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„Die Zeit allein heilt keine Traumata”: Traumatherapie für Betroffene des Krieges in Syrien

„Die Zeit allein heilt keine Traumata”: Traumatherapie für Betroffene des Krieges in Syrien

„Wenn wir nicht helfen, wer sollte es sonst tun?”

16.10.2018 aktuelles
Unser Hilfswerk unterstützt Kurse zur therapeutischen Behandlung von Trauma-Betroffenen in Syrien. Das Seminarprogramm trägt den Titel „Barmherziger Samariter“ und richtet sich vor allem an Kinder und Jugendliche.

Der Kurs umfasst eine mehrtägige Einführung, wöchentliche Wiederholungstreffen und eine individuelle Begleitung. Aktuell findet noch bis zum 23. Oktober ein Einführungsseminar in der Küstenstadt Jounieh im Libanon statt. Daran nehmen Priester und Ehrenamtliche teil, die danach die Kurse in ihrem Heimatland Syrien einführen sollen.

„Acht Jahre Krieg haben bei den Menschen Narben hinterlassen, die nicht verheilen“, erklärte der Nahost-Referent von KIRCHE IN NOT, Dr. Andrzej Halemba. „Wir wollen den Menschen helfen, ihr Leid in Worte zu fassen und schreckliche Erinnerungen zu verarbeiten. Denn Zeit heilt keine Traumata.“

Kinder zwischen Trümmern in einer Straße in Aleppo (Foto: Ismael Martínez Sánchez/KIRCHE IN NOT).
Eine Frau aus Homs tröstet ihr Kind (Foto: Ismael Martínez Sánchez/KIRCHE IN NOT).
Aufgrund der Versorgungsengpässe und der hohen Teuerungsrate hätten viele Menschen keinen Zugang zu Medikamenten, geschweige denn therapeutischer Hilfe, berichtete Halemba von einem kürzlichen Syrienaufenthalt.

 

„Sanktionen treffen syrische Zivilgesellschaft”

„Die Wirtschaftssanktionen verschlimmern die Situation nur noch. Denn im Gegensatz zu ihrem erklärten Ziel treffen die Sanktionen in erster Linie die syrische Zivilgesellschaft“, so Halemba

Viele Menschen seien psychisch angeschlagen, die Zahl der posttraumatischen Belastungsstörungen steige. „Die Kriegserfahrungen führen zu schweren Traumata, die gerade für Kinder unüberwindbar sein können“, sagte Halemba.

Die Folgen seien gravierende Verhaltensänderungen, ein erhöhtes Suizidrisiko und weitere psychische Erkrankungen. Zusammen mit Vertretern der syrischen Kirchen und Experten aus anderen Ländern hat KIRCHE IN NOT deshalb den Kurs „Barmherziger Samariter“ ins Leben gerufen. Dieser soll nach und nach in verschiedenen Regionen Syriens etabliert werden.

Die Projektpartner wollen außerdem eine Studie zur Verbreitung posttraumatischer Belastungsstörungen erstellen. „Wir hoffen, dass diese Erkenntnisse eine wichtige Hilfe für Hilfsorganisationen und internationale Stellen sein können, die auf diesen Bereich spezialisiert sind“, sagte Halemba.

Teilnehmer des Einführungsseminars über Traumata-Bewältigung. Sie werden sich In ihrer syrischen Heimat um Betroffene kümmern.
Kinder in einer Schule der armenisch-katholischen Gemeinde in Al-Telal bei Aleppo (Foto: Ismael Martínez Sánchez/KIRCHE IN NOT).
Dr. Andrzej Halemba, Nahost-Referent von KIRCHE IN NOT.

Spezielle Angebote für Familien und Kinder

Ergänzt werden die therapeutischen Maßnahmen durch Angebote, die sich speziell an Familien und Kinder richten, zum Beispiel kirchliche Sommerlager, Familienexerzitien und regionale Jugendtage.

„Viele Menschen leiden psychisch wie geistlich“, erklärte Halemba. „Sie suchen Trost im Glauben. Außerdem ist es für viele Kinder und Jugendliche, die im Krieg aufgewachsen sind, die erste Gelegenheit, mit Gleichaltrigen unbeschwert zusammen zu sein.“

Nach Angaben der Vereinten Nationen benötigen in Syrien mehr als 13 Millionen Menschen humanitäre Hilfe. Die Hälfte von ihnen sind Kinder. Mit über 910 getöteten Mädchen und Jungen sei 2017 das bislang schlimmste Kriegsjahr für syrische Kinder gewesen, teilte das UN-Kinderhilfswerk UNICEF mit. Für 2018 lägen die Zahlen bereits jetzt ähnlich hoch.

Jedes vierte syrische Kind wurde bereits verwundet

Fast jedes vierte syrische Kind sei im Laufe des Krieges verwundet worden, so die Studie. Die meisten Kinder haben Granateinschläge in ihrer unmittelbaren Umgebung erlebt, trauern um einen Angehörigen, haben extreme Albträume und schwere Ängste. Hinzu kommen traumatische Erfahrungen von Verstümmelungen, Vergewaltigungen, Zwangsverheiratungen oder Sklavenarbeit.

Über 60 Prozent der syrischen Kinder seien schon in Situationen geraten, in denen sie dachten, sterben zu müssen, so UNICEF. Auch würden immer mehr Jugendliche als Soldaten herangezogen – ihre Zahl hat sich seit 2015 verdreifacht.

Viele Kinder konnten keine Schule besuchen

Viele Kinder unter 15 Jahren haben außerdem noch nie eine Schule besucht. Die Zahl der Analphabeten ist enorm. „Viele dieser Kinder werden ein Leben lang von Krieg und mangelnder Versorgung gezeichnet sein“, erklärte Halemba. „Es droht eine ,verlorene Generation’ heranzuwachsen. Wenn wir nicht helfen, wer sollte es sonst tun?“

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