen in Notunterkünften

Baschar Warda, chaldäisch-katholischer Erzbischof von Erbil, der Hauptstadt der Autonomen Region Kurdistan, betonte im Gespräch mit KIRCHE IN NOT, dass beim Wiederaufbau keine Zeit verloren werden dürfe: „Dieser Sommer ist sehr kritisch für uns. Wenn die Christen nicht bald zurück können, wandern sie aus.“

Wardas Diözese hatte einen Großteil der vertriebenen Christen aus der Ninive-Ebene aufgenommen. Noch immer harren Zehntausende rund um Erbil in Notunterkünften aus – eine angespannte Situation.

Warda zeigte sich vorsichtig optimistisch, was die finanziellen Zusagen der US-Regierung angeht. Zwar seien noch keine Gelder geflossen, er sei aber überzeugt, „dass die Vereinigten Staaten helfen wollen. Es ist das erste Mal, dass eine amerikanische Regierung anerkennt, dass die Christen hier im Irak wegen ihres Glaubens verfolgt wurden.“

Botschaft von Versöhnung und Feindesliebe

Warda betonte, wie wichtig es sei, die christliche Präsenz im Nahen Osten aufrechtzuerhalten. „Die ganze Region wird durch Gewalt, Korruption und politische Verwerfungen erschüttert. Nur die Christen können dem Nahen Osten die Botschaft von Versöhnung und Feindesliebe bringen.

Unterstützen Sie den Wiederaufbau im Irak

Um den Wiederaufbau der christlichen Dörfer im Irak sowie die materielle und geistliche Hilfe der Bevölkerung weiterhin unterstützen zu können, bittet KIRCHE IN NOT um Spenden.

Der 6. August 2014 markiert für hunderttausende Christen im Irak eine Zeitenwende: In der Nacht vom 6. August rückten die Truppen des sogenannten „Islamischen Staates“ (IS) unaufhaltsam gegen ihre Städte und Dörfer in der Ninive-Ebene vor.

In Panik flohen ihre Bewohner, fanden Unterschlupf im kurdischen Teil des Irak, gingen ins Ausland. Die Stadt Mossul wurde weltweit zum Inbegriff des IS-Terrors. Das „christliche Herz“ des Irak hatte aufgehört zu schlagen.

Juli 2018: Was damals niemand für möglich gehalten hätte, ist heute Wirklichkeit: In die Trümmer kommt wieder Leben. Nach dem militärischen Sieg über den IS, werden in der Ninive-Ebene jetzt mit Putz und Ziegelsteinen Siege über den IS errungen.
Langsam kommt die Normalität zurück: Ein kleiner Laden in Karakosch.
Ein wiedereröffneter Obstladen in Karakosch.
Amjeed Tareq Hano arbeitet im Büro des Ninive-Wiederaufbaukomitees mit.
Nicht überall gibt es bereits fließendes Wasser. Daher fahren Lkws mit Wassertanks durch die Straßen, um die Menschen zu versorgen.
Zerstörte Häuser in Karakosch.

Im „Niniveh Reconstruction Comitee“ (Ninive-Wiederaufbaukomitee) in Karakosch, einer Kleinstadt 32 Kilometer südöstlich von Mossul, laufen die Fäden für den Wiederaufbau zusammen. Ins Leben gerufen hat dieses Wiederaufbaukomitee KIRCHE IN NOT zusammen mit verschiedenen christlichen Kirchen vor Ort.

Tiefe Wunden in den Herzen

Der finanzielle wie logistische Aufwand sind enorm: Die Gesamtkosten für den Wiederaufbau werden auf rund 250 Millionen US-Dollar geschätzt. Der Grad der Zerstörungen ist hoch. Noch tiefer sind die Wunden in den Herzen der Bewohner.

„Als ich März 2017 zum ersten Mal nach der Befreiung wieder nach Karakosch kam, habe ich geweint, als ich die Verwüstungen sah“, erzählt Sabah Zakari. Der 60-Jährige leitet ein Team von 70 Ingenieuren, um den Wiederaufbau technisch zu koordinieren.

Es geht nicht nur darum, die Verwüstungen, die der IS hinterlassen hat, jeden Tag ein wenig mehr vergessen zu machen. Es geht vor allem darum, die Lebensgrundlagen für die Christen im Irak wiederherzustellen.

„Häuser sind nicht alles, aber ohne bewohnbare Häuser ist alles nichts“, gibt Zakari zu bedenken. Genauso wichtig sei es, Sicherheit für die Bewohner zu gewährleisten oder Arbeitsplätze zu schaffen. Aber das alles hängt damit zusammen, wie schnell der Wiederaufbau vorankommt.

Sicherheit gewährleisten, Arbeitsplätze schaffen

Und das tut er: Mitte Juli waren bereits über ein Drittel der beschädigten Häuser wieder instand gesetzt und über 40 Prozent der vertriebenen Christen wieder zurückgekehrt. „Die Mühen sind nicht umsonst“, ist Zakari überzeugt. „Es ist eine so große Freude zu erleben, wie immer mehr Leben in unsere Heimat zurückkehrt.“

Tatsächlich ist Karakosch – einst die größte christliche Stadt des Irak mit 50 000 Einwohnern – heute wieder pulsierendes Zentrum der Region: Läden haben wieder geöffnet; Händler bieten Fleisch, Gemüse und Haushaltswaren an. Autos und Fußgänger kämpfen um Vorfahrt.

Viele Menschen packen beim Wiederaufbau an, andere haben schon wieder kleinere Anstellungen gefunden. Auch in die Cafés kehrt Leben zurück: Männer spielen dort Karten oder Brettspiele. Vor kurzem hat sogar ein italienisches Restaurant geöffnet. „Die Normalität ist zu 80 Prozent wieder zurück“, sagt Zakari freudig.

Ingenieur Sabah Zakari zeigt Wiederaufbaupläne.
„Die Normalität ist zu 80 Prozent wieder zurück“

Sicher: Die Straßen sind noch übersät mit Schlaglöchern. Staatliche Hilfe gibt es so gut wie keine. Die Bewohner sind auf sich allein gestellt. Doch der Zusammenhalt ist groß: Den Ingenieuren im Wiederaufbauzentrum stehen zum Beispiel eine Gruppe junger Leute zur Seite.

Einer von ihnen ist Amjeed Tareq Hano, 28 Jahre alt. Gut gelaunt sitzt er in seinem Büro – trotz oder gerade wegen der hohen Aktenstapel auf dem Schreibtisch. „Das sind die Hilfsanträge von privaten Eigentümern, die ihre Häuser wiederaufbauen möchten“, erklärt Amjeed.

Die Unterstützung hänge davon, wie schwer die Gebäude beschädigt sind – und von zwei Bedingungen: „Die Besitzer müssen selbst im Haus wohnen und bei der Renovierung mit anpacken. So sparen wir Kosten und können mehr Menschen helfen.“

Alle müssen mit anpacken

Der junge Mann hat sich bereits ehrenamtlich engagiert, als er selbst noch Flüchtling in Ankawa war, einem Stadtteil der kurdischen Hauptstadt Erbil. Der gelernte Krankenpfleger arbeitete in den Notarztpraxen mit, die für die Vertriebenen eingerichtet worden waren.

„Ohne die Unterstützung der Kirche hätten wir damals nicht überleben können“, ist Amjeed überzeugt. „Und so ist es auch jetzt noch: Würde KIRCHE IN NOT nicht helfen, ginge hier nichts voran.“

Dass er mit seinen Eltern und fünf Geschwistern im August 2017 wieder in die Ninive-Ebene zurückgekehrt ist, bereut Amjeed nicht – auch wenn der Alltag sehr schwer sei.

Wasser vor dem Genuss abkochen

Das beginne schon bei der Wasserversorgung. Da es keine funktionierenden Leitungen mehr gibt, muss es aus Tanks abgefüllt werden. Das Wasser riecht penetrant nach Chlor. „Wir müssen es erst abkochen, ehe wir es trinken können“, erklärt Amjeed.

Ebenso schwierig sei es mit dem Strom. Die Versorgung wird durch Generatoren aufrechterhalten. Diese sind jedoch störanfällig. Manchmal gebe es einen halben Tag lang keinen Strom.

Doch all diese Widrigkeiten können Amjeed nicht entmutigen: „Natürlich ist es nach wie vor schwierig und unsicher, im Irak zu leben. Aber Heimat ist Heimat.“ Viele Freunde und Verwandte des jungen Mannes versuchen ihr Glück im Ausland, vor allem in Australien.

Viele haben den Irak verlassen

Dort gibt es eine große Auslandsgemeinde irakischer Christen. „Ich vermisse sie sehr. Sie fehlen hier im Irak.“ Schon oft hätten ihn Freunde aufgefordert, es ihnen gleich zu tun und den Irak ebenfalls zu verlassen. Doch das kommt für Amjeed nicht infrage: „Mit Gottes Hilfe will ich mein Leben in meiner Heimat, dem Irak, verbringen. Ich danke allen, die das möglich machen.“

Beiträge zu diesem Thema

Syrien: Hauptsache zu Hause

Syrien: Hauptsache zu Hause

17.12.2018 aktuelles
Das Weihnachtswunder von Aleppo

Das Weihnachtswunder von Aleppo

23.11.2018 aktuelles