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Die Diözese Rayagada liegt im Süden des indischen Bundesstaates Odisha an der Ostküste des Subkontinents und wurde erst 2016 errichtet. Vor zehn Jahren erlangte diese Region durch schwere Übergriffe gegen Christen traurige Berühmtheit.

Von den rund 5,5 Millionen Einwohnern der Diözese sind nur 50 000 Katholiken. Die meisten von ihnen gehören der untersten Gesellschaftsschicht an. Die meisten von ihnen können weder lesen noch schreiben.
Die Katecheten freuen sich über die Fahrräder.
Bischof Aplinar Senapati (vorne rechts), der Generalvikar der Diözese Rayagada und die Katecheten danken den Wohltätern von KIRCHE IN NOT.

Viele von ihnen leben von dem, was die Wälder und Felder hergeben. Sie sammeln Früchte und Feuerholz. Wenn sie sich Geld leihen müssen, verlangen die Geldverleiher hohe Zinsen. So geraten die Familien in eine große Abhängigkeit.

Die Diözese erstreckt sich über ein riesiges Gebiet von 40 000 Quadratkilometern. Das ist so groß wie die Schweiz. Viele Dörfer liegen weit abgelegen in den Wäldern oder den Tälern. Es gibt in der ganzen Diözese nur 24 Pfarreien. Sie liegen weit verstreut, so dass die Entfernungen immens sind.

Eine wichtige Rolle spielen daher die 30 Katecheten. Sie besuchen die Gläubigen in den Dörfern und sind gewissermaßen das „Gesicht der Kirche“, wohin nur selten Priester gelangen.

Das Bistum ist so groß wie die Schweiz

Viele Ortschaften sind nur schwer erreichbar. Bislang mussten die Katecheten die langen und beschwerlichen Wege zu Fuß zurücklegen.

Dank der Hilfe unserer Wohltäter konnte Bischof Aplinar Senapati nun jedem von ihnen ein Fahrrad schenken. Nun gelangen sie schneller und einfacher zu den Gläubigen. Unsere Wohltäter haben 1.630 Euro gespendet. Allen, die geholfen haben, herzlichen Dank!

Helfen Sie der Kirche in Indien

KIRCHE IN NOT steht der christlichen Minderheit in Indien solidarisch bei.

Seit den Überfällen 2008 hat unser Hilfswerk beim Wiederaufbau zahlreicher zerstörter Kirchen im Bundesstaat Odisha geholfen.

Zudem fördert KIRCHE IN NOT die Seelsorge und kirchliche Sozialarbeit unter den Dalits, die in der indischen Gesellschaft ohne Stimme und Beistand sind.

Um weiterhin helfen zu können, bittet KIRCHE IN NOT um Spenden.

Der junge Priester Ravi Kumar Devarapalli in der Diözese Eluru im Osten des indischen Subkontinents freut sich über ein Moped, das er dank der Hilfe unserer Wohltäter anschaffen konnte. 1.200 Euro haben sie gespendet. Jetzt ist es für ihn viel leichter geworden, die Gläubigen in ihren Dörfern zu besuchen.

Die Missionspfarrei, in der er tätig ist, liegt in einem ländlichen und unterentwickelten Gebiet. Ein Pfarrhaus gibt es dort nicht, so dass er im Haus des Bischofs wohnt. Bis in seine Pfarrei gelangte er mit öffentlichen Verkehrsmitteln, aber um die Dörfer in dem hügeligen und bewaldeten Gebiet zu erreichen, musste er mit dem Fahrrad weite und schlechte Wege zurücklegen. Das war beschwerlich und zeitraubend, denn die Wege sind für ein Fahrrad nicht geeignet. Zudem liegen die Dörfer weit vom Sitz der Pfarrei entfernt.
Segnung eines Motorrads in Indien.
Zu Besuch in einer Pfarrei im Bistum Eluru/Indien.
Gläubige in einer Kapelle in Indien (Foto: Ismael Martinez Sánchez/KIRCHE IN NOT).

Bis zu den neun Dörfern, deren Einwohner schon getauft sind, sind es bis zu 15 Kilometer. Die drei anderen, in denen sich die Bewohner noch auf die Taufe vorbereiten, sind sogar bis zu 30 Kilometer entfernt.

Mühsame und weite Fahrten mit dem Fahrrad

Da die Leute fast alle tagsüber hart als Tagelöhner, landlose Feldarbeiter oder Hausangestellte arbeiten, kann der Priester sie nur abends besuchen. So musste er mit seinem Rad oft spät nachts die weiten und schlechten Wege zurücklegen.

An Sonn- und Feiertagen kam der Priester oft zu spät zur heiligen Messe, weil er es mit dem Fahrrad nicht schaffte, rechtzeitig einzutreffen. „Die Menschen sind sehr arm und einfach, aber sie sind offen für die Botschaft Christi“, sagt der Priester. Aber auch Sekten kommen in das Gebiet.

Wenn die Kirche es aufgrund mangelnder Mittel nicht schafft, die Menschen seelsorglich zu betreuen, sind die Menschen eine leichte Beute für die Sekten, die oft über wesentlich mehr Mittel und Personal verfügen und den Leuten unrealistische Versprechungen machen, auf die sie hereinfallen.

Indischer Priester mit einem Moped, das Wohltäter von KIRCHE IN NOT ermöglicht haben.
Eine christliche Frau aus Indien (Foto: Ismael Martinez Sánchez/KIRCHE IN NOT).
Häufigere Besuche möglich

Dank des Mopeds kann der Priester die Leute nun viel häufiger besuchen. „Ich bin sehr glücklich, meinen priesterlichen Dienst hier ausüben zu dürfen“, sagt Ravi Kumar Devarapalli, der erst 2016 zum Priester geweiht wurde.

Und unseren Wohltätern sollen wir ausrichten: „Manche Menschen treffen Entscheidungen, die Leben verändern. Danke, dass Sie solche Menschen sind! Ihre Spende wird mir und unserer Diözese dabei helfen. Dank Ihrer Großzügigkeit können wir weiterhin das Leben der Gläubigen in geistlicher Hinsicht verbessern. Ich danke Ihnen für Ihr gutes und freundliches Herz.“

Helfen Sie den Christen in Indien

KIRCHE IN NOT steht der christlichen Minderheit in Indien solidarisch bei.

Seit den Überfällen 2008 hat unser Hilfswerk beim Wiederaufbau zahlreicher zerstörter Kirchen im Bundesstaat Odisha geholfen. Zudem fördert KIRCHE IN NOT die Seelsorge und kirchliche Sozialarbeit unter den Dalits, die in der indischen Gesellschaft ohne Stimme und Beistand sind.

Um weiterhin helfen zu können, bittet KIRCHE IN NOT um Spenden.

Der 23. August 2008 markiert für die christliche Minderheit im Osten Indiens eine Zeitenwende.

Nach dem Mord an einem radikalen Hindu-Führer tötete eine aufgebrachte Menschenmenge im Bundesstaat Odisha rund 1000 Christen. Über 50 000 Menschen wurden vertrieben; rund 6000 Häuser und 300 Kirchen gingen in Flammen auf. Die meisten Christen im Staat Odisha gehören der Kaste der Dalits an, nach hinduistischer Überzeugung die niedrigste Klasse der Gesellschaftsordnung.
Zerstörte christliche Kirche in der Diözese Berhampur.
Das Pastoralzentrum in Konjamendi (Khandamal) im Bundesstaat Orissa (Odisha) wurde 2008 bei Unruhen zerstört.
Eine geflüchtete Familie im indischen Bundesstaat Odisha.
Gläubige in einer Kapelle in Indien (Foto: Ismael Martinez Sánchez/KIRCHE IN NOT).
Bei einem Rosenkranzgebet in Indien.

Polizei und Militär sprangen diesen „Unberührbaren“ nicht bei. Schon bei Angriffen vorher waren sie weitgehend tatenlos geblieben. Juristisch geahndet wurden nur Einzelfälle.

Zehn Jahre nach den Ausschreitungen leben die Christen im Osten Indiens noch immer in Lebensgefahr. Die Übergriffe nehmen sogar zu – vor allem, seitdem die hindu-nationalistische Partei BJP die politische Mehrheit im indischen Parlament erringen konnte und mit Narendra Modi den Premierminister stellt. Strikte Antikonversionsgesetze schränken die Religionsfreiheit stark ein. Die „Gesellschaft für bedrohte Völker“ hat 2017 über 822 Übergriffe auf Christen und andere religiöse Minderheiten gezählt. 111 Menschen seien dabei getötet, 2384 verletzt worden.

Prägende Erinnerungen

Tarun Kumar Nayak war 2008 neun Jahre alt, als die Ausschreitungen begannen. Er hat das Morden gesehen, wurde mit seiner Familie vertrieben. Der 19-Jährige studiert heute Naturwissenschaften. Die Erinnerungen an damals prägen sein Leben bis heute. Sie beginnen für ihn schon vor den flächendeckenden Ausschreitungen, nämlich an Heiligabend 2007. Tarun hat uns seine Geschichte erzählt:

„In meinem Geburtsort Bamunigoan machen Christen und Hindus je die Hälfte der Bewohner aus. Wir lebten friedlich und harmonisch zusammen – bis zum 24. Dezember 2007. Wir Christen hatten die Hauptstraße weihnachtlich geschmückt, wie auch in den Vorjahren. Hindus hatten früher sogar dabei geholfen.

Plünderung von Geschäften

Diesmal war es anders: Eine Gruppe von etwa 200 Menschen kam zum Marktplatz. Sie forderten uns auf, den Weihnachtsschmuck zu entfernen. Außerdem sollten die Geschäfte der Christen sofort schließen. Als sich die Eigentümer weigerten, kam es zur Eskalation: Rund 20 Geschäfte von Christen wurden geplündert und zerstört. Dabei starb ein Mann.

Tarun Kuma Nayak, ein junger Katholik aus Indien.
Eine christliche Frau aus Indien (Foto: Ismael Martinez Sánchez/KIRCHE IN NOT).

Da wir fürchten mussten, dass die Extremisten auch uns angreifen, mussten wir noch am Heiligabend fliehen: meine Mutter, meine Geschwister und ich zusammen mit vielen weiteren Gemeindemitgliedern. Stundenlang rannten wir in absoluter Dunkelheit und großer Kälte. Es waren sogar neugeborene Babys in unserer Gruppe. Das Schlimmste war: Wir mussten unseren Vater zurücklassen. Er war Sprecher der Christen in unserem Dorf und hoffte darauf, mit den Angreifern verhandeln zu können. Er weigerte sich mitzukommen.

„Wir mussten unseren Vater zurücklassen”

Schließlich erreichten wir nach zwei Tagen ein Dorf, indem wir Unterschlupf und Obdach erhielten. Ich habe erlebt, wie sehr der Satz in der Bibel stimmt: ,Ist Gott für uns, wer ist dann gegen uns?῾ Über eine Woche blieben wir dort versteckt.

Von unserem Vater hörten wir nichts. Auch er hatte mittlerweile fliehen müssen. Mehr als 40 Kilometer war er durch den Wald gelaufen und fuhr dann mit einem Bus in die Stadt Berhampur zu Verwandten, weil er meinte, wir seien dort. Als die Lage in unserem Dorf sich wieder beruhigt hatte, kehrten wir nach Hause zurück. Jeden Tag weinten wir um meinen Vater. Denn wir dachten, die Extremisten hätten ihn getötet. Wir waren so glücklich, als er eine Woche später gesund zurückkam!

„Das war noch nicht das Ende der Gewalt”

Nach den Übergriffen stellte unser Bürgermeister Sicherheitspersonal an, das zweimal am Tag durch den Ort patrouillierte, um uns ein Gefühl der Sicherheit zu vermitteln. Nach und nach öffneten die Christen auch wieder ihre Geschäfte, und ich ging wieder zur Schule. Doch allen war bewusst: Das war noch nicht das Ende der Gewalt.

So kam es dann auch knapp ein Dreivierteljahr später, am 24. August 2008. Ein bedeutender Hindu-Führer war zusammen mit vier Schülern ermordet worden. Obwohl sich gleich nach der Tat eine linksextremistische Guerilla zu den Morden bekannt hatte, schoben die nationalistischen Hindus die Tat den Christen in die Schuhe. Sie formierten sich, wurden über Nacht mit Waffen ausgestattet und begannen, die Christen anzugreifen.

Ein Haus nach dem anderen wurde geplündert und zerstört – auch unsere Kirche, für die sich mein Vater so viele Jahre eingesetzt hatte. Erneut mussten wir fliehen. Wir hatten alles verloren. Viele unserer Nachbarn waren ums Leben gekommen.

Dennoch hielten wir an unserem Glauben fest. Nur in der Gewissheit, dass Gott mit uns ist, waren wir in der Lage, dem Terror und der Gewalt standzuhalten. Aber letztlich mussten wir wieder bei null anfangen. Meinen Vater hat das schwer getroffen. Im vergangenen Jahr ist er gestorben.

Unser damaliger Erzbischof von Cuttack-Bhubaneswar setzte sich sehr dafür ein, dass die Christen für das erlittene Unrecht entschädigt werden. Er ging sogar bis zum Obersten Gerichtshof Indiens und bekam Recht.

Entschädigungen für erlittenes Unrecht

Die Regierung, die sich bislang geweigert hatte, zahlte dann einige Hilfen für den Wiederaufbau – auch wenn diese sehr niedrig waren. In meinem Dorf ist die Lage nun seit einigen Jahren wieder weitgehend unter Kontrolle.

Bei kirchlichen Festen gibt es nun aber festes Sicherheitspersonal vor den Kirchen und in unseren Straßen. Die Erinnerung und die Angst sind noch immer allgegenwärtig.“

Helfen Sie den Christen in Indien

KIRCHE IN NOT steht der christlichen Minderheit in Indien solidarisch bei.

Seit den Überfällen 2008 hat unser Hilfswerk beim Wiederaufbau zahlreicher zerstörter Kirchen im Bundesstaat Odisha geholfen.

Zudem fördert KIRCHE IN NOT die Seelsorge und kirchliche Sozialarbeit unter den Dalits, die in der indischen Gesellschaft ohne Stimme und Beistand sind. Um weiterhin helfen zu können, bittet KIRCHE IN NOT um Spenden.

Bischof Sarat Chandra Nayak weiß, was es heißt, „unberührbar“ zu sein. Der 60-Jährige leitet die katholische Diözese von Berhampur im westindischen Bundesstaat Odisha – und gehört der Kaste der Dalits an. Das ist die niedrigste Kaste der indischen Gesellschaftsordnung; früher wurden sie landläufig als „Unberührbare“ bezeichnet.

„Weil ich selber ein Dalit bin, ist es für mich vielleicht leichter als für andere, das Leitbild vom ,Dienerʼ einer Gemeinde zu verstehen.“ Dabei ist das Wort „Diener“ als Beschreibung für den Stand der Dalits grob beschönigend: Dalits werden zu niedrigsten Aufgaben herangezogen, wie der Müllentsorgung oder zum Latrinenputzen. Sie leben separiert von der übrigen Gesellschaft in Slums. Ein Dalit darf weder neue Kleidung noch Schuhe tragen. Er darf sich nicht mit einem Schirm vor der Sonne schützen und keinem Angehörigen einer höheren Kaste aufrecht ins Gesicht sehen. „Selbst wenn jemand nur mit dem Schatten eines Dalits in Berührung kommt, geht man davon aus, dass er unrein geworden ist“, erzählt Nayak.
Heilige Messe in einer Dalit-Gemeinde.
Eine Dalit-Familie vor ihrem Hausaltar.
Zerstörte christliche Kirche in der Diözese Berhampur.
Konversionsgesetz aus Angst vor Re-Kolonialisierung

Doch es geht noch eine gesellschaftliche Stufe tiefer: Nämlich dann, wenn ein Dalit sich entschließt, die Religion zu wechseln. Im Gespräch mit dem weltweiten päpstlichen Hilfswerk „Kirche in Not“ erklärt Bischof Nayak den Hintergrund: „Nach der indischen Unabhängigkeit trat ein Erlass in Kraft, mit dem den Dalits und anderen Minderheiten besondere Fördermittel gewährt werden. Damit sollten sie nach Jahrhunderten der Vernachlässigung entschädigt werden. Für Dalits, die anderen Religionen angehören, gilt das jedoch nicht.“

Wird ein Dalit also Christ oder Muslim, bricht auch noch das geringe staatliche Almosen weg. Appelle, das zu ändern, verhallten ungehört: „Christen machen nur 2,5 Prozent der indischen Gesamtbevölkerung aus“, erklärt Nayak. „Daher konnten wir nicht viel tun, um diesen Erlass anzufechten.“

Für die christliche Gemeinschaft ein großes Problem: Denn fast zwei Drittel der indischen Christen sind Dalits. „Die Diskriminierung der Dalits ist ein Verstoß gegen die Menschenrechte“, betont Nayak. Um Druck zu machen und den Zusammenschluss mit anderen religiösen Minderheiten zu suchen, hat die Indische Bischofskonferenz eine Kommission ins Leben gerufen, die sich der Rechte der Dalits annimmt. Bischof Nayak ist deren Vorsitzender.

Friedlicher Protest sei dringend nötig, erklärt er, denn die Lage der konvertierten Dalits habe sich noch weiter verschlechtert: „Die gegenwärtige Regierungspartei BJP mit ihrer hindunationalistischen Ideologie ist klar dagegen, die Förderung von Minderheiten auf christliche und muslimische Dalits auszuweiten.“ In sechs indischen Bundesstaaten herrschen Anti-Konversions-Gesetze, die den Religionswechsel unter Strafe stellen.

Dahinter stecke die Furcht vor einer Re-Kolonialisierung der indischen Kultur. „Überdies stellt das Christentum bestimmte hinduistische Gebräuche in Frage.“ Dabei seien durchaus Erfolge erzielt worden, so der Bischof: „Die Praxis der Witwenverbrennung, weil einer Frau nach dem Tod ihres Mannes kein eigenes Existenzrecht zugestanden wurde, ist heute fast vollständig verschwunden.“

Bischof Sarat- Chandra Nayak.
20 Prozent der sozialen Dienste werden von Christen geleistet

Es ärgert ihn, dass es „als selbstverständlich“ hingenommen werde, dass gut 20 Prozent der Dienstleistungen im Bildungs- und Gesundheitsbereich von Christen getragen würden, obwohl diese nur eine kleine Minderheit seien. Von Nationalisten werde versucht, auch hier das Engagement der Christen zurückzudrängen – zum Schaden für die ganze indische Gesellschaft.

Doch nicht nur nach außen gebe es viel an Überzeugungsarbeit zu leisten: „Ein Rest des Kastendenkens bleibt auch bei manchen Christen nach der Taufe noch bestehen.“ 144 Bischöfe hat Indien. Nur zwölf sind Dalits. In der Vergangenheit sei das Kastendenken manchmal als Teil der indischen Kultur bei der Glaubensunterweisung toleriert worden, sagt Nayak. Das sei auch ein Grund dafür, warum sich das Christentum zunächst nur im Süden des Landes ausgebreitet habe, wo der Überlieferung nach der Apostel Thomas missionierte. Dort hätten vor allem Christen höherer Kasten gelebt. „Aufgrund der Kastenmentalität breitete sich der Glaube mehr als 1500 Jahre lang nicht auf andere Landesteile aus. Das änderte sich erst durch die Ankunft des heiligen Franz Xaver in Indien (im Jahr 1542; Anm. d. Red.).“ Doch auch seitdem gebe es noch viel zu tun, um die Vorbehalte zu durchbrechen.

Der Glaubensmut und die – im christlichen Sinne verstandene – Dienstbereitschaft der christlichen Dalits tragen das ihre dazu bei, ist Bischof Nayak überzeugt: „Obwohl christlichen Dalits Sozialleistungen vorenthalten werden und sie unter Diskriminierung leiden, bleiben sie ihrem Glauben dennoch treu. Das geht bis zum Martyrium.“

Das weltweite päpstliche Hilfswerk steht der kleinen und in manchen Regionen bedrängten christlichen Minderheit Indiens zur Seite. Die meisten geförderten Projekte des Hilfswerks entfallen auf den Subkontinent. Dazu zählen die Ausbildung von Priestern, die Arbeit von Ordensgemeinschaften, der Lebensunterhalt für Seelsorger durch Mess-Stipendien, die Schulung von Katecheten, der Bau von Kirchen, die Bereitstellung von Fahrzeugen für die Seelsorge in entlegenen Gebieten und die Förderungen der „Kleinen christlichen Gemeinschaften“, die für die pastorale und karitative Arbeit der Kirche in Indien von Bedeutung sind.

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Um die christliche Minderheit Indiens weiterhin unterstützen zu können, bittet KIRCHE IN NOT um Spenden

Bitas „Haus“, das sind Wände aus Lehm, der Boden blanke Erde, das Dach Äste und Plastikplanen. Ihr altes Wohnhaus, das diesen Namen eher verdiente, ist vor einem Jahr abgebrannt. „Meine ganze Habe ist zerstört.“ Die Pfarrgemeinde half ihr, einen kleinen Kredit zu organisieren. So konnte sie die nötigsten Dinge und diese Notbehausung finanzieren: ein Raum zum Kochen, einer zum Schlafen und Wohnen, beide kaum drei mal drei Meter groß.

Bita, ihr Mann und ihre drei Kinder gehören zur Kaste der Dalits – und die leben extrem eingeengt. Das gilt nicht nur für den Wohnraum. Die Nachfahren der indischen Ureinwohner, die zudem die unterste Kaste in der hinduistischen Gesellschaftsordnung bilden, sind sozial wie religiös geächtet.
Bita verabschiedet ihren Sohn, bevor er sich auf den Weg in die Schule macht. (Foto: Ismael Martínez Sánchez/KIRCHE IN NOT).
Bei einem Rosenkranzgebet in Indien.
Eine christliche Prozession in Indien (Foto: Ismael Martínez Sánchez/KIRCHE IN NOT).
Bita, eine indische Christin zeigt ihre Bibel (Foto: Ismael Martinez Sánchez/KIRCHE IN NOT).
Kinder aus Indien (Foto: Ismael Martinez Sánchez/KIRCHE IN NOT).

„Dalits dürfen vieles nicht berühren, nicht berührt werden und ihre Habseligkeiten nicht überall hinstellen“, sagt Pater John. Seinen richtigen Namen will er nicht gedruckt lesen. Es würde seine Mission unter den Dalits, den „Unberührbaren“, gefährden.

Alle kämpfen ums Überleben, besonders die Dalits

Seit vielen Jahren steht Pater John an der Seite der Dalits im nordindischen Bundesstaat Bihar: fast doppelt so groß wie Niedersachsen, mit über 13-mal so vielen Einwohnern, nämlich 104 Millionen – und einer sozialen Entwicklung, die Bihar an der Grenze zu Bangladesch zum ärmsten Staat im ohnehin armen Indien macht.

Alle Menschen kämpfen hier ums Überleben, die Dalits aber noch mehr. Sie leben am Rand der Gesellschaft, gefangen in religiösen und sozialen Regeln. Pater John erzählt ein Beispiel: „Ich war im Haus eines Dalits zu Gast. Ich habe mein Glas in der Nähe der Feuerstelle abgestellt, die als besonders heilig gilt. Das war ein großes Drama.“ Für den Hausherrn war dies ein Vergehen, dass „unrein“ macht. Die Dalits sind so sehr in diesem System eingezwängt, dass sie es selbst glauben: Jede Regelübertretung bringt Unheil. Für die Umwelt – und sich selbst.

Auch Bita war früher davon überzeugt: „Ich hatte immer Angst und fürchtete böse Geister.“ Es war eine Mythenwelt, die sie immer mehr bedrängte: „Schließlich hatte ich sogar Angst davor, am Morgen aufzustehen. Ich wurde krank.“

Gottes Einladung in seine Gemeinschaft

Die Wende kam, als sie eine Christin kennenlernte, die ihr die Bibel näherbrachte. Die Botschaft von einem Gott, der sich besonders der ärmsten und niedrigsten Menschen zuwendet, sprengt alles, was sich die Dalits vorstellen können. Langsam begann sich die unbekannte Lehre auch in Bita zu entfalten. „Die Einladung, dass Gott gerade mich in seine Gemeinschaft ruft, hat mein Leben verändert“, sagt Bita. Sie ließ sich taufen. Auch ihr Mann fand durch sie zum christlichen Glauben.

Doch die Probleme wurden damit nicht weniger. Wer Bita besucht, kann die Beklemmung spüren, die in der Luft liegt. Sie lebt unter den misstrauischen Blicken der Nachbarn. Die sind mehrheitlich Hindus, ein paar wenige Moslems.

Bita mit ihrem Sohn (Foto: Ismael Martínez Sánchez/KIRCHE IN NOT).
Misstrauische Blicke der Nachbarn

Dass Bita und eine Handvoll weiterer Dorfbewohner jetzt katholische Christen sind, beobachten sie mit Argwohn. „Ich fürchte, sie sind auch ein wenig neidisch, dass ich jetzt Teil einer Gemeinschaft bin, die zu mir steht, dass ich mich jetzt endlich wieder besser fühle, seit ich in die Kirche gehe.“

Die Zahl der Christen im Bundesstaat Bihar liegt unter 0,4 Prozent. Dennoch gelten sie manchen Einwohnern als Bedrohung: Einzelne Nachbarn versuchen, Bita von ihrem neuen Glauben abzubringen, spotten, schimpfen und drohen. Hinzu kommt, dass in der Region wie überall im Land die hindu-nationalistische Partei BJP Zulauf hat. Im Regionalparlament ist sie drittstärkste Kraft, auf nationaler Ebene stellt sie seit 1998 mit zehnjähriger Unterbrechung den Ministerpräsidenten.

Anhänger der Partei werden für Ausschreitungen gegenüber Christen und anderen religiösen Minderheiten verantwortlich gemacht. Die Nationalisten sehen in den Minderheiten eine Gefahr für die Einheit Indiens. Antichristliche Attacken nehmen zu: 740 Übergriffe wurden 2017 gezählt, die meisten von ihnen in Nordindien – eine Verdopplung im Vergleich zum Vorjahr.

„Wir haben wieder Hoffnung”

Und dennoch: Bita und ihr Mann stehen zu ihrem Glauben. „Wir leben mit mehr Freude. Wir haben wieder Hoffnung. Und wir haben auch neue Arbeit gefunden, in der wir besser bezahlt werden.“

Die Begegnung mit der christlichen Botschaft hat ihr Leben verändert. Auf die Frage, welche Stelle in der Bibel ihr besonders gefällt, denkt Bita kurz nach: „Jesus sagt: ,Liebe Deinen Nächsten.ʼ Das gibt mir Tag für Tag Kraft.“

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KIRCHE IN NOT steht der kleinen und in manchen Regionen bedrängten christlichen Minderheit Indiens zur Seite. Die meisten geförderten Projekte des Hilfswerks entfallen auf den Subkontinent.

Dazu zählen die Ausbildung von Priestern, die Arbeit von Ordensgemeinschaften, der Lebensunterhalt für Seelsorger durch Mess-Stipendien und die Schulung von Katecheten. Außerdem fördern wir den Bau von Kirchen, die Bereitstellung von Fahrzeugen für die Seelsorge in entlegenen Gebieten und die „Kleinen christlichen Gemeinschaften“, die für die pastorale und karitative Arbeit der Kirche in Indien von Bedeutung sind.

Um die christliche Minderheit Indiens weiterhin unterstützen zu können, bittet KIRCHE IN NOT um Spenden.

Der indische Subkontinent zählt fast 1,5 Milliarden Einwohner. Rund 30 Millionen von ihnen sind Christen. Sie sind nicht nur eine Minderheit, sondern auch sozial geächtet: Die meisten Christen gehören zu den Dalits, der untersten Kaste der hinduistischen Gesellschaftsordnung. Besonders schlimm ist die Lage für die Christen im Nordosten Indiens. Dort kommt es vermehrt zu Angriffen hinduistischer Nationalisten.

Für KIRCHE IN NOT ist Indien das Schwerpunktland im asiatischen Raum. Veronique Vogel, Indien-Referentin von KIRCHE IN NOT, gibt im Interview mit Karla Sponar Auskunft über die prekäre Lage der Christen und welchen Ansatz KIRCHE IN NOT bei der Hilfe in dem asiatischen Land verfolgt.
Am Ganges, dem heiligen Fluss der Hindus (Foto: Ismael Martínez Sánchez/KIRCHE IN NOT).
Eine christliche Prozession in Indien (Foto: Ismael Martínez Sánchez/KIRCHE IN NOT).
Indische Christin zeigt ihre Bibel (Foto: Ismael Martinez Sánchez/KIRCHE IN NOT).
Eine christliche Prozession in Indien (Foto: Ismael Martínez Sánchez/KIRCHE IN NOT).
KARLA SPONAR: Wie ist aktuell die Lage der Christen in Indien?

VERONIQUE VOGEL: Sie ist besorgniserregend. 2017 haben sich die antichristlichen Attacken im Vergleich zum Vorjahr nahezu verdoppelt. 740 Vorfälle wurden gezählt, die meisten davon in Nordindien.

Nicht nur die Zahl der Übergriffe auf Christen ist gestiegen, auch die Art der Attacken hat sich verändert: Sie sind noch hasserfüllter geworden. Einige Beispiele: Früher gab es immer wieder verbale Angriffe und Drohungen gegen katholische Schulen.

„Extremistische Gruppen dringen in Schulen ein”

In jüngster Zeit kommt es wiederholt zu Angriffen, etwa im nordindischen Bundesstaat Madhya Pradesh: Extremistische Gruppen dringen in die Schulen ein, stören den Unterricht, versetzen die Schüler in Todesangst und versuchen den Schulleitern und Lehrern ihre nationalistische Haltung aufzuzwingen.

Ein Priester wurde auf offener Straße angegriffen und festgenommen – dabei war er nur auf dem Weg zu einer Adventsfeier von Gemeindemitgliedern. Ähnlich wie in Pakistan gibt es auch in Indien die Tendenz, einzelne Christen wegen Gotteslästerung anzuklagen.

Was ist der Hintergrund dieser steigenden Attacken?

Christen werden als Gefahr für die nationale Einheit Indiens gesehen. Diese Tendenz hat seit der Parlamentswahl 2014 zugenommen. Die hindu-nationalistische Partei BJP wurde dabei stärkste Kraft. Heute regiert sie nicht nur auf Bundesebene, sondern in 19 von 29 Bundesstaaten. Das Christentum gilt den Nationalisten als „unindisch“ und aufgrund seiner internationalen Vernetzung als gefährlich.

Zerstörter Altar in einer Kirche in der indischen Stadt Hyderabad.
Veronique Vogel, Indien-Referentin bei KIRCHE IN NOT.
„Christentum gilt als ‚unindisch’”
Gibt es kritische Stimmen gegen diese Entwicklung?

Vor allem katholische Medien, aber auch andere Quellen berichten, dass die Zahl der Angriffe auf Christen gestiegen ist und das Vorgehen immer härter wird. Die Indische Bischofskonferenz hat sich in ihrer jüngsten Sitzung im Februar mit der neuen Gewaltwelle beschäftigt.

In einer Erklärung fordern die Bischöfe die Politik auf, die Gläubigen als vollwertige Inder zu behandeln. Das Argument, die Christen seien gegen die nationale Einheit, sei falsch.

Wie verhält sich die Gesellschaft angesichts der Übergriffe?

84 Prozent der Inder sind Hindus. Abgesehen von den Extremisten, die die verschiedenen Religionen gegeneinander aufwiegeln wollen, ist die Mehrheit der Hindus sehr gastfreundlich, pazifistisch und tolerant gegenüber religiöser Vielfalt.

Der Hinduismus ist eine sehr individualistische Religion. Deshalb interessieren sich viele Hindus dafür, wie die Christen organisiert sind – auch im Blick auf die kleinen Gemeinschaften, die sich regelmäßig zum Gebet treffen.

84 Prozent der Inder sind Hindus

Viele Hindus empfinden diese Form als eine Bereicherung, auch im Blick auf ihre eigene Spiritualität. Die Mehrheit der Hindus ist also durchaus bereit, den Christen einen Platz in der Gesellschaft einzuräumen. Auch wenn es derzeit immer schwieriger wird, in Indien Christ zu sein …

Von den insgesamt über 5000 geförderten Projekten bei KIRCHE IN NOT im Jahr 2017 nimmt Indien mit 584 Projekten den größten Länderanteil ein. Abgesehen davon, dass Indien nach China die größte Nation der Welt ist – was ist der Grund dafür?

Papst Franziskus hat zu Recht gesagt: Die Kirche der Zukunft wird die Kirche Asiens sein. Indiens Christen spielen dabei eine wichtige Rolle – auch durch ihre große Treue zum Evangelium trotz Verfolgung und ihr soziales Engagement.

„Große Treue zum Evangelium trotz Verfolgung”

KIRCHE IN NOT steht in engem Kontakt mit Indiens Bischöfen, um ihnen bei ihrer pastoralen Arbeit zu helfen. Wir fördern die Ausbildung und den Lebensunterhalt von Priestern und Ordensleuten oder die Schulung von Katecheten, die oft die ersten Ansprechpartner in den Dörfern sind.

Auch der Bau von Kirchen ist uns sehr wichtig. Sie sind Bezugspunkte für die Gläubigen, die zum Teil weite Wege zum Gottesdienst auf sich nehmen.

Und wir unterstützen die „Kleinen christlichen Gemeinschaften“, die für Indiens Kirche sehr wichtig sind. In diesen Gemeinschaften teilen die Christen nicht nur ihren Glauben, sie stärken und unterstützen sich auch in ihrem schwierigen Alltag. Die Begegnung mit dem Christentum krempelt das Leben der Menschen in einer sehr starren Kastengesellschaft von Grund auf um – und das macht die Frohe Botschaft für viele Inder anziehend!

Helfen Sie den Christen in Indien

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