Spenden
Christenverfolgung

Christenverfolgung

Mehr Beiträge zu diesem Thema

Mehr Schlagworte 72 Beiträge gefunden
Beiträge anzeigen
Das britische Außenministerium hat einen Bericht über Christenverfolgung veröffentlicht – die erste Studie dieser Art von Seiten einer nationalen Regierung. Das Dokument wurde von einer unabhängigen Kommission im Auftrag des britischen Außenministers Jeremy Hunt verfasst.

 

Dieser gehörten neben Regierungsmitarbeitern und Experten auch Nichtregierungsorganisationen an – unter ihnen auch Mitarbeiter des Büros von KIRCHE IN NOT Vereinigtes Königreich. Die Aufsicht über das Projekt führte der anglikanische Bischof von Truro in der südenglischen Grafschaft Cornwall, Philip Mountstephen.

In vielen Ländern weltweit werden Christen verfolgt und benachteiligt
KIRCHE IN NOT war am ersten Teil des 176-seitigen Dokuments beteiligt, der globale Entwicklungen bei der Christenverfolgung dokumentiert. Unser Hilfswerk lieferte Hintergrundinformationen zur Lage in Afrika, dem Nahen Osten und Südasien, das es aus seiner Projektarbeit in diesen Weltregionen gewinnen konnte.

 

In den weiteren Teilen geht der Bericht detailliert auf aktuelle Übergriffe gegen Christen ein, zum Beispiel im Irak, in Syrien, Nigeria, China, Sri Lanka und Pakistan und formuliert 22 Empfehlungen an das britische Außenministerium.

„Beinahe das Ausmaß eines Völkermords“

In einigen Weltregionen nehme die Gewalt gegen Christen „beinahe das Ausmaß eines Völkermords“ an, so der Bericht. Religionsfreiheit und Maßnahmen als Reaktion auf Gewalt gegen Christen sollten deshalb „im Mittelpunkt der Prioritäten des britischen Außenministeriums“ stehen.

Der Bericht wolle dazu beitragen, das Vereinigte Königreich „zur weltweit führenden Kraft bei der Verteidigung der Religionsfreiheit“ zu machen.

Neville Kyrke-Smith, Direktor des Büros von KIRCHE IN NOT Vereinigtes Königreich.
In der Einleitung zum Bericht weist der federführende Bischof Mountstephen darauf hin, dass Christenverfolgung keine Einzeltat, sondern ein „globales Phänomen“ sei. Das Christentum sei die weltweit am meisten angegriffene Religionsgemeinschaft. Die westlichen Regierungen würden „ihre Augen vor dieser Realität verschließen“, beklagt Mountstephen.

 

Aufruf an Politiker und Öffentlichkeit

Der Bericht gleiche deshalb ein erhebliches Defizit in der Berichterstattung aus, auch wenn Verletzungen der Religionsfreiheit bei anderen religiösen Minderheiten nicht ausgeklammert werden dürften.

Die vorliegenden Ergebnisse und Handlungsempfehlungen sollten ein Aufruf an Politiker und Öffentlichkeit sein, „nicht länger Zuschauer zu sein, sondern Akteure zu werden“, so der Bischof.

Bischof Joseph Tobji in der zerstörten maronitischen Kathedrale in Aleppo. Die Kirche wird derzeit mit Hilfe von KIRCHE IN NOT renoviert.
„Wir freuen uns, dass wir an diesem Bericht mitwirken konnten“, betonte der Direktor von KIRCHE IN NOT Vereinigtes Königreich, Neville Kyrke-Smith. „Es ist Ansporn für unsere Arbeit, dass diese Themen endlich auf hoher politischer Ebene Beachtung finden.“

 

„Verletzung der Religionsfreiheit nicht ausklammern”

,Es sei an der Zeit, dass die Schwierigkeiten, denen sich Christen und andere religiöse Minderheiten tagtäglich ausgesetzt sähen, erkannt und benannt würden. Es bleibe zu hoffen, dass die britische Regierung die Empfehlungen des Berichts umsetze, auch als Impuls für den weltweiten Schutz der Religionsfreiheit, so Kyrke-Smith.

„Es ist dringend notwendig, die christliche Präsenz in zahlreichen Ländern zu unterstützen, da die Christen trotz Verfolgung oft Brückenbauer und Instrumente des Friedens sind.“

„Weniger als ein Prozent der Einwohner in meinem Bistum sind Christen.“ Das berichtet Bischof Ambroise Ouédraogo im Gespräch mit KIRCHE IN NOT.

 

Der 70-jährige Geistliche ist Bischof des Bistums Maradi, einer der beiden Diözesen im westafrikanischen Niger.

Die rund 5000 Katholiken seiner Diözese hätten jahrelang weitgehend in Sicherheit mit der mehrheitlich muslimischen Bevölkerung zusammengelebt, so der Bischof. „Das änderte sich im Jahr 2015, als die islamkritischen Karikaturen der französischen Satirezeitschrift Charlie Hebdo eine Welle der Gewalt auslösten.“

Frauen am Brunnen in Niger (Foto: H.-J. Ripka).
Bei zahlreichen Ausschreitungen im gesamten Land wurden binnen weniger Stunden mindestens zehn Christen getötet. Über 70 Kirchen und andere christliche Einrichtungen wurden zerstört. Rund 80 Prozent der christlichen Gotteshäuser des Landes waren betroffen.

 

Große Angst vor Islamisten

„Die Menschen haben nach wie vor große Angst vor Islamisten“, berichtet Ouédraogo. „Immer wieder kommt es zu Übergriffen auf Christen.“ Erst vor zwei Wochen wurde in seiner Diözese die protestantische Kirche in Maradi von Extremisten in Brand gesetzt, die damit gegen die Verhaftung eines Imams protestierten.

Er war festgenommen worden, weil er sich in seinen Predigten gegen einen Gesetzesentwurf ausgesprochen hatte, der eine stärkere Kontrolle der Finanzquellen beim Bau und Betrieb privater Kultstätten vorsieht. Trotz der Demonstrationen wurde das Gesetz vom Parlament verabschiedet.

Bischof Ambroise Ouédraogo aus dem Niger.
Acht Kilometer vom jüngsten Anschlagsort entfernt lebt Schwester Marie Catherine Kingbo mit ihrer Gemeinschaft der „Dienerinnen Christi“. Im Gespräch mit KIRCHE IN NOT erzählt sie: „Wir haben mit Angriffen gerechnet – aber wir dachten nicht, dass ein Gesetzesentwurf sie auslösen würde.“

 

Unter ständigem Polizeischutz

Sie ist vor 15 Jahren in den Niger gekommen. Damals gab es fast keine interreligiösen Spannungen, sagt sie. Das habe ich sich grundlegend geändert. „Jetzt höre ich sogar Muslime sagen, dass es zu viele radikale Moscheen und Koranschulen gibt“, sagt Catherine.

Ihre Gemeinde und die Schülerinnen, die sie unterrichtet, stehen aus Angst vor islamistischen Attacken unter Polizeischutz. „Das Böse, das in Libyen, Syrien und anderen Ländern Nordafrikas und des Nahen Ostens entfesselt wurde, breitet sich auch hier wie Brennstoff aus“, beklagt sie.

Schwester Marie Catherine Kingbo betreut Kinder in einer Missionsstation in Tigri im Niger.
Aber nicht nur das Böse breite sich aus, sondern auch das Gute, ist Schwester Catherine überzeugt. Ihre Ordensgemeinschaft stelle viele Aktionen auf die Beine, die der nigrischen Gesellschaft zugutekommen. Die Schwestern unterstützen unter anderem notleidende Frauen.

 

Erfolgreiche interreligiöse Konferenzen

Jedes Jahr organisieren sie eine Begegnung von Christen und Muslimen. 2006 nahmen an der ersten dieser interreligiösen Konferenzen 28 Personen teil; 2018 waren es 350. Die Beziehungen zu den örtlichen Imamen und den Nachbarn seien gut, so Schwester Catherine.

Deshalb kommt es für sie nicht infrage, ihre Arbeit aus Angst vor Extremismus einzuschränken: „Wir werden nicht gehen. Sie haben Gewehre, aber wir haben Jesus!“

Verteilung von Lebensmitteln an Mütter mit Kindern in der Niederlassung der „Dienerinnen Christi“ in Tigri.
So denkt auch Bischof Ouédraogo. Auch für ihn stand die Zusammenarbeit und der Dialog mit den Muslimen niemals infrage. „Viele Muslime finden die aktuelle Situation zutiefst beschämend und zeigen sich solidarisch mit den Christen“, betonte der Bischof.

 

„Über 95 Prozent der Schüler an den katholischen Schulen sind Muslime. Auch die Caritas hat Projekte in Regionen, in denen fast ausschließlich Muslime leben. Wir machen keinen Unterschied. So wird es auch bleiben.“

KIRCHE IN NOT hat im Rahmen seines Wiederaufbauprogramms für die vor allem von Christen bewohnten Ortschaften in der irakischen Ninive-Ebene begonnen, weitere Häuser für 41 Familien in der Stadt Bartella wieder zu errichten. Bartella liegt 23 Kilometer östlich von Mossul.

 

Über 200 Personen profitieren von diesem Projekt. Es ist die neueste Maßnahme im Aufbauprogramm von KIRCHE IN NOT. Unser Hilfswerk hat bereits die Renovierung von mehr als 2000 Häusern in der Region unterstützt.

Vor der Invasion des sogenannten „Islamischen Staates“ (IS) im Jahr 2014 war Bartella eine Stadt mit etwa 17 500 Einwohnern, die meisten von ihnen syrisch-orthodoxer oder syrisch-katholischer Konfession.

KIRCHE IN NOT errichtet weitere Häuser für über 40 Familien in Bartella. Das Foto entstand nach dem Wortgottesdienst in einer Kirche in Bartella, bei der jede Familie einen kleinen Olivenbaum erhalten hatte. Er soll als ein Zeichen der Hoffnung wachsen. Dr. Andrzej Halemba (5. v. r.) war als Vertreter von KIRCHE IN NOT vor Ort.
Die Menschen flüchteten in den kurdischen Teil des Irak, von dort gingen viele ins Ausland. Während dieser Zeit stellte KIRCHE IN NOT Lebensmittel, Unterkunft, Medikamente und Schulunterricht für die vertriebenen Christen bereit.

 

Wohnhäuser und Kirchen geplündert und niedergebrannt

Als die Bewohner nach der Befreiung der Stadt im Jahr 2016 zurückkehrten, fanden sie ihre Wohnhäuser beschädigt, geplündert und niedergebrannt vor. So wollten die IS-Einheiten verhindern, dass die Christen wieder zurückkehren. Weitere Häuser wurden während der Befreiung durch Luftangriffe zerstört.

Auch die Kirchen hatten die Terroreinheiten geplündert und die sakralen Gegenstände beschädigt. An einer Kirchenwand prangte die schwarze IS-Fahne.

Die syrisch-orthodoxe Kirche in Bartella. Sie wurde von IS-Kämpfern beschädigt, konnte aber mit Unterstützung von KIRCHE IN NOT renoviert werden.
KIRCHE IN NOT hatte 2017 mit Vertretern der lokalen Kirchen ein Wiederaufbaukomitee für die Ninive-Ebene gegründet, um die christliche Präsenz in der Region zu stärken. Zuvor hatten Freiwillige die Schäden in den Ortschaften dokumentiert.

 

Wiederaufbau in der Ninive-Ebene geht voran

Aktuell sind bereits gut die Hälfte der Häuser renoviert und ebenfalls die Hälfte der vertriebenen Christen zurückgekehrt. Das erhoffen die Akteure nun auch für Bartella: Am 5. Juni 2019 wurde in einem feierlichen Wortgottesdienst der Wiederaufbau dieser Stadt eingeläutet.

So sah der Innenraum der syrisch-orthodoxen Kirche in Bartella aus, nachdem der IS dort geplündert und gebrandschatzt hatte.
Dr. Andrzej Halemba, Sektionsleiter für den Nahen Osten bei KIRCHE IN NOT, verglich in seiner Ansprache die irakischen Christen mit den Familien des Alten Testaments nach dem Babylonischen Exil. Deren Aufgabe sei es gewesen, Jerusalem nach seiner Zerstörung wiederaufzubauen.

 

Olivenzweige als Zeichen der Hoffnung

Anschließend segneten die Geistlichen Olivenbäume und verteilten einen an jede Familie. Die Olivenzweige symbolisieren die Hoffnung auf Frieden nach den vielen Jahren des Krieges – und dass diese Bäume, die in den Gärten der Familien gepflanzt werden, reiche Früchte tragen.

In Eritrea ist es Mitte Juni zu einer neuen Eskalation im Verhältnis von Staat und christlichen Kirchen gekommen. Soldaten beschlagnahmten 21 von der eritreisch-katholischen Kirche geführte Kliniken, Arztstationen und Gesundheitseinrichtungen. Diese versorgen insgesamt rund 170 000 Personen.

 

Die Patienten seien aufgefordert worden, ihre Betten zu verlassen, teilten Ansprechpartner, die aus Sicherheitsgründen anonym bleiben möchten, KIRCHE IN NOT mit. Das Klinik-Personal habe sich teilweise geweigert, die Schlüssel auszuhändigen. Die Soldaten hätten sich daraufhin gewaltsam Zugang verschafft.

Mütter mit Kindern an der Tür der Kathedrale in der eritreischen Hauptstadt Asmara.
Sollte der Klinikbetrieb nicht bald wiederaufgenommen werden, bestehe für viele Menschen Lebensgefahr, teilen die Ansprechpartner mit. Manche von ihnen müssten ohnehin bis zu 25 Kilometer zu Fuß gehen, um einen Arzt oder eine Klinik aufsuchen zu können.

 

Protestbrief der Bischöfe an die Gesundheitsministerin

Die vier katholischen Bischöfe der eritreisch-katholischen Kirche richteten ein Protestschreiben an die Gesundheitsministerin Amna Nurhusein. Das Vorgehen gegen kirchliche Gesundheitseinrichtungen, von denen einige bereits 70 Jahre betrieben werden, sei „zutiefst ungerecht“.

„Der Kirche diese Einrichtungen wegzunehmen, bedeutet, ihre Existenzgrundlage zu untergraben und ihre Mitarbeiter der Verfolgung auszusetzen“, erklärten die Bischöfe.

Verteilung von Hilfsgütern in Eritrea.
Ein anonymer Informant erklärte gegenüber KIRCHE IN NOT die möglichen Hintergründe: Die Regierung Eritreas wolle der einzige Anbieter medizinischer Fürsorge seien. Die staatlichen Einrichtungen seien jedoch häufig schlecht ausgestattet, und es stehe wenig Personal zur Verfügung. Deshalb würden die kirchlichen Gesundheitseinrichtungen von der Mehrzahl der Bevölkerung geschätzt.

 

Wiedereröffnung der Kliniken ungewiss

„Wenn die Kirche Gesundheitsdienste erbringt, konkurriert sie nicht mit dem Staat, sondern ergänzt nur die Arbeit der Regierung“, teilte der Ansprechpartner mit. Ob die Kliniken und weiteren Einrichtungen in naher Zukunft wieder öffnen könnten, sei ungewiss.

Das Regime habe vor zwei Jahren schon einmal private Gesundheitseinrichtungen beschlagnahmt. Diese seien bis heute geschlossen. Die Kontaktperson appellierte an die internationale Gemeinschaft, die Regierung von Präsident Isaias Aferweki aufzurufen, den Weg zur Versöhnung einzuschlagen.

Mädchen aus Eritrea.
Eritrea wird seit 1993 diktatorisch regiert. Eine Verfassung mit Garantie der Religionsfreiheit wurde zwar ausgearbeitet, ist aber bis heute nicht in Kraft getreten. Das Regime erkennt neben dem Katholizismus nur zwei weitere christliche Konfessionen und den sunnitischen Islam an. Christen machen etwa 46 Prozent der Bevölkerung Eritreas aus.

 

Diktatorische Regierung

Immer wieder kommt es zu staatlichen Repressionen gegen die Religionsgemeinschaften. Internationale Beobachter werfen dem Land  Menschenrechtsverletzungen vor, die jährlich Tausende in die Flucht treiben. Im Januar 2018 wurde das Land aufgrund der erheblichen Missachtung der Religionsfreiheit vom US-Außenministerium in die Liste der „besonders gefährdeten Länder“ aufgenommen.

KIRCHE IN NOT Deutschland gibt ein Gebet für Sri Lanka heraus. Es richtet sich an die Gottesmutter Maria, „Königin und Patronin von Sri Lanka“, und bittet um Frieden für das südasiatische Land und „die ganze Menschheitsfamilie“.

Der Text wurde dem Hilfswerk von Pater Malaka Leonard Fernando übermittelt. Er leitet die Vizeprovinz des Dritten Ordens der Franziskaner „Unsere Liebe Frau von Lanka“.

Sein Kloster ist nur wenige hundert Meter von der Kirche Sankt Sebastian in Negombo-Katuwapitiya entfernt, einem der Schauplätze der Bombenattentate vom Ostersonntag.

Plakate vor der Kirche St. Sebastian in Negombo erinnern an die Opfer der Bombenanschläge.
Bei zeitgleichen Anschlägen auf zwei weitere Kirchen und drei Hotels wurden nach Polizeiangaben mindestens 250 Menschen getötet und rund 500 verletzt. Die Regierung Sri Lankas macht eine lokale islamistische Gruppe für die Anschläge verantwortlich.

 

War es der „Islamische Staat“?

Auch der „Islamische Staat“ hat die Taten für sich reklamiert. Aufsehen erregte, dass die Anschlagspläne den Geheimdiensten möglicherweise bekannt waren. Ermittlungen laufen, ob es dort Hintermänner der Islamisten geben könnte.

„Mit den Bombenanschlägen wurden unsere Hoffnungen auf einen dauerhaften inneren Frieden in Sri Lanka zunichtegemacht“, teilte Pater Fernando KIRCHE IN NOT mit. Das Land war bis 1999 Schauplatz eines Bürgerkriegs. In den vergangenen Jahren schien die Lage stabil.

Titelbild des Gebetsblattes „Gebet für Sri Lanka“.
Dennoch brachten Kirchenvertreter trotz der Taten ihre Entschlossenheit zum Ausdruck, sich für die Einheit des Landes einzusetzen. „Lassen Sie uns alle notwendigen Maßnahmen ergreifen, um Gewalt zu vermeiden und friedlich zu leben“, erklärte Fernando. Dazu gehöre auch das Gebet.

 

In den Kirchen seiner Gemeinschaft werde jeden Tag ein Gebet zu Unserer Lieben Frau von Lanka gebetet. Das gab er an die Wohltäter von KIRCHE IN NOT weiter. „Wir kommen dem Aufruf unserer Brüder und Schwestern in Sri Lanka gerne nach und wollen deshalb dieses Gebet öffentlich bekannt machen“, erklärte der Geschäftsführer von KIRCHE IN NOT Deutschland, Florian Ripka.

Gebet als geistliche Form der Unterstützung

Das Hilfswerk stehe seit den Jahren des Bürgerkriegs den Christen in Sri Lankas tatkräftig bei, zum Beispiel beim Wiederaufbau zerstörter Kirchen oder der kirchlichen Bildungsarbeit. Das gehe jetzt intensiv weiter.

„Neben der Hilfe ist unser Gebet eine geistliche Form der Unterstützung, die unsere Partner sehr schätzen. Für die Öffentlichkeit sind die Massaker vom Ostersonntag schon wieder weit weg. Für die Christen in Sri Lanka sind sie noch immer verängstigende Realität. Sie brauchen jetzt unsere Solidarität“, erklärte Ripka.

Hier können Sie das Gebetsblatt bestellen

Das Gebetsblatt für Sri Lanka im Format DIN A7 passt in jedes Gotteslob und eignet sich für das private Gebet ebenso wie für Andachten oder Fürbitten in der Gemeinde. KIRCHE IN NOT stellt das Gebetsblatt kostenlos zur Verfügung; es werden ausschließlich die Versandkosten fällig.

 

Die Gebetsblatt können Sie online bestellen oder bei:
KIRCHE IN NOT
Lorenzonistr. 62
81545 München

Telefon: 089 / 64 24 888 0
Fax: 089 / 64 24 888 50

E-Mail: kontakt@kirche-in-not.de

Zu den aktuellen Pressemeldungen, wonach die vom Vorwurf der Blasphemie freigesprochene pakistanische Katholikin Asia Bibi ihr Heimatland verlassen hat, erklärt Florian Ripka, Geschäftsführer von KIRCHE IN NOT Deutschland:

 

„Wir sind heute Morgen mit der hoffnungsvollen Nachricht aufgewacht, dass Asia Bibi nach monatelangem Tauziehen Pakistan verlassen hat.

Das hat lokalen Medienangaben zufolge jetzt auch das pakistanische Außenministerium bekanntgegeben. Die endgültige Bestätigung, dass sie sicher in Kanada angekommen ist, steht noch aus und bleibt abzuwarten.

Ehemann und Tochter von Asia Bibi.
KIRCHE IN NOT freut sich sehr darüber, dass Asia Bibi nun voraussichtlich endlich in Freiheit leben kann. In Pakistan war das durch die islamistischen Bedrohungen gegen sie und ihre Familie nicht möglich. Die Ausreise ist der Erfolg eines jahrelangen Einsatzes verschiedener Fürsprecher in zahlreichen Ländern, darunter auch KIRCHE IN NOT.

 

Ausreise ist der Erfolg eines jahrelangen Einsatzes

Wir wünschen Asia Bibi und ihrer Familie, dass sie jetzt endlich in Ruhe und ohne Nachstellungen durch religiöse Extremisten leben kann. Sie wird nach wie vor den Schutz der Sicherheitsbehörden brauchen. Dass es vom Freispruch bis zur Ausreise über ein halbes Jahr gedauert hat, zeigt: Der Einsatz für Religionsfreiheit ist schwer.

KIRCHE IN NOT vergisst deshalb über die Freude des heutigen Tages auch die zahlreichen weiteren Christen und Angehörigen anderer Religionen nicht, die in Pakistan wegen angeblicher Blasphemie angeklagt und inhaftiert sind oder denen im Alltag das Leben schwer gemacht wird. Ihnen wie den bedrängten Christen weltweit gelten unser Einsatz, unsere volle Aufmerksamkeit und unser Gebet.“

Asia Bibi (Foto: British Pakistani Christian Association).
Die Katholikin Asia Bibi war 2009 wegen angeblicher Beleidigung des Propheten Mohammed festgenommen, der Blasphemie angeklagt und zum Tode verurteilt worden. Acht Jahre verbrachte sie in der Todeszelle, bevor das höchste pakistanische Gericht sie in einer Revisionsverhandlung freisprach.

 

Daraufhin brachen in einigen Städten Pakistans gewalttätige Proteste extremistischer Muslime aus. Die Regierung sicherte daraufhin zu, eine nochmalige Revision des Urteils zu prüfen. Dies wurde jedoch gerichtlich abgelehnt. Auch die Ausreise Asia Bibis war wiederholt verzögert worden.

KIRCHE IN NOT trauert mit seinen Projektpartnern um die Todesopfer von zwei Gewaltakten: Am 12. Mai wurden bei einem Angriff auf die katholische Kirche in Dablo im Norden von Burkina Faso sechs Menschen getötet. Im nordsyrischen Ort Al-Sekelbiya kamen am selben Tag beim Raketenbeschuss einen griechisch-orthodoxen Unterrichtsklasse vier Kinder und eine Katechetin ums Leben.

 

Unter den sechs Getöteten beim terroristischen Angriff in Burkina Faso befindet sich auch der 34-jährige Priester Simeon Yampa, der gerade die heilige Messe feierte. KIRCHE IN NOT steht in engem Kontakt mit der Gemeinde von Dablo. 2013 hatte das Hilfswerk den Bau des dortigen Pfarrhauses und Gemeindezentrums unterstützt.

Lokale Ansprechpartner gaben gegenüber KIRCHE IN NOT an, dass die Angreifer die Kapelle betraten, als gerade das „Gloria“ zu Beginn der heiligen Messe gesungen wurde. Sie eröffneten sofort das Feuer. Fünf Menschen starben im Kugelhagel. Auch der Tabernakel wurde dreimal getroffen.

Särge mit den Opfern des Angriffes auf eine Kirche in Burkina Faso.
Simeon Yampa wollte die Messdiener in der Sakristei in Sicherheit bringen. Dort entdeckten ihn die Angreifer und erschossen ihn. Die überlebenden Gottesdienstbesucher wurden aufgefordert, Umhänge-Kreuze und liturgische Gegenstände vor dem Altar abzulegen. Den örtlichen Quellen zufolge hätten die Angreifer damit gedroht, wiederzukommen. Sollten bis dahin nicht alle Frauen verschleiert sein, würden sie getötet. Anschließend ließen die Terroristen die rund 120 Gottesdienstbesucher gehen und steckten die Kirche in Brand, ebenso ein Fahrzeug vor der Kirche und vor einem Gesundheitszentrum.

 

Christen im Visier der Islamisten

In Burkina Faso sind rund ein Viertel der rund 19 Millionen Einwohner christlichen Glaubens, ebenfalls ein Viertel folgt der Natur-Religion des Animismus. Die Bevölkerungsmehrheit ist muslimisch. Bislang galt das Zusammenleben der Religionen in dem Land als harmonisch. Über die Nachbarländer Mali und Niger gelangten islamistische Terrorgruppen ins Land. Sie verüben seit einigen Jahren Anschläge auf alle Bevölkerungsgruppen.

Nun scheinen vermehrt Christen im Visier der Islamisten zu stehen: So wurden seit Beginn des Jahres neben Simeon Yampa bereits zwei weitere Geistliche getötet, so zum Beispiel Ende April der Pastor einer protestantischen Gemeinde im Norden des Landes zusammen mit seinen beiden Söhnen und drei weiteren Gläubigen. Ein spanischstämmiger Salesianer-Missionar kam Mitte Februar bei einer Attacke auf eine Zollstation ums Leben. Ein weiterer katholischer Priester wurde an der Grenze zu Mali verschleppt; sein weiteres Schicksal ist unbekannt.

Trauer und Entsetzen bei der Beisetzung der Opfer eines Anschlags auf eine Kirche am 12. Mai in Burkina Faso.
„Dass wir nur drei Wochen nach den Oster-Anschlägen auf Sri Lanka schon wieder die Opfer eines Terroranschlages beklagen müssen, erfüllt uns mit tiefem Schmerz“, erklärte der Geschäftsführer von KIRCHE IN NOT Deutschland, Florian Ripka.

 

„Es sind nicht nur politische oder wirtschaftliche Faktoren, die Christen zur Zielscheibe des Hasses und der Gewalt machen. Der Terror richtet sich immer gezielter gegen den Glauben und das pastorale Wirken der Kirche. Es ist höchste Zeit, beim ,Kampf gegen den Terror‛ auch diese Perspektive miteinzubeziehen.“

Christen als Zielscheibe des Hasses und der Gewalt

Ebenfalls am 12. Mai erreichte KIRCHE IN NOT die Nachricht, dass am Sonntagmorgen im nordsyrischen Ort Al-Sekelbiya nahe der Stadt Hama vier Kinder und eine Katechetin der griechisch-orthodoxen Gemeinde durch eine Rakete getötet wurden. Die Kinder im Alter zwischen sechs und zehn Jahren befanden sich gerade im Religionsunterricht.

Zahlreiche weitere Kinder wurden teilweise schwer verletzt. Die Hintergründe der Attacke sind bislang unklar. Offen ist auch, ob es sich um einen gezielten Beschuss handelt. Die Regionen Hama und Idlib sind aktuell Schauplatz einer erbitterten militärischen Offensive im Syrienkrieg. Lokale Kirchenvertreter bezeichneten die getöteten Kinder und die Katechetin als „Märtyrer“.

Trauer in Syrien: Angehörige der Opfer des Angriffs auf die griechisch-orthodoxe Gemeinde.
„Auch wenn die Umstände viele Fragen offen lassen, zeigt dieser Tod der unschuldigen Kinder einmal mehr: Dieser Krieg kennt keine Gewinner“, erklärte Ripka. „Die Menschen in Syrien leiden unermesslich. Die christliche Minderheit hat zudem viel zu wenige politische Fürsprecher, weder national noch international. Den Angehörigen, die ohnehin schon alles verloren haben, wurde jetzt auch noch das Liebste genommen – wie so vielen Familien in diesem brutalen Krieg.“

 

Mit beiden Schauplätzen – in Syrien wie in Burkina Faso – verbinde KIRCHE IN NOT eine intensive Beziehung der Hilfe und des Gebetes. „So unterschiedlich beide Ereignisse auch sind: Der 12. Mai war wieder ein blutiger Sonntag für die Christen. Dass es nach lateinischer Tradition der ,Sonntag des Guten Hirten‛ war, kann den Angehörigen in allem Schmerz ein Zeichen der Hoffnung sein: Der gute Hirte kennt die Seinen. Er wird seine Herde nicht verlassen, weder in Burkina Faso und Syrien noch in vielen Ländern der Welt, in denen Christen in Bedrängnis sind.“

Ägyptens Christen kommen nicht zur Ruhe. Trotz einer vorsichtigen politischen Entspannung sind Übergriffe und Entführungen keine Seltenheit.

So auch im Fall des 55-jährigen koptischen Christen Adeeb Nakhla. Er wurde im Januar auf der nördlichen Sinai-Halbinsel verschleppt. Seitdem gibt es von ihm kein Lebenszeichen.

Ein Verwandter Nakhlas, der aus Sicherheitsgründen anonym bleiben möchte, erzählte KIRCHE IN NOT seine Geschichte.

Verkohltes Kreuz in der koptischen Kathedrale in Luxor.
Am 17. Januar brach Nakhla von seinem derzeitigen Wohnort Ismailia, 130 Kilometer nordöstlich von Kairo, zu einem Verwandtenbesuch auf. Mit einer Reisegruppe wollte er nach Al-Arisch, einem Küstenort unweit der Grenze zu Israel.

 

Islamistische Milizen stoppten den Bus. Sie ließen sich die Pässe zeigen – auf ihnen ist auch die Religionszugehörigkeit vermerkt. Als sie feststellen, dass Nakhla koptischer Christ ist, zwangen sie ihn, aus dem Fahrzeug auszusteigen und mitzukommen. Danach verliert sich seine Spur.

Ein Gläubiger zündet Kerzen in einer koptischen Kirche in Kairo an.
Nakhla war wie dutzende christliche Familien 2017 aus Al-Arisch geflohen. Sie hatten Morddrohungen erhalten. Wer blieb, wurde umgebracht. „Wir haben Al-Arisch verlassen, nachdem die Terroristen bereits sieben christliche Nachbarn getötet hatten“, erzählt der Verwandte von Nakhla.

 

Unter den Opfern hätten sich auch Vater und Sohn einer Familie befunden. Die Terroristen töteten sie und zündeten anschließend das Wohnhaus an. „Die Ehefrau und Mutter der beiden Männer wurde gezwungen, dabei zuzusehen. Sie ist schwer traumatisiert.“

- Verwandter von Adeeb, der aus Sicherheitsgründen anonym bleiben muss
Die christlichen Familien fanden Zuflucht in Ismailia. Nach gut einem Jahr kehrten die meisten Vertrieben in ihre Heimat zurück, schließlich hatten sie Arbeitsstellen und Besitz zurückgelassen. „In Ismailia hatten wir keine Arbeit. Wir lebten von der Unterstützung der Kirche“, erzählt der anonyme Gesprächspartner.

 

In ihrer Heimat Al-Arisch habe sich die Sicherheitslage mittlerweile etwas gebessert. „Dank des energischen Vorgehens der ägyptischen Armee fühlen wir uns sicherer. Auf den Fernstraßen ist es jedoch noch immer gefährlich.“

Viele koptische Christen in Ägypten haben sich ein Kreuz tätowieren lassen.
Das wurde auch Adeeb Nakhla zum Verhängnis. Er war nicht mit seiner Familie in die Heimat zurückgekehrt, da er als einer der wenigen in Ismailia Arbeit gefunden hatte. Regelmäßig besuchte er seine Angehörigen – bis zu jenem verhängnisvollen Tag Mitte Januar.

 

Sein Verwandter berichtet: „Laut dem Fahrer des Kleinbusses seien die Milizen wie IS-Kämpfer gekleidet gewesen. Unsere größte Angst ist, dass Adeeb misshandelt und getötet worden ist, wie es mit vielen anderen Kopten passiert ist.“

Helfen Sie den Christen in Ägypten

Helfen Sie den Christen in Ägypten

In Ägypten sind rund acht Prozent der gut 93 Millionen Einwohner Christen. Die meisten von ihnen gehören der koptisch-orthodoxen Kirche an. KIRCHE IN NOT fördert in Ägypten unter anderem das Leben christlicher Gemeinden, Ferienfreizeiten für Jugendliche und die religiöse Bildung.

 

Auch unterstützt unser Hilfswerk den oft schwierigen Bau und Unterhalt kirchlicher Gebäude oder finanziert Fahrzeuge, damit Pfarrangehörige und Seelsorger in weit voneinander entfernte Gebiete gelangen können.

 

Um weiterhin helfen zu können, bittet KIRCHE IN NOT um Spenden – entweder online oder auf folgendes Konto:
Empfänger: KIRCHE IN NOT
LIGA Bank München

IBAN: DE63 7509 0300 0002 1520 02
BIC: GENODEF1M05

Verwendungszweck: Ägypten

Die Religionsfreiheit als Menschenrecht und seine Verletzungen standen im Mittelpunkt eines Informationsabends, zu dem KIRCHE IN NOT in die internationale Zentrale nach Königstein im Taunus eingeladen hatte. Zu Gast waren der Leiter des Friedenszentrums in Lahore in Pakistan, Pater James Channan OP, und der Vorsitzende des Zentralrats Orientalischer Christen in Deutschland (ZOCD), Simon Jacob.
Der Experte für Religionsfreiheit und Menschenrechte bei KIRCHE IN NOT Deutschland, Berthold Pelster, bei einem Vortrag während der Veranstaltung.
Pater James Channan (2. von links) bei seinem Plädoyer für den interreligiösen Dialog. Mit im Bild Simon Jacob (2. v. r.), der Moderator des Gesprächs, Tobias Lehner von KIRCHE IN NOT Deutschland (rechts) und die Dolmetscherin des Abends.

Channan dankte unserem Hilfswerk für den Einsatz für die pakistanische Christin Asia Bibi, die nach ihrer Verurteilung zu einer Gefängnisstrafe und später zum Tod im November 2018 vom Vorwurf der Gotteslästerung freigesprochen wurde.
„Es wurde in der pakistanischen Presse immer wieder berichtet, wie KIRCHE IN NOT Asia Bibi unterstützt. Wortmeldungen wie diese beeindrucken unsere Regierung. Sie weiß, dass sie das Problem der Verfolgung von Christen lösen muss“, sagte der Dominikanerpater. Im islamisch geprägten Pakistan stellen Blasphemiegesetze Beleidigungen des Propheten Mohammed unter schwere Strafen bis hin zur Hinrichtung. Diese Gesetze werden häufig missbraucht, um sich unliebsamer Personen mit falschen Anschuldigungen zu entledigen. Neben Asia Bibi sind 187 Christen davon betroffen.

Arbeiten eng zusammen: Der muslimische Imam Kobine Layama und Erzbischof Dieudonné Kardinal Nzapalainga.
Die wegen Gotteslästerung zum Tode verurteilte pakistanische Katholikin Asia Bibi (Foto: British Pakistani Christian Association).
Blasphemiegesetze betreffen nicht nur Christen

Wenn ein Gemeindemitglied ungerecht verurteilt wird, führt dies dazu, dass sich ganze christliche Gemeinden verfolgt fühlen. Die Blasphemiegesetze treffen aber nicht nur Christen. Derzeit sitzen 633 Muslime und 21 Hindus wegen angeblicher Gotteslästerung im Gefängnis. Simon Jacob berichtete von seinen Erfahrungen, die er bei vielen Reisen in den Nahen Osten gesammelt hat: „Die meisten Menschen im Nahen Osten sehnen sich danach, ihre Religion frei ausüben zu können und frei wählen zu dürfen.“ Diese Freiheit werde aber vielerorts von einer extremistischen Minderheit massiv unterdrückt.
Jacob hält die Einführung der Scharia als Rechtsnorm einer Gesellschaft für problematisch. „Die Scharia mit ihren harten Strafmaßnahmen wie Handabhacken, Enthauptung oder Steinigung verbreitet in der Bevölkerung Angst und Schrecken. So wird die Freiheit der Gesellschaft ausgehebelt“, warnte Jacob.

„Oft eine Frage von Leben und Tod”

Außerdem widerspreche die Scharia elementaren Grundrechten wie der Gleichheit von Mann und Frau oder der Meinungs- und Pressefreiheit. Inzwischen seien vor allem junge Menschen in Ägypten und Syrien, im Libanon, Irak und Iran von der westlichen Idee der Menschenrechte inspiriert. Europa sei in dieser Hinsicht ihr Vorbild. Der Menschenrechtsexperte von KIRCHE IN NOT Deutschland, Berthold Pelster, wies in einem Vortrag darauf hin, dass Religionsfreiheit in einigen Ländern der Erde mehr als nur ein Konzept sei, sondern eine Frage von Leben und Tod.
Als Beispiel führte er die Zentralafrikanische Republik an. In dem Land kämpfen seit fünf Jahren Rebellengruppen um Macht und Rohstoffe. „In diesem Bürgerkrieg mit mehreren Tausend Todesopfern wird die Religion missbraucht, um die Kämpfer gegen die ,Feinde des Glaubens‘ aufzuhetzen“, berichtete Pelster.

„Interreligiöser Dialog kann Blutvergießen verhindern”

Wenn aber religiöse Führer miteinander in den Dialog treten, können sie viel Blutvergießen und Vertreibungen verhindern. Als Beispiel nannte Pelster Dieudonné Kardinal Nzapalainga, der als Erzbischof der Erzdiözese Bangui in der Zentralafrikanischen Republik das Gespräch mit der muslimischen Gemeinschaft sucht.

Liebe Freunde!
Es sind jetzt ungefähr die Tage, in denen Kaiser Augustus beschließt, die Volkszählung durchzuführen. Immer häufiger stehen der Ochs und der Esel sinnend an der Tränke. Das Stroh knistert ungeduldig. Die Hirten schnitzen ihre Flöten zurecht, und im Himmel üben die Chöre der Engel das „Gloria in excelsis deo“. Der Wirt in Bethlehem macht sein Herz noch härter als es schon war, und der Centurio des Herodes grinst blutrünstig, wenn er, ein Auge zugekniffen, der Schneide des Schwertes entlangguckt, das bald den Kindermord vollziehen soll …

Wie steht es aber um euch? Wisst ihr eigentlich, wie oft Weihnachten euch noch geschenkt wird als Gelegenheit, um mit Tränen der Reue alles abzuwaschen, was von der Welt und ihrem Schmutz an euch kleben blieb? Um die Krippe eures Herzens unbarmherzig sauber zu schrubben, so dass das gute alte Holz wieder sichtbar wird, aus dem Vater und Mutter und die Kirche euch zurechtzimmerten?
Krippe in der syrisch-katholischen Kirche in Aleppo (Syrien).
Weihnachtsbaum vor der Geburtskirche in Bethlehem.
Befällt uns nie der heiligende Zweifel?

Das Licht wächst an. Die Propheten stehen, den Oberkörper gestreckt, die Arme weit geöffnet, und unaufhörlich steigt das „Rorate Coeli“ flehend zum Himmel, der verschlossen und dunkel über unseren Häuptern hängt. Gleich wird das Gewölk aufbrechen. Wie Honig wird die Süße heruntertropfen. Der Tau wird glitzern, und in dem neuen Licht wird der Erlöser herabsteigen. Sind wir dessen nicht allzu sicher? Befällt uns nie der heiligende Zweifel, dass Gott dieses Mal hinter der Finsternis verborgen bleiben könnte?
Stehen wir auch in unserem Herzen gestreckt? Flehen wir wirklich um Erbarmen, flach auf der Erde liegend, in der Finsternis, im Dunkel, das nur durch Gottes Licht erleuchtet werden kann?
Im Kirchenjahr ist alles so dicht zusammengedrängt. In wenigen Monaten, in der zerstiebenden Zeit von Weihnachten bis Ostern, gedenken wir der 33-jährigen größten Weltrevolution aller Zeiten, dieser wesentlichen Änderung unseres Geschickes durch den Werdegang des lieblichen Kindes von Bethlehem zum schrecklichen Zeichen des Widerspruches.

„Menschen interessieren sich mehr für ein Fußballspiel”

Millionen interessieren sich für diese alles bestimmende Verwandlung weniger als für ein Fußballspiel im Fernsehen … Und doch kommt auch für sie einmal der Herr, kommt der Tag, an dem der Menschensohn sie richten wird …
Darum ist das rührende „Stille Nacht“ durch seine Einseitigkeit ein wenig unzutreffend. Denn die allererste Weihnacht war die dramatischste Nacht der Weltgeschichte.
In dieser Nacht erschütterte Gottes Sturmbock die Burg der Bosheit so heftig, dass der Urfeind sofort seine ganze Streitmacht mobilisierte und mit unbekannter Erbitterung den Kampf gegen das Kind aufnahm.

Darstellung der Heiligen Familie auf einem Gemälde in Katar.
Pater Werenfried van Straaten an seinem Schreibtisch.
„Dramatischste Nacht der Weltgeschichte”

Es ist nicht gut, diesen kämpferischen Charakter der Heiligen Nacht zu vertuschen und wegen der Festfreude den Abgrund zwischen Christus und Herodes zu überbrücken. Deswegen beginnt die Christmette mit der grandiosen Beschreibung des Kampfes zwischen dem Messias und den Mächten der Finsternis.
So heißt es in Psalm 2: „Warum toben die Heiden? Was schmieden die Völker nichtige Pläne? … Der im Himmel wohnt, er lacht, ihrer spottet der Herr. Einmal aber spricht er zu ihnen im Zorn, schrecklich herrscht er in seinem Grimm sie an: Ich selber habe meinen König bestellt.“
Und Christus selbst kündigt den Ratschluss Jahwes: „Er sprach zu mir: Mein Sohn bist du … Verlange von mir, und ich will zum Erbe dir geben die Völker … Du magst sie zerbrechen mit eisernem Zepter, wie irdene Krüge zerschlagen.“
Dieser gewaltige Christus, dem alle Macht gegeben ist im Himmel und auf Erden, ist der Erlöser, auf den auch jetzt noch unzählige Opfer der Gewalt und des Unrechtes warten. Mit Nachdruck verkündet die Kirche am Vorabend des Festes die gute Nachricht: „Morgen wird das Unrecht von der Erde weggefegt.“

„Er kommt, wenn wir bereit sind, ihn aufzunehmen”

Wird Christus wirklich kommen? Ja, er kommt mit seiner Gnade, um stärker in uns zu leben. Er kommt, wenn wir bereit sind, ihn aufzunehmen und mit seiner Gnade mitzuwirken. Dann, aber nur dann, werden wir die Türe sein, durch die er in die Welt eintritt. Nur dann können wir ihm die Gestalt leihen, in der er selbst sichtbar wird.
Im Advent hören wir auch das Wort des heiligen Paulus (Phil 4,4): „Freut euch im Herrn allezeit. Noch einmal will ich es sagen: Freut euch! Euer gütiges Wesen sollen alle Menschen erfahren, der Herr ist nahe. Und der Friede Gottes, der alles Begreifen übersteigt, wird eure Herzen und Gedanken in Christus Jesus behüten.“

Freut euch im Herrn allezeit

Wie oft hat der Verfasser dieses Briefes dagegen gesündigt! Wie oft saß er in der Finsternis, und wie oft hat er dadurch vielleicht Menschen ins Dunkle starren lassen, wo die höllischen Gestalten der Angst und Mutlosigkeit aufsteigen. Verzeiht ihm.
Heute will er sich mit euch an den Worten „freut euch!“ satt sehen und satt trinken. Heute will er nur daran denken, dass es nur eine kurze Zeitspanne dauert, einen Augenblick, und dass der Herr bald kommt.

Der Herr, der seinen Frieden mit sich bringt, einen Frieden, der uns im lobenswerten Namen Jesu Christi bewahren wird.
So lasst uns die Augen schließen vor den Dingen, die groß scheinen und klein sind, vor den Dingen, die ausschlaggebend scheinen, aber wie Spreu im Wind vergehen. Und lasst uns die Liebe üben wie die Millionen Wohltäter, die ein halbes Jahrhundert lang der Kirche in Not geholfen haben. Und lasst uns bereit sein, die kleinen, die großen und die sehr großen Opfer zu bringen, ohne die unser Werk nicht überleben kann – um tief gebeugt das Heil Gottes zu erwarten, dass bald über unser sündiges Haupt regnen wird.

Krippe in Armenien.
„Weihnachten ist das Fest des Heimwehs nach unserem besseren Ich, nach dem Himmel, den wir vergeblich hier auf Erden suchen, und nach der Sorglosigkeit, die es nur im Himmel gibt.“

Das schrieb einmal Pater Werenfried van Straaten, der Gründer von KIRCHE IN NOT. Dieses „Heimweh“ wird besonders sichtbar in den Ländern, in denen Christen in Not und Bedrängnis leben. KIRCHE IN NOT begegnet bei der Projektarbeit in 149 Ländern der Welt Zeugnissen des Leids, aber auch großer Zuversicht, die aus der Kraft des Glaubens kommt. Wie sie auch unter widrigen Umständen Weihnachten feiern und welche Hoffnungen die Botschaft von der Geburt Christi in ihnen weckt, davon geben drei Personen aus Projektländern von KIRCHE IN NOT Auskunft.

Ukraine

Den Krieg für kurze Zeit vergessen

Weihnachten im Krieg, mitten in Europa: Die Kämpfe im Osten der Ukraine dauern schon fünf Jahre an. Neue Eskalationen, wie das aktuelle Ringen zwischen der Ukraine und Russland um die Oberhoheit im Asowschen Meer, erregen öffentliches Interesse. Die quälenden Monate des Krieges dazwischen tun es nicht.

„Dabei sterben hier jeden Tag Menschen. Ich habe so viele Menschen sterben sehen“, erzählt Volodymyr Zavadsky gegenüber KIRCHE IN NOT. Der 42-Jährige ist seit 2016 als ehrenamtlicher Helfer des „Christlichen Rettungsdienstes“ in der Hafenstadt Mariupol tätig. Ein Jahr lang lebte er als ziviler Helfer mit den Soldaten direkt an der Front. Den Rosenkranz trägt er seither offen an der militärischen Schutzkleidung: „Das Gebet ist mein Halt.“ Jetzt organisiert er zusammen mit einem Team von Priestern und Ehrenamtlichen Hilfslieferungen in die Kampfzonen. Er veranstaltet Kinderfreizeiten, Katechesen, Andachten, besucht alte und kranke Menschen und wirkt als Seelsorger für Soldaten und Zivilbevölkerung.


„Ihre Kindheit geht im Lärm der Granaten unter”

Sein ganzer Stolz ist ein Zentrum für 65 Kinder, das seine Organisation als Ersatz für die geschlossenen Schulen aufgebaut hat. „Ihre Kindheit geht im Lärm der Granaten unter. Sie müssen sich oft in Kellern verstecken. Viele haben verlernt zu weinen, aber ihre Seele tut es.“ So ist Weihnachten in der Ostukraine auch in diesem Jahr ein Fest ohne Festtagsfreude. „Die Menschen wissen gar nicht mehr, was Feiertage sind. Die Angst ist allgegenwärtig.“[ /P]

Der Angst zum Trotz organisieren Volodymyr und seine Mitstreiter eine Weihnachtsfeier für Kinder und alleinstehende Menschen nahe der Stadt Donezk. „Wir beginnen mit einer heiligen Messe, dann gibt es ein Krippenspiel für die Kinder – und natürlich darf auch ein gemeinsames Essen nicht fehlen“, erzählt Volodymyr. Dann sei der Krieg für ein paar kurze Augenblicke vergessen. „Die Menschen setzen ihre Hoffnung allein auf Gott.“ Eine Hoffnung, die auch dem jungen Helfer Kraft gibt für seine Mission im Kriegsgebiet: „Ich hoffe, dass unser Einsatz eines Tages Früchte der Liebe und des Friedens bringt.“

Darsteller eines Krippenspiels in der Ukraine.

Nigeria

Extraportion Reis als Weihnachtsfreude

„Weihnachten ist eine Zeit der Freude“, fasst Suzanna John (50) zusammen, was angesichts ihres Schicksals unglaublich klingt. Im Norden Nigerias sind die Kämpfer der islamistischen Terror-Einheit Boko Haram zwar weitgehend zurückgedrängt, aber die Folgen sind noch überall sichtbar – vor allem in den Schicksalen der Überlebenden.

So auch bei Suzanna John: 2015 überrannte Boko Haram ihr Heimatdorf. Ihr Mann wurde vor ihren Augen getötet, später auch zwei ihrer Söhne, als sie zu fliehen versuchten. Seit 2009 verloren über 20 000 Menschen durch den Terror ihr Leben, und über 1,8 Millionen wurden heimatlos. Auch Suzanna und ihre drei überlebenden Kinder gehören dazu.
„Zwei Wochen sind wir umhergeirrt, bis wir Maiduguri erreichten“, erzählt sie. An der dortigen Kathedrale St. Patrick fanden sie Aufnahme und werden seither durch das Bistum versorgt. Das Geld dafür stammt von KIRCHE IN NOT.

Lebensunterhalt mit dem Verkauf von Holzkohle

„Von der Kirche haben wir eine Unterkunft bekommen und ein wenig Startkapital, damit ich an der Straße Holzkohle verkaufen kann. So kann ich wenigstens ein bisschen Geld für den Lebensunterhalt meiner Familie verdienen.“ Da das zum Überleben nicht reicht, bekommen sie und ihre Kinder Lebensmittelpakete.

Auf ein bescheidenes Weihnachtsessen richten sich auch Suzannas Pläne in diesen Tagen: „Wenn ich ein bisschen Geld übrig habe, werde ich eine Extraportion Reis kaufen. Das wird unser Festmahl sein.“ Falls nicht, sei das aber auch nicht schlimm: „Wir kommen immer mit dem aus, was wir haben. An Weihnachten ist der geistliche Inhalt wichtiger.“ Deshalb gehen Suzanna und ihre Familie in die Weihnachtsgottesdienste, „so wie wir es jeden Sonntag tun“. Ihre Gebete bei der heiligen Messe richten sich auf das Überleben ihrer Familie, denn die Unsicherheit im Land hält an.

„An Weihnachten ist der geistliche Inhalt wichtiger“

„Meine größte Hoffnung ist, dass wir eines Tages in unser Dorf zurückkehren können“, erzählt Suzanna. „Weihnachten ist das Fest des Friedens, und diesen Frieden brauchen die Menschen im Nordosten von Nigeria mehr denn je.“

Kind vor einer Krippe in Nigeria.
Diese Kirche in Nigeria wurde an Weihnachten 2012 von Boko Haram zerstört.

Syrien

An Weihnachten ein Hauch von Normalität
Jorlette Jose Krer (12) aus Aleppo vor dem Weihnachtsbaum.

Jorlette Jose Krer ist erst zwölf Jahre alt – hat aber bereits mehr hinter sich als mancher Erwachsener: den Tod des Vaters, eine Auswanderung und über sechs Jahre Kriegserlebnisse. Geboren wurde Jorlette in Venezuela. Doch als ihr Vater mit nur 49 Jahren starb, stand ihre Mutter, eine Syrerin, mittellos und ohne Unterstützung da.

Sie entschied sich 2012 notgedrungen zur Rückkehr in die Heimat, nach Aleppo. Doch dort tobte bereits der Krieg. „Ich konnte nie ohne Begleitung nach draußen oder Freunde treffen. Immer wieder gab es Schüsse und Granatenangriffe“, erzählt Jorlette. Ende 2016 endeten die erbitterten Kämpfe um Aleppo. Umso mehr genießt Jorlette jetzt jeden Hauch von Normalität, besonders an Weihnachten. „Ich gehe mit meiner Mutter und meiner älteren Schwester früh am Morgen in die heilige Messe. Am Nachmittag werde ich mich mit meinen Freundinnen in einem Café in der Innenstadt treffen und eine heiße Schokolade trinken. Ich habe sogar schon Geld dafür gespart“, erzählt sie.

Auf eine Tasse heißen Kakao gespart

Der Gabentisch unter dem Christbaum wird auch in diesem Jahr nur spärlich gedeckt sein. Doch das ist Jorlette nicht so wichtig: „Wir bekommen Hilfe von der Kirche. Dafür bin ich sehr dankbar.“ „Die Kirche” – das sind in Jorlettes Fall Schwester Annie Demerjian und ihre freiwilligen Helfer. KIRCHE IN NOT arbeitet seit vielen Jahren eng mit der Ordensfrau zusammen. Sie versorgt hunderte Familien in Aleppo. Das umfasst Mietbeihilfen, Lebensmittel, Medikamente und Unterstützung für die Stromversorgung.

Nach wie vor sitzen zahlreiche Familien in Aleppo im Dunkeln, denn die Infrastruktur ist weitgehend zerstört, und Stromgeneratoren sind teuer. Licht ins Dunkel gebracht haben die Kinder von Aleppo und anderen Städten Syriens zu Beginn des Advents: Über 50 000 Kinder entzündeten Kerzen, beteten für den Frieden und brachten ihre Zukunftsträume zum Ausdruck. Sogar Papst Franziskus schloss sich der Aktion an, die KIRCHE IN NOT ins Leben gerufen hat.

Beten für den Frieden in Syrien

Auch Jorlette hat mit ihrer Schule daran teilgenommen. Sie hat auch schon eine klare Vorstellung von ihrer Zukunft: „Ich möchte Wissenschaftlerin werden und in einem Labor arbeiten. Ich will die Welt entdecken,“ – eine Welt, in der hoffentlich Frieden herrschen wird.

Kinder zünden in der griechisch-orthodoxen Kathedrale in Homs Kerzen für den Frieden in Syrien an.
„In den vergangenen Jahren konnten wir nicht mehr so feiern wie früher. Es fiel uns schwer, die Wohnung weihnachtlich zu schmücken, während um uns herum Menschen starben“, sagt Majd Jahloum.

Die junge Christin kommt aus Homs. Doch seit sieben Jahren hat sie ihre Heimatstadt nicht mehr gesehen. Sie gehörte zu den ersten Vertriebenen des Syrienkriegs. Auch wenn er nicht mehr täglich die Schlagzeilen prägt, leiden die Menschen weiterhin. Zerstörung, Tod und Trauer sind allgegenwärtig. Viele Familien sind heimatlos geworden – darunter auch zahlreiche Christen.
Weihnachtsbaum in Homs.
Die Frauen der Familie Houdaib in Homs.
Melkitisch-katholische Kathedrale in Homs. Sie wurde während des Krieges zerstört, konnte aber mittlerweile mit Hilfe von KIRCHE IN NOT instand gesetzt werden (Foto: Ismael Martínez Sanchez/KIRCHE IN NOT).
Majd Jahloum (rechts) und weitere ehrenamtliche Helfer vor dem St.-Petrus-Zentrum in Marmarita
Blick in das Tal der Christen im Westen Syriens.

Herberge fanden viele von ihnen im sogenannten „Tal der Christen“ im Westen Syriens, etwa auf halbem Weg zwischen Homs und der Mittelmeerküste. Zu ihnen gehörte auch Majd und ihre Familie. „Als wir hier ankamen, stellten wir fest, dass hier sehr wohl mit Begeisterung Weihnachten gefeiert wird: Die Straßen sind geschmückt und beleuchtet, Weihnachtsbäume werden aufgestellt. So begannen auch wir, die Geburt Jesu wieder zu feiern“, erzählt Majd. Natürlich, fügt sie hinzu, sei Weihnachten nicht mehr so schön wie in der alten Heimat Homs.

Anlaufstelle für viele vertriebene Christen

Gerade an Weihnachten ist das Zentrum St. Petrus der melkitisch-katholischen Kirche in Marmarita, dem größten Ort im „Tal der Christen“, eine Anlaufstelle für viele Vertriebene. Majd hilft dort ehrenamtlich mit, Bedürftige erhalten dort Lebensmittel, Zuschüsse für die Miete – und vor allem ein offenes Ohr.

Zeit für ein Gespräch ist immer und das verändert manchmal sogar die Stimmung, weiß der zuständige Pfarrer von St. Peter, Walid Iskandafy: „Einige Menschen, die seit Jahren kein Weihnachten mehr feiern wollten, lassen sich von der Freude der Einheimischen anstecken.“

Weihnachten – auch in Syrien ein Fest der Familie

Weihnachten sei, wie überall auf der Welt, ein Fest der Familie. Im Nahen Osten umfasst diese jedoch einen großen Verwandtenkreis, auch Nachbarn und Freunde seien willkommen. So fänden auch die Kriegsflüchtlinge Anschluss. „Viele Familien ziehen von Haus zu Haus, schenken einander Süßigkeiten und wünschen einander frohe Weihnachten.“

Dass an Weihnachten die Familie wieder zusammen ist, hat in diesem Jahr für die Houdaibs einen ganz besonders hohen Stellenwert: Sie feiern dieses Jahr zum ersten Mal in ihrem notdürftig renovierten Haus in der Altstadt von Homs. Dort leben die meisten Angehörigen der christlichen Minderheit. Von 2012 bis 2014 konzentrierten sich die erbitterten Kämpfe vor allem auf dieses Viertel. Die Spuren sind noch überall sichtbar, Häuserruinen prägen das Straßenbild.

Weihnachten zwischen Häuserruinen

Doch auch hier findet sich in diesem Jahr bereits erstmals wieder ein „Weihnachtsbaum“, auch wenn er mit den Exemplaren in den Wohnzimmern hierzulande wenig zu tun hat: Es handelt sich um ein mit grünem Stoff bespanntes Drahtgestell, an dessen Spitze ein Stern prangt.

Bei ihnen wird es dieses Jahr noch keinen Weihnachtsbaum geben, erzählt Marwan, der Sohn der Familie Houdaib: „Die Bäume sind wegen der Wirtschaftskrise viel zu teuer.“ Doch das sei verkraftbar, fügt seine Mutter Evon hinzu. Viel wichtiger sei, dass ihr altes Haus bewohnbar und die Familie zusammen ist.

„Wichtig ist, dass die Familie zusammen ist”

„Wir verdanken es KIRCHE IN NOT, dass wir Weihnachten zu Hause sein können.“ Das Geld für die Instandsetzungsarbeiten stammt von KIRCHE IN NOT, das ein Wiederaufbauprogramm für Privathäuser und Kirchen in Homs gestartet hat.

Zu den bereits instandgesetzten Gotteshäusern gehört auch die melkitisch-katholische Kathedrale „Unsere Liebe Frau vom Frieden“. Dort werden die Houdaibs die Christmette besuchen. Erzbischof Jean Abdo Arbach freut sich, wieder viele bekannte Gesichter unter den Messbesuchern zu sehen.

Christmesse in der renovierten Kathedrale

Auch wenn die ersten Bewohner wieder zurückgekehrt seien: die Lage sei sehr schwierig und niemand könne absehen, wie sich der Krieg entwickelt.
Darauf konzentriert sich auch Arbachs Weihnachtswunsch: „Wir beten um Frieden für Syrien. Der Krieg muss enden. Ich wünsche, dass die Menschen aufeinander zugehen. Wenn wir zusammenstehen, wird es Frieden geben.“

Ein Junge aus Aleppo mit Kerze.

Beiträge zu diesem Thema

Aktion für verfolgte Christen im Irak

Aktion für verfolgte Christen im Irak

15.11.2019 aktuelles
Christen zwischen Gehen und Erdulden

Christen zwischen Gehen und Erdulden

07.11.2019 aktuelles
Syrien: Der Anfang vom Ende?

Syrien: Der Anfang vom Ende?

14.10.2019 aktuelles
„Den Leidenden Trost spenden”

„Den Leidenden Trost spenden”

16.09.2019 aktuelles
Flüchtlingsdramen abseits der Medien

Flüchtlingsdramen abseits der Medien

16.09.2019 aktuelles
„Beendet die Gewaltwelle!”

„Beendet die Gewaltwelle!”

05.08.2019 aktuelles
Hoffnung und Tragik eng beieinander

Hoffnung und Tragik eng beieinander

24.07.2019 aktuelles
Gebet für Sri Lanka

Gebet für Sri Lanka

25.06.2019 aktuelles
Sorge um die Familie von Asia Bibi

Sorge um die Familie von Asia Bibi

30.11.2018 aktuelles
Droht ein Völkermord in Nigeria?

Droht ein Völkermord in Nigeria?

29.06.2018 aktuelles
Christen in Damaskus haben Todesangst

Christen in Damaskus haben Todesangst

07.03.2018 aktuelles